Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Klüber, Johann Ludwig: Europäisches Völkerrecht. Bd. 1. Stuttgart, 1821.

Bild:
<< vorherige Seite

Einleitung. Vorbereitender Theil.
Recht überhaupt. Daher ist das Völkerrecht, auch
das natürliche, ein Theil des öffentlichen Rech-
tes a). Das natürliche Völkerrecht, das Recht der
Einzelnen im Stande der Natur, zweckmäsig an-
gewandt auf das Verhältniss der Staaten unter
sich b), gehört zu dem allgemeinen oder natürlichen
öffentlichen Recht. Das wechselseitige obligato-
rische Verhältniss zwischen dem Staat, als solchem,
und seinen Bürgern, wird bestimmt durch das
Staatsrecht: dasjenige zwischen dem Staat, als
solchem, und einzelnen Menschen ausserhalb
derselben Staatsverbindung, durch das Privat-
recht c
). II) Das Völkerrecht begreift nur Zwang-
rechte unter sich. Es fordert nur Legalität,
nicht Moralität, nicht Schicklichkeit, nicht Klug-
heit, nicht blosse Gebräuche ohne moralische
Nothwendigkeit. Es ist also wesentlich ver-
schieden, von Völker Moral d) (droit interne),
deren Beobachtung ein Staat nur sich selbst schul-
dig ist, von Convenienz (decorum gentium, regles
de convenance), von Staatsklugheit e) (Politik),
von Völkergebrauch (usus gentium, simple usa-
ge); wiewohl diese in dem Völkerrecht nicht sel-
ten erläuternd, immer wissenswerth sind.

a) Das öffentliche Recht theilt sich ab, in Staatsrecht und Völ-
kerrecht. Einige begreifen beides unter dem Namen Staats-
recht, und unterscheiden dann auswärtiges und inneres Staats-
recht; das erste ist Völkerrecht.
b) Dieses hat ihm bei Einigen die Benennung Privat-Völker-
recht verschafft. Crome's und Jaup's Zeitschrift: Germanien,
Bd. II (Giesen 1809. 8.), S. 231 f.

Einleitung. Vorbereitender Theil.
Recht überhaupt. Daher ist das Völkerrecht, auch
das natürliche, ein Theil des öffentlichen Rech-
tes a). Das natürliche Völkerrecht, das Recht der
Einzelnen im Stande der Natur, zweckmäsig an-
gewandt auf das Verhältniſs der Staaten unter
sich b), gehört zu dem allgemeinen oder natürlichen
öffentlichen Recht. Das wechselseitige obligato-
rische Verhältniſs zwischen dem Staat, als solchem,
und seinen Bürgern, wird bestimmt durch das
Staatsrecht: dasjenige zwischen dem Staat, als
solchem, und einzelnen Menschen ausserhalb
derselben Staatsverbindung, durch das Privat-
recht c
). II) Das Völkerrecht begreift nur Zwang-
rechte unter sich. Es fordert nur Legalität,
nicht Moralität, nicht Schicklichkeit, nicht Klug-
heit, nicht blosse Gebräuche ohne moralische
Nothwendigkeit. Es ist also wesentlich ver-
schieden, von Völker Moral d) (droit interne),
deren Beobachtung ein Staat nur sich selbst schul-
dig ist, von Convenienz (decorum gentium, règles
de convenance), von Staatsklugheit e) (Politik),
von Völkergebrauch (usus gentium, simple usa-
ge); wiewohl diese in dem Völkerrecht nicht sel-
ten erläuternd, immer wissenswerth sind.

