Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Herder, Johann Gottfried von: Briefe zu Beförderung der Humanität. Bd. 6. Riga, 1795.

Bild:
<< vorherige Seite

dige im Menschen zu seiner höchsten
Bedeutung
, zur obersten Stuffe seiner
Vollkommenheit, zur Gottheit hin-
auf, und theificirten die Menschheit.
Andre Nationen erniedrigten die Idee
Gottes zu Ungeheuern; sie huben das
Göttliche im Menschen zum Gott empor.

Unten sahen wir einen Reiz der Ju-
gend, dessen flüchtige Blüthe wir bedau-
erten; unter den Göttern ist er verewigt,
eben dadurch daß er aufs höchste geläu-
tert ward.

Als das himmlische Sinnbild aller
Jünglings
-Genien auf Erden, stehet
Dionysos hier, dessen zarte Idee die
niedren Sterblichen so mißkennen, daß ich
seinen Namen Bacchus kaum zu nennen
wage. Er ist die sichtbargewordene ewi-
ge Fröhlichkeit; im Genusse sein selbst,
ohne Anstrengung und dennoch mit der

dige im Menſchen zu ſeiner hoͤchſten
Bedeutung
, zur oberſten Stuffe ſeiner
Vollkommenheit, zur Gottheit hin-
auf, und theificirten die Menſchheit.
Andre Nationen erniedrigten die Idee
Gottes zu Ungeheuern; ſie huben das
Goͤttliche im Menſchen zum Gott empor.

Unten ſahen wir einen Reiz der Ju-
gend, deſſen fluͤchtige Bluͤthe wir bedau-
erten; unter den Goͤttern iſt er verewigt,
eben dadurch daß er aufs hoͤchſte gelaͤu-
tert ward.

Als das himmliſche Sinnbild aller
Juͤnglings
-Genien auf Erden, ſtehet
Dionyſos hier, deſſen zarte Idee die
niedren Sterblichen ſo mißkennen, daß ich
ſeinen Namen Bacchus kaum zu nennen
wage. Er iſt die ſichtbargewordene ewi-
ge Froͤhlichkeit; im Genuſſe ſein ſelbſt,
ohne Anſtrengung und dennoch mit der

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0049" n="34"/>
dige im Men&#x017F;chen zu <hi rendition="#g">&#x017F;einer ho&#x0364;ch&#x017F;ten<lb/>
Bedeutung</hi>, zur ober&#x017F;ten Stuffe &#x017F;einer<lb/><hi rendition="#g">Vollkommenheit</hi>, zur <hi rendition="#g">Gottheit</hi> hin-<lb/>
auf, und <hi rendition="#g">theificirten</hi> die Men&#x017F;chheit.<lb/>
Andre Nationen erniedrigten die Idee<lb/>
Gottes zu Ungeheuern; &#x017F;ie huben das<lb/>
Go&#x0364;ttliche im Men&#x017F;chen zum Gott empor.</p><lb/>
        <p>Unten &#x017F;ahen wir einen <hi rendition="#g">Reiz der Ju</hi>-<lb/><hi rendition="#g">gend</hi>, de&#x017F;&#x017F;en flu&#x0364;chtige Blu&#x0364;the wir bedau-<lb/>
erten; unter den Go&#x0364;ttern i&#x017F;t er verewigt,<lb/>
eben dadurch daß er aufs ho&#x0364;ch&#x017F;te gela&#x0364;u-<lb/>
tert ward.</p><lb/>
        <p>Als das himmli&#x017F;che <hi rendition="#g">Sinnbild aller<lb/>
Ju&#x0364;nglings</hi>-<hi rendition="#g">Genien</hi> auf Erden, &#x017F;tehet<lb/><hi rendition="#g">Diony&#x017F;os</hi> hier, de&#x017F;&#x017F;en zarte Idee die<lb/>
niedren Sterblichen &#x017F;o mißkennen, daß ich<lb/>
&#x017F;einen Namen <hi rendition="#g">Bacchus</hi> kaum zu nennen<lb/>
wage. Er i&#x017F;t die &#x017F;ichtbargewordene <hi rendition="#g">ewi</hi>-<lb/><hi rendition="#g">ge Fro&#x0364;hlichkeit</hi>; im Genu&#x017F;&#x017F;e &#x017F;ein &#x017F;elb&#x017F;t,<lb/>
ohne An&#x017F;trengung und dennoch mit der<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[34/0049] dige im Menſchen zu ſeiner hoͤchſten Bedeutung, zur oberſten Stuffe ſeiner Vollkommenheit, zur Gottheit hin- auf, und theificirten die Menſchheit. Andre Nationen erniedrigten die Idee Gottes zu Ungeheuern; ſie huben das Goͤttliche im Menſchen zum Gott empor. Unten ſahen wir einen Reiz der Ju- gend, deſſen fluͤchtige Bluͤthe wir bedau- erten; unter den Goͤttern iſt er verewigt, eben dadurch daß er aufs hoͤchſte gelaͤu- tert ward. Als das himmliſche Sinnbild aller Juͤnglings-Genien auf Erden, ſtehet Dionyſos hier, deſſen zarte Idee die niedren Sterblichen ſo mißkennen, daß ich ſeinen Namen Bacchus kaum zu nennen wage. Er iſt die ſichtbargewordene ewi- ge Froͤhlichkeit; im Genuſſe ſein ſelbſt, ohne Anſtrengung und dennoch mit der

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/herder_humanitaet06_1795
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/herder_humanitaet06_1795/49
Zitationshilfe: Herder, Johann Gottfried von: Briefe zu Beförderung der Humanität. Bd. 6. Riga, 1795, S. 34. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/herder_humanitaet06_1795/49>, abgerufen am 23.10.2019.