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Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 6. Berlin, 1952.

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380. An Graf Thürheim in Bayreuth.
[Konzept]

Den 2 Bittschriften an Ihro [Exzellenz] wag' ich 2 Bitten an-
zufügen. Die erste Bittschrift ist von einem Liebmann in Schwar-
zenbach, die eines Abgebrannten, der nichts aus dem Scheiterhaufen5
seines Glücks neben seinem Hause errettete als seine Familie und
seinen Kopf. Dieser, von der Natur begünstigt, wurde ausgebildet
durch einen Kaufmann Herold in Hof, der mit mehr als kauf-
männischer Genialität eine (noch dauernde) Kattunfabrik errichtet
und eine preußische Salzfaktorei versehen.10

Die zweite Bittschrift ist von meinem Bruder, Rendant in
Sparneck. Ich darf den Gründen, womit er in seiner Supplik die
Bitte um einen bessern Posten z. B. bei der Mauth wird unter-
stützt haben, bei Ihrer Exzellenz, deren Einsicht das Rechte erräth
und durch Ihr Herz das Rechte ausführt, nichts hinzusetzen als15
höchstens die Thatsache, daß er von der hiesigen Kammer sogar
eine Prämie für seinen Dienst-Eifer erhalten.

Ew. [Exzellenz] übersend' ich diesen Suppliken-Dualis zusammen,
um Sie in Ihren großen Geschäften nur Einmal mit kleinen zu
unterbrechen. Ich wünsche das Glück, von Ihnen gekannt zu sein,20
ungetrübt von meinen persönlichen Bitten zu genießen, zumal da
Fürsten und Minister so oft mit Recht hinter jedem befreundeten
Besuche und Worte irgend eine Bittschrift wie ein Schnupftuch
aus der Tasche herauslauern sehen, die man etwa nach einigen
Minuten [?] hervorzieht und überreicht. Möge das Aufblühen des25
Landes Sie für Ihre geistige Unermüdlichkeit wenigstens ent-
schädigen, ja sogar belohnen!

381. An Kammerrat Miedel in Bayreuth.

Guten Morgen! Der alte gute Bergrath Werner besuchte mich30
wieder. Er fragte nach der Bergkarte Tirnesi's. Wenn Sie diese
-- wie ich mich gehört zu haben erinnere -- erstanden: so würde er
sich vielleicht Nachmittags das Vergnügen machen, Sie und die
Karte zu besuchen. Er freuet sich, hier noch einen Freund seiner
Wissenschaft anzutreffen.

Richter35
10*
380. An Graf Thürheim in Bayreuth.
[Konzept]

Den 2 Bittſchriften an Ihro [Exzellenz] wag’ ich 2 Bitten an-
zufügen. Die erſte Bittſchrift iſt von einem Liebmann in Schwar-
zenbach, die eines Abgebrannten, der nichts aus dem Scheiterhaufen5
ſeines Glücks neben ſeinem Hauſe errettete als ſeine Familie und
ſeinen Kopf. Dieſer, von der Natur begünſtigt, wurde ausgebildet
durch einen Kaufmann Herold in Hof, der mit mehr als kauf-
männiſcher Genialität eine (noch dauernde) Kattunfabrik errichtet
und eine preußiſche Salzfaktorei verſehen.10

Die zweite Bittſchrift iſt von meinem Bruder, Rendant in
Sparneck. Ich darf den Gründen, womit er in ſeiner Supplik die
Bitte um einen beſſern Poſten z. B. bei der Mauth wird unter-
ſtützt haben, bei Ihrer Exzellenz, deren Einſicht das Rechte erräth
und durch Ihr Herz das Rechte ausführt, nichts hinzuſetzen als15
höchſtens die Thatſache, daß er von der hieſigen Kammer ſogar
eine Prämie für ſeinen Dienſt-Eifer erhalten.

Ew. [Exzellenz] überſend’ ich dieſen Suppliken-Dualis zuſammen,
um Sie in Ihren großen Geſchäften nur Einmal mit kleinen zu
unterbrechen. Ich wünſche das Glück, von Ihnen gekannt zu ſein,20
ungetrübt von meinen perſönlichen Bitten zu genießen, zumal da
Fürſten und Miniſter ſo oft mit Recht hinter jedem befreundeten
Beſuche und Worte irgend eine Bittſchrift wie ein Schnupftuch
aus der Taſche herauslauern ſehen, die man etwa nach einigen
Minuten [?] hervorzieht und überreicht. Möge das Aufblühen des25
Landes Sie für Ihre geiſtige Unermüdlichkeit wenigſtens ent-
ſchädigen, ja ſogar belohnen!

381. An Kammerrat Miedel in Bayreuth.

Guten Morgen! Der alte gute Bergrath Werner beſuchte mich30
wieder. Er fragte nach der Bergkarte Tirnesi’s. Wenn Sie dieſe
— wie ich mich gehört zu haben erinnere — erſtanden: ſo würde er
ſich vielleicht Nachmittags das Vergnügen machen, Sie und die
Karte zu beſuchen. Er freuet ſich, hier noch einen Freund ſeiner
Wiſſenſchaft anzutreffen.

Richter35
10*
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[147/0160] 380. An Graf Thürheim in Bayreuth. [Bayreuth, Anfang Nov. 1810] Den 2 Bittſchriften an Ihro [Exzellenz] wag’ ich 2 Bitten an- zufügen. Die erſte Bittſchrift iſt von einem Liebmann in Schwar- zenbach, die eines Abgebrannten, der nichts aus dem Scheiterhaufen 5 ſeines Glücks neben ſeinem Hauſe errettete als ſeine Familie und ſeinen Kopf. Dieſer, von der Natur begünſtigt, wurde ausgebildet durch einen Kaufmann Herold in Hof, der mit mehr als kauf- männiſcher Genialität eine (noch dauernde) Kattunfabrik errichtet und eine preußiſche Salzfaktorei verſehen. 10 Die zweite Bittſchrift iſt von meinem Bruder, Rendant in Sparneck. Ich darf den Gründen, womit er in ſeiner Supplik die Bitte um einen beſſern Poſten z. B. bei der Mauth wird unter- ſtützt haben, bei Ihrer Exzellenz, deren Einſicht das Rechte erräth und durch Ihr Herz das Rechte ausführt, nichts hinzuſetzen als 15 höchſtens die Thatſache, daß er von der hieſigen Kammer ſogar eine Prämie für ſeinen Dienſt-Eifer erhalten. Ew. [Exzellenz] überſend’ ich dieſen Suppliken-Dualis zuſammen, um Sie in Ihren großen Geſchäften nur Einmal mit kleinen zu unterbrechen. Ich wünſche das Glück, von Ihnen gekannt zu ſein, 20 ungetrübt von meinen perſönlichen Bitten zu genießen, zumal da Fürſten und Miniſter ſo oft mit Recht hinter jedem befreundeten Beſuche und Worte irgend eine Bittſchrift wie ein Schnupftuch aus der Taſche herauslauern ſehen, die man etwa nach einigen Minuten [?] hervorzieht und überreicht. Möge das Aufblühen des 25 Landes Sie für Ihre geiſtige Unermüdlichkeit wenigſtens ent- ſchädigen, ja ſogar belohnen! 381. An Kammerrat Miedel in Bayreuth. [Bayreuth, Nov. 1810?] Guten Morgen! Der alte gute Bergrath Werner beſuchte mich 30 wieder. Er fragte nach der Bergkarte Tirnesi’s. Wenn Sie dieſe — wie ich mich gehört zu haben erinnere — erſtanden: ſo würde er ſich vielleicht Nachmittags das Vergnügen machen, Sie und die Karte zu beſuchen. Er freuet ſich, hier noch einen Freund ſeiner Wiſſenſchaft anzutreffen. Richter 35 10*

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Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-11-22T15:17:09Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-11-22T15:17:09Z)

Weitere Informationen:

Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).

Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.




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Zitationshilfe: Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 6. Berlin, 1952, S. 147. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe06_1962/160>, abgerufen am 21.09.2019.