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Kopisch, August: Ein Carnevalsfest auf Ischia. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 5. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. 1–62. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt/Konstanz, 2016.

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Allem, was der weise Don Antonio bestellen hieß; besonders aber waren seine Fruchtfelder unter dem schönen Himmel ein beständiges Grünen, Blühen und Ernten. So viel geschah bei Don Antonio, daß man von Jahr zu Jahr die Gegend nicht mehr wiedererkannte. Die Regenbäche, welche sich im Winter von allen Bergen stürzten, ließ er nicht so wild ins Meer hineintaumeln. Nein, er verschloß sie bald oben in großen Klüften, aus denen er sie erst im Sommer wieder herausließ, die dürren Hänge zu wässern; denn er sagte: So ist die Erde; lassen wir sie dürsten, so läßt sie uns dürsten. Und wo er einen kahlen Felsen sah, sprach der fröhliche Mann vor seinen Leuten: Warte, du fauler Stein, du brätest dahier an der Sonne! Von dir wollen wir bald Wein trinken! Und hieß Terrassen umherbau'n und aufschütten, die er mit Reben umzog immer bis zum obersten Gipfel hinan, so daß man wenige Zeit darnach die allerbesten Trauben lesen konnte, wo vorher der klirrende Felsen war.

Aber, aber, je schattiger es um Don Antonio rings auf allen Klippen wurde, -- je lichter ward es auf seinem eigenen Haupte, und als er eines Tages seiner Gewohnheit nach auf freiem Felde gebetet hatte, hielt ihm sein alter Diener Pietro die Hand, womit er das Käppchen wieder aufsetzen wollte, und sprach, indem er des Herrn Schädel recht eigens betrachtete: Aber mein lieber Don Antonio, wie werdet Ihr kahl!

Ja wohl, du alte Haut, sprach Don Antonio

Allem, was der weise Don Antonio bestellen hieß; besonders aber waren seine Fruchtfelder unter dem schönen Himmel ein beständiges Grünen, Blühen und Ernten. So viel geschah bei Don Antonio, daß man von Jahr zu Jahr die Gegend nicht mehr wiedererkannte. Die Regenbäche, welche sich im Winter von allen Bergen stürzten, ließ er nicht so wild ins Meer hineintaumeln. Nein, er verschloß sie bald oben in großen Klüften, aus denen er sie erst im Sommer wieder herausließ, die dürren Hänge zu wässern; denn er sagte: So ist die Erde; lassen wir sie dürsten, so läßt sie uns dürsten. Und wo er einen kahlen Felsen sah, sprach der fröhliche Mann vor seinen Leuten: Warte, du fauler Stein, du brätest dahier an der Sonne! Von dir wollen wir bald Wein trinken! Und hieß Terrassen umherbau'n und aufschütten, die er mit Reben umzog immer bis zum obersten Gipfel hinan, so daß man wenige Zeit darnach die allerbesten Trauben lesen konnte, wo vorher der klirrende Felsen war.

Aber, aber, je schattiger es um Don Antonio rings auf allen Klippen wurde, — je lichter ward es auf seinem eigenen Haupte, und als er eines Tages seiner Gewohnheit nach auf freiem Felde gebetet hatte, hielt ihm sein alter Diener Pietro die Hand, womit er das Käppchen wieder aufsetzen wollte, und sprach, indem er des Herrn Schädel recht eigens betrachtete: Aber mein lieber Don Antonio, wie werdet Ihr kahl!

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Thomas Weitin: Herausgeber
Digital Humanities Cooperation Konstanz/Darmstadt: Bereitstellung der Texttranskription. (2017-03-15T13:47:01Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
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Zitationshilfe: Kopisch, August: Ein Carnevalsfest auf Ischia. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 5. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. 1–62. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt/Konstanz, 2016, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/kopisch_karnevalfest_1910/10>, abgerufen am 26.04.2019.