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Staats- und Gelehrte Zeitung Des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. Nr. 114, Hamburg, 17. Julii 1771.

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Mit allergnädigster Kayserlichen Freyheit.
Staats- und [Abbildung] Gelehrte
Zei- [Abbildung] tung

Des Hamburgischen unpartheyischen
CORRESPONDENTEN.

Anno 1771.     (Am Mittewochen, den 17 Julii.)    
Num. 114.



[Beginn Spaltensatz]

In den letzten Tagen des verwichenen Monats haben
wir hier wieder an 3 verschiedenen Orten Brand ge-
habt; allein, er wurde bald wieder gelöscht. Sonst sind
hier durch die neulich bekannt gemachten Befehle die
Gemüther ziemlich zur Ruhe gebracht. Auch gehen
nun 15000 Mann, da der Wind gut geworden, in Par-
theyen nach der schwarzen See ab. Doch ist dieser
Tagen wieder ein Corps Asiatischer Truppen angekom-
men, dem noch andere folgen werden, die sich ebenfalls
übers schwarze Meer nach Baina begeben sollen. Wir
glauben aber, daß wir diese Gäste in Zeit von 8 Tagen
ebenfalls wieder los werden dürften, indem ein Befehl ge-
geben worden, daß sich während solcher Zeit kein Frauen-
zimmer öffentlich auf den Straßen sollte sehen lassen. Das
Gerücht, welches sich zu Smirna verbreitet hat, daß die
Rußische Flotte sich einiger Schiffe in dem Haven von
Bodroen bemächtiget habe, ist ungegründet. Die Rus-
sischen Schiffe sollen gar nicht einmal vor diesem Haven
gewesen seyn, sondern die Kauffahrdenschiffe haben es
nicht wagen wollen, aus Furcht vor den Russen, auszu-
laufen. Sie haben dort ausgeladen, und die Pforte
ersuchet, ihre Ladung zu Lande hieher bringen zu
lassen. Vier Fahrzeuge mit Caffee und Reiß sind
indessen doch von selbigen unterwegens. Man ver-
sichert, daß das Casteel von Tino von den Russen gänzlich
wiederhergestellt werde. Auch wird berichtet, daß die
Türkischen Inseln den Russen eben die Abgaben ent-
richten müssen, die sie den Türken gegeben. Von den
Eingebohrnen fordern sie 3 pro Cent, und von den Frem-
den 4 pro Cent Zoll. Bey der Flotte sind 2 Flütschiffe
mit Ammunition angekommen; auch werden bey selbi-
ger noch 5000 Albanier erwartet.


Man will hier von einem hitzigen Scharmützel Nach-
richt haben, welches zwischen dem Grafen Branicki und
den Conföderirten in der Gegend von Crakau vorgefal-
[Spaltenumbruch] len seyn soll, wovon aber die Umstände noch sehr ver-
schieden erzählt werden. Der Graf soll in Gefahr ge-
wesen seyn, gefangen genommen zu werden; doch wäre
ihm endlich der Oberste Drewitz zu Hülfe gekommen,
der die Conföderirten zerstreuet. Man erwartet in
kurzem von Rußischer Seite eine neue Declaration,
die besonders zwey im vorigen Jahre von der General-
Conföderation herausgegebene Manifeste betreffen wird,
welche auf die Gemüther der Nation einen merklichen
Eindruck gemacht haben, den auch die Großen, die
Rußlands Absichten zu befördern suchen, noch nicht til-
gen können. Man hatte unter andern daraus gemuth-
maßet, daß der S - - Hof den Conföderirten Geld zu-
schicke, welches aber nunmehro gänzlich ungegründet
befunden worden, nachdem der Gesandte dieses Hofes
desfalls zu Petersburg die nöthige Erklärung gethan.

Den 1sten dieses traf bey dem Rußischen Ambassa-
deur, Herrn von Saldern, ein Courier von Sr. Excellenz,
dem Herrn General-Feldmarschall von Romanzow, ein,
welcher folgende umständliche Nachricht von den Ope-
rationen der Rußischen Armee mitgebracht hat:

Auszug eines Schreibens des Herrn General-Feld-
Marschalls von Romanzow, an den Rußisch-
Kayserl. Herrn Ambassadeur.

Hierdurch habe ich die Ehre, Ihnen die Beschreibung
des glücklichen Fortganges unserer Waffen, zugleich aber
auch einen widrigen Zufall zu berichten, den, wie ich
wohl weiß, die Uebelgesinnten als ein großes Unglück
auszuschreyen nicht ermangeln werden. Ich meyne die
Vestung Giurgiewo, die der Commandant, Major Hen-
kel, dem Feind auf eine nicht erhörte Art übergeben
hat, ohne sich im geringsten zu wehren, da er doch, wie
er selbst gestehet, mit allem versehen war, was zu einer
lebhaften Gegenwehr erfordert ward. Ich habe es für
meine Schuldigkeit erachtet, Sie sogleich davon zu be-
[Spaltenumbruch]

Mit allergnaͤdigſter Kayſerlichen Freyheit.
Staats- und [Abbildung] Gelehrte
Zei- [Abbildung] tung

Des Hamburgiſchen unpartheyiſchen
CORRESPONDENTEN.

Anno 1771.     (Am Mittewochen, den 17 Julii.)    
Num. 114.



