Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 1. Berlin, 1956.

Bild:
<< vorherige Seite
Plato's Republik, die ich, da ich sie nicht bewohnen kan, wenigstens
unaufhörlich anschauen wil.
A. Deutsche Bibliothek 59. oder 60. oder 61. Band.
Demosthenes Reden.
Brittisches theologisches Magazin.5
Recht der Natur von Puffendorf oder auch Breitingers kritische
Dichtkunst.

Endlich glauben Sie nicht, raffinirender Freund, daß es Wilkühr ist,
wenn ich mir das Vergnügen, Sie zu besuchen, versage: sondern Noth-
wendigkeit ists. Ich bin in Erwartung einer langen Antwort10

[Spaltenumbruch] Hof den x y z [15.?] Jul.
1785.
[Spaltenumbruch] Ew. Hochehrw.
gehors. Diener und Freund
J. P. F. Richter
110. An Oerthel in Töpen.
Lieber Örthel,
15

Rochefoucauld sagt: der Dank hat oft nur die Absicht, noch mehr
zu bekommen. Das ist so richtig, daß ich dir meinen Dank für dein
Papier -- indem ich dir diesen halben Bogen davon schenke -- blos
darum bezeuge, um wo möglich einen ganzen habhaft zu werden, auf
dem du mich versichern must, daß er mir gehöret.20

Der iunge Joerdens, der bisher den Namen eines Fixsterns führen[179]
konte, weil er sich wenig bewegte und von niemand Licht entlehnte,
hat sich in der vorigen Woche in einen ordentlichen Wandelstern
verkehret und scheinet iezt vielleicht schon in Berlin. Das Ziel, worauf
er aus ist, ist, seinen Kopf auf einen bessern Fus zu sezen als er bisher25
noch konte und einige medizinische Kentnisse zu erlangen: er wird bei
verschiedenen grossen Männern Berlins einsprechen und mit iedem so
umgehen, daß er ihn nicht ohne Vergnügen wieder entlässet. Da man
in Bayreuth einsah, daß seiner Verdienste und Kentnisse so wenig
Legion wären, daß man vielmehr kein Mittel unversucht lassen dürfte,30
ihn zu neuen anzufrischen und anzufeuern: so sind ihm höhern Orts zu
seiner Reise zweihundert Gulden Reisegeld verwilligt worden;
und er reiset und lernet iezt auf Kosten unsers ganzen Landes. Fahre
wol, glükliches Schif, das Gold und Ballast träget und kehre bereichert
nach Hause; aber ich möchte um wieviel nicht der Staat sein, der auf35

Plato’s Republik, die ich, da ich ſie nicht bewohnen kan, wenigſtens
unaufhörlich anſchauen wil.
A. Deutſche Bibliothek 59. oder 60. oder 61. Band.
Demoſthenes Reden.
Brittiſches theologiſches Magazin.5
Recht der Natur von Puffendorf oder auch Breitingers kritiſche
Dichtkunſt.

Endlich glauben Sie nicht, raffinirender Freund, daß es Wilkühr iſt,
wenn ich mir das Vergnügen, Sie zu beſuchen, verſage: ſondern Noth-
wendigkeit iſts. Ich bin in Erwartung einer langen Antwort10

[Spaltenumbruch] Hof den x y z [15.?] Jul.
1785.
[Spaltenumbruch] Ew. Hochehrw.
gehorſ. Diener und Freund
J. P. F. Richter
110. An Oerthel in Töpen.
Lieber Örthel,
15

Rochefoucauld ſagt: der Dank hat oft nur die Abſicht, noch mehr
zu bekommen. Das iſt ſo richtig, daß ich dir meinen Dank für dein
Papier — indem ich dir dieſen halben Bogen davon ſchenke — blos
darum bezeuge, um wo möglich einen ganzen habhaft zu werden, auf
dem du mich verſichern muſt, daß er mir gehöret.20

