Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 1. Berlin, 1956.

Bild:
<< vorherige Seite

versität zu leben -- und Dieselben werden's auch wissen [?], wie wenig
meine Vermögensumstände hinreichen, damit die nötigen Kosten zu
bestreiten, da ich meinen sel. Vater so bald verloren, da ich noch neben
mir vier fast noch unerzogene Brüder habe. Nun hab' ich erfahren,
daß der H. Superintendent Esper verschiedene Stipendien, und auch5
Tische zu vergeben hat. Ich werde mich also meistenteils [?] auf
Stipendien verlassen. Allein noch hab' ich keins. Nun hab' ich er-
fahren, daß Dieselben bei dem H. Superintendenten in besonderer
Achtung stehen sollen, und daß man nur [?] Dieselben nötig habe, um
bei ihm alles zu erlangen; dürft' ich nun nicht Dieselben gehorsamst10
bitten, daß Sie Sich bei dem Hern Superintendenten erkundigen, ob
noch Stipendien oder Tische zu vergeben wären, und zugleich bei ihm
die Bitte für mich einlegten, daß der H. Superintendent mir gütigst
ein Stipendium und einen Tisch zukommen liesse. Von Dero Güte
gegen mich bin ichs versichert, daß Dieselben diesem Verlangen keine15
abschlägige Antwort geben werden. Ich sezze noch die Bitte hinzu,
Dieselben möchten mir es sogleich durch einige Zeilen bekant machen,
ob [für] mich etwas oder nichts zuerwarten. Ich würd' alsdann so-
gleich nach Wonsiedel reisen, und selbst bei dem H. Superintendenten
gehorsamst suppliziren, und auch bei Denenselben meiner Schuldigkeit20
ein Genüge leisten. Dero Güte läst mich alles hoffen. Ich wünsche
Denenselben wol zu leben. Meine Mama läst sich Denenselben ge-
horsamst empfehlen. Ich aber habe die Ehre, alzeit mich zu nennen

Deroselben
gehors. R.25
5. An Pfarrer Vogel in Rehau.
[Konzept]
Gehorsamstes Promemoria.

Für die Bücher, welche Dieselben mir neulich zu schikken die Gütigkeit
hatten, statt' ich Denenselben den gehorsamsten Dank [ab]. Wie30
herlich sind die Briefe aus d[em] Eng[lischen?]. Der Montaigne ist
über meinem Gesichtkreis. Aus einigen Stellen scheint mir, daß er
bieder und rechtschaffen [?] ist. Dieselben waren alzeit so gütig, mir[6]
meine Bitten zu gewären, ich hoffe, daß Dieselben auch die lezte um
folgende Bücher nicht abschlagen werden:35

Klopstok's Gelertenrepublik

verſität zu leben — und Dieſelben werden’s auch wiſſen [?], wie wenig
meine Vermögensumſtände hinreichen, damit die nötigen Koſten zu
beſtreiten, da ich meinen ſel. Vater ſo bald verloren, da ich noch neben
mir vier faſt noch unerzogene Brüder habe. Nun hab’ ich erfahren,
daß der H. Superintendent Eſper verſchiedene Stipendien, und auch5
Tiſche zu vergeben hat. Ich werde mich alſo meiſtenteils [?] auf
Stipendien verlaſſen. Allein noch hab’ ich keins. Nun hab’ ich er-
fahren, daß Dieſelben bei dem H. Superintendenten in beſonderer
Achtung ſtehen ſollen, und daß man nur [?] Dieſelben nötig habe, um
bei ihm alles zu erlangen; dürft’ ich nun nicht Dieſelben gehorſamſt10
bitten, daß Sie Sich bei dem Hern Superintendenten erkundigen, ob
noch Stipendien oder Tiſche zu vergeben wären, und zugleich bei ihm
die Bitte für mich einlegten, daß der H. Superintendent mir gütigſt
ein Stipendium und einen Tiſch zukommen lieſſe. Von Dero Güte
gegen mich bin ichs verſichert, daß Dieſelben dieſem Verlangen keine15
abſchlägige Antwort geben werden. Ich ſezze noch die Bitte hinzu,
Dieſelben möchten mir es ſogleich durch einige Zeilen bekant machen,
ob [für] mich etwas oder nichts zuerwarten. Ich würd’ alsdann ſo-
gleich nach Wonſiedel reiſen, und ſelbſt bei dem H. Superintendenten
gehorſamſt ſuppliziren, und auch bei Denenſelben meiner Schuldigkeit20
ein Genüge leiſten. Dero Güte läſt mich alles hoffen. Ich wünſche
Denenſelben wol zu leben. Meine Mama läſt ſich Denenſelben ge-
horſamſt empfehlen. Ich aber habe die Ehre, alzeit mich zu nennen

Deroſelben
gehorſ. R.25
5. An Pfarrer Vogel in Rehau.
[Konzept]
Gehorſamſtes Promemoria.

