Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 6. Berlin, 1952.

Bild:
<< vorherige Seite
28. An Otto.

Lieber Otto,

Beiliegenden Zettel schickte mir mit dem Buche K[anne] gerade
in der bösen Stunde (ich habe nämlich deren 3, die mitten im5
Arbeitsfeuer, die nach der Sieste, und Abends spät) und ich schrieb
ihm, wie er sich unterstehen könne, noch an mich zu schreiben und
zu schicken. (Nämlich in meinem Brief an Schmidt wurde blos
zum Postsk[ript] an Kanne nach den Worten: "ersparen Sie mir
den ekeln Briefwechsel mit ihm;" noch zugefügt: "so wie Ihren10
Besuch seit Ihrem Urtheil über E[manuel]." Die Jahrbücher lass'
ihm zurückgeben. Gute Nacht, Alter! Ich werde täglich milder,
und mit Recht; Wildheit paßt wenig.

Die Parabeln sind meine erste Rezension.

Erschien mir je ein Karakter -- und ein guter -- auf bloßem15
Briefpapier: so wars der Villerssche.

29. An Otto.

Guten Morgen, Alter! Hier Briefe! Perthes kann die Friedens-
Nachpredigt nicht annehmen -- was mir von der einen Seite lieb20
ist, da jeder an mich frankierte Brief 47 kr. mich kostet -- folglich
geb' ich sie Cotta mit der Erlaubnis, sein halbes Morgenblatt
damit zu füllen. Aber ich möchte dann auch sogleich dabei ihm
ein Aviso seines Wechsels schicken. Sei also so gut und frage bald
nach, aber ohne meinen Namen. Ich hätte fast Lust, ihn dem --25
Enzel zu geben, da er jetzt schon weniger betrügen wird. Auch sind
wir beide an Einer Deichsel zusammengewöhnt, das Wölfchen und
der Fuchs.

Benekens Aufsätze lege doch bei Seite.

Hast du nicht das Niebelungen Lied von mir?30

N. S. Du lachst doch über den Schmelzle?

30. An Emanuel.

Ei, der Prozeß hat mir gerade am besten gefallen, obwol frei-
lich blos durch Sie; Ihre letzte Antwort ist besonders trefflich und35

28. An Otto.

Lieber Otto,

Beiliegenden Zettel ſchickte mir mit dem Buche K[anne] gerade
in der böſen Stunde (ich habe nämlich deren 3, die mitten im5
Arbeitsfeuer, die nach der Sieſte, und Abends ſpät) und ich ſchrieb
ihm, wie er ſich unterſtehen könne, noch an mich zu ſchreiben und
zu ſchicken. (Nämlich in meinem Brief an Schmidt wurde blos
zum Poſtſk[ript] an Kanne nach den Worten: „erſparen Sie mir
den ekeln Briefwechſel mit ihm;“ noch zugefügt: „ſo wie Ihren10
Beſuch ſeit Ihrem Urtheil über E[manuel].“ Die Jahrbücher laſſ’
ihm zurückgeben. Gute Nacht, Alter! Ich werde täglich milder,
und mit Recht; Wildheit paßt wenig.

Die Parabeln ſind meine erſte Rezenſion.

Erſchien mir je ein Karakter — und ein guter — auf bloßem15
Briefpapier: ſo wars der Villerssche.

29. An Otto.

Guten Morgen, Alter! Hier Briefe! Perthes kann die Friedens-
Nachpredigt nicht annehmen — was mir von der einen Seite lieb20
iſt, da jeder an mich frankierte Brief 47 kr. mich koſtet — folglich
geb’ ich ſie Cotta mit der Erlaubnis, ſein halbes Morgenblatt
damit zu füllen. Aber ich möchte dann auch ſogleich dabei ihm
ein Aviſo ſeines Wechſels ſchicken. Sei alſo ſo gut und frage bald
nach, aber ohne meinen Namen. Ich hätte faſt Luſt, ihn dem —25
Enzel zu geben, da er jetzt ſchon weniger betrügen wird. Auch ſind
wir beide an Einer Deichſel zuſammengewöhnt, das Wölfchen und
der Fuchs.

Benekens Aufſätze lege doch bei Seite.

Haſt du nicht das Niebelungen Lied von mir?30

N. S. Du lachſt doch über den Schmelzle?

30. An Emanuel.

Ei, der Prozeß hat mir gerade am beſten gefallen, obwol frei-
lich blos durch Sie; Ihre letzte Antwort iſt beſonders trefflich und35

