Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Justi, Carl: Diego Velazquez und sein Jahrhundert. Bd. 2. Bonn, 1888.

Bild:
<< vorherige Seite
Fünftes Buch.

Pferde dieser Gestalt wird man jetzt in Spanien wohl ver-
gebens suchen. Sie sind von den arabischen, auf die man die spa-
nische Rasse zurückführt, sehr verschieden, obwol sie aus den Gestü-
ten von Cordoba kamen. Vielleicht hatte man die südspanische
Zucht mit flandrischer gekreuzt, der schweren Harnische wegen.
Die venezianischen Gesandten unter Philipp II, Tiepolo, Badoer,
Morosini sind voll des Lobs dieser Andalusier, der razza del Re.
Wie ein Blick auf das Grössenverhältniss von Reiter und Ross
lehrt, waren sie klein, aber von guten Verhältnissen und galten
in jenem Jahrhundert in Europa als Muster der Pferdeschönheit.
William Cavendish sagt von denen welche er besass, sie seien
Vorbilder für die Malerei gewesen, und gemacht, von Königen
öffentlich geritten zu werden1). Calderon nennt sie breit von
Hanken und Brust, von Hals und Kopf kurz, stark in Armen und
Beinen2). Aber sie waren von delicater Constitution; und da sie
sich so leicht erhitzten, bedurften sie schonender Wartung. Diese
adligen Pferde waren hochgeschätzt wegen ihrer Geschwindigkeit,
Klugheit und Gelehrigkeit, wegen ihres Muths in Gefahr und Ge-
fecht, in Krieg und Stierkampf. Badoer (Relation von 1575) nennt
sie die besten für die Schlacht, stets beherzt, durch Verwundung
und Anblick des Bluts noch feuriger und frisch bis zum Tod.
Auf ihnen beruhte der Ruf der Spanier in der hohen Schule.
Sie hatten ein gutes Gedächtniss und wurden mehr durch Worte
als Hülfen gelenkt, "sie erwarten, sagt Valentin Trichter, oft
nicht die Regierung und Führung der Füsse oder die Hülfe des
Schenkels, also dass es scheint, als wenn sie der Menschen Ge-
danken erriethen"3). Ihre Wolbeleibtheit in unsern Bildern erklärt

con obras famosisimas, do el nombre
explica el artificio y la manera:
Solo el caballo les dara renombre
y gloria en la presente y venidera
edad, pasando del debujo esquivo
a descubrirnos quanto muestra el vivo. Pacheco a. a. O. I, 361.
1) W. Cavendish, Duke of Newcastle, A general system of horsemanship,
London 1743 fol. 21; zuerst Antwerpen 1658.
2) [Spaltenumbruch] Proporcionado y bien hecho,
dilatado de anca y pecho,
de cabeza y cuello es
corto, de brazo y pies
[Spaltenumbruch] fuerte, a uno y otro elemento
les da en si lugar y asiento,
siendo el bruto de la palma
tierra el cuerpo, fuego el alma,
mar la espuma, y todo viento. El medico de su honra I.
3) Valentin Trichter in v. Löhneisen's Hof,- Krieg- und Reitschule. Nürn-
berg 1729. fol0.
Fünftes Buch.

Pferde dieser Gestalt wird man jetzt in Spanien wohl ver-
gebens suchen. Sie sind von den arabischen, auf die man die spa-
nische Rasse zurückführt, sehr verschieden, obwol sie aus den Gestü-
ten von Cordoba kamen. Vielleicht hatte man die südspanische
Zucht mit flandrischer gekreuzt, der schweren Harnische wegen.
Die venezianischen Gesandten unter Philipp II, Tiepolo, Badoer,
Morosini sind voll des Lobs dieser Andalusier, der razza del Rè.
Wie ein Blick auf das Grössenverhältniss von Reiter und Ross
lehrt, waren sie klein, aber von guten Verhältnissen und galten
in jenem Jahrhundert in Europa als Muster der Pferdeschönheit.
William Cavendish sagt von denen welche er besass, sie seien
Vorbilder für die Malerei gewesen, und gemacht, von Königen
öffentlich geritten zu werden1). Calderon nennt sie breit von
Hanken und Brust, von Hals und Kopf kurz, stark in Armen und
Beinen2). Aber sie waren von delicater Constitution; und da sie
sich so leicht erhitzten, bedurften sie schonender Wartung. Diese
adligen Pferde waren hochgeschätzt wegen ihrer Geschwindigkeit,
Klugheit und Gelehrigkeit, wegen ihres Muths in Gefahr und Ge-
fecht, in Krieg und Stierkampf. Badoer (Relation von 1575) nennt
sie die besten für die Schlacht, stets beherzt, durch Verwundung
und Anblick des Bluts noch feuriger und frisch bis zum Tod.
Auf ihnen beruhte der Ruf der Spanier in der hohen Schule.
Sie hatten ein gutes Gedächtniss und wurden mehr durch Worte
als Hülfen gelenkt, „sie erwarten, sagt Valentin Trichter, oft
nicht die Regierung und Führung der Füsse oder die Hülfe des
Schenkels, also dass es scheint, als wenn sie der Menschen Ge-
danken erriethen“3). Ihre Wolbeleibtheit in unsern Bildern erklärt

con obras famosisimas, dó el nombre
explica el artificio y la manera:
Solo el caballo les dará renombre
y gloria en la presente y venidera
edad, pasando del debujo esquivo
á descubrirnos quanto muestra el vivo. Pacheco a. a. O. I, 361.
1) W. Cavendish, Duke of Newcastle, A general system of horsemanship,
London 1743 fol. 21; zuerst Antwerpen 1658.
2) [Spaltenumbruch] Proporcionado y bien hecho,
dilatado de anca y pecho,
de cabeza y cuello es
corto, de brazo y pies
[Spaltenumbruch] fuerte, á uno y otro elemento
les dá en sí lugar y asiento,
siendo el bruto de la palma
tierra el cuerpo, fuego el alma,
mar la espuma, y todo viento. El médico de su honra I.
3) Valentin Trichter in v. Löhneisen’s Hof,- Krieg- und Reitschule. Nürn-
berg 1729. fol0.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0108" n="88"/>
          <fw place="top" type="header">Fünftes Buch.</fw><lb/>
          <p>Pferde dieser Gestalt wird man jetzt in Spanien wohl ver-<lb/>
gebens suchen. Sie sind von den arabischen, auf die man die spa-<lb/>
nische Rasse zurückführt, sehr verschieden, obwol sie aus den Gestü-<lb/>
ten von Cordoba kamen. Vielleicht hatte man die südspanische<lb/>
Zucht mit flandrischer gekreuzt, der schweren Harnische wegen.<lb/>
Die venezianischen Gesandten unter Philipp II, Tiepolo, Badoer,<lb/>
Morosini sind voll des Lobs dieser Andalusier, der <hi rendition="#i">razza del Rè</hi>.<lb/>
Wie ein Blick auf das Grössenverhältniss von Reiter und Ross<lb/>
lehrt, waren sie klein, aber von guten Verhältnissen und galten<lb/>
in jenem Jahrhundert in Europa als Muster der Pferdeschönheit.<lb/>
William Cavendish sagt von denen welche er besass, sie seien<lb/>
Vorbilder für die Malerei gewesen, und gemacht, von Königen<lb/>
öffentlich geritten zu werden<note place="foot" n="1)">W. Cavendish, Duke of Newcastle, A general system of horsemanship,<lb/>
London 1743 fol. 21; zuerst Antwerpen 1658.</note>. Calderon nennt sie breit von<lb/>
Hanken und Brust, von Hals und Kopf kurz, stark in Armen und<lb/>
Beinen<note place="foot" n="2)"><lb/><cb/>
Proporcionado y bien hecho,<lb/>
dilatado de anca y pecho,<lb/>
de cabeza y cuello es<lb/>
corto, de brazo y pies<lb/><cb/>
fuerte, á uno y otro elemento<lb/>
les dá en sí lugar y asiento,<lb/>
siendo el bruto de la palma<lb/>
tierra el cuerpo, fuego el alma,<lb/><hi rendition="#et">mar la espuma, y todo viento. El médico de su honra I.</hi></note>. Aber sie waren von delicater Constitution; und da sie<lb/>
sich so leicht erhitzten, bedurften sie schonender Wartung. Diese<lb/>
adligen Pferde waren hochgeschätzt wegen ihrer Geschwindigkeit,<lb/>
Klugheit und Gelehrigkeit, wegen ihres Muths in Gefahr und Ge-<lb/>
fecht, in Krieg und Stierkampf. Badoer (Relation von 1575) nennt<lb/>
sie die besten für die Schlacht, stets beherzt, durch Verwundung<lb/>
und Anblick des Bluts noch feuriger und frisch bis zum Tod.<lb/>
Auf ihnen beruhte der Ruf der Spanier in der hohen Schule.<lb/>
Sie hatten ein gutes Gedächtniss und wurden mehr durch Worte<lb/>
als Hülfen gelenkt, &#x201E;sie erwarten, sagt Valentin Trichter, oft<lb/>
nicht die Regierung und Führung der Füsse oder die Hülfe des<lb/>
Schenkels, also dass es scheint, als wenn sie der Menschen Ge-<lb/>
danken erriethen&#x201C;<note place="foot" n="3)">Valentin Trichter in v. Löhneisen&#x2019;s Hof,- Krieg- und Reitschule. Nürn-<lb/>
berg 1729. fol<hi rendition="#sup">0</hi>.</note>. Ihre Wolbeleibtheit in unsern Bildern erklärt<lb/><note xml:id="seg2pn_5_2" prev="#seg2pn_5_1" place="foot" n="1)">con obras famosisimas, dó el nombre<lb/>
explica el artificio y la manera:<lb/>
Solo el caballo les dará renombre<lb/>
y gloria en la presente y venidera<lb/>
edad, pasando del debujo esquivo<lb/>
á descubrirnos quanto muestra el vivo. Pacheco a. a. O. I, 361.</note><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[88/0108] Fünftes Buch. Pferde dieser Gestalt wird man jetzt in Spanien wohl ver- gebens suchen. Sie sind von den arabischen, auf die man die spa- nische Rasse zurückführt, sehr verschieden, obwol sie aus den Gestü- ten von Cordoba kamen. Vielleicht hatte man die südspanische Zucht mit flandrischer gekreuzt, der schweren Harnische wegen. Die venezianischen Gesandten unter Philipp II, Tiepolo, Badoer, Morosini sind voll des Lobs dieser Andalusier, der razza del Rè. Wie ein Blick auf das Grössenverhältniss von Reiter und Ross lehrt, waren sie klein, aber von guten Verhältnissen und galten in jenem Jahrhundert in Europa als Muster der Pferdeschönheit. William Cavendish sagt von denen welche er besass, sie seien Vorbilder für die Malerei gewesen, und gemacht, von Königen öffentlich geritten zu werden 1). Calderon nennt sie breit von Hanken und Brust, von Hals und Kopf kurz, stark in Armen und Beinen 2). Aber sie waren von delicater Constitution; und da sie sich so leicht erhitzten, bedurften sie schonender Wartung. Diese adligen Pferde waren hochgeschätzt wegen ihrer Geschwindigkeit, Klugheit und Gelehrigkeit, wegen ihres Muths in Gefahr und Ge- fecht, in Krieg und Stierkampf. Badoer (Relation von 1575) nennt sie die besten für die Schlacht, stets beherzt, durch Verwundung und Anblick des Bluts noch feuriger und frisch bis zum Tod. Auf ihnen beruhte der Ruf der Spanier in der hohen Schule. Sie hatten ein gutes Gedächtniss und wurden mehr durch Worte als Hülfen gelenkt, „sie erwarten, sagt Valentin Trichter, oft nicht die Regierung und Führung der Füsse oder die Hülfe des Schenkels, also dass es scheint, als wenn sie der Menschen Ge- danken erriethen“ 3). Ihre Wolbeleibtheit in unsern Bildern erklärt 1) 1) W. Cavendish, Duke of Newcastle, A general system of horsemanship, London 1743 fol. 21; zuerst Antwerpen 1658. 2) Proporcionado y bien hecho, dilatado de anca y pecho, de cabeza y cuello es corto, de brazo y pies fuerte, á uno y otro elemento les dá en sí lugar y asiento, siendo el bruto de la palma tierra el cuerpo, fuego el alma, mar la espuma, y todo viento. El médico de su honra I. 3) Valentin Trichter in v. Löhneisen’s Hof,- Krieg- und Reitschule. Nürn- berg 1729. fol0. 1) con obras famosisimas, dó el nombre explica el artificio y la manera: Solo el caballo les dará renombre y gloria en la presente y venidera edad, pasando del debujo esquivo á descubrirnos quanto muestra el vivo. Pacheco a. a. O. I, 361.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/justi_velazquez02_1888
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/justi_velazquez02_1888/108
Zitationshilfe: Justi, Carl: Diego Velazquez und sein Jahrhundert. Bd. 2. Bonn, 1888, S. 88. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/justi_velazquez02_1888/108>, abgerufen am 17.10.2019.