Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Herder, Johann Gottfried von: Briefe zu Beförderung der Humanität. Bd. 6. Riga, 1795.

Bild:
<< vorherige Seite

die bürgerliche Freiheit weniger einschränkt;
glücklicher in einem Lande, dessen Natur
reicher ist, als daß es nöthig wäre, dem
Unterthan die Staatssparbüchse beständig
vorzuhalten; Geist und Herz des Bürgers
haben hier mehr Spielraum. Aber in der
benachbarten Monarchie ist es doch nicht
Kleinheit in der Staatskunst, diese
Einschränkung, wie eine aus Känntniß der
Sache nothwendige Diät, vorzuschreiben
und zu beobachten." Der Verfasser nimmt
dabei die Preußische Regierung gegen den
Vorwurf, daß sie militarisch sei, in
Schutz: "Was würde auch aus dem Staat
werden, sagte ein Hauptmann, wenn die,
welche Gewalt in Händen haben, deßwe-
gen auch alles thun dürften?"

"In Berlin, fährt er fort, suchte ich
nicht Sparta, sondern Athen, wozu
die Stadt mehr als das Thor hat. Für

N 2

die buͤrgerliche Freiheit weniger einſchraͤnkt;
gluͤcklicher in einem Lande, deſſen Natur
reicher iſt, als daß es noͤthig waͤre, dem
Unterthan die Staatsſparbuͤchſe beſtaͤndig
vorzuhalten; Geiſt und Herz des Buͤrgers
haben hier mehr Spielraum. Aber in der
benachbarten Monarchie iſt es doch nicht
Kleinheit in der Staatskunſt, dieſe
Einſchraͤnkung, wie eine aus Kaͤnntniß der
Sache nothwendige Diaͤt, vorzuſchreiben
und zu beobachten.“ Der Verfaſſer nimmt
dabei die Preußiſche Regierung gegen den
Vorwurf, daß ſie militariſch ſei, in
Schutz: „Was wuͤrde auch aus dem Staat
werden, ſagte ein Hauptmann, wenn die,
welche Gewalt in Haͤnden haben, deßwe-
gen auch alles thun duͤrften?“

„In Berlin, faͤhrt er fort, ſuchte ich
nicht Sparta, ſondern Athen, wozu
die Stadt mehr als das Thor hat. Fuͤr

N 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0202" n="187"/>
die bu&#x0364;rgerliche Freiheit weniger ein&#x017F;chra&#x0364;nkt;<lb/>
glu&#x0364;cklicher in einem Lande, de&#x017F;&#x017F;en Natur<lb/>
reicher i&#x017F;t, als daß es no&#x0364;thig wa&#x0364;re, dem<lb/>
Unterthan die Staats&#x017F;parbu&#x0364;ch&#x017F;e be&#x017F;ta&#x0364;ndig<lb/>
vorzuhalten; Gei&#x017F;t und Herz des Bu&#x0364;rgers<lb/>
haben hier mehr Spielraum. Aber in der<lb/>
benachbarten Monarchie i&#x017F;t es doch nicht<lb/><hi rendition="#g">Kleinheit</hi> in der Staatskun&#x017F;t, die&#x017F;e<lb/>
Ein&#x017F;chra&#x0364;nkung, wie eine aus Ka&#x0364;nntniß der<lb/>
Sache nothwendige Dia&#x0364;t, vorzu&#x017F;chreiben<lb/>
und zu beobachten.&#x201C; Der Verfa&#x017F;&#x017F;er nimmt<lb/>
dabei die Preußi&#x017F;che Regierung gegen den<lb/>
Vorwurf, daß &#x017F;ie <hi rendition="#g">militari&#x017F;ch</hi> &#x017F;ei, in<lb/>
Schutz: &#x201E;Was wu&#x0364;rde auch aus dem Staat<lb/>
werden, &#x017F;agte ein Hauptmann, wenn die,<lb/>
welche Gewalt in Ha&#x0364;nden haben, deßwe-<lb/>
gen auch alles thun du&#x0364;rften?&#x201C;</p><lb/>
        <p>&#x201E;In <hi rendition="#g">Berlin</hi>, fa&#x0364;hrt er fort, &#x017F;uchte ich<lb/>
nicht <hi rendition="#g">Sparta</hi>, &#x017F;ondern <hi rendition="#g">Athen</hi>, wozu<lb/>
die Stadt mehr als das Thor hat. Fu&#x0364;r<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">N 2</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[187/0202] die buͤrgerliche Freiheit weniger einſchraͤnkt; gluͤcklicher in einem Lande, deſſen Natur reicher iſt, als daß es noͤthig waͤre, dem Unterthan die Staatsſparbuͤchſe beſtaͤndig vorzuhalten; Geiſt und Herz des Buͤrgers haben hier mehr Spielraum. Aber in der benachbarten Monarchie iſt es doch nicht Kleinheit in der Staatskunſt, dieſe Einſchraͤnkung, wie eine aus Kaͤnntniß der Sache nothwendige Diaͤt, vorzuſchreiben und zu beobachten.“ Der Verfaſſer nimmt dabei die Preußiſche Regierung gegen den Vorwurf, daß ſie militariſch ſei, in Schutz: „Was wuͤrde auch aus dem Staat werden, ſagte ein Hauptmann, wenn die, welche Gewalt in Haͤnden haben, deßwe- gen auch alles thun duͤrften?“ „In Berlin, faͤhrt er fort, ſuchte ich nicht Sparta, ſondern Athen, wozu die Stadt mehr als das Thor hat. Fuͤr N 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/herder_humanitaet06_1795
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/herder_humanitaet06_1795/202
Zitationshilfe: Herder, Johann Gottfried von: Briefe zu Beförderung der Humanität. Bd. 6. Riga, 1795, S. 187. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/herder_humanitaet06_1795/202>, abgerufen am 12.08.2020.