<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0019" n="10"/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>28. An <hi rendition="#g">Otto.</hi></head><lb/>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Bayreuth, 7. Febr. 1809]</hi> </dateline><lb/>
        <salute> <hi rendition="#left">Lieber Otto,</hi> </salute><lb/>
        <p>Beiliegenden Zettel &#x017F;chickte mir mit dem Buche <hi rendition="#aq">K[anne]</hi> gerade<lb/>
in der bö&#x017F;en Stunde (ich habe nämlich deren 3, die mitten im<lb n="5"/>
Arbeitsfeuer, die nach der Sie&#x017F;te, und Abends &#x017F;pät) und ich &#x017F;chrieb<lb/>
ihm, wie er &#x017F;ich unter&#x017F;tehen könne, noch an mich zu &#x017F;chreiben und<lb/>
zu &#x017F;chicken. (Nämlich in meinem Brief an <hi rendition="#aq">Schmidt</hi> wurde blos<lb/>
zum Po&#x017F;t&#x017F;k[ript] an <hi rendition="#aq">Kanne</hi> nach den Worten: &#x201E;er&#x017F;paren Sie mir<lb/>
den ekeln Briefwech&#x017F;el mit ihm;&#x201C; noch zugefügt: &#x201E;&#x017F;o wie Ihren<lb n="10"/>
Be&#x017F;uch &#x017F;eit Ihrem Urtheil über <hi rendition="#aq">E[manuel].</hi>&#x201C; Die Jahrbücher la&#x017F;&#x017F;&#x2019;<lb/>
ihm zurückgeben. Gute Nacht, Alter! Ich werde täglich milder,<lb/>
und mit Recht; Wildheit paßt wenig.</p><lb/>
        <p>Die Parabeln &#x017F;ind meine er&#x017F;te Rezen&#x017F;ion.</p><lb/>
        <p>Er&#x017F;chien mir je ein Karakter &#x2014; und ein guter &#x2014; auf bloßem<lb n="15"/>
Briefpapier: &#x017F;o wars der <hi rendition="#aq">Villerssche.</hi></p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>29. An <hi rendition="#g">Otto.</hi></head><lb/>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Bayreuth, 10. Febr. 1809]</hi> </dateline><lb/>
        <p>Guten Morgen, Alter! Hier Briefe! <hi rendition="#aq">Perthes</hi> kann die Friedens-<lb/>
Nachpredigt nicht annehmen &#x2014; was mir von der einen Seite lieb<lb n="20"/>
i&#x017F;t, da jeder an mich frankierte Brief 47 kr. mich ko&#x017F;tet &#x2014; folglich<lb/>
geb&#x2019; ich &#x017F;ie <hi rendition="#aq">Cotta</hi> mit der Erlaubnis, &#x017F;ein halbes Morgenblatt<lb/>
damit zu füllen. Aber ich möchte dann auch &#x017F;ogleich dabei ihm<lb/>
ein Avi&#x017F;o &#x017F;eines Wech&#x017F;els &#x017F;chicken. Sei al&#x017F;o &#x017F;o gut und frage bald<lb/>
nach, aber ohne meinen Namen. Ich hätte fa&#x017F;t Lu&#x017F;t, ihn dem &#x2014;<lb n="25"/> <hi rendition="#aq">Enzel</hi> zu geben, da er jetzt &#x017F;chon weniger betrügen wird. Auch &#x017F;ind<lb/>
wir beide an Einer Deich&#x017F;el zu&#x017F;ammengewöhnt, das Wölfchen und<lb/>
der Fuchs.</p><lb/>
        <p><hi rendition="#aq">Benekens</hi> Auf&#x017F;ätze lege doch bei Seite.</p><lb/>
        <p>Ha&#x017F;t du nicht das Niebelungen Lied von mir?<lb n="30"/>
</p>
        <p>N. S. Du lach&#x017F;t doch über den Schmelzle?</p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>30. An <hi rendition="#g">Emanuel.</hi></head><lb/>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Bayreuth, 11. Febr. 1809]</hi> </dateline><lb/>
        <p>Ei, der Prozeß hat mir gerade am be&#x017F;ten gefallen, obwol frei-<lb/>
lich blos durch Sie; Ihre letzte Antwort i&#x017F;t be&#x017F;onders trefflich und<lb n="35"/>
</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[10/0019] 28. An Otto. [Bayreuth, 7. Febr. 1809] Lieber Otto, Beiliegenden Zettel ſchickte mir mit dem Buche K[anne] gerade in der böſen Stunde (ich habe nämlich deren 3, die mitten im 5 Arbeitsfeuer, die nach der Sieſte, und Abends ſpät) und ich ſchrieb ihm, wie er ſich unterſtehen könne, noch an mich zu ſchreiben und zu ſchicken. (Nämlich in meinem Brief an Schmidt wurde blos zum Poſtſk[ript] an Kanne nach den Worten: „erſparen Sie mir den ekeln Briefwechſel mit ihm;“ noch zugefügt: „ſo wie Ihren 10 Beſuch ſeit Ihrem Urtheil über E[manuel].“ Die Jahrbücher laſſ’ ihm zurückgeben. Gute Nacht, Alter! Ich werde täglich milder, und mit Recht; Wildheit paßt wenig. Die Parabeln ſind meine erſte Rezenſion. Erſchien mir je ein Karakter — und ein guter — auf bloßem 15 Briefpapier: ſo wars der Villerssche. 29. An Otto. [Bayreuth, 10. Febr. 1809] Guten Morgen, Alter! Hier Briefe! Perthes kann die Friedens- Nachpredigt nicht annehmen — was mir von der einen Seite lieb 20 iſt, da jeder an mich frankierte Brief 47 kr. mich koſtet — folglich geb’ ich ſie Cotta mit der Erlaubnis, ſein halbes Morgenblatt damit zu füllen. Aber ich möchte dann auch ſogleich dabei ihm ein Aviſo ſeines Wechſels ſchicken. Sei alſo ſo gut und frage bald nach, aber ohne meinen Namen. Ich hätte faſt Luſt, ihn dem — 25 Enzel zu geben, da er jetzt ſchon weniger betrügen wird. Auch ſind wir beide an Einer Deichſel zuſammengewöhnt, das Wölfchen und der Fuchs. Benekens Aufſätze lege doch bei Seite. Haſt du nicht das Niebelungen Lied von mir? 30 N. S. Du lachſt doch über den Schmelzle? 30. An Emanuel. [Bayreuth, 11. Febr. 1809] Ei, der Prozeß hat mir gerade am beſten gefallen, obwol frei- lich blos durch Sie; Ihre letzte Antwort iſt beſonders trefflich und 35

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-11-22T15:17:09Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-11-22T15:17:09Z)

Weitere Informationen:

Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).

Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe06_1962
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe06_1962/19
Zitationshilfe: Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 6. Berlin, 1952, S. 10. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe06_1962/19>, abgerufen am 21.08.2019.