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Kraepelin, Emil: Ueber die Beeinflussung einfacher psychischer Vorgänge durch einige Arzneimittel. Jena, 1892.

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eingeklemmte Spiralfeder hält dieselben für gewöhnlich divergent, doch
ist die Ausgiebigkeit dieser Bewegung durch eine regulirbare Hemmung
beschränkt. Nahe den divergenten Enden tragen die Arme eine Contact-
vorrichtung, welche durch das Heraufdrücken des unteren Armes ge-
schlossen wird, sich aber sofort öffnet, sobald beim Nachlass des Druckes
jener Arm durch die Feder wie durch seine eigene Schwere in Diver-
genzstellung gebracht wird. Eine zweite Contactvorrichtung ist derart
angebracht, dass der untere Arm sie an einem beliebigen Punkte seiner
Bewegung nach abwärts schliessen kann. An seiner Spitze trägt end-
lich der untere Arm eine kleine Oeffnung, in welcher sich Holzplätt-
chen befestigen lassen, welche der Lippe als Angriffspunkt für das An-
drücken an den ersten Contact dienen und beim Wechsel der Ver-
suchspersonen ohne Weiteres ausgetauscht werden können. Dieser
kleine Apparat gestattet somit zunächst, durch einen leichten Druck
mit der Unterlippe einen Strom zu schliessen. Sobald dieser Druck
nachlässt, was regelmässig beim Beginn der Sprechbewegung der Fall
ist, wird dieser Strom geöffnet. Dabei haben wir aber die Möglich-
lichkeit, nach einer regulirbaren Excursion des Winkelarms denselben
Strom oder einen andern von Neuem zu schliessen. Für den Zweck
der Reizauslösung liess ich den ersten Contact ausser Spiel, schickte
den Strom vielmehr nur durch den zweiten und setzte das Zeigerwerk
des Chronoskopes durch das Schliessen dieses letzteren in Bewe-
gung. Bei der Anstellung des Versuches drückte ich zunächst
den unteren Arm gegen den oberen und hielt dadurch den zweiten
Contact geöffnet. Mit dem Anfang des Sprechens bewegte sich der
Arm nach abwärts und schloss dadurch sehr bald den Uhrstrom.
Die Zeitmessung begann somit erst um so viel Zeit später, als das
Sprechen, wie die Excursion des Armes nach unten in Anspruch
nahm. Diese Verkürzung der gemessenen Zeiten betrachtete ich als
einen Vortheil, da ja nach meinen früheren Erörterungen das Aus-
sprechen des Wortes erst bis zu einem gewissen Punkte vorgeschritten
sein muss, bis es als psychischer Reiz dienen kann.

Um ein Urtheil über die Grösse dieser Zwischenzeit zu gewinnen,
welche sich zwischen den Beginn des Sprechens und denjenigen der
Zeitmessung einschob, liess ich den Uhrstrom durch beide Contacte
gehen, so dass derselbe nur während der Bewegung des Armes von
einem Contacte zum andern geöffnet blieb. Indem ich nun den oberen
Magneten des Chronoskopes benutzte, konnte ich die Dauer dieser Be-
wegung auf leichte Weise messen. Der zurückgelegte Weg betrug
zwischen je zwei Contactflächen etwa 1,5 mm. Als mittlere Dauer

eingeklemmte Spiralfeder hält dieselben für gewöhnlich divergent, doch
ist die Ausgiebigkeit dieser Bewegung durch eine regulirbare Hemmung
beschränkt. Nahe den divergenten Enden tragen die Arme eine Contact-
vorrichtung, welche durch das Heraufdrücken des unteren Armes ge-
schlossen wird, sich aber sofort öffnet, sobald beim Nachlass des Druckes
jener Arm durch die Feder wie durch seine eigene Schwere in Diver-
genzstellung gebracht wird. Eine zweite Contactvorrichtung ist derart
angebracht, dass der untere Arm sie an einem beliebigen Punkte seiner
Bewegung nach abwärts schliessen kann. An seiner Spitze trägt end-
lich der untere Arm eine kleine Oeffnung, in welcher sich Holzplätt-
chen befestigen lassen, welche der Lippe als Angriffspunkt für das An-
drücken an den ersten Contact dienen und beim Wechsel der Ver-
suchspersonen ohne Weiteres ausgetauscht werden können. Dieser
kleine Apparat gestattet somit zunächst, durch einen leichten Druck
mit der Unterlippe einen Strom zu schliessen. Sobald dieser Druck
nachlässt, was regelmässig beim Beginn der Sprechbewegung der Fall
ist, wird dieser Strom geöffnet. Dabei haben wir aber die Möglich-
lichkeit, nach einer regulirbaren Excursion des Winkelarms denselben
Strom oder einen andern von Neuem zu schliessen. Für den Zweck
der Reizauslösung liess ich den ersten Contact ausser Spiel, schickte
den Strom vielmehr nur durch den zweiten und setzte das Zeigerwerk
des Chronoskopes durch das Schliessen dieses letzteren in Bewe-
gung. Bei der Anstellung des Versuches drückte ich zunächst
den unteren Arm gegen den oberen und hielt dadurch den zweiten
Contact geöffnet. Mit dem Anfang des Sprechens bewegte sich der
Arm nach abwärts und schloss dadurch sehr bald den Uhrstrom.
Die Zeitmessung begann somit erst um so viel Zeit später, als das
Sprechen, wie die Excursion des Armes nach unten in Anspruch
nahm. Diese Verkürzung der gemessenen Zeiten betrachtete ich als
einen Vortheil, da ja nach meinen früheren Erörterungen das Aus-
sprechen des Wortes erst bis zu einem gewissen Punkte vorgeschritten
sein muss, bis es als psychischer Reiz dienen kann.

