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Staats- und Gelehrte Zeitung Des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. Nr. 113, Hamburg, 16. Julii 1771.

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hern Zolle zu belegen. Es werden von der Rolle, die
ungefähr 14 Wiener Ellen hält, 54 Kreutzer abgenommen.

Man spricht von einer neuen Reise Sr. Majestät,
des Kaysers, nach Böhmen, wo sich Höchstdieselben zu-
gleich mit Sr. Preußischen Majestät unterreden würden.


Von Bückeburg wird gemeldet, daß die regierende
Gräfinn von Bückeburg, gebohrne Gräfinn von der
Lippe-Bisterfeldt, von einer jungen Comtesse glücklich
entbunden worden.


Vorgestern, den 7ten dieses, wurden Ihro Majestät,
die regierende Königinn, von einer jungen Prinzeßinn,
auf dem Schlosse Hirschholm, glücklich entbunden, welche
frohe Nachricht ein Land- und ein See-Officier als
Couriers nach dieser Hauptstadt brachten, worauf die
Kanonen von den Wällen und dem Zeughaushofe abge-
feuert wurden. Vier andere Couriers sind mit dieser
Zeitung nach London, Stockholm, Hanau und Braun-
schweig abgegangen. Die Königl. Kindbetterinn und
die neugebohrne Prinzeßinn befinden sich nach Wunsch.


Gestern, des Morgens, geschahe in dem Audienz-Zim-
mer des General-Ober-Finanz-Krieges- und Domai-
nen-Directoriums, bey völliger Versammlung und of-
fenen Thüren, die öffentliche Aufstellung des Portraits
des wohlsel. geheimen Etats-Krieges- und dirigiren-
den Ministers und Ritters des schwarzen Adlerordens etc.
Freyherrn von Hagen, welches Se. Königl. Majestät
zum unvergeßlichen Andenken dieses rechtschaffenen Die-
ners des Staats, und zur immerwährenden Aufbehal-
tung, Dero Etatsministern von besagtem General-Di-
rectorio haben zustellen lassen.

Dieser Tagen ist ein Kayserl. Königl. Cabinets-Cou-
rier, von Wien kommend, hier durch nach Petersburg
gegangen.


Gestern Abend, um 10 Uhr, drang endlich das Was-
ser bis an unser Deichthor, und stieg in der Nacht in
einer Stunde 3 Fuß in die Höhe. Man kann sich hier
gar nicht erinnern, eine solche Fluth erlebet zu haben.
Die fruchtbaren Gefilde in den Vierlanden, und die vor-
trefflichen Gartenfrüchte in den schönen Gärten im Bill-
wärder sind durch diese Ueberschwemmung gänzlich ver-
dorben, so daß der Anblick dieser sonst so gesegneten
Gegenden, die jetzt zu einem See umgeschaffen zu seyn
scheinen, aus welchem Häuser, Bäume und einige Gar-
tengewächse hervorragen, einer der traurigsten ist.




Von gelehrten Sachen.

"Geschichte des Fräuleins von Sternheim. Von
"einer Freundinn derselben aus Original-Papieren und
"andern zuverlaßigen Quellen gezogen. Herausgegeben
"von C. M. Wieland. Erster Theil. Leipzig, bey Weid-
"manns Erben und Reich. 1771." Der berühmte
Herausgeber dieser Geschichte entschuldigt sich bey sei-
ner Freundinn, der er anstatt ihrer Handschrift eine ge-
druckte Copey derselben zuschickt, damit daß er dem
Verlangen nicht widerstehen können, "allen tugendhaf-
ten Müttern, allen liebenswürdigen jungen Töchtern
unserer Nation ein Geschenke mit einem Werke zu
machen, welches ihm geschickt geschienen, Weisheit und
Tugend -- die einzigen großen Vorzüge der Menschheit,
die einzigen Quellen einer wahren Glückseligkeit unter
[Spaltenumbruch] ihrem Geschlechte, und selbst unter dem seinigen zu be-
fördern." Nun lasen wir mit desto stärkerm Verlan-
gen die Zueignungsschrift und diesen ersten Theil der
Geschichte des Fräulein von Sternheim durch, und
fanden zu unserm größten Vergnügen, daß, wenn die
Fortsetzung dieser Geschichte, die wir mit lebhafter Un-
geduld erwarten, dem Anfange derselben entsprechen
würde, selbige wirklich geschickt sey, Weisheit und Tu-
gend unter den Lesern derselben zu befördern. Den
Freunden der Werke eines Richardsons und Fieldings
werden freylich aus selbigen schon einige Charaktere,