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Humboldt, Alexander von: Über die Hochebene von Bogota. In: Ders.: Kleinere Schriften. Erster Band. Geognostische und physikalische Erinnerungen. Stuttgart und Tübingen, 1853, S. 100-132.

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des Salto mehr genähert als ich: ungefähr bis auf 20 Toisen Entfernung, seitwärts am Felsrande, wo er sich dann mit dem Fuße in gleichem Niveau glaubte. Er fand barometrisch 870 Fuß, wenn das Mittel zwischen meinen chronometrischen Fallversuchen und der unvollkommenen Barometer-Messung mir nur 532 Fuß (173 Meter) gegeben hatte. Das Resultat beider Messungsversuche ist zu groß. Erst im Jahre 1840 haben Baron Gros und der Obrist Joaquin Acosta eine sehr befriedigende Messung mittelst eines hanfenen Senkbleies, das durch ein Gerüste 15 Fuß frei vortrat, veranstaltet. Die wahre Höhe des ganzen Wasserfalles ist 449 Fuß (146 Meter). Mein mittleres Resultat war also 1/5,4 zu groß.1 Die Temperatur des Wassers fand ich oben und unten vollkommen gleich, was ich wegen der kälteerregenden Verdunstung nicht vermuthete. Sie war 15°,6.

Ich habe mehrmals die senkrecht abgestürzte Kalksteinwand genannt, welche sich jenseits des Salto von Tequendama gegen Osten aus dem Abgrund erhebt und welche die von Gmelin in Rom gestochene schöne Kupferplatte recht malerisch darstellt.2 Es ist hier der Ort, das Verhältniß der Kalkstein-Formation zu den älteren, vielleicht sie unterteufenden, zu schildern. Ganz nahe bei den herrlichen Weizenfeldern von Canoas liegt ein Steinkohlen-Flöz, vielleicht das höchste in der bekannten Welt. Einige Meilen gegen Nordost, in der Mündung der Thäler von Usme und Futscha

1 Vergleiche Joaquin Acosta, Viajes cientificos a los Andes Ecuatoriales 1849 p. 313-318 mit Semanario de la Nueva Granada ed. de 1849 p. 398. Resultate, welche in den beiden hier genannten Werken dem gelehrten Caldas zugeschrieben werden, sind sehr widersprechend: 183 und 220 varas (1 vara = 0m,835 nach Ciscar). Ich fand im Minimum 85, im Maximum 93 Toisen.
2 Humboldt, Vues de Cordilleres ou Atlas pittoresque du Voyage aux Regions equinoxiales, Planche VII (fol.).

des Salto mehr genähert als ich: ungefähr bis auf 20 Toisen Entfernung, seitwärts am Felsrande, wo er sich dann mit dem Fuße in gleichem Niveau glaubte. Er fand barometrisch 870 Fuß, wenn das Mittel zwischen meinen chronometrischen Fallversuchen und der unvollkommenen Barometer-Messung mir nur 532 Fuß (173 Meter) gegeben hatte. Das Resultat beider Messungsversuche ist zu groß. Erst im Jahre 1840 haben Baron Gros und der Obrist Joaquin Acosta eine sehr befriedigende Messung mittelst eines hanfenen Senkbleies, das durch ein Gerüste 15 Fuß frei vortrat, veranstaltet. Die wahre Höhe des ganzen Wasserfalles ist 449 Fuß (146 Meter). Mein mittleres Resultat war also 1/5,4 zu groß.1 Die Temperatur des Wassers fand ich oben und unten vollkommen gleich, was ich wegen der kälteerregenden Verdunstung nicht vermuthete. Sie war 15°,6.

Ich habe mehrmals die senkrecht abgestürzte Kalksteinwand genannt, welche sich jenseits des Salto von Tequendama gegen Osten aus dem Abgrund erhebt und welche die von Gmelin in Rom gestochene schöne Kupferplatte recht malerisch darstellt.2 Es ist hier der Ort, das Verhältniß der Kalkstein-Formation zu den älteren, vielleicht sie unterteufenden, zu schildern. Ganz nahe bei den herrlichen Weizenfeldern von Canoas liegt ein Steinkohlen-Flöz, vielleicht das höchste in der bekannten Welt. Einige Meilen gegen Nordost, in der Mündung der Thäler von Usme und Futscha

1 Vergleiche Joaquin Acosta, Viajes cientificos á los Andes Ecuatoriales 1849 p. 313-318 mit Semanario de la Nueva Granada ed. de 1849 p. 398. Resultate, welche in den beiden hier genannten Werken dem gelehrten Caldas zugeschrieben werden, sind sehr widersprechend: 183 und 220 varas (1 vara = 0m,835 nach Ciscar). Ich fand im Minimum 85, im Maximum 93 Toisen.
2 Humboldt, Vues de Cordillères ou Atlas pittoresque du Voyage aux Régions équinoxiales, Planche VII (fol.).
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[122/0024] des Salto mehr genähert als ich: ungefähr bis auf 20 Toisen Entfernung, seitwärts am Felsrande, wo er sich dann mit dem Fuße in gleichem Niveau glaubte. Er fand barometrisch 870 Fuß, wenn das Mittel zwischen meinen chronometrischen Fallversuchen und der unvollkommenen Barometer-Messung mir nur 532 Fuß (173 Meter) gegeben hatte. Das Resultat beider Messungsversuche ist zu groß. Erst im Jahre 1840 haben Baron Gros und der Obrist Joaquin Acosta eine sehr befriedigende Messung mittelst eines hanfenen Senkbleies, das durch ein Gerüste 15 Fuß frei vortrat, veranstaltet. Die wahre Höhe des ganzen Wasserfalles ist 449 Fuß (146 Meter). Mein mittleres Resultat war also 1/5,4 zu groß. 1 Die Temperatur des Wassers fand ich oben und unten vollkommen gleich, was ich wegen der kälteerregenden Verdunstung nicht vermuthete. Sie war 15°,6. Ich habe mehrmals die senkrecht abgestürzte Kalksteinwand genannt, welche sich jenseits des Salto von Tequendama gegen Osten aus dem Abgrund erhebt und welche die von Gmelin in Rom gestochene schöne Kupferplatte recht malerisch darstellt. 2 Es ist hier der Ort, das Verhältniß der Kalkstein-Formation zu den älteren, vielleicht sie unterteufenden, zu schildern. Ganz nahe bei den herrlichen Weizenfeldern von Canoas liegt ein Steinkohlen-Flöz, vielleicht das höchste in der bekannten Welt. Einige Meilen gegen Nordost, in der Mündung der Thäler von Usme und Futscha 1 Vergl. Joaquin Acosta, Viajes cientificos á los Andes Ecuatoriales 1849 p. 313-318 mit Semanario de la Nueva Granada ed. de 1849 p. 398. Resultate, welche in den beiden hier genannten Werken dem gelehrten Caldas zugeschrieben werden, sind sehr widersprechend: 183 und 220 varas (1 vara = 0m,835 nach Ciscar). Ich fand im Minimum 85, im Maximum 93 Toisen. 2 Humboldt, Vues de Cordillères ou Atlas pittoresque du Voyage aux Régions équinoxiales, Planche VII (fol.).

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Zitationshilfe: Humboldt, Alexander von: Über die Hochebene von Bogota. In: Ders.: Kleinere Schriften. Erster Band. Geognostische und physikalische Erinnerungen. Stuttgart und Tübingen, 1853, S. 100-132, hier S. 122. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/humboldt_bogota_1853/24>, abgerufen am 10.07.2020.