Um ein Urtheil über die Grösse dieser Zwischenzeit zu gewinnen,
welche sich zwischen den Beginn des Sprechens und denjenigen der
Zeitmessung einschob, liess ich den Uhrstrom durch beide Contacte
gehen, so dass derselbe nur während der Bewegung des Armes von
einem Contacte zum andern geöffnet blieb. Indem ich nun den oberen
Magneten des Chronoskopes benutzte, konnte ich die Dauer dieser Be-
wegung auf leichte Weise messen. Der zurückgelegte Weg betrug
zwischen je zwei Contactflächen etwa 1,5 mm. Als mittlere Dauer

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[18/0034] eingeklemmte Spiralfeder hält dieselben für gewöhnlich divergent, doch ist die Ausgiebigkeit dieser Bewegung durch eine regulirbare Hemmung beschränkt. Nahe den divergenten Enden tragen die Arme eine Contact- vorrichtung, welche durch das Heraufdrücken des unteren Armes ge- schlossen wird, sich aber sofort öffnet, sobald beim Nachlass des Druckes jener Arm durch die Feder wie durch seine eigene Schwere in Diver- genzstellung gebracht wird. Eine zweite Contactvorrichtung ist derart angebracht, dass der untere Arm sie an einem beliebigen Punkte seiner Bewegung nach abwärts schliessen kann. An seiner Spitze trägt end- lich der untere Arm eine kleine Oeffnung, in welcher sich Holzplätt- chen befestigen lassen, welche der Lippe als Angriffspunkt für das An- drücken an den ersten Contact dienen und beim Wechsel der Ver- suchspersonen ohne Weiteres ausgetauscht werden können. Dieser kleine Apparat gestattet somit zunächst, durch einen leichten Druck mit der Unterlippe einen Strom zu schliessen. Sobald dieser Druck nachlässt, was regelmässig beim Beginn der Sprechbewegung der Fall ist, wird dieser Strom geöffnet. Dabei haben wir aber die Möglich- lichkeit, nach einer regulirbaren Excursion des Winkelarms denselben Strom oder einen andern von Neuem zu schliessen. Für den Zweck der Reizauslösung liess ich den ersten Contact ausser Spiel, schickte den Strom vielmehr nur durch den zweiten und setzte das Zeigerwerk des Chronoskopes durch das Schliessen dieses letzteren in Bewe- gung. Bei der Anstellung des Versuches drückte ich zunächst den unteren Arm gegen den oberen und hielt dadurch den zweiten Contact geöffnet. Mit dem Anfang des Sprechens bewegte sich der Arm nach abwärts und schloss dadurch sehr bald den Uhrstrom. Die Zeitmessung begann somit erst um so viel Zeit später, als das Sprechen, wie die Excursion des Armes nach unten in Anspruch nahm. Diese Verkürzung der gemessenen Zeiten betrachtete ich als einen Vortheil, da ja nach meinen früheren Erörterungen das Aus- sprechen des Wortes erst bis zu einem gewissen Punkte vorgeschritten sein muss, bis es als psychischer Reiz dienen kann. Um ein Urtheil über die Grösse dieser Zwischenzeit zu gewinnen, welche sich zwischen den Beginn des Sprechens und denjenigen der Zeitmessung einschob, liess ich den Uhrstrom durch beide Contacte gehen, so dass derselbe nur während der Bewegung des Armes von einem Contacte zum andern geöffnet blieb. Indem ich nun den oberen Magneten des Chronoskopes benutzte, konnte ich die Dauer dieser Be- wegung auf leichte Weise messen. Der zurückgelegte Weg betrug zwischen je zwei Contactflächen etwa 1,5 mm. Als mittlere Dauer

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Zitationshilfe: Kraepelin, Emil: Ueber die Beeinflussung einfacher psychischer Vorgänge durch einige Arzneimittel. Jena, 1892, S. 18. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/kraepelin_arzneimittel_1892/34>, abgerufen am 11.12.2019.