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Hirschfeld, Christian Cay Lorenz: Theorie der Gartenkunst. Bd. 2. Leipzig, 1780.

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Die Natur liefert dem Gartenkünstler den Platz, auf welchem er bauet; sie giebt
ihm ferner Baumwerk, Blumen, Rasen und Wasser als Materialien;
zwischen den bepflanzten und offenen Theilen müssen Wege seyn, die nach allen Sce-
nen des Gartenplatzes zuführen. Es ist demnach zuvörderst zu untersuchen, was
der Gartenkünstler in Ansehung der Anlage, Ausbildung, Verbindung und vielfälti-
gen Anwendungen dieser natürlichen Gegenstände zu beobachten hat, da demnächst den
künstlichen Gegenständen noch eine eigene Betrachtung vorbehalten wird, ehe wir auf
die mannichfaltigen Arten von Gärten selbst kommen. Man sieht leicht, daß man
bey diesen Dingen vor allen anfangen muß, um auf die Entwickelung der eigenthüm-
lichen Regeln der Gartenkunst zu kommen, indem sich hier Schritt vor Schritt er-
öffnet, was für einzelne Beobachtungen und Verrichtungen der Künstler unter be-
ständiger Rücksicht auf die Natur und auf die Bestimmung der Gärten anzu-
stellen hat.

Betrachtungen dieser Art, die sich in das weite Gebiete der Natur ausbreiten
müssen, enthalten nicht blos die erste Quelle des Unterrichts für den Gartenkünstler.
Sie dienen auch dem Freunde der Natur (und welcher vernünftige Mensch wird dies zu
seyn nicht Adel genug haben?) nicht blos zur angenehmen Unterhaltung und Beschäf-

tigung
A 2

Die Natur liefert dem Gartenkuͤnſtler den Platz, auf welchem er bauet; ſie giebt
ihm ferner Baumwerk, Blumen, Raſen und Waſſer als Materialien;
zwiſchen den bepflanzten und offenen Theilen muͤſſen Wege ſeyn, die nach allen Sce-
nen des Gartenplatzes zufuͤhren. Es iſt demnach zuvoͤrderſt zu unterſuchen, was
der Gartenkuͤnſtler in Anſehung der Anlage, Ausbildung, Verbindung und vielfaͤlti-
gen Anwendungen dieſer natuͤrlichen Gegenſtaͤnde zu beobachten hat, da demnaͤchſt den
kuͤnſtlichen Gegenſtaͤnden noch eine eigene Betrachtung vorbehalten wird, ehe wir auf
die mannichfaltigen Arten von Gaͤrten ſelbſt kommen. Man ſieht leicht, daß man
bey dieſen Dingen vor allen anfangen muß, um auf die Entwickelung der eigenthuͤm-
lichen Regeln der Gartenkunſt zu kommen, indem ſich hier Schritt vor Schritt er-
oͤffnet, was fuͤr einzelne Beobachtungen und Verrichtungen der Kuͤnſtler unter be-
ſtaͤndiger Ruͤckſicht auf die Natur und auf die Beſtimmung der Gaͤrten anzu-
ſtellen hat.

Betrachtungen dieſer Art, die ſich in das weite Gebiete der Natur ausbreiten
muͤſſen, enthalten nicht blos die erſte Quelle des Unterrichts fuͤr den Gartenkuͤnſtler.
Sie dienen auch dem Freunde der Natur (und welcher vernuͤnftige Menſch wird dies zu
ſeyn nicht Adel genug haben?) nicht blos zur angenehmen Unterhaltung und Beſchaͤf-

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Zitationshilfe: Hirschfeld, Christian Cay Lorenz: Theorie der Gartenkunst. Bd. 2. Leipzig, 1780, S. [3]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hirschfeld_gartenkunst2_1780/7>, abgerufen am 13.11.2019.