Der iunge Joerdens, der bisher den Namen eines Fixſterns führen[179]
konte, weil er ſich wenig bewegte und von niemand Licht entlehnte,
hat ſich in der vorigen Woche in einen ordentlichen Wandelſtern
verkehret und ſcheinet iezt vielleicht ſchon in Berlin. Das Ziel, worauf
er aus iſt, iſt, ſeinen Kopf auf einen beſſern Fus zu ſezen als er bisher25
noch konte und einige mediziniſche Kentniſſe zu erlangen: er wird bei
verſchiedenen groſſen Männern Berlins einſprechen und mit iedem ſo
umgehen, daß er ihn nicht ohne Vergnügen wieder entläſſet. Da man
in Bayreuth einſah, daß ſeiner Verdienſte und Kentniſſe ſo wenig
Legion wären, daß man vielmehr kein Mittel unverſucht laſſen dürfte,30
ihn zu neuen anzufriſchen und anzufeuern: ſo ſind ihm höhern Orts zu
ſeiner Reiſe zweihundert Gulden Reiſegeld verwilligt worden;
und er reiſet und lernet iezt auf Koſten unſers ganzen Landes. Fahre
wol, glükliches Schif, das Gold und Ballaſt träget und kehre bereichert
nach Hauſe; aber ich möchte um wieviel nicht der Staat ſein, der auf35