[Beginn Spaltensatz]

In den letzten Tagen des verwichenen Monats haben
wir hier wieder an 3 verſchiedenen Orten Brand ge-
habt; allein, er wurde bald wieder geloͤſcht. Sonſt ſind
hier durch die neulich bekannt gemachten Befehle die
Gemuͤther ziemlich zur Ruhe gebracht. Auch gehen
nun 15000 Mann, da der Wind gut geworden, in Par-
theyen nach der ſchwarzen See ab. Doch iſt dieſer
Tagen wieder ein Corps Aſiatiſcher Truppen angekom-
men, dem noch andere folgen werden, die ſich ebenfalls
uͤbers ſchwarze Meer nach Baina begeben ſollen. Wir
glauben aber, daß wir dieſe Gaͤſte in Zeit von 8 Tagen
ebenfalls wieder los werden duͤrften, indem ein Befehl ge-
geben worden, daß ſich waͤhrend ſolcher Zeit kein Frauen-
zimmer oͤffentlich auf den Straßen ſollte ſehen laſſen. Das
Geruͤcht, welches ſich zu Smirna verbreitet hat, daß die
Rußiſche Flotte ſich einiger Schiffe in dem Haven von
Bodroen bemaͤchtiget habe, iſt ungegruͤndet. Die Ruſ-
ſiſchen Schiffe ſollen gar nicht einmal vor dieſem Haven
geweſen ſeyn, ſondern die Kauffahrdenſchiffe haben es
nicht wagen wollen, aus Furcht vor den Ruſſen, auszu-
laufen. Sie haben dort ausgeladen, und die Pforte
erſuchet, ihre Ladung zu Lande hieher bringen zu
laſſen. Vier Fahrzeuge mit Caffee und Reiß ſind
indeſſen doch von ſelbigen unterwegens. Man ver-
ſichert, daß das Caſteel von Tino von den Ruſſen gaͤnzlich
wiederhergeſtellt werde. Auch wird berichtet, daß die
Tuͤrkiſchen Inſeln den Ruſſen eben die Abgaben ent-
richten muͤſſen, die ſie den Tuͤrken gegeben. Von den
Eingebohrnen fordern ſie 3 pro Cent, und von den Frem-
den 4 pro Cent Zoll. Bey der Flotte ſind 2 Fluͤtſchiffe
mit Ammunition angekommen; auch werden bey ſelbi-
ger noch 5000 Albanier erwartet.


Man will hier von einem hitzigen Scharmuͤtzel Nach-
richt haben, welches zwiſchen dem Grafen Branicki und
den Confoͤderirten in der Gegend von Crakau vorgefal-
[Spaltenumbruch] len ſeyn ſoll, wovon aber die Umſtaͤnde noch ſehr ver-
ſchieden erzaͤhlt werden. Der Graf ſoll in Gefahr ge-
weſen ſeyn, gefangen genommen zu werden; doch waͤre
ihm endlich der Oberſte Drewitz zu Huͤlfe gekommen,
der die Confoͤderirten zerſtreuet. Man erwartet in
kurzem von Rußiſcher Seite eine neue Declaration,
die beſonders zwey im vorigen Jahre von der General-
Confoͤderation herausgegebene Manifeſte betreffen wird,
welche auf die Gemuͤther der Nation einen merklichen
Eindruck gemacht haben, den auch die Großen, die
Rußlands Abſichten zu befoͤrdern ſuchen, noch nicht til-
gen koͤnnen. Man hatte unter andern daraus gemuth-
maßet, daß der S - - Hof den Confoͤderirten Geld zu-
ſchicke, welches aber nunmehro gaͤnzlich ungegruͤndet
befunden worden, nachdem der Geſandte dieſes Hofes
desfalls zu Petersburg die noͤthige Erklaͤrung gethan.

Den 1ſten dieſes traf bey dem Rußiſchen Ambaſſa-
deur, Herrn von Saldern, ein Courier von Sr. Excellenz,
dem Herrn General-Feldmarſchall von Romanzow, ein,
welcher folgende umſtaͤndliche Nachricht von den Ope-
rationen der Rußiſchen Armee mitgebracht hat:

Auszug eines Schreibens des Herrn General-Feld-
Marſchalls von Romanzow, an den Rußiſch-
Kayſerl. Herrn Ambaſſadeur.

Hierdurch habe ich die Ehre, Ihnen die Beſchreibung
des gluͤcklichen Fortganges unſerer Waffen, zugleich aber
auch einen widrigen Zufall zu berichten, den, wie ich
wohl weiß, die Uebelgeſinnten als ein großes Ungluͤck
auszuſchreyen nicht ermangeln werden. Ich meyne die
Veſtung Giurgiewo, die der Commandant, Major Hen-
kel, dem Feind auf eine nicht erhoͤrte Art uͤbergeben
hat, ohne ſich im geringſten zu wehren, da er doch, wie
er ſelbſt geſtehet, mit allem verſehen war, was zu einer
lebhaften Gegenwehr erfordert ward. Ich habe es fuͤr
meine Schuldigkeit erachtet, Sie ſogleich davon zu be-
[Spaltenumbruch]

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Britt-Marie Schuster, Manuel Wille, Arnika Lutz, Fabienne Wollny: Bereitstellung der Texttranskription. (2014-07-07T12:30:46Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.

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Zitationshilfe: Staats- und Gelehrte Zeitung Des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. Nr. 114, Hamburg, 17. Julii 1771, S. [1]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hc_1141707_1771/1>, abgerufen am 17.07.2019.