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Humboldt, Alexander von: Ueber einige wichtige Punkte der Geographie Guyanas. In: Annalen der Erd-, Völker- und Staatenkunde, 5 (1837/1838), S. 35-62.

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Annalen etc., Oktober 1837. -- Länder- und Völkerkunde.
stand der Königl. geographischen Gesellschaft zu London der Regie-
rung den Vorschlag zu einer Expedition, die den doppelten Zweck
haben sollte, einmal, das Jnnere des Britischen Guyana's in Hin-
sicht auf Geographie und allgemeine Physik zu erforschen und dann
die in den Britischen Besitzungen gut bestimmten Punkte astrono-
misch mit dem östlichen Theile des oberen Orenoko bei der Mission
Esmeralda und dem Cerro Duida zu verbinden*), bis wohin ich,
bei einer mehr als 480 Lieues langen Beschiffung des Stromes,
meine Jnstrumente habe bringen können**).

Da es von großem Jnteresse für die astronomische Geographie
ist, die Grundlagen, auf denen sich die Entwerfung der Karten von
Süd-Amerika im Norden des Amazonen-Stromes gründet, nicht
aus den Augen zu verlieren, so muß ich hier daran erinnern, daß,
wenn man, aus dem Englischen Guyana kommend, durch gute
Beobachtungen, deren Detail bekannt zu machen sein
würde
, gefunden hätte, daß die Long. der Vereinigung des Orenoko
und Cassiquiare (bei der Mission Esmeralda) wenig von 68° 37'
westlich von Paris verschieden sei, man hierdurch, da der Felsen
der Geduld (Piedra de la Paciencia), an der Mündung des Rio
Meta im Jahre 1824 durch das Jnnere des Landes hindurch kro-

*) Journal of the Royal Geogr. Soc. Vol. 6. Part. II. pag. 7. und
Zusätze pag. 10. Jn der Jnstruktion, welche der Sekretair der Ge-
sellschaft, der jetzt in Vandiemensland stationirte Kapt. Maconochie
entworfen hat, heißt es: "daß der Reisende, um nach der Mission
Esmeralda zu gelangen, nicht den Rio Branco abwärts in den Rio
Negro und diesen aufwärts in den Siapa oder Cassiquiare gehen
(Herr Schombürgk hat den Padavire vorgeschlagen, den er mit dem
Siapa oder Jdapa verwechselte), sondern versuchen sollte, den Ore-
noko von seinem Ursprunge bis Esmeralda hinabzugehen, da der
Hauptzweck der Expedition darin bestehe, die östlichen, von Herrn
von Humboldt bestimmten Punkte mit denen des Essequibo zu ver-
binden."
**) Lieues = 20 auf 1° des Aequators. Es ist hier die Rede von
der nur durch den Trapeplatz (portage) von Javita unterbrochenen
Beschiffung des Apure, Orenoko, Atabapo, Temi Tuamini, Rio Ne-
gro und Cassiquiare. Diese ausgedehnte, durch Kronometer verbun-
dene Reihe von Punkten ist durch die Reise der Herren Boussingault
und Roulin auf dem Meta und durch Zeit-Übertragung von Bogota
bis an den Zusammenfluß des Meta und Orenoko an das System
der in Neü-Granada bestimmten Punkte geknüpft worden.

Annalen ꝛc., Oktober 1837. — Laͤnder- und Voͤlkerkunde.
ſtand der Koͤnigl. geographiſchen Geſellſchaft zu London der Regie-
rung den Vorſchlag zu einer Expedition, die den doppelten Zweck
haben ſollte, einmal, das Jnnere des Britiſchen Guyana's in Hin-
ſicht auf Geographie und allgemeine Phyſik zu erforſchen und dann
die in den Britiſchen Beſitzungen gut beſtimmten Punkte aſtrono-
miſch mit dem oͤſtlichen Theile des oberen Orenoko bei der Miſſion
Esmeralda und dem Cerro Duida zu verbinden*), bis wohin ich,
bei einer mehr als 480 Lieues langen Beſchiffung des Stromes,
meine Jnſtrumente habe bringen koͤnnen**).

Da es von großem Jntereſſe fuͤr die aſtronomiſche Geographie
iſt, die Grundlagen, auf denen ſich die Entwerfung der Karten von
Suͤd-Amerika im Norden des Amazonen-Stromes gruͤndet, nicht
aus den Augen zu verlieren, ſo muß ich hier daran erinnern, daß,
wenn man, aus dem Engliſchen Guyana kommend, durch gute
Beobachtungen, deren Detail bekannt zu machen ſein
wuͤrde
, gefunden haͤtte, daß die Long. der Vereinigung des Orenoko
und Caſſiquiare (bei der Miſſion Esmeralda) wenig von 68° 37′
weſtlich von Paris verſchieden ſei, man hierdurch, da der Felſen
der Geduld (Piedra de la Paciencia), an der Muͤndung des Rio
Meta im Jahre 1824 durch das Jnnere des Landes hindurch kro-

