Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Kerl, Bruno: Metallurgische Probirkunst. Leipzig, 1866.

Bild:
<< vorherige Seite
Einleitung.


§. 1. Metallurgische Probirkunst und deren Hülfswissenschaften.Zweck der
Probirkunst.

Die metallurgische Probirkunst oder Dokimasie 1) lehrt
die quantitative Untersuchung von Erzeugnissen des Bergbau- und
Hüttenbetriebes auf diejenigen Bestandtheile, welche als technisch
wichtig im Grossen daraus gewonnen werden. Die Resultate
dieser Untersuchungen benutzt man zur Festsetzung des Werthes
eines Erzes oder Hüttenproductes, zur Erkennung der Reinheit
der ausgebrachten Metalle und ihrer Verbindungen, sowie des
Schmelzverhaltens des Probirgutes überhaupt, zur Controlirung
des Metallausbringens im Grossen u. drgl. m.

Eine dokimastische Probe ist um so vorzüglicher, ein je
vollständigeres Ausbringen reiner Metalle sie gestattet, je mehr
Proben in kürzester Zeit selbst bei beschränkten Kenntnissen
des Ausführenden sich anstellen lassen und je allgemeiner sie
bei der verschiedensten Beschaffenheit der Probesubstanz an-
wendbar ist, ohne dass die ungefähre Zusammensetzung derselben
vorher bekannt sein muss.

Der Probirer bedient sich bei seinen Arbeiten, wenn esTrockne
Proben.

irgend angeht, des einfacheren und rascher zum Ziele führenden
trocknen Weges und sucht dann nicht selten bei der Aus-
scheidung der nutzbaren Stoffe die dafür im Grossen ange-
wandten oder anzuwendenden hüttenmännischen Operationen im

1) Von dokimazein, erproben. Während deutsche Metallurgen das Wort
Dokimasie in der Bedeutung von Probirkunst gebrauchen, so hat man
in Frankreich für letztere den Namen l'art de l'essayeur und giebt der Do-
kimasie die weitergehende Bedeutung der gesammten technischen, namentlich
aber der für Berg- und Hüttenleute interessanten Mineralanalyse, wofür die
neuerdings erschienene Dokimasie von Rivot ein Beleg ist.
Kerl, Probirkunst. 1
Einleitung.


§. 1. Metallurgische Probirkunst und deren Hülfswissenschaften.Zweck der
Probirkunst.

Die metallurgische Probirkunst oder Dokimasie 1) lehrt
die quantitative Untersuchung von Erzeugnissen des Bergbau- und
Hüttenbetriebes auf diejenigen Bestandtheile, welche als technisch
wichtig im Grossen daraus gewonnen werden. Die Resultate
dieser Untersuchungen benutzt man zur Festsetzung des Werthes
eines Erzes oder Hüttenproductes, zur Erkennung der Reinheit
der ausgebrachten Metalle und ihrer Verbindungen, sowie des
Schmelzverhaltens des Probirgutes überhaupt, zur Controlirung
des Metallausbringens im Grossen u. drgl. m.

Eine dokimastische Probe ist um so vorzüglicher, ein je
vollständigeres Ausbringen reiner Metalle sie gestattet, je mehr
Proben in kürzester Zeit selbst bei beschränkten Kenntnissen
des Ausführenden sich anstellen lassen und je allgemeiner sie
bei der verschiedensten Beschaffenheit der Probesubstanz an-
wendbar ist, ohne dass die ungefähre Zusammensetzung derselben
vorher bekannt sein muss.

Der Probirer bedient sich bei seinen Arbeiten, wenn esTrockne
Proben.

irgend angeht, des einfacheren und rascher zum Ziele führenden
trocknen Weges und sucht dann nicht selten bei der Aus-
scheidung der nutzbaren Stoffe die dafür im Grossen ange-
wandten oder anzuwendenden hüttenmännischen Operationen im

