Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 6. Berlin, 1952.

Bild:
<< vorherige Seite
425. An Emanuel.

Einen guten Morgen für den guten Morgen, den Sie mir,
Guter, wieder gegeben. Jaques ist ein tüchtiger Mann und ein
besserer Stylist als sein Bruder, der sich immer widerlicher ver-5
schraubt. Dieser Bund von Geschäftstüchtigkeit, Gefühl, Philo-
sophie und Dichtung vollendet den Mann. -- Frage: da ich von
Jung in Frankfurt noch keine Antwort auf meine Frage erhalten,
ob ich die monatliche Pension auch bei dem Rentmeister durch An-
weisungen beziehen dürfe: (so weit hatt' ich geschrieben, als Ihre10
Aufwärterin kam; die Antwort soll folgen) so frag' ich, ob es mir
nicht schade, daß ich noch nichts bezogen.

426. An Emanuel.

Lieber! Gott mag wissen, was Th[ieriot] will; er selber weiß15
es auch nicht. Ich durfte doch die unversiegelte Schachtel der Frau
anvertrauen?

427. An Emanuel.

Guten Abend, Guter! Haben Sie Dank! Ich hab' ihr schon20
geschrieben, aber nichts geschickt, da ich nicht gewiß weiß wo sie
ist, und da sie jetzt schon längst geborgt haben muß, (im letzten
Briefe hatte sie nur noch 7 fl.) und sonst aus Ursachen. Sie borge,
wie ich geschrieben, lieber zu viel als zu wenig; bezahlen kann ich
ja leicht und gleich.25

428. An Emanuel.

Guten Morgen, Emanuel! Odilie bettelt sich von mir zu Ihnen
hinüber. Wollen Sie die Bettlerin einlassen? -- C[aroline] wird,
wenn sie kann, den Blinden in Gera besuchen; und er wirds ihr30
und Ihnen danken.

429. An Elise Feind in Leipzig.

Liebe schweigende Freundin! Seit wie vielen Jahren wohnen Sie
für mich auf einem andern Planeten, so wenig weiß und erfahr'35

425. An Emanuel.

Einen guten Morgen für den guten Morgen, den Sie mir,
Guter, wieder gegeben. Jaques iſt ein tüchtiger Mann und ein
beſſerer Styliſt als ſein Bruder, der ſich immer widerlicher ver-5
ſchraubt. Dieſer Bund von Geſchäftstüchtigkeit, Gefühl, Philo-
ſophie und Dichtung vollendet den Mann. — Frage: da ich von
Jung in Frankfurt noch keine Antwort auf meine Frage erhalten,
ob ich die monatliche Penſion auch bei dem Rentmeiſter durch An-
weiſungen beziehen dürfe: (ſo weit hatt’ ich geſchrieben, als Ihre10
Aufwärterin kam; die Antwort ſoll folgen) ſo frag’ ich, ob es mir
nicht ſchade, daß ich noch nichts bezogen.

426. An Emanuel.

Lieber! Gott mag wiſſen, was Th[ieriot] will; er ſelber weiß15
es auch nicht. Ich durfte doch die unverſiegelte Schachtel der Frau
anvertrauen?

427. An Emanuel.

Guten Abend, Guter! Haben Sie Dank! Ich hab’ ihr ſchon20
geſchrieben, aber nichts geſchickt, da ich nicht gewiß weiß wo ſie
iſt, und da ſie jetzt ſchon längſt geborgt haben muß, (im letzten
Briefe hatte ſie nur noch 7 fl.) und ſonſt aus Urſachen. Sie borge,
wie ich geſchrieben, lieber zu viel als zu wenig; bezahlen kann ich
ja leicht und gleich.25

428. An Emanuel.

Guten Morgen, Emanuel! Odilie bettelt ſich von mir zu Ihnen
hinüber. Wollen Sie die Bettlerin einlaſſen? — C[aroline] wird,
wenn ſie kann, den Blinden in Gera beſuchen; und er wirds ihr30
und Ihnen danken.

429. An Eliſe Feind in Leipzig.

Liebe ſchweigende Freundin! Seit wie vielen Jahren wohnen Sie
für mich auf einem andern Planeten, ſo wenig weiß und erfahr’35

<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0182" n="169"/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>425. An <hi rendition="#g">Emanuel.</hi></head><lb/>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Bayreuth, 4. Jan. 1811]</hi> </dateline><lb/>
        <p>Einen guten Morgen für den guten Morgen, den Sie mir,<lb/>
Guter, wieder gegeben. <hi rendition="#aq">Jaques</hi> i&#x017F;t ein tüchtiger Mann und ein<lb/>
be&#x017F;&#x017F;erer Styli&#x017F;t als &#x017F;ein Bruder, der &#x017F;ich immer widerlicher ver-<lb n="5"/>
&#x017F;chraubt. Die&#x017F;er Bund von Ge&#x017F;chäftstüchtigkeit, Gefühl, Philo-<lb/>
&#x017F;ophie und Dichtung vollendet den Mann. &#x2014; Frage: da ich von<lb/><hi rendition="#aq">Jung</hi> in <hi rendition="#aq">Frankfurt</hi> noch keine Antwort auf meine Frage erhalten,<lb/>
ob ich die monatliche Pen&#x017F;ion auch bei dem Rentmei&#x017F;ter durch An-<lb/>
wei&#x017F;ungen beziehen dürfe: (&#x017F;o weit hatt&#x2019; ich ge&#x017F;chrieben, als Ihre<lb n="10"/>
Aufwärterin kam; die Antwort &#x017F;oll folgen) &#x017F;o frag&#x2019; ich, ob es mir<lb/>
nicht &#x017F;chade, daß ich noch nichts bezogen.</p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>426. An <hi rendition="#g">Emanuel.</hi></head><lb/>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Bayreuth, 4. Jan. 1811]</hi> </dateline><lb/>
        <p>Lieber! Gott mag wi&#x017F;&#x017F;en, was <hi rendition="#aq">Th[ieriot]</hi> will; er &#x017F;elber weiß<lb n="15"/>
es auch nicht. Ich durfte doch die unver&#x017F;iegelte Schachtel der Frau<lb/>
anvertrauen?</p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>427. An <hi rendition="#g">Emanuel.</hi></head><lb/>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Bayreuth, 4. Jan. 1811]</hi> </dateline><lb/>
        <p>Guten Abend, Guter! Haben Sie Dank! Ich hab&#x2019; ihr &#x017F;chon<lb n="20"/>
ge&#x017F;chrieben, aber nichts ge&#x017F;chickt, da ich nicht gewiß weiß wo &#x017F;ie<lb/>
i&#x017F;t, und da &#x017F;ie <hi rendition="#g">jetzt</hi> &#x017F;chon läng&#x017F;t geborgt haben muß, (im letzten<lb/>
Briefe hatte &#x017F;ie nur noch 7 fl.) und &#x017F;on&#x017F;t aus Ur&#x017F;achen. Sie borge,<lb/>
wie ich ge&#x017F;chrieben, lieber zu viel als zu wenig; bezahlen kann ich<lb/>
ja leicht und gleich.<lb n="25"/>
</p>
      </div>
      <div type="letter" n="1">
        <head>428. An <hi rendition="#g">Emanuel.</hi></head><lb/>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Bayreuth, 5. Jan. 1811]</hi> </dateline><lb/>
        <p>Guten Morgen, <hi rendition="#aq">Emanuel! Odilie</hi> bettelt &#x017F;ich von mir zu Ihnen<lb/>
hinüber. Wollen Sie die Bettlerin einla&#x017F;&#x017F;en? &#x2014; <hi rendition="#aq">C[aroline]</hi> wird,<lb/>
wenn &#x017F;ie kann, den Blinden in <hi rendition="#aq">Gera</hi> be&#x017F;uchen; und er wirds ihr<lb n="30"/>
und Ihnen danken.</p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>429. An <hi rendition="#g">Eli&#x017F;e Feind in Leipzig.</hi></head><lb/>
        <dateline> <hi rendition="#right"><hi rendition="#aq">Bayreuth</hi> d. 5. Jenn. 1811</hi> </dateline><lb/>
        <p>Liebe &#x017F;chweigende Freundin! Seit wie vielen Jahren wohnen Sie<lb/>
für mich auf einem andern Planeten, &#x017F;o wenig weiß und erfahr&#x2019;<lb n="35"/>
</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[169/0182] 425. An Emanuel. [Bayreuth, 4. Jan. 1811] Einen guten Morgen für den guten Morgen, den Sie mir, Guter, wieder gegeben. Jaques iſt ein tüchtiger Mann und ein beſſerer Styliſt als ſein Bruder, der ſich immer widerlicher ver- 5 ſchraubt. Dieſer Bund von Geſchäftstüchtigkeit, Gefühl, Philo- ſophie und Dichtung vollendet den Mann. — Frage: da ich von Jung in Frankfurt noch keine Antwort auf meine Frage erhalten, ob ich die monatliche Penſion auch bei dem Rentmeiſter durch An- weiſungen beziehen dürfe: (ſo weit hatt’ ich geſchrieben, als Ihre 10 Aufwärterin kam; die Antwort ſoll folgen) ſo frag’ ich, ob es mir nicht ſchade, daß ich noch nichts bezogen. 426. An Emanuel. [Bayreuth, 4. Jan. 1811] Lieber! Gott mag wiſſen, was Th[ieriot] will; er ſelber weiß 15 es auch nicht. Ich durfte doch die unverſiegelte Schachtel der Frau anvertrauen? 427. An Emanuel. [Bayreuth, 4. Jan. 1811] Guten Abend, Guter! Haben Sie Dank! Ich hab’ ihr ſchon 20 geſchrieben, aber nichts geſchickt, da ich nicht gewiß weiß wo ſie iſt, und da ſie jetzt ſchon längſt geborgt haben muß, (im letzten Briefe hatte ſie nur noch 7 fl.) und ſonſt aus Urſachen. Sie borge, wie ich geſchrieben, lieber zu viel als zu wenig; bezahlen kann ich ja leicht und gleich. 25 428. An Emanuel. [Bayreuth, 5. Jan. 1811] Guten Morgen, Emanuel! Odilie bettelt ſich von mir zu Ihnen hinüber. Wollen Sie die Bettlerin einlaſſen? — C[aroline] wird, wenn ſie kann, den Blinden in Gera beſuchen; und er wirds ihr 30 und Ihnen danken. 429. An Eliſe Feind in Leipzig. Bayreuth d. 5. Jenn. 1811 Liebe ſchweigende Freundin! Seit wie vielen Jahren wohnen Sie für mich auf einem andern Planeten, ſo wenig weiß und erfahr’ 35

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-11-22T15:17:09Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-11-22T15:17:09Z)

Weitere Informationen:

Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).

Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe06_1962
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe06_1962/182
Zitationshilfe: Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 6. Berlin, 1952, S. 169. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe06_1962/182>, abgerufen am 22.09.2019.