*) Journal of the Royal Geogr. Soc. Vol. 6. Part. II. pag. 7. und
Zuſaͤtze pag. 10. Jn der Jnſtruktion, welche der Sekretair der Ge-
ſellſchaft, der jetzt in Vandiemensland ſtationirte Kapt. Maconochie
entworfen hat, heißt es: „daß der Reiſende, um nach der Miſſion
Esmeralda zu gelangen, nicht den Rio Branco abwaͤrts in den Rio
Negro und dieſen aufwaͤrts in den Siapa oder Caſſiquiare gehen
(Herr Schombuͤrgk hat den Padavire vorgeſchlagen, den er mit dem
Siapa oder Jdapa verwechſelte), ſondern verſuchen ſollte, den Ore-
noko von ſeinem Urſprunge bis Esmeralda hinabzugehen, da der
Hauptzweck der Expedition darin beſtehe, die oͤſtlichen, von Herrn
von Humboldt beſtimmten Punkte mit denen des Eſſequibo zu ver-
binden.“
**) Lieues = 20 auf 1° des Aequators. Es iſt hier die Rede von
der nur durch den Trapeplatz (portage) von Javita unterbrochenen
Beſchiffung des Apure, Orenoko, Atabapo, Temi Tuamini, Rio Ne-
gro und Caſſiquiare. Dieſe ausgedehnte, durch Kronometer verbun-
dene Reihe von Punkten iſt durch die Reiſe der Herren Bouſſingault
und Roulin auf dem Meta und durch Zeit-Übertragung von Bogota
bis an den Zuſammenfluß des Meta und Orenoko an das Syſtem
der in Neuͤ-Granada beſtimmten Punkte geknuͤpft worden.
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[36/0002] Annalen ꝛc., Oktober 1837. — Laͤnder- und Voͤlkerkunde. ſtand der Koͤnigl. geographiſchen Geſellſchaft zu London der Regie- rung den Vorſchlag zu einer Expedition, die den doppelten Zweck haben ſollte, einmal, das Jnnere des Britiſchen Guyana's in Hin- ſicht auf Geographie und allgemeine Phyſik zu erforſchen und dann die in den Britiſchen Beſitzungen gut beſtimmten Punkte aſtrono- miſch mit dem oͤſtlichen Theile des oberen Orenoko bei der Miſſion Esmeralda und dem Cerro Duida zu verbinden *), bis wohin ich, bei einer mehr als 480 Lieues langen Beſchiffung des Stromes, meine Jnſtrumente habe bringen koͤnnen **). Da es von großem Jntereſſe fuͤr die aſtronomiſche Geographie iſt, die Grundlagen, auf denen ſich die Entwerfung der Karten von Suͤd-Amerika im Norden des Amazonen-Stromes gruͤndet, nicht aus den Augen zu verlieren, ſo muß ich hier daran erinnern, daß, wenn man, aus dem Engliſchen Guyana kommend, durch gute Beobachtungen, deren Detail bekannt zu machen ſein wuͤrde, gefunden haͤtte, daß die Long. der Vereinigung des Orenoko und Caſſiquiare (bei der Miſſion Esmeralda) wenig von 68° 37′ weſtlich von Paris verſchieden ſei, man hierdurch, da der Felſen der Geduld (Piedra de la Paciencia), an der Muͤndung des Rio Meta im Jahre 1824 durch das Jnnere des Landes hindurch kro- *) Journal of the Royal Geogr. Soc. Vol. 6. Part. II. pag. 7. und Zuſaͤtze pag. 10. Jn der Jnſtruktion, welche der Sekretair der Ge- ſellſchaft, der jetzt in Vandiemensland ſtationirte Kapt. Maconochie entworfen hat, heißt es: „daß der Reiſende, um nach der Miſſion Esmeralda zu gelangen, nicht den Rio Branco abwaͤrts in den Rio Negro und dieſen aufwaͤrts in den Siapa oder Caſſiquiare gehen (Herr Schombuͤrgk hat den Padavire vorgeſchlagen, den er mit dem Siapa oder Jdapa verwechſelte), ſondern verſuchen ſollte, den Ore- noko von ſeinem Urſprunge bis Esmeralda hinabzugehen, da der Hauptzweck der Expedition darin beſtehe, die oͤſtlichen, von Herrn von Humboldt beſtimmten Punkte mit denen des Eſſequibo zu ver- binden.“ **) Lieues = 20 auf 1° des Aequators. Es iſt hier die Rede von der nur durch den Trapeplatz (portage) von Javita unterbrochenen Beſchiffung des Apure, Orenoko, Atabapo, Temi Tuamini, Rio Ne- gro und Caſſiquiare. Dieſe ausgedehnte, durch Kronometer verbun- dene Reihe von Punkten iſt durch die Reiſe der Herren Bouſſingault und Roulin auf dem Meta und durch Zeit-Übertragung von Bogota bis an den Zuſammenfluß des Meta und Orenoko an das Syſtem der in Neuͤ-Granada beſtimmten Punkte geknuͤpft worden.

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Zitationshilfe: Humboldt, Alexander von: Ueber einige wichtige Punkte der Geographie Guyanas. In: Annalen der Erd-, Völker- und Staatenkunde, 5 (1837/1838), S. 35-62, hier S. 36. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/humboldt_punkte_1837/2>, abgerufen am 10.07.2020.