Für die Bücher, welche Dieſelben mir neulich zu ſchikken die Gütigkeit
hatten, ſtatt’ ich Denenſelben den gehorſamſten Dank [ab]. Wie30
herlich ſind die Briefe aus d[em] Eng[liſchen?]. Der Montaigne iſt
über meinem Geſichtkreis. Aus einigen Stellen ſcheint mir, daß er
bieder und rechtſchaffen [?] iſt. Dieſelben waren alzeit ſo gütig, mir[6]
meine Bitten zu gewären, ich hoffe, daß Dieſelben auch die lezte um
folgende Bücher nicht abſchlagen werden:35

Klopſtok’s Gelertenrepublik
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div type="letter" n="1">
        <p><pb facs="#f0027" n="5"/>
ver&#x017F;ität zu leben &#x2014; und Die&#x017F;elben werden&#x2019;s auch wi&#x017F;&#x017F;en <metamark>[?]</metamark>, wie wenig<lb/>
meine Vermögensum&#x017F;tände hinreichen, damit die nötigen Ko&#x017F;ten zu<lb/>
be&#x017F;treiten, da ich meinen &#x017F;el. Vater &#x017F;o bald verloren, da ich noch neben<lb/>
mir vier fa&#x017F;t noch unerzogene Brüder habe. Nun hab&#x2019; ich erfahren,<lb/>
daß der H. Superintendent E&#x017F;per ver&#x017F;chiedene Stipendien, und auch<lb n="5"/>
Ti&#x017F;che zu vergeben hat. Ich werde mich al&#x017F;o mei&#x017F;tenteils <metamark>[?]</metamark> auf<lb/>
Stipendien verla&#x017F;&#x017F;en. Allein noch hab&#x2019; ich keins. Nun hab&#x2019; ich er-<lb/>
fahren, daß Die&#x017F;elben bei dem H. Superintendenten in be&#x017F;onderer<lb/>
Achtung &#x017F;tehen &#x017F;ollen, und daß man nur <metamark>[?]</metamark> Die&#x017F;elben nötig habe, um<lb/>
bei ihm alles zu erlangen; dürft&#x2019; ich nun nicht Die&#x017F;elben gehor&#x017F;am&#x017F;t<lb n="10"/>
bitten, daß Sie Sich bei dem Hern Superintendenten erkundigen, ob<lb/>
noch Stipendien oder Ti&#x017F;che zu vergeben wären, und zugleich bei ihm<lb/>
die Bitte für mich einlegten, daß der H. Superintendent mir gütig&#x017F;t<lb/>
ein Stipendium und einen Ti&#x017F;ch zukommen lie&#x017F;&#x017F;e. Von Dero Güte<lb/>
gegen mich bin ichs ver&#x017F;ichert, daß Die&#x017F;elben die&#x017F;em Verlangen keine<lb n="15"/>
ab&#x017F;chlägige Antwort geben werden. Ich &#x017F;ezze noch die Bitte hinzu,<lb/>
Die&#x017F;elben möchten mir es &#x017F;ogleich durch einige Zeilen bekant machen,<lb/>
ob <metamark>[</metamark>für<metamark>]</metamark> mich etwas oder nichts zuerwarten. Ich würd&#x2019; alsdann &#x017F;o-<lb/>
gleich nach Won&#x017F;iedel rei&#x017F;en, und &#x017F;elb&#x017F;t bei dem H. Superintendenten<lb/>
gehor&#x017F;am&#x017F;t &#x017F;uppliziren, und auch bei Denen&#x017F;elben meiner Schuldigkeit<lb n="20"/>
ein Genüge lei&#x017F;ten. Dero Güte lä&#x017F;t mich alles hoffen. Ich wün&#x017F;che<lb/>
Denen&#x017F;elben wol zu leben. Meine Mama lä&#x017F;t &#x017F;ich Denen&#x017F;elben ge-<lb/>
hor&#x017F;am&#x017F;t empfehlen. Ich aber habe die Ehre, alzeit mich zu nennen</p><lb/>
        <closer>
          <salute> <hi rendition="#right">Dero&#x017F;elben<lb/>
gehor&#x017F;. R.<lb n="25"/>
</hi> </salute>
        </closer>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>5. An <hi rendition="#g">Pfarrer Vogel in Rehau.</hi></head><lb/>
        <note type="editorial"><metamark>[</metamark>Konzept<metamark>]</metamark></note>
        <dateline> <hi rendition="#right"><metamark>[</metamark>Schwarzenbach, 6. (?) Mai 1781<metamark>]</metamark></hi> </dateline><lb/>
        <opener>
          <salute> <hi rendition="#et">Gehor&#x017F;am&#x017F;tes Promemoria.</hi> </salute>
        </opener><lb/>
        <p>Für die Bücher, welche Die&#x017F;elben mir neulich zu &#x017F;chikken die Gütigkeit<lb/>
