Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 6. Berlin, 1952.

Bild:
<< vorherige Seite

indem ich ihn fest nicht am Vorder-sondern am Hinterarme führte.
Auch wartete ich zum Überfluße ab, bis er seine Hausthüre auf-
gebracht hatte; er dankte mir aber sehr dafür. Wie ich selber nach
Hause gekommen, weiß ich aus Mangel eines Zeugen, weniger
genau.5

440. An Emanuel.

Guten Morgen, Lieber! Gestern bekam ich schon wieder be-
glückende Antwort von C[aroline]. -- Des guten Ludwigs Brief
wollen die Kinder auf ihrer Rückreise von Miedel wieder holen,10
weil ich Otto gern bald damit erfreuen möchte. Zu meiner --
also zu Ihrer Freude leb' ich doch einmal schönen Tagen entgegen.

441. An Emanuel.

Eilig. Guten Morgen, und Dank für heute und vorgestern. Ihre15
Gegennoten sollen die Aufschrift "Geburtstag" und "Protestanten"
durchstreichen. Aber o Himmel wie viel muß ein Mensch, Autor,
sogar von 47 Jahren korrigieren an bloßen 4 Seiten!

442. An Professor F. G. Welcker in Gießen.
[Kopie]20

Aus meinem Schweigen werden Sie schwerlich meine Freude an
Ihrem etc. Aristophanes errathen, dessen Wolken mir das Dezember-
gewölk verjagen könnten, wenn es tief auf mich hereinhinge ...
daß Sie uns den ganzen Aristophanes geben, den uns das attische
Museum fast nimmt, indem es ihn gibt. Ich würde meine Freude25
noch stärker ausdrücken, wenn ich griechische Gelehrsamkeit genug
besäße, um das Vor-Echo Ihrer Lobredner zu sein. Indeß haben
Sie mich besser als einer mit diesem Genius bekannt gemacht, dem
sogar ein Äschylos nicht gefiel und der (aber mit Recht) einen
Sophokles*) vorzog. Wer an dessen Obßönitäten ein Aergernis30
nimmt, sucht eines und ist selber eines. Eben so gut wäre die ganze

*) Homer, Sophokles, Shakespeare -- siehe da diese drei sind eins.

indem ich ihn feſt nicht am Vorder-ſondern am Hinterarme führte.
Auch wartete ich zum Überfluße ab, bis er ſeine Hausthüre auf-
gebracht hatte; er dankte mir aber ſehr dafür. Wie ich ſelber nach
Hauſe gekommen, weiß ich aus Mangel eines Zeugen, weniger
genau.5

440. An Emanuel.

Guten Morgen, Lieber! Geſtern bekam ich ſchon wieder be-
glückende Antwort von C[aroline]. — Des guten Ludwigs Brief
wollen die Kinder auf ihrer Rückreiſe von Miedel wieder holen,10
weil ich Otto gern bald damit erfreuen möchte. Zu meiner —
alſo zu Ihrer Freude leb’ ich doch einmal ſchönen Tagen entgegen.

441. An Emanuel.

Eilig. Guten Morgen, und Dank für heute und vorgeſtern. Ihre15
Gegennoten ſollen die Aufſchrift „Geburtstag“ und „Proteſtanten“
durchſtreichen. Aber o Himmel wie viel muß ein Menſch, Autor,
ſogar von 47 Jahren korrigieren an bloßen 4 Seiten!

442. An Profeſſor F. G. Welcker in Gießen.
[Kopie]20

Aus meinem Schweigen werden Sie ſchwerlich meine Freude an
Ihrem ꝛc. Ariſtophanes errathen, deſſen Wolken mir das Dezember-
gewölk verjagen könnten, wenn es tief auf mich hereinhinge ...
daß Sie uns den ganzen Ariſtophanes geben, den uns das attiſche
Muſeum faſt nimmt, indem es ihn gibt. Ich würde meine Freude25
noch ſtärker ausdrücken, wenn ich griechiſche Gelehrſamkeit genug
beſäße, um das Vor-Echo Ihrer Lobredner zu ſein. Indeß haben
Sie mich beſſer als einer mit dieſem Genius bekannt gemacht, dem
ſogar ein Äſchylos nicht gefiel und der (aber mit Recht) einen
Sophokles*) vorzog. Wer an deſſen Obſzönitäten ein Aergernis30
nimmt, ſucht eines und iſt ſelber eines. Eben ſo gut wäre die ganze

*) Homer, Sophokles, Shakeſpeare — ſiehe da dieſe drei ſind eins.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div type="letter" n="1">
        <p><pb facs="#f0188" n="175"/>
indem ich ihn fe&#x017F;t nicht am Vorder-&#x017F;ondern am Hinterarme führte.<lb/>
Auch wartete ich zum Überfluße ab, bis er &#x017F;eine Hausthüre auf-<lb/>
gebracht hatte; er dankte mir aber &#x017F;ehr dafür. Wie ich &#x017F;elber nach<lb/>
Hau&#x017F;e gekommen, weiß ich aus Mangel eines Zeugen, weniger<lb/>
genau.<lb n="5"/>
</p>
      </div>
      <div type="letter" n="1">
        <head>440. An <hi rendition="#g">Emanuel.</hi></head><lb/>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Bayreuth, 13. Jan. 1811]</hi> </dateline><lb/>
        <p>Guten Morgen, Lieber! Ge&#x017F;tern bekam ich &#x017F;chon wieder be-<lb/>
glückende Antwort von <hi rendition="#aq">C[aroline].</hi> &#x2014; Des guten Ludwigs Brief<lb/>
wollen die Kinder auf ihrer Rückrei&#x017F;e von <hi rendition="#aq">Miedel</hi> wieder holen,<lb n="10"/>
weil ich <hi rendition="#aq">Otto</hi> gern bald damit erfreuen möchte. Zu meiner &#x2014;<lb/>
al&#x017F;o zu Ihrer Freude leb&#x2019; ich doch einmal &#x017F;chönen Tagen entgegen.</p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>441. An <hi rendition="#g">Emanuel.</hi></head><lb/>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Bayreuth, 14. Jan. 1811]</hi> </dateline><lb/>
        <p>Eilig. Guten Morgen, und Dank für heute und vorge&#x017F;tern. Ihre<lb n="15"/>
Gegennoten &#x017F;ollen die Auf&#x017F;chrift &#x201E;Geburtstag&#x201C; und &#x201E;Prote&#x017F;tanten&#x201C;<lb/>
durch&#x017F;treichen. Aber o Himmel wie viel muß ein Men&#x017F;ch, Autor,<lb/>
&#x017F;ogar von 47 Jahren korrigieren an bloßen 4 Seiten!</p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>442. An <hi rendition="#g">Profe&#x017F;&#x017F;or F. G. Welcker in Gießen.</hi></head><lb/>
        <note type="editorial">[Kopie]</note>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Bayreuth, 4. und 14. Jan. 1811]</hi> </dateline>
        <lb n="20"/>
        <p>Aus meinem Schweigen werden Sie &#x017F;chwerlich meine Freude an<lb/>
Ihrem &#xA75B;c. Ari&#x017F;tophanes errathen, de&#x017F;&#x017F;en Wolken mir das Dezember-<lb/>
gewölk verjagen könnten, wenn es tief auf mich hereinhinge ...<lb/>
daß Sie uns den ganzen Ari&#x017F;tophanes geben, den uns das atti&#x017F;che<lb/>
Mu&#x017F;eum fa&#x017F;t nimmt, indem es ihn gibt. Ich würde meine Freude<lb n="25"/>
noch &#x017F;tärker ausdrücken, wenn ich griechi&#x017F;che Gelehr&#x017F;amkeit genug<lb/>
be&#x017F;äße, um das Vor-Echo Ihrer Lobredner zu &#x017F;ein. Indeß haben<lb/>
Sie mich be&#x017F;&#x017F;er als einer mit die&#x017F;em Genius bekannt gemacht, dem<lb/>
&#x017F;ogar ein Ä&#x017F;chylos nicht gefiel und der (aber mit Recht) einen<lb/>
Sophokles<note place="foot" n="*)">Homer, Sophokles, Shake&#x017F;peare &#x2014; &#x017F;iehe da die&#x017F;e drei &#x017F;ind eins.</note> vorzog. Wer an de&#x017F;&#x017F;en Ob&#x017F;zönitäten ein Aergernis<lb n="30"/>
nimmt, &#x017F;ucht eines und i&#x017F;t &#x017F;elber eines. Eben &#x017F;o gut wäre die ganze<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[175/0188] indem ich ihn feſt nicht am Vorder-ſondern am Hinterarme führte. Auch wartete ich zum Überfluße ab, bis er ſeine Hausthüre auf- gebracht hatte; er dankte mir aber ſehr dafür. Wie ich ſelber nach Hauſe gekommen, weiß ich aus Mangel eines Zeugen, weniger genau. 5 440. An Emanuel. [Bayreuth, 13. Jan. 1811] Guten Morgen, Lieber! Geſtern bekam ich ſchon wieder be- glückende Antwort von C[aroline]. — Des guten Ludwigs Brief wollen die Kinder auf ihrer Rückreiſe von Miedel wieder holen, 10 weil ich Otto gern bald damit erfreuen möchte. Zu meiner — alſo zu Ihrer Freude leb’ ich doch einmal ſchönen Tagen entgegen. 441. An Emanuel. [Bayreuth, 14. Jan. 1811] Eilig. Guten Morgen, und Dank für heute und vorgeſtern. Ihre 15 Gegennoten ſollen die Aufſchrift „Geburtstag“ und „Proteſtanten“ durchſtreichen. Aber o Himmel wie viel muß ein Menſch, Autor, ſogar von 47 Jahren korrigieren an bloßen 4 Seiten! 442. An Profeſſor F. G. Welcker in Gießen. [Bayreuth, 4. und 14. Jan. 1811] 20 Aus meinem Schweigen werden Sie ſchwerlich meine Freude an Ihrem ꝛc. Ariſtophanes errathen, deſſen Wolken mir das Dezember- gewölk verjagen könnten, wenn es tief auf mich hereinhinge ... daß Sie uns den ganzen Ariſtophanes geben, den uns das attiſche Muſeum faſt nimmt, indem es ihn gibt. Ich würde meine Freude 25 noch ſtärker ausdrücken, wenn ich griechiſche Gelehrſamkeit genug beſäße, um das Vor-Echo Ihrer Lobredner zu ſein. Indeß haben Sie mich beſſer als einer mit dieſem Genius bekannt gemacht, dem ſogar ein Äſchylos nicht gefiel und der (aber mit Recht) einen Sophokles *) vorzog. Wer an deſſen Obſzönitäten ein Aergernis 30 nimmt, ſucht eines und iſt ſelber eines. Eben ſo gut wäre die ganze *) Homer, Sophokles, Shakeſpeare — ſiehe da dieſe drei ſind eins.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-11-22T15:17:09Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-11-22T15:17:09Z)

Weitere Informationen:

Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).

Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe06_1962
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe06_1962/188
Zitationshilfe: Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 6. Berlin, 1952, S. 175. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe06_1962/188>, abgerufen am 21.09.2019.