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Staats und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheiischen Correspondenten. Nr. 137, Hamburg, 12. Juni 1832.

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Staats und [Abbildung] Gelehrte
Zei   tung
des Hamburgischen unpartheiischen
CORRESPONDENTEN.

Anno 1832.   Am Dienstage, den 12 Juni.
No. 137.



Verlegt von den Grundschen Erben.



[Beginn Spaltensatz]

(Ueber Amsterdam.)

Schon seit einigen Tagen war die ganze Bevölke-
rung von Paris auf den großen Trauerzug gespannt,
der zum Andenken des Generals Lamarque bereits
gestern stattfinden sollte, aber aus mehreren Gründen
bis heute verschoben wurde. Der General hatte in
seinen letzten Augenblicken gewünscht, in seiner Va-
terstadt St. Sever beigesetzt zu werden; allein die
zahlreichen Freunde des Verewigten beschlossen, we-
nigstens seinen Sarg außerhalb der Barriere zu be-
gleiten. Bei der aufgeregten Stimmung, die in
Folge der weit verzweigten, aber vereitelten Ver-
schwörung der carlistischen Faction hier herrschte,
bei den beunruhigenden Gerüchten jeder Art, die seit
längerer Zeit in Umlauf waren, war man vor dem
Zusammenlaufe so vieler Menschen unter den ge-
genwärtigen Umständen sehr besorgt. Jn den libe-
ralen Blättern wurde daher auch die Ordnung des
Zuges mit der größten Genauigkeit angegeben, um
Verwirrung zu verhüten. Bald erfuhr man, daß
Geld-Vertheilungen unter dem Volke stattgefunden
hatten. Eine Person, die 2000 Fr. erhalten hatte,
legte diese Summe beim Grafen v. Montalivet nieder.
Auch soll Hr. Mauguin Hrn. v. Montalivet einen Brief
geschrieben haben, um ihm anzuzeigen, daß heute ein
Aufstand ausbrechen solle, aber die Opposition sey
daran unschuldig; worauf der Minister erwiederte,
er sey ganz ruhig und habe ein wachsames Auge auf
Alles. Die ganze Nacht hindurch herrschte große
Bewegung. Bereits heute früh um 4 Uhr wurden
die Thüren der Wohnung des Generals Lamarque
dem Publicum eröffnet. Am Sarge des Verewigten
waren 4 Jnvaliden aufgestellt; an der Thür des
Hotels zwei ebenfalls invalide Sergeanten. Lorbeer-
kränze und Blumengewinde schmückten den Balcon,
und am Eingange prangten drei Trophäen.


[Spaltenumbruch]

91/2 Uhr.

Auf allen Punkten bilden sich Volkshaufen, um
sich dem Trauerzuge anzuschließen. Auf dem Mag-
dalenen-Platze bemerkte man alle diejenigen, die frü-
her politische Strafen erlitten, an der Spitze Oberst
Duvergier. Die Rue-Royale ist mit jungen Leuten
bedeckt, deren Hüte mit drei verschiedenen Cocarden,
der französischen, der polnischen und der belgischen,
geschmückt sind. Eben trifft auch eine Deputation
der Freimaurer-Loge der drei Tage mit einer Fahne
ein.

101/2 Uhr.

Die Massen nehmen fortwährend zu, doch herrscht
die tiefste Ruhe; bis jetzt sind noch keine Linien-
truppen eingetroffen. Der Leichenwagen steht vor
der Thüre.

12 Uhr.

Vor etwa einer Viertelstunde hat sich der Zug,
der durch einen heftigen Regen aufgehalten war, in
Bewegung gesetzt. Von der Straße St. Honore
bis zu den Boulevards ist alles mit Menschen ange-
füllt. Zuerst erschienen Deputationen aus den De-
partements der Landen und der Nieder-Pyrenäen;
Letztere trug eine Fahne mit der Aufschrift: "dem
unsterblichen General Lamarque die Patrioten von
Bayonne." Hierauf eine Deputation der Studenten
vom Bourbon-Collegium; dann die Juli-Decorirten
mit den Bastille-Stürmern voran; sie trugen eine
Fahne mit der Devise: "Union de Juillet, Patrie
[e]t Liberte!"
Es folgte dann eine große Anzahl
polnischer Flüchtlinge, mit dem General Romarino
an der Spitze. Als sie auf dem Magdalenen-Platze
ankamen, rief Alles: Es lebe Polen! es lebe der
tapfere General! Zunächst kam die Deputation der
Jnvaliden, mit der Devise: 27, 28, 29 Juli. Dann
folgten 4 Fahnen, die polnische, die italiänische, die
deutsche (schwarz-roth-golden) und die französische,

Staats und [Abbildung] Gelehrte
Zei   tung
des Hamburgiſchen unpartheiiſchen
CORRESPONDENTEN.

Anno 1832.   Am Dienſtage, den 12 Juni.
No. 137.