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div type="letter" n="1">
        <pb facs="#f0194" n="169"/>
        <list>
          <item>Plato&#x2019;s Republik, die ich, da ich &#x017F;ie nicht bewohnen kan, wenig&#x017F;tens<lb/>
unaufhörlich an&#x017F;chauen wil.</item><lb/>
          <item>A. Deut&#x017F;che Bibliothek 59. oder 60. oder 61. Band.</item><lb/>
          <item>Demo&#x017F;thenes Reden.</item><lb/>
          <item>Britti&#x017F;ches theologi&#x017F;ches Magazin.<lb n="5"/>
</item>
          <item>Recht der Natur von Puffendorf oder auch Breitingers kriti&#x017F;che<lb/>
Dichtkun&#x017F;t.</item>
        </list><lb/>
        <p>Endlich glauben Sie nicht, raffinirender Freund, daß es Wilkühr i&#x017F;t,<lb/>
wenn ich mir das Vergnügen, Sie zu be&#x017F;uchen, ver&#x017F;age: &#x017F;ondern Noth-<lb/>
wendigkeit i&#x017F;ts. Ich bin in Erwartung einer langen Antwort<lb n="10"/>
</p>
        <closer>
          <salute>
            <cb/>
            <date> <hi rendition="#left">Hof den <hi rendition="#aq">x y z</hi> <metamark>[</metamark>15.?<metamark>]</metamark> Jul.<lb/>
1785.</hi> </date>
            <cb/> <hi rendition="#right">Ew. Hochehrw.<lb/>
gehor&#x017F;. Diener und Freund<lb/>
J. P. F. Richter</hi> </salute>
        </closer>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>110. An <hi rendition="#g">Oerthel in Töpen.</hi></head><lb/>
        <opener>
          <salute> <hi rendition="#et">Lieber Örthel,</hi> </salute>
        </opener>
        <lb n="15"/>
        <p>Rochefoucauld &#x017F;agt: der Dank hat oft nur die Ab&#x017F;icht, noch mehr<lb/>
zu bekommen. Das i&#x017F;t &#x017F;o richtig, daß ich dir meinen Dank für dein<lb/>
Papier &#x2014; indem ich dir die&#x017F;en halben Bogen davon &#x017F;chenke &#x2014; blos<lb/>
darum bezeuge, um wo möglich einen ganzen habhaft zu werden, auf<lb/>
dem du mich ver&#x017F;ichern mu&#x017F;t, daß er mir gehöret.<lb n="20"/>
</p>
        <p>Der iunge Joerdens, der bisher den Namen eines <hi rendition="#g">Fix&#x017F;terns</hi> führen<note place="right"><ref target="1922_Bd#_179">[179]</ref></note><lb/>
konte, weil er &#x017F;ich wenig bewegte und von niemand <hi rendition="#g">Licht</hi> entlehnte,<lb/>
hat &#x017F;ich in der vorigen Woche in einen ordentlichen <hi rendition="#g">Wandel&#x017F;tern</hi><lb/>
verkehret und &#x017F;cheinet iezt vielleicht &#x017F;chon in Berlin. Das Ziel, worauf<lb/>
er aus i&#x017F;t, i&#x017F;t, &#x017F;einen Kopf auf einen be&#x017F;&#x017F;ern Fus zu &#x017F;ezen als er bisher<lb n="25"/>
noch konte und einige medizini&#x017F;che Kentni&#x017F;&#x017F;e zu erlangen: er wird bei<lb/>
ver&#x017F;chiedenen gro&#x017F;&#x017F;en Männern Berlins ein&#x017F;prechen und mit iedem &#x017F;o<lb/>
umgehen, daß er ihn nicht ohne Vergnügen wieder entlä&#x017F;&#x017F;et. Da man<lb/>
in Bayreuth ein&#x017F;ah, daß &#x017F;einer Verdien&#x017F;te und Kentni&#x017F;&#x017F;e &#x017F;o wenig<lb/>
Legion wären, daß man vielmehr kein Mittel unver&#x017F;ucht la&#x017F;&#x017F;en dürfte,<lb n="30"/>
ihn zu neuen anzufri&#x017F;chen und anzufeuern: &#x017F;o &#x017F;ind ihm höhern Orts zu<lb/>
&#x017F;einer Rei&#x017F;e <hi rendition="#g">zweihundert Gulden Rei&#x017F;egeld</hi> verwilligt worden;<lb/>
und er rei&#x017F;et und lernet iezt auf Ko&#x017F;ten un&#x017F;ers ganzen Landes. Fahre<lb/>
wol, glükliches Schif, das Gold und Balla&#x017F;t träget und kehre bereichert<lb/>
nach Hau&#x017F;e; aber ich möchte um wieviel nicht der Staat &#x017F;ein, der auf<lb n="35"/><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[169/0194] Plato’s Republik, die ich, da ich ſie nicht bewohnen kan, wenigſtens unaufhörlich anſchauen wil. A. Deutſche Bibliothek 59. oder 60. oder 61. Band. Demoſthenes Reden. Brittiſches theologiſches Magazin. 5 Recht der Natur von Puffendorf oder auch Breitingers kritiſche Dichtkunſt. Endlich glauben Sie nicht, raffinirender Freund, daß es Wilkühr iſt, wenn ich mir das Vergnügen, Sie zu beſuchen, verſage: ſondern Noth- wendigkeit iſts. Ich bin in Erwartung einer langen Antwort 10 Hof den x y z [15.?] Jul. 1785. Ew. Hochehrw. gehorſ. Diener und Freund J. P. F. Richter 110. An Oerthel in Töpen. Lieber Örthel, 15 Rochefoucauld ſagt: der Dank hat oft nur die Abſicht, noch mehr zu bekommen. Das iſt ſo richtig, daß ich dir meinen Dank für dein Papier — indem ich dir dieſen halben Bogen davon ſchenke — blos darum bezeuge, um wo möglich einen ganzen habhaft zu werden, auf dem du mich verſichern muſt, daß er mir gehöret. 20 Der iunge Joerdens, der bisher den Namen eines Fixſterns führen konte, weil er ſich wenig bewegte und von niemand Licht entlehnte, hat ſich in der vorigen Woche in einen ordentlichen Wandelſtern verkehret und ſcheinet iezt vielleicht ſchon in Berlin. Das Ziel, worauf er aus iſt, iſt, ſeinen Kopf auf einen beſſern Fus zu ſezen als er bisher 25 noch konte und einige mediziniſche Kentniſſe zu erlangen: er wird bei verſchiedenen groſſen Männern Berlins einſprechen und mit iedem ſo umgehen, daß er ihn nicht ohne Vergnügen wieder entläſſet. Da man in Bayreuth einſah, daß ſeiner Verdienſte und Kentniſſe ſo wenig Legion wären, daß man vielmehr kein Mittel unverſucht laſſen dürfte, 30 ihn zu neuen anzufriſchen und anzufeuern: ſo ſind ihm höhern Orts zu ſeiner Reiſe zweihundert Gulden Reiſegeld verwilligt worden; und er reiſet und lernet iezt auf Koſten unſers ganzen Landes. Fahre wol, glükliches Schif, das Gold und Ballaſt träget und kehre bereichert nach Hauſe; aber ich möchte um wieviel nicht der Staat ſein, der auf 35 [179]

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-11-22T14:52:17Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-11-22T14:52:17Z)

Weitere Informationen:

Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).

Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe01_1956
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe01_1956/194
Zitationshilfe: Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 1. Berlin, 1956, S. 169. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe01_1956/194>, abgerufen am 20.01.2020.