hatten, &#x017F;tatt&#x2019; ich Denen&#x017F;elben den gehor&#x017F;am&#x017F;ten Dank <metamark>[</metamark>ab<metamark>]</metamark>. Wie<lb n="30"/>
herlich &#x017F;ind die Briefe aus d<metamark>[</metamark>em<metamark>]</metamark> Eng<metamark>[</metamark>li&#x017F;chen?<metamark>]</metamark>. Der Montaigne i&#x017F;t<lb/>
über meinem Ge&#x017F;ichtkreis. Aus einigen Stellen &#x017F;cheint mir, daß er<lb/>
bieder und recht&#x017F;chaffen <metamark>[?]</metamark> i&#x017F;t. Die&#x017F;elben waren alzeit &#x017F;o gütig, mir<note place="right"><ref target="1922_Bd#_6">[6]</ref></note><lb/>
meine Bitten zu gewären, ich hoffe, daß Die&#x017F;elben auch die lezte um<lb/>
folgende Bücher nicht ab&#x017F;chlagen werden:<lb n="35"/>
</p>
        <list>
          <item>Klop&#x017F;tok&#x2019;s Gelertenrepublik</item><lb/>
        </list>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[5/0027] verſität zu leben — und Dieſelben werden’s auch wiſſen [?], wie wenig meine Vermögensumſtände hinreichen, damit die nötigen Koſten zu beſtreiten, da ich meinen ſel. Vater ſo bald verloren, da ich noch neben mir vier faſt noch unerzogene Brüder habe. Nun hab’ ich erfahren, daß der H. Superintendent Eſper verſchiedene Stipendien, und auch 5 Tiſche zu vergeben hat. Ich werde mich alſo meiſtenteils [?] auf Stipendien verlaſſen. Allein noch hab’ ich keins. Nun hab’ ich er- fahren, daß Dieſelben bei dem H. Superintendenten in beſonderer Achtung ſtehen ſollen, und daß man nur [?] Dieſelben nötig habe, um bei ihm alles zu erlangen; dürft’ ich nun nicht Dieſelben gehorſamſt 10 bitten, daß Sie Sich bei dem Hern Superintendenten erkundigen, ob noch Stipendien oder Tiſche zu vergeben wären, und zugleich bei ihm die Bitte für mich einlegten, daß der H. Superintendent mir gütigſt ein Stipendium und einen Tiſch zukommen lieſſe. Von Dero Güte gegen mich bin ichs verſichert, daß Dieſelben dieſem Verlangen keine 15 abſchlägige Antwort geben werden. Ich ſezze noch die Bitte hinzu, Dieſelben möchten mir es ſogleich durch einige Zeilen bekant machen, ob [für] mich etwas oder nichts zuerwarten. Ich würd’ alsdann ſo- gleich nach Wonſiedel reiſen, und ſelbſt bei dem H. Superintendenten gehorſamſt ſuppliziren, und auch bei Denenſelben meiner Schuldigkeit 20 ein Genüge leiſten. Dero Güte läſt mich alles hoffen. Ich wünſche Denenſelben wol zu leben. Meine Mama läſt ſich Denenſelben ge- horſamſt empfehlen. Ich aber habe die Ehre, alzeit mich zu nennen Deroſelben gehorſ. R. 25 5. An Pfarrer Vogel in Rehau. [Schwarzenbach, 6. (?) Mai 1781] Gehorſamſtes Promemoria. Für die Bücher, welche Dieſelben mir neulich zu ſchikken die Gütigkeit hatten, ſtatt’ ich Denenſelben den gehorſamſten Dank [ab]. Wie 30 herlich ſind die Briefe aus d[em] Eng[liſchen?]. Der Montaigne iſt über meinem Geſichtkreis. Aus einigen Stellen ſcheint mir, daß er bieder und rechtſchaffen [?] iſt. Dieſelben waren alzeit ſo gütig, mir meine Bitten zu gewären, ich hoffe, daß Dieſelben auch die lezte um folgende Bücher nicht abſchlagen werden: 35 [6]Klopſtok’s Gelertenrepublik

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-11-22T14:52:17Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-11-22T14:52:17Z)

Weitere Informationen:

Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).

Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe01_1956
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe01_1956/27
Zitationshilfe: Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 1. Berlin, 1956, S. 5. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe01_1956/27>, abgerufen am 15.12.2019.