Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 6. Berlin, 1952.

Bild:
<< vorherige Seite
357. An Emanuel.

Guten Morgen, mein Freund! (Seltsam genug, daß die
letzten 2 Wörter, also gerade die besten zum Ausdruck des Gegen-
theils gemisbraucht werden.) Unser Juden-Franzose ist gestern5
nicht gekommen. -- Ich bitte Sie um den Brief an Petrik für die
Post. -- Muskau liegt doch in der Lausitz? -- Von Otto lassen
Sie sich, wenn er damit durch ist, den Cottaischen Kalender geben,
worin meine Erzählung über die von der Kinderliebe ist.

R.10
358. An Emanuel.

Guten Morgen, Emanuel! Verzeihen Sie die Verzögerung;
ich konnte den Brief nicht sogleich finden; verloren aber geht bei
mir so viel wie bei Ihnen -- nämlich nichts. -- Mit Philodor15
hab' ich noch nicht über den Punkt gesprochen, worüber Sie sehr
Recht haben. -- Im Ganzen mag er, wie seine gezirkelte Hand-
schrift und seine französische Phrasen-Jagd beweisen, nicht die
rechte Innigkeit, die zum Schreiben wie zum Leben gehört, be-
wahret haben.20

359. An Emanuel.

Herzlichen Dank, Fortgeber! Zum Glück hatt' ich so langes
schönes Wetter mich zum Reisen zu entschließen, daß ich mit dem
Entschluße zufrieden sein kann, wenn es morgen (wie es Ihnen25
scheint und mir gewiß ist) elend wird.

360. An Otto.

Guten Morgen, Alter! Hier Goethe -- von den drei angekom-
menen Literaturzeitungen erst eine -- und der gestern angelangte30
Roman von der Fouque. Während euerem Lesen les' ich das
Ältere durch, um zu wissen, ob es rezensierbar.

357. An Emanuel.

Guten Morgen, mein Freund! (Seltſam genug, daß die
letzten 2 Wörter, alſo gerade die beſten zum Ausdruck des Gegen-
theils gemisbraucht werden.) Unſer Juden-Franzoſe iſt geſtern5
nicht gekommen. — Ich bitte Sie um den Brief an Petrik für die
Poſt. — Muſkau liegt doch in der Lauſitz? — Von Otto laſſen
Sie ſich, wenn er damit durch iſt, den Cottaischen Kalender geben,
worin meine Erzählung über die 〈von der〉 Kinderliebe iſt.

R.10
358. An Emanuel.

Guten Morgen, Emanuel! Verzeihen Sie die Verzögerung;
ich konnte den Brief nicht ſogleich finden; verloren aber geht bei
mir ſo viel wie bei Ihnen — nämlich nichts. — Mit Philodor15
hab’ ich noch nicht über den Punkt geſprochen, worüber Sie ſehr
Recht haben. — Im Ganzen mag er, wie ſeine gezirkelte Hand-
ſchrift und ſeine franzöſiſche Phraſen-Jagd beweiſen, nicht die
rechte Innigkeit, die zum Schreiben wie zum Leben gehört, be-
wahret haben.20

359. An Emanuel.

Herzlichen Dank, Fortgeber! Zum Glück hatt’ ich ſo langes
ſchönes Wetter mich zum Reiſen zu entſchließen, daß ich mit dem
Entſchluße zufrieden ſein kann, wenn es morgen (wie es Ihnen25
ſcheint und mir gewiß iſt) elend wird.

360. An Otto.

Guten Morgen, Alter! Hier Goethe — von den drei angekom-
menen Literaturzeitungen erſt eine — und der geſtern angelangte30
Roman von der Fouqué. Während euerem Leſen leſ’ ich das
Ältere durch, um zu wiſſen, ob es rezenſierbar.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0153" n="140"/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>357. An <hi rendition="#g">Emanuel.</hi></head><lb/>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Bayreuth, 22. Sept. 1810]</hi> </dateline><lb/>
        <p>Guten Morgen, <hi rendition="#g">mein Freund!</hi> (Selt&#x017F;am genug, daß die<lb/>
letzten 2 Wörter, al&#x017F;o gerade die be&#x017F;ten zum Ausdruck des Gegen-<lb/>
theils gemisbraucht werden.) Un&#x017F;er Juden-Franzo&#x017F;e i&#x017F;t ge&#x017F;tern<lb n="5"/>
nicht gekommen. &#x2014; Ich bitte Sie um den Brief an Petrik für die<lb/>
Po&#x017F;t. &#x2014; Mu&#x017F;kau liegt doch in der Lau&#x017F;itz? &#x2014; Von <hi rendition="#aq">Otto</hi> la&#x017F;&#x017F;en<lb/>
Sie &#x017F;ich, wenn er damit durch i&#x017F;t, den <hi rendition="#aq">Cottaischen</hi> Kalender geben,<lb/>
worin meine Erzählung über die &#x2329;von der&#x232A; Kinderliebe i&#x017F;t.</p><lb/>
        <closer>
          <salute> <hi rendition="#right">R.</hi> <lb n="10"/>
          </salute>
        </closer>
      </div>
      <div type="letter" n="1">
        <head>358. An <hi rendition="#g">Emanuel.</hi></head><lb/>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Bayreuth, 24. Sept. 1810]</hi> </dateline><lb/>
        <p>Guten Morgen, Emanuel! Verzeihen Sie die Verzögerung;<lb/>
ich konnte den Brief nicht &#x017F;ogleich finden; verloren aber geht bei<lb/>
mir &#x017F;o viel wie bei Ihnen &#x2014; nämlich nichts. &#x2014; Mit <hi rendition="#aq">Philodor</hi><lb n="15"/>
hab&#x2019; ich noch nicht über den Punkt ge&#x017F;prochen, worüber Sie &#x017F;ehr<lb/><hi rendition="#g">Recht haben.</hi> &#x2014; Im Ganzen mag er, wie &#x017F;eine gezirkelte Hand-<lb/>
&#x017F;chrift und &#x017F;eine franzö&#x017F;i&#x017F;che Phra&#x017F;en-Jagd bewei&#x017F;en, nicht die<lb/>
rechte Innigkeit, die zum Schreiben wie zum Leben gehört, be-<lb/>
wahret haben.<lb n="20"/>
</p>
      </div>
      <div type="letter" n="1">
        <head>359. An <hi rendition="#g">Emanuel.</hi></head><lb/>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Bayreuth, 30. Sept. 1810]</hi> </dateline><lb/>
        <p>Herzlichen Dank, Fortgeber! Zum Glück hatt&#x2019; ich &#x017F;o langes<lb/>
&#x017F;chönes Wetter mich zum Rei&#x017F;en zu ent&#x017F;chließen, daß ich mit dem<lb/>
Ent&#x017F;chluße zufrieden &#x017F;ein kann, wenn es morgen (wie es Ihnen<lb n="25"/>
&#x017F;cheint und mir gewiß i&#x017F;t) elend wird.</p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>360. An <hi rendition="#g">Otto.</hi></head><lb/>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Bayreuth, Sept. oder Okt. 1810]</hi> </dateline><lb/>
        <p>Guten Morgen, Alter! Hier <hi rendition="#aq">Goethe</hi> &#x2014; von den drei angekom-<lb/>
menen <hi rendition="#aq">Literaturzeitungen</hi> er&#x017F;t eine &#x2014; und der ge&#x017F;tern angelangte<lb n="30"/>
Roman von der <hi rendition="#aq">Fouqué.</hi> Während euerem Le&#x017F;en le&#x017F;&#x2019; ich das<lb/>
Ältere durch, um zu wi&#x017F;&#x017F;en, ob es rezen&#x017F;ierbar.</p>
      </div><lb/>
    </body>
  </text>
</TEI>
[140/0153] 357. An Emanuel. [Bayreuth, 22. Sept. 1810] Guten Morgen, mein Freund! (Seltſam genug, daß die letzten 2 Wörter, alſo gerade die beſten zum Ausdruck des Gegen- theils gemisbraucht werden.) Unſer Juden-Franzoſe iſt geſtern 5 nicht gekommen. — Ich bitte Sie um den Brief an Petrik für die Poſt. — Muſkau liegt doch in der Lauſitz? — Von Otto laſſen Sie ſich, wenn er damit durch iſt, den Cottaischen Kalender geben, worin meine Erzählung über die 〈von der〉 Kinderliebe iſt. R. 10 358. An Emanuel. [Bayreuth, 24. Sept. 1810] Guten Morgen, Emanuel! Verzeihen Sie die Verzögerung; ich konnte den Brief nicht ſogleich finden; verloren aber geht bei mir ſo viel wie bei Ihnen — nämlich nichts. — Mit Philodor 15 hab’ ich noch nicht über den Punkt geſprochen, worüber Sie ſehr Recht haben. — Im Ganzen mag er, wie ſeine gezirkelte Hand- ſchrift und ſeine franzöſiſche Phraſen-Jagd beweiſen, nicht die rechte Innigkeit, die zum Schreiben wie zum Leben gehört, be- wahret haben. 20 359. An Emanuel. [Bayreuth, 30. Sept. 1810] Herzlichen Dank, Fortgeber! Zum Glück hatt’ ich ſo langes ſchönes Wetter mich zum Reiſen zu entſchließen, daß ich mit dem Entſchluße zufrieden ſein kann, wenn es morgen (wie es Ihnen 25 ſcheint und mir gewiß iſt) elend wird. 360. An Otto. [Bayreuth, Sept. oder Okt. 1810] Guten Morgen, Alter! Hier Goethe — von den drei angekom- menen Literaturzeitungen erſt eine — und der geſtern angelangte 30 Roman von der Fouqué. Während euerem Leſen leſ’ ich das Ältere durch, um zu wiſſen, ob es rezenſierbar.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-11-22T15:17:09Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-11-22T15:17:09Z)

Weitere Informationen:

Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).

Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe06_1962
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe06_1962/153
Zitationshilfe: Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 6. Berlin, 1952, S. 140. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe06_1962/153>, abgerufen am 18.09.2019.