1) Von δοκιμάζειν, erproben. Während deutsche Metallurgen das Wort
Dokimasie in der Bedeutung von Probirkunst gebrauchen, so hat man
in Frankreich für letztere den Namen l’art de l’essayeur und giebt der Do-
kimasie die weitergehende Bedeutung der gesammten technischen, namentlich
aber der für Berg- und Hüttenleute interessanten Mineralanalyse, wofür die
neuerdings erschienene Dokimasie von Rivot ein Beleg ist.
Kerl, Probirkunst. 1
<TEI>
  <text>
    <pb facs="#f0039" n="[1]"/>
    <body>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Einleitung.</hi> </head><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <p><hi rendition="#b">§. 1. Metallurgische Probirkunst und deren Hülfswissenschaften.</hi><note place="right">Zweck der<lb/>
Probirkunst.</note><lb/>
Die <hi rendition="#g">metallurgische Probirkunst</hi> oder <hi rendition="#g">Dokimasie</hi> <note place="foot" n="1)">Von &#x03B4;&#x03BF;&#x03BA;&#x03B9;&#x03BC;&#x03AC;&#x03B6;&#x03B5;&#x03B9;&#x03BD;, erproben. Während deutsche Metallurgen das Wort<lb/><hi rendition="#g">Dokimasie</hi> in der Bedeutung von <hi rendition="#g">Probirkunst</hi> gebrauchen, so hat man<lb/>
in Frankreich für letztere den Namen l&#x2019;art de l&#x2019;essayeur und giebt der Do-<lb/>
kimasie die weitergehende Bedeutung der gesammten technischen, namentlich<lb/>
aber der für Berg- und Hüttenleute interessanten Mineralanalyse, wofür die<lb/>
neuerdings erschienene Dokimasie von <hi rendition="#k">Rivot</hi> ein Beleg ist.</note> lehrt<lb/>
die quantitative Untersuchung von Erzeugnissen des Bergbau- und<lb/>
Hüttenbetriebes auf diejenigen Bestandtheile, welche als technisch<lb/>
wichtig im Grossen daraus gewonnen werden. Die Resultate<lb/>
dieser Untersuchungen benutzt man zur Festsetzung des Werthes<lb/>
eines Erzes oder Hüttenproductes, zur Erkennung der Reinheit<lb/>
der ausgebrachten Metalle und ihrer Verbindungen, sowie des<lb/>
Schmelzverhaltens des Probirgutes überhaupt, zur Controlirung<lb/>
des Metallausbringens im Grossen u. drgl. m.</p><lb/>
        <p>Eine dokimastische Probe ist um so vorzüglicher, ein je<lb/>
vollständigeres Ausbringen reiner Metalle sie gestattet, je mehr<lb/>
Proben in kürzester Zeit selbst bei beschränkten Kenntnissen<lb/>
des Ausführenden sich anstellen lassen und je allgemeiner sie<lb/>
bei der verschiedensten Beschaffenheit der Probesubstanz an-<lb/>
wendbar ist, ohne dass die ungefähre Zusammensetzung derselben<lb/>
vorher bekannt sein muss.</p><lb/>
        <p>Der Probirer bedient sich bei seinen Arbeiten, wenn es<note place="right">Trockne<lb/>
Proben.</note><lb/>
irgend angeht, des einfacheren und rascher zum Ziele führenden<lb/><hi rendition="#g">trocknen Weges</hi> und sucht dann nicht selten bei der Aus-<lb/>
scheidung der nutzbaren Stoffe die dafür im Grossen ange-<lb/>
wandten oder anzuwendenden hüttenmännischen Operationen im<lb/>
<fw place="bottom" type="sig"><hi rendition="#i">Kerl</hi>, Probirkunst. 1</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[1]/0039] Einleitung. §. 1. Metallurgische Probirkunst und deren Hülfswissenschaften. Die metallurgische Probirkunst oder Dokimasie 1) lehrt die quantitative Untersuchung von Erzeugnissen des Bergbau- und Hüttenbetriebes auf diejenigen Bestandtheile, welche als technisch wichtig im Grossen daraus gewonnen werden. Die Resultate dieser Untersuchungen benutzt man zur Festsetzung des Werthes eines Erzes oder Hüttenproductes, zur Erkennung der Reinheit der ausgebrachten Metalle und ihrer Verbindungen, sowie des Schmelzverhaltens des Probirgutes überhaupt, zur Controlirung des Metallausbringens im Grossen u. drgl. m. Zweck der Probirkunst. Eine dokimastische Probe ist um so vorzüglicher, ein je vollständigeres Ausbringen reiner Metalle sie gestattet, je mehr Proben in kürzester Zeit selbst bei beschränkten Kenntnissen des Ausführenden sich anstellen lassen und je allgemeiner sie bei der verschiedensten Beschaffenheit der Probesubstanz an- wendbar ist, ohne dass die ungefähre Zusammensetzung derselben vorher bekannt sein muss. Der Probirer bedient sich bei seinen Arbeiten, wenn es irgend angeht, des einfacheren und rascher zum Ziele führenden trocknen Weges und sucht dann nicht selten bei der Aus- scheidung der nutzbaren Stoffe die dafür im Grossen ange- wandten oder anzuwendenden hüttenmännischen Operationen im Trockne Proben. 1) Von δοκιμάζειν, erproben. Während deutsche Metallurgen das Wort Dokimasie in der Bedeutung von Probirkunst gebrauchen, so hat man in Frankreich für letztere den Namen l’art de l’essayeur und giebt der Do- kimasie die weitergehende Bedeutung der gesammten technischen, namentlich aber der für Berg- und Hüttenleute interessanten Mineralanalyse, wofür die neuerdings erschienene Dokimasie von Rivot ein Beleg ist. Kerl, Probirkunst. 1

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/kerl_metallurgische_1866
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/kerl_metallurgische_1866/39
Zitationshilfe: Kerl, Bruno: Metallurgische Probirkunst. Leipzig, 1866, S. [1]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/kerl_metallurgische_1866/39>, abgerufen am 26.05.2019.