a) Das öffentliche Recht theilt sich ab, in Staatsrecht und Völ-
kerrecht. Einige begreifen beides unter dem Namen Staats-
recht, und unterscheiden dann auswärtiges und inneres Staats-
recht; das erste ist Völkerrecht.
b) Dieses hat ihm bei Einigen die Benennung Privat-Völker-
recht verschafft. Crome’s und Jaup’s Zeitschrift: Germanien,
Bd. II (Giesen 1809. 8.), S. 231 f.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0024" n="18"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#i">Einleitung. Vorbereitender Theil.</hi></fw><lb/><hi rendition="#i">Recht</hi> überhaupt. Daher ist das Völkerrecht, auch<lb/>
das natürliche, ein Theil des öffentlichen Rech-<lb/>
tes <hi rendition="#i">a</hi>). Das natürliche Völkerrecht, das Recht der<lb/>
Einzelnen im Stande der Natur, zweckmäsig an-<lb/>
gewandt auf das Verhältni&#x017F;s der Staaten unter<lb/>
sich <hi rendition="#i">b</hi>), gehört zu dem allgemeinen oder natürlichen<lb/>
öffentlichen Recht. Das wechselseitige obligato-<lb/>
rische Verhältni&#x017F;s zwischen dem Staat, als solchem,<lb/>
und seinen Bürgern, wird bestimmt durch das<lb/><hi rendition="#i">Staatsrecht:</hi> dasjenige zwischen dem Staat, als<lb/>
solchem, und einzelnen Menschen ausserhalb<lb/>
derselben Staatsverbindung, durch das <hi rendition="#i">Privat-<lb/>
recht c</hi>). II) Das Völkerrecht begreift nur Zwang-<lb/>
rechte unter sich. Es fordert nur Legalität,<lb/>
nicht Moralität, nicht Schicklichkeit, nicht Klug-<lb/>
heit, nicht blosse Gebräuche ohne moralische<lb/>
Nothwendigkeit. Es ist also wesentlich ver-<lb/>
schieden, von <hi rendition="#i">Völker Moral d</hi>) (droit interne),<lb/>
deren Beobachtung ein Staat nur sich selbst schul-<lb/>
dig ist, von <hi rendition="#i">Convenienz</hi> (decorum gentium, règles<lb/>
de convenance), von <hi rendition="#i">Staatsklugheit e</hi>) (Politik),<lb/>
von <hi rendition="#i">Völkergebrauch</hi> (usus gentium, simple usa-<lb/>
ge); wiewohl diese in dem Völkerrecht nicht sel-<lb/>
ten erläuternd, immer wissenswerth sind.</p><lb/>
              <note place="end" n="a)">Das öffentliche Recht theilt sich ab, in Staatsrecht und Völ-<lb/>
kerrecht. Einige begreifen beides unter dem Namen Staats-<lb/>
recht, und unterscheiden dann auswärtiges und inneres Staats-<lb/>
recht; das erste ist Völkerrecht.</note><lb/>
              <note place="end" n="b)">Dieses hat ihm bei Einigen die Benennung <hi rendition="#i">Privat</hi>-Völker-<lb/>
recht verschafft. <hi rendition="#k">Crome</hi>&#x2019;s und <hi rendition="#k">Jaup</hi>&#x2019;s Zeitschrift: Germanien,<lb/>
Bd. II (Giesen 1809. 8.), S. 231 f.</note><lb/>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[18/0024] Einleitung. Vorbereitender Theil. Recht überhaupt. Daher ist das Völkerrecht, auch das natürliche, ein Theil des öffentlichen Rech- tes a). Das natürliche Völkerrecht, das Recht der Einzelnen im Stande der Natur, zweckmäsig an- gewandt auf das Verhältniſs der Staaten unter sich b), gehört zu dem allgemeinen oder natürlichen öffentlichen Recht. Das wechselseitige obligato- rische Verhältniſs zwischen dem Staat, als solchem, und seinen Bürgern, wird bestimmt durch das Staatsrecht: dasjenige zwischen dem Staat, als solchem, und einzelnen Menschen ausserhalb derselben Staatsverbindung, durch das Privat- recht c). II) Das Völkerrecht begreift nur Zwang- rechte unter sich. Es fordert nur Legalität, nicht Moralität, nicht Schicklichkeit, nicht Klug- heit, nicht blosse Gebräuche ohne moralische Nothwendigkeit. Es ist also wesentlich ver- schieden, von Völker Moral d) (droit interne), deren Beobachtung ein Staat nur sich selbst schul- dig ist, von Convenienz (decorum gentium, règles de convenance), von Staatsklugheit e) (Politik), von Völkergebrauch (usus gentium, simple usa- ge); wiewohl diese in dem Völkerrecht nicht sel- ten erläuternd, immer wissenswerth sind. a⁾ Das öffentliche Recht theilt sich ab, in Staatsrecht und Völ- kerrecht. Einige begreifen beides unter dem Namen Staats- recht, und unterscheiden dann auswärtiges und inneres Staats- recht; das erste ist Völkerrecht. b⁾ Dieses hat ihm bei Einigen die Benennung Privat-Völker- recht verschafft. Crome’s und Jaup’s Zeitschrift: Germanien, Bd. II (Giesen 1809. 8.), S. 231 f.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/klueber_voelkerrecht01_1821
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/klueber_voelkerrecht01_1821/24
Zitationshilfe: Klüber, Johann Ludwig: Europäisches Völkerrecht. Bd. 1. Stuttgart, 1821, S. 18. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/klueber_voelkerrecht01_1821/24>, abgerufen am 27.06.2019.