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Klüber, Johann Ludwig: Europäisches Völkerrecht. Bd. 1. Stuttgart, 1821.

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I. Th. Die Staaten, überhaupt, u. die europ. insb.
und Rituals, durch die Anerkennung eines ge-
meinschaftlichen geistlichen Oberhauptes der Kir-
che und des von diesem ausgegangenen allgemei-
nen hierarchischen Systems, durch den gemein-
schaftlichen Unfrieden gegen die nichtchristlichen
Staaten, und die in dieser Beziehung dem römisch-
teutschen Kaiser eingeräumte weltliche Oberge-
walt, hauptsächlich in dem Zeitraum der Kreuz-
züge, auch durch die Blutsfreundschaft und Ver-
schwägerung der RegentenFamilien.

a) Vergleichbar mit einer Demokratie. Vergl. Nic. Vogt über
die europäische Republik. Th. I--V. Frankf. 1787--1792.
8. Ebendess. histor. Darstellung des europäischen Völkerbun-
des. Frankf. Th. I. 1808. 8. (Mehr ist nicht erschienen.)
b) Eine Idee, die schon Seneca (de otio sapientis, c. 31.) an-
deutete, einige neuere Schriftsteller aber (Grotius de J. B. et
P., proleg. §. 18. Real, science du gouvernement, T. V, p. 2.),
am meisten und mit Vorliebe Wolff (jure gent. proleg. §. 7.
sqq. et 21.), ausgebildet haben. Dawider s. Günther a. a. O.
I. 151. L. C. Schröder elem. juris naturalis, socialis et gen-
tium, §. 1049.
§. 35.
Fortsetzung.

Ungeachtet der eingetretenen kirchlichen
Trennung, ward jene nähere Theilnahme den-
noch unterhalten und vermehrt, durch allseiti-
ges Aufstreben zu höherer, geistiger und geselli-
ger Cultur, durch vermehrtes Handels- und
FamilienInteresse, durch östere Kriege, durch
fast immerwährende Kriegsrüstung, durch von
Zeit zu Zeit sichtbar gewordene Vergrösserungs-
Absicht einzelner Machthaber, und durch das

I. Th. Die Staaten, überhaupt, u. die europ. insb.
und Rituals, durch die Anerkennung eines ge-
meinschaftlichen geistlichen Oberhauptes der Kir-
che und des von diesem ausgegangenen allgemei-
nen hierarchischen Systems, durch den gemein-
schaftlichen Unfrieden gegen die nichtchristlichen
Staaten, und die in dieser Beziehung dem römisch-
teutschen Kaiser eingeräumte weltliche Oberge-
walt, hauptsächlich in dem Zeitraum der Kreuz-
züge, auch durch die Blutsfreundschaft und Ver-
schwägerung der RegentenFamilien.

a) Vergleichbar mit einer Demokratie. Vergl. Nic. Vogt über
die europäische Republik. Th. I—V. Frankf. 1787—1792.
8. Ebendeſs. histor. Darstellung des europäischen Völkerbun-
des. Frankf. Th. I. 1808. 8. (Mehr ist nicht erschienen.)
b) Eine Idee, die schon Seneca (de otio sapientis, c. 31.) an-
deutete, einige neuere Schriftsteller aber (Grotius de J. B. et
P., proleg. §. 18. Real, science du gouvernement, T. V, p. 2.),
am meisten und mit Vorliebe Wolff (jure gent. proleg. §. 7.
sqq. et 21.), ausgebildet haben. Dawider s. Günther a. a. O.
I. 151. L. C. Schröder elem. juris naturalis, socialis et gen-
tium, §. 1049.
§. 35.
Fortsetzung.

Ungeachtet der eingetretenen kirchlichen
Trennung, ward jene nähere Theilnahme den-
noch unterhalten und vermehrt, durch allseiti-
ges Aufstreben zu höherer, geistiger und geselli-
ger Cultur, durch vermehrtes Handels- und
FamilienInteresse, durch östere Kriege, durch
fast immerwährende Kriegsrüstung, durch von
Zeit zu Zeit sichtbar gewordene Vergrösserungs-
Absicht einzelner Machthaber, und durch das

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[72/0078] I. Th. Die Staaten, überhaupt, u. die europ. insb. und Rituals, durch die Anerkennung eines ge- meinschaftlichen geistlichen Oberhauptes der Kir- che und des von diesem ausgegangenen allgemei- nen hierarchischen Systems, durch den gemein- schaftlichen Unfrieden gegen die nichtchristlichen Staaten, und die in dieser Beziehung dem römisch- teutschen Kaiser eingeräumte weltliche Oberge- walt, hauptsächlich in dem Zeitraum der Kreuz- züge, auch durch die Blutsfreundschaft und Ver- schwägerung der RegentenFamilien. a⁾ Vergleichbar mit einer Demokratie. Vergl. Nic. Vogt über die europäische Republik. Th. I—V. Frankf. 1787—1792. 8. Ebendeſs. histor. Darstellung des europäischen Völkerbun- des. Frankf. Th. I. 1808. 8. (Mehr ist nicht erschienen.) b⁾ Eine Idee, die schon Seneca (de otio sapientis, c. 31.) an- deutete, einige neuere Schriftsteller aber (Grotius de J. B. et P., proleg. §. 18. Real, science du gouvernement, T. V, p. 2.), am meisten und mit Vorliebe Wolff (jure gent. proleg. §. 7. sqq. et 21.), ausgebildet haben. Dawider s. Günther a. a. O. I. 151. L. C. Schröder elem. juris naturalis, socialis et gen- tium, §. 1049. §. 35. Fortsetzung. Ungeachtet der eingetretenen kirchlichen Trennung, ward jene nähere Theilnahme den- noch unterhalten und vermehrt, durch allseiti- ges Aufstreben zu höherer, geistiger und geselli- ger Cultur, durch vermehrtes Handels- und FamilienInteresse, durch östere Kriege, durch fast immerwährende Kriegsrüstung, durch von Zeit zu Zeit sichtbar gewordene Vergrösserungs- Absicht einzelner Machthaber, und durch das

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Zitationshilfe: Klüber, Johann Ludwig: Europäisches Völkerrecht. Bd. 1. Stuttgart, 1821, S. 72. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/klueber_voelkerrecht01_1821/78>, abgerufen am 19.10.2019.