Verlegt von den Grundſchen Erben.



[Beginn Spaltensatz]

(Ueber Amſterdam.)

Schon ſeit einigen Tagen war die ganze Bevölke-
rung von Paris auf den großen Trauerzug geſpannt,
der zum Andenken des Generals Lamarque bereits
geſtern ſtattfinden ſollte, aber aus mehreren Gründen
bis heute verſchoben wurde. Der General hatte in
ſeinen letzten Augenblicken gewünſcht, in ſeiner Va-
terſtadt St. Sever beigeſetzt zu werden; allein die
zahlreichen Freunde des Verewigten beſchloſſen, we-
nigſtens ſeinen Sarg außerhalb der Barriere zu be-
gleiten. Bei der aufgeregten Stimmung, die in
Folge der weit verzweigten, aber vereitelten Ver-
ſchwörung der carliſtiſchen Faction hier herrſchte,
bei den beunruhigenden Gerüchten jeder Art, die ſeit
längerer Zeit in Umlauf waren, war man vor dem
Zuſammenlaufe ſo vieler Menſchen unter den ge-
genwärtigen Umſtänden ſehr beſorgt. Jn den libe-
ralen Blättern wurde daher auch die Ordnung des
Zuges mit der größten Genauigkeit angegeben, um
Verwirrung zu verhüten. Bald erfuhr man, daß
Geld-Vertheilungen unter dem Volke ſtattgefunden
hatten. Eine Perſon, die 2000 Fr. erhalten hatte,
legte dieſe Summe beim Grafen v. Montalivet nieder.
Auch ſoll Hr. Mauguin Hrn. v. Montalivet einen Brief
geſchrieben haben, um ihm anzuzeigen, daß heute ein
Aufſtand ausbrechen ſolle, aber die Oppoſition ſey
daran unſchuldig; worauf der Miniſter erwiederte,
er ſey ganz ruhig und habe ein wachſames Auge auf
Alles. Die ganze Nacht hindurch herrſchte große
Bewegung. Bereits heute früh um 4 Uhr wurden
die Thüren der Wohnung des Generals Lamarque
dem Publicum eröffnet. Am Sarge des Verewigten
waren 4 Jnvaliden aufgeſtellt; an der Thür des
Hotels zwei ebenfalls invalide Sergeanten. Lorbeer-
kränze und Blumengewinde ſchmückten den Balcon,
und am Eingange prangten drei Trophäen.


[Spaltenumbruch]

9½ Uhr.

Auf allen Punkten bilden ſich Volkshaufen, um
ſich dem Trauerzuge anzuſchließen. Auf dem Mag-
dalenen-Platze bemerkte man alle diejenigen, die frü-
her politiſche Strafen erlitten, an der Spitze Oberſt
Duvergier. Die Rue-Royale iſt mit jungen Leuten
bedeckt, deren Hüte mit drei verſchiedenen Cocarden,
der franzöſiſchen, der polniſchen und der belgiſchen,
geſchmückt ſind. Eben trifft auch eine Deputation
der Freimaurer-Loge der drei Tage mit einer Fahne
ein.

10½ Uhr.

Die Maſſen nehmen fortwährend zu, doch herrſcht
die tiefſte Ruhe; bis jetzt ſind noch keine Linien-
truppen eingetroffen. Der Leichenwagen ſteht vor
der Thüre.

12 Uhr.

Vor etwa einer Viertelſtunde hat ſich der Zug,
der durch einen heftigen Regen aufgehalten war, in
Bewegung geſetzt. Von der Straße St. Honoré
bis zu den Boulevards iſt alles mit Menſchen ange-
füllt. Zuerſt erſchienen Deputationen aus den De-
partements der Landen und der Nieder-Pyrenäen;
Letztere trug eine Fahne mit der Aufſchrift: “dem
unſterblichen General Lamarque die Patrioten von
Bayonne.” Hierauf eine Deputation der Studenten
vom Bourbon-Collegium; dann die Juli-Decorirten
mit den Baſtille-Stürmern voran; ſie trugen eine
Fahne mit der Deviſe: “Union de Juillet, Patrie
[e]t Liberté!”
Es folgte dann eine große Anzahl
polniſcher Flüchtlinge, mit dem General Romarino
an der Spitze. Als ſie auf dem Magdalenen-Platze
ankamen, rief Alles: Es lebe Polen! es lebe der
tapfere General! Zunächſt kam die Deputation der
Jnvaliden, mit der Deviſe: 27, 28, 29 Juli. Dann
folgten 4 Fahnen, die polniſche, die italiäniſche, die
deutſche (ſchwarz-roth-golden) und die franzöſiſche,

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Zitationshilfe: Staats und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheiischen Correspondenten. Nr. 137, Hamburg, 12. Juni 1832, S. [1]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hc_1371206_1832/1>, abgerufen am 25.05.2019.