Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 6. Berlin, 1952.

Bild:
<< vorherige Seite
465. An Ludwig von Oertel in Regensburg.
[Kopie]

-- für das Heldenbier, das blos den Fehler hat, daß man dabei
kein Heldengedicht machen könnte. Seine Stärke macht es blos zur
Würze, nicht zum Gericht. -- In dieser (Oertels Briefe) Phönix-5
Asche schlug er vor mir seine unbeschreiblich schönen Liebes Augen
wieder glänzend auf. Seine Briefe sind eigentlich der Superlativ
seiner Bücher. --

466. An Otto.
10

Guten Morgen, Alter! Hier L[iteratur] Zeitung, welche du mir
später zurück schickst als die Annalen, weil diese der Harmonie ge-
hören. -- Ein anziehendes Buch über die Differenzial Rechnung,
das mir gestern Schweigger schickte, hielt mich vom Ausgehen ab.
-- Oertels Brief sende mir, der Berechnung wegen. -- Und wie15
gehts dir?

467. An Emanuel.

Guten Morgen, lieber Emanuel! Hier mit Dank Ihr Keller-
meister, der sich durch beifolgende Bierprobe zu empfehlen wünscht,20
welche er gestern auch an Otto ablaufen ließ. Sogar Seebeck,
der gestern so schnell nach Ihnen kam, daß ich ihn wieder nicht
besuchen konnte, genoß das erstemal etwas bei mir mit Lust und
gab mir selber viele.

468. An Emanuel.25

Mein guter guter Emanuel! Ach wie zu viel des Guten und
Schönen und Frohen haben Sie mir heute wieder geschickt! Ich
sollte Ihrer Gaben wegen an einem Schalttag geboren sein. --
Den Vogel und sogar mich will ich zähmen; und ich freue mich auf30
beides. -- Wenn Ihre herrliche Jette schon den so lobt, der die
Erziehung nur beschreibt: wie ist erst die zu preisen, die sie ausführt.
-- Auch die Nachricht von der hieher ziehenden Vogt gehört unter die
Gaben. -- Nur das erschütternde Endes Ihres Briefs (mit dem
auffliegenden Vogel) nicht; das wolle Gott verhüten, daß ich diesen35
Schmerz erlebte!

465. An Ludwig von Oertel in Regensburg.
[Kopie]

— für das Heldenbier, das blos den Fehler hat, daß man dabei
kein Heldengedicht machen könnte. Seine Stärke macht es blos zur
Würze, nicht zum Gericht. — In dieſer (Oertels Briefe) Phönix-5
Aſche ſchlug er vor mir ſeine unbeſchreiblich ſchönen Liebes Augen
wieder glänzend auf. Seine Briefe ſind eigentlich der Superlativ
ſeiner Bücher. —

466. An Otto.
10

Guten Morgen, Alter! Hier L[iteratur] Zeitung, welche du mir
ſpäter zurück ſchickſt als die Annalen, weil dieſe der Harmonie ge-
hören. — Ein anziehendes Buch über die Differenzial Rechnung,
das mir geſtern Schweigger ſchickte, hielt mich vom Ausgehen ab.
Oertels Brief ſende mir, der Berechnung wegen. — Und wie15
gehts dir?

467. An Emanuel.

Guten Morgen, lieber Emanuel! Hier mit Dank Ihr Keller-
meiſter, der ſich durch beifolgende Bierprobe zu empfehlen wünſcht,20
welche er geſtern auch an Otto ablaufen ließ. Sogar Seebeck,
der geſtern ſo ſchnell nach Ihnen kam, daß ich ihn wieder nicht
beſuchen konnte, genoß das erſtemal etwas bei mir mit Luſt und
gab mir ſelber viele.

468. An Emanuel.25

Mein guter guter Emanuel! Ach wie zu viel des Guten und
Schönen und Frohen haben Sie mir heute wieder geſchickt! Ich
ſollte Ihrer Gaben wegen an einem Schalttag geboren ſein. —
Den Vogel und ſogar mich will ich zähmen; und ich freue mich auf30
beides. — Wenn Ihre herrliche Jette ſchon den ſo lobt, der die
Erziehung nur beſchreibt: wie iſt erſt die zu preiſen, die ſie ausführt.
— Auch die Nachricht von der hieher ziehenden Vogt gehört unter die
Gaben. — Nur das erſchütternde Endes Ihres Briefs (mit dem
auffliegenden Vogel) nicht; das wolle Gott verhüten, daß ich dieſen35
Schmerz erlebte!

<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0198" n="185"/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>465. An <hi rendition="#g">Ludwig von Oertel in Regensburg.</hi></head><lb/>
        <note type="editorial">[Kopie]</note>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Bayreuth, 8. März 1811]</hi> </dateline><lb/>
        <p>&#x2014; für das Heldenbier, das blos den Fehler hat, daß man dabei<lb/>
kein Heldengedicht machen könnte. Seine Stärke macht es blos zur<lb/>
Würze, nicht zum Gericht. &#x2014; In die&#x017F;er (<hi rendition="#aq">Oertels</hi> Briefe) Phönix-<lb n="5"/>
A&#x017F;che &#x017F;chlug er vor mir &#x017F;eine unbe&#x017F;chreiblich &#x017F;chönen Liebes Augen<lb/>
wieder glänzend auf. Seine Briefe &#x017F;ind eigentlich der Superlativ<lb/>
&#x017F;einer Bücher. &#x2014;</p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>466. An <hi rendition="#g">Otto.</hi></head><lb/>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Bayreuth, März 1811?]</hi> </dateline>
        <lb n="10"/>
        <p>Guten Morgen, Alter! Hier <hi rendition="#aq">L[iteratur] Zeitung,</hi> welche du mir<lb/>
&#x017F;päter zurück &#x017F;chick&#x017F;t als die Annalen, weil die&#x017F;e der <hi rendition="#aq">Harmonie</hi> ge-<lb/>
hören. &#x2014; Ein anziehendes Buch über die Differenzial Rechnung,<lb/>
das mir ge&#x017F;tern <hi rendition="#aq">Schweigger</hi> &#x017F;chickte, hielt mich vom Ausgehen ab.<lb/>
&#x2014; <hi rendition="#aq">Oertels</hi> Brief &#x017F;ende mir, der Berechnung wegen. &#x2014; Und wie<lb n="15"/>
gehts dir?</p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>467. An <hi rendition="#g">Emanuel.</hi></head><lb/>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Bayreuth, 20. März 1811]</hi> </dateline><lb/>
        <p>Guten Morgen, lieber <hi rendition="#aq">Emanuel!</hi> Hier mit Dank Ihr Keller-<lb/>
mei&#x017F;ter, der &#x017F;ich durch beifolgende Bierprobe zu empfehlen wün&#x017F;cht,<lb n="20"/>
welche er ge&#x017F;tern auch an <hi rendition="#aq">Otto</hi> ablaufen ließ. Sogar <hi rendition="#aq">Seebeck,</hi><lb/>
der ge&#x017F;tern &#x017F;o &#x017F;chnell nach Ihnen kam, daß ich ihn wieder nicht<lb/>
be&#x017F;uchen konnte, genoß das er&#x017F;temal etwas bei mir mit Lu&#x017F;t und<lb/>
gab mir &#x017F;elber viele.</p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>468. An <hi rendition="#g">Emanuel.</hi><lb n="25"/>
</head>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Bayreuth, 21. März 1811]</hi> </dateline><lb/>
        <p>Mein guter guter <hi rendition="#aq">Emanuel!</hi> Ach wie zu viel des Guten und<lb/>
Schönen und Frohen haben Sie mir heute wieder ge&#x017F;chickt! Ich<lb/>
&#x017F;ollte Ihrer Gaben wegen an einem Schalttag geboren &#x017F;ein. &#x2014;<lb/>
Den Vogel und &#x017F;ogar mich will ich zähmen; und ich freue mich auf<lb n="30"/>
beides. &#x2014; Wenn Ihre herrliche <hi rendition="#aq">Jette</hi> &#x017F;chon den &#x017F;o lobt, der die<lb/>
Erziehung nur be&#x017F;chreibt: wie i&#x017F;t er&#x017F;t die zu prei&#x017F;en, die &#x017F;ie ausführt.<lb/>
&#x2014; Auch die Nachricht von der hieher ziehenden <hi rendition="#aq">Vogt</hi> gehört unter die<lb/>
Gaben. &#x2014; Nur das er&#x017F;chütternde Endes Ihres Briefs (mit dem<lb/>
auffliegenden Vogel) nicht; das wolle Gott verhüten, daß ich die&#x017F;en<lb n="35"/>
Schmerz erlebte!</p>
      </div><lb/>
    </body>
  </text>
</TEI>
[185/0198] 465. An Ludwig von Oertel in Regensburg. [Bayreuth, 8. März 1811] — für das Heldenbier, das blos den Fehler hat, daß man dabei kein Heldengedicht machen könnte. Seine Stärke macht es blos zur Würze, nicht zum Gericht. — In dieſer (Oertels Briefe) Phönix- 5 Aſche ſchlug er vor mir ſeine unbeſchreiblich ſchönen Liebes Augen wieder glänzend auf. Seine Briefe ſind eigentlich der Superlativ ſeiner Bücher. — 466. An Otto. [Bayreuth, März 1811?] 10 Guten Morgen, Alter! Hier L[iteratur] Zeitung, welche du mir ſpäter zurück ſchickſt als die Annalen, weil dieſe der Harmonie ge- hören. — Ein anziehendes Buch über die Differenzial Rechnung, das mir geſtern Schweigger ſchickte, hielt mich vom Ausgehen ab. — Oertels Brief ſende mir, der Berechnung wegen. — Und wie 15 gehts dir? 467. An Emanuel. [Bayreuth, 20. März 1811] Guten Morgen, lieber Emanuel! Hier mit Dank Ihr Keller- meiſter, der ſich durch beifolgende Bierprobe zu empfehlen wünſcht, 20 welche er geſtern auch an Otto ablaufen ließ. Sogar Seebeck, der geſtern ſo ſchnell nach Ihnen kam, daß ich ihn wieder nicht beſuchen konnte, genoß das erſtemal etwas bei mir mit Luſt und gab mir ſelber viele. 468. An Emanuel. 25 [Bayreuth, 21. März 1811] Mein guter guter Emanuel! Ach wie zu viel des Guten und Schönen und Frohen haben Sie mir heute wieder geſchickt! Ich ſollte Ihrer Gaben wegen an einem Schalttag geboren ſein. — Den Vogel und ſogar mich will ich zähmen; und ich freue mich auf 30 beides. — Wenn Ihre herrliche Jette ſchon den ſo lobt, der die Erziehung nur beſchreibt: wie iſt erſt die zu preiſen, die ſie ausführt. — Auch die Nachricht von der hieher ziehenden Vogt gehört unter die Gaben. — Nur das erſchütternde Endes Ihres Briefs (mit dem auffliegenden Vogel) nicht; das wolle Gott verhüten, daß ich dieſen 35 Schmerz erlebte!

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-11-22T15:17:09Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-11-22T15:17:09Z)

Weitere Informationen:

Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).

Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe06_1962
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe06_1962/198
Zitationshilfe: Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 6. Berlin, 1952, S. 185. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe06_1962/198>, abgerufen am 21.09.2019.