Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 1. Berlin, 1956.

Bild:
<< vorherige Seite
226. An Herman in Erlangen.
[Kopie]

Zieh daraus eine Folge. Da seine [Ottos] Brüder die Unter-
stüzung errathen müssen, weil sie sich für deine Seitenlehnen
halten -- da er dir iede dankbare Abhängigkeit als die von ihm er-5
sparen wil -- da er sich und dir deine Unterstüzung erschwert: so
schrieb ich etc. daß der medizinische Sieg deiner Kentnisse über ihre
Bekantschaft etc. zweifelhaft sei. Und da nur die triumphiren durften,
die eine gewisse Zahl getödtet zu haben beschwören konten: so trium-
phirst du nicht. -- Zu ihrer Freude über deinen Zugang zu Delius10
geselte sich eine wünschende Hofnung, daß seine Tochter deinen Zugang
nicht erlauben sondern verdienen möchte. Unterstreiche das Wort
Tochter.... Zu andern mus man sagen: sei was du scheinst; zu dir:
scheine was du bist. Erdulde noch einmal wie ein Man das Alpdrükken
des Schiksals: es wird dich einmal iemand bei Namen nennen, du15
wirst die Augen aufschlagen und stat der quetschenden Gespenster die
Sonne erblikken -- Frage deine leisern Empfindungen, ob nicht eine[259]
Rache für die O[ttoische] Verzögerung die Stimme zum Einfal des
Davonlaufens mit giebt...Die gebratne Taube einer Erbschaft flog
ihm [?] in den Mund..... Tridrama: Streit des Erzengels Michael20
mit den Teufeln um den Leichnam des Heerführers Moses... Es sol
mich der T. todt oder lebendig holen, wenn mich nicht gereut ein
Wort zu seiner Vertheidigung gesagt zu haben, nicht weil ich über-
zeugt bin sondern weil ich Sie nicht überzeugt und nicht beweisen
konte, daß 2 · 2 = 4 ist.25

227. An Christian Otto.
[Kopie]

Denn den Sontag geh' ich und der Merkur nach Rehau. Was den
Protektor von der Vogelwiese anlangt: so ist es auch seine Pflicht, ob
er gleich wie ein Planet ein Jahr lang regieret und mithin vermöge30
eines erwiesenen Regale wenig und langsam lesen kan -- das[mal]
eine Ausnahme zu machen und dem schnellen Hirschen nachzuahmen,
den er essen wil.

Da meine Mutter auf den Zettel d[er] Subsidiengeld[er] d[en]
Post[en] v[om] heu[tigen] Jakobi zu sezen vergessen: so thu' du es.35

226. An Herman in Erlangen.
[Kopie]

Zieh daraus eine Folge. Da ſeine [Ottos] Brüder die Unter-
ſtüzung errathen müſſen, weil ſie ſich für deine Seitenlehnen
halten — da er dir iede dankbare Abhängigkeit als die von ihm er-5
ſparen wil — da er ſich und dir deine Unterſtüzung erſchwert: ſo
ſchrieb ich ꝛc. daß der mediziniſche Sieg deiner Kentniſſe über ihre
Bekantſchaft ꝛc. zweifelhaft ſei. Und da nur die triumphiren durften,
die eine gewiſſe Zahl getödtet zu haben beſchwören konten: ſo trium-
phirſt du nicht. — Zu ihrer Freude über deinen Zugang zu Delius10
geſelte ſich eine wünſchende Hofnung, daß ſeine Tochter deinen Zugang
nicht erlauben ſondern verdienen möchte. Unterſtreiche das Wort
Tochter.... Zu andern mus man ſagen: ſei was du ſcheinſt; zu dir:
ſcheine was du biſt. Erdulde noch einmal wie ein Man das Alpdrükken
des Schikſals: es wird dich einmal iemand bei Namen nennen, du15
wirſt die Augen aufſchlagen und ſtat der quetſchenden Geſpenſter die
Sonne erblikken — Frage deine leiſern Empfindungen, ob nicht eine[259]
Rache für die O[ttoiſche] Verzögerung die Stimme zum Einfal des
Davonlaufens mit giebt...Die gebratne Taube einer Erbſchaft flog
ihm [?] in den Mund..... Tridrama: Streit des Erzengels Michael20
mit den Teufeln um den Leichnam des Heerführers Moſes... Es ſol
mich der T. todt oder lebendig holen, wenn mich nicht gereut ein
Wort zu ſeiner Vertheidigung geſagt zu haben, nicht weil ich über-
zeugt bin ſondern weil ich Sie nicht überzeugt und nicht beweiſen
konte, daß 2 · 2 = 4 iſt.25

227. An Chriſtian Otto.
[Kopie]

Denn den Sontag geh’ ich und der Merkur nach Rehau. Was den
Protektor von der Vogelwieſe anlangt: ſo iſt es auch ſeine Pflicht, ob
er gleich wie ein Planet ein Jahr lang regieret und mithin vermöge30
eines erwieſenen Regale wenig und langſam leſen kan — das[mal]
eine Ausnahme zu machen und dem ſchnellen Hirſchen nachzuahmen,
den er eſſen wil.

Da meine Mutter auf den Zettel d[er] Subſidiengeld[er] d[en]
Poſt[en] v[om] heu[tigen] Jakobi zu ſezen vergeſſen: ſo thu’ du es.35

<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0270" n="245"/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>226. An <hi rendition="#g">Herman in Erlangen.</hi></head><lb/>
        <note type="editorial"><metamark>[</metamark>Kopie<metamark>]</metamark></note>
        <dateline> <hi rendition="#right"><metamark>[</metamark>Töpen, 20. Juli 1788<metamark>]</metamark></hi> </dateline><lb/>
        <p>Zieh daraus eine Folge. Da &#x017F;eine <metamark>[</metamark>Ottos<metamark>]</metamark> Brüder die Unter-<lb/>
&#x017F;tüzung errathen mü&#x017F;&#x017F;en, weil &#x017F;ie &#x017F;ich für deine <hi rendition="#g">Seitenlehnen</hi><lb/>
halten &#x2014; da er dir iede dankbare Abhängigkeit als die von ihm er-<lb n="5"/>
&#x017F;paren wil &#x2014; da er &#x017F;ich und dir deine Unter&#x017F;tüzung er&#x017F;chwert: &#x017F;o<lb/>
&#x017F;chrieb ich &#xA75B;c. daß der medizini&#x017F;che Sieg deiner Kentni&#x017F;&#x017F;e über ihre<lb/>
Bekant&#x017F;chaft &#xA75B;c. zweifelhaft &#x017F;ei. Und da nur die triumphiren durften,<lb/>
die eine gewi&#x017F;&#x017F;e Zahl getödtet zu haben be&#x017F;chwören konten: &#x017F;o trium-<lb/>
phir&#x017F;t du nicht. &#x2014; Zu ihrer Freude über deinen Zugang zu Delius<lb n="10"/>
ge&#x017F;elte &#x017F;ich eine wün&#x017F;chende Hofnung, daß &#x017F;eine Tochter deinen Zugang<lb/>
nicht erlauben &#x017F;ondern verdienen möchte. Unter&#x017F;treiche das Wort<lb/>
Tochter.... Zu andern mus man &#x017F;agen: &#x017F;ei was du &#x017F;chein&#x017F;t; zu dir:<lb/>
&#x017F;cheine was du bi&#x017F;t. Erdulde noch einmal wie ein Man das Alpdrükken<lb/>
des Schik&#x017F;als: es wird dich einmal iemand bei Namen nennen, du<lb n="15"/>
wir&#x017F;t die Augen auf&#x017F;chlagen und &#x017F;tat der quet&#x017F;chenden Ge&#x017F;pen&#x017F;ter die<lb/>
Sonne erblikken &#x2014; Frage deine lei&#x017F;ern Empfindungen, ob nicht eine<note place="right"><ref target="1922_Bd#_259">[259]</ref></note><lb/>
Rache für die O<metamark>[</metamark>ttoi&#x017F;che<metamark>]</metamark> Verzögerung die Stimme zum Einfal des<lb/>
Davonlaufens mit giebt...Die gebratne Taube einer Erb&#x017F;chaft flog<lb/>
ihm <metamark>[?]</metamark> in den Mund..... Tridrama: Streit des Erzengels Michael<lb n="20"/>
mit den Teufeln um den Leichnam des Heerführers Mo&#x017F;es... Es &#x017F;ol<lb/>
mich der T. todt oder lebendig holen, wenn mich nicht gereut ein<lb/>
Wort zu &#x017F;einer Vertheidigung ge&#x017F;agt zu haben, nicht weil ich über-<lb/>
zeugt bin &#x017F;ondern weil ich Sie nicht überzeugt und nicht bewei&#x017F;en<lb/>
konte, daß 2 · 2 = 4 i&#x017F;t.<lb n="25"/>
</p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>227. An <hi rendition="#g">Chri&#x017F;tian Otto.</hi></head><lb/>
        <note type="editorial"><metamark>[</metamark>Kopie<metamark>]</metamark></note>
        <dateline> <hi rendition="#right"><metamark>[</metamark>Töpen, 25. Juli 1788. Freitag<metamark>]</metamark></hi> </dateline><lb/>
        <p>Denn den Sontag geh&#x2019; ich und der Merkur nach Rehau. Was den<lb/>
Protektor von der Vogelwie&#x017F;e anlangt: &#x017F;o i&#x017F;t es auch &#x017F;eine Pflicht, ob<lb/>
er gleich wie ein Planet ein Jahr lang regieret und mithin vermöge<lb n="30"/>
eines erwie&#x017F;enen Regale wenig und lang&#x017F;am le&#x017F;en kan &#x2014; das<metamark>[</metamark>mal<metamark>]</metamark><lb/>
eine Ausnahme zu machen und dem &#x017F;chnellen Hir&#x017F;chen nachzuahmen,<lb/>
den er e&#x017F;&#x017F;en wil.</p><lb/>
        <p>Da meine Mutter auf den Zettel d<metamark>[</metamark>er<metamark>]</metamark> Sub&#x017F;idiengeld<metamark>[</metamark>er<metamark>]</metamark> d<metamark>[</metamark>en<metamark>]</metamark><lb/>
Po&#x017F;t<metamark>[</metamark>en<metamark>]</metamark> v<metamark>[</metamark>om<metamark>]</metamark> heu<metamark>[</metamark>tigen<metamark>]</metamark> Jakobi zu &#x017F;ezen verge&#x017F;&#x017F;en: &#x017F;o thu&#x2019; du es.<lb n="35"/>
</p>
      </div><lb/>
    </body>
  </text>
</TEI>
[245/0270] 226. An Herman in Erlangen. [Töpen, 20. Juli 1788] Zieh daraus eine Folge. Da ſeine [Ottos] Brüder die Unter- ſtüzung errathen müſſen, weil ſie ſich für deine Seitenlehnen halten — da er dir iede dankbare Abhängigkeit als die von ihm er- 5 ſparen wil — da er ſich und dir deine Unterſtüzung erſchwert: ſo ſchrieb ich ꝛc. daß der mediziniſche Sieg deiner Kentniſſe über ihre Bekantſchaft ꝛc. zweifelhaft ſei. Und da nur die triumphiren durften, die eine gewiſſe Zahl getödtet zu haben beſchwören konten: ſo trium- phirſt du nicht. — Zu ihrer Freude über deinen Zugang zu Delius 10 geſelte ſich eine wünſchende Hofnung, daß ſeine Tochter deinen Zugang nicht erlauben ſondern verdienen möchte. Unterſtreiche das Wort Tochter.... Zu andern mus man ſagen: ſei was du ſcheinſt; zu dir: ſcheine was du biſt. Erdulde noch einmal wie ein Man das Alpdrükken des Schikſals: es wird dich einmal iemand bei Namen nennen, du 15 wirſt die Augen aufſchlagen und ſtat der quetſchenden Geſpenſter die Sonne erblikken — Frage deine leiſern Empfindungen, ob nicht eine Rache für die O[ttoiſche] Verzögerung die Stimme zum Einfal des Davonlaufens mit giebt...Die gebratne Taube einer Erbſchaft flog ihm [?] in den Mund..... Tridrama: Streit des Erzengels Michael 20 mit den Teufeln um den Leichnam des Heerführers Moſes... Es ſol mich der T. todt oder lebendig holen, wenn mich nicht gereut ein Wort zu ſeiner Vertheidigung geſagt zu haben, nicht weil ich über- zeugt bin ſondern weil ich Sie nicht überzeugt und nicht beweiſen konte, daß 2 · 2 = 4 iſt. 25 [259] 227. An Chriſtian Otto. [Töpen, 25. Juli 1788. Freitag] Denn den Sontag geh’ ich und der Merkur nach Rehau. Was den Protektor von der Vogelwieſe anlangt: ſo iſt es auch ſeine Pflicht, ob er gleich wie ein Planet ein Jahr lang regieret und mithin vermöge 30 eines erwieſenen Regale wenig und langſam leſen kan — das[mal] eine Ausnahme zu machen und dem ſchnellen Hirſchen nachzuahmen, den er eſſen wil. Da meine Mutter auf den Zettel d[er] Subſidiengeld[er] d[en] Poſt[en] v[om] heu[tigen] Jakobi zu ſezen vergeſſen: ſo thu’ du es. 35

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-11-22T14:52:17Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-11-22T14:52:17Z)

Weitere Informationen:

Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).

Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe01_1956
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe01_1956/270
Zitationshilfe: Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 1. Berlin, 1956, S. 245. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe01_1956/270>, abgerufen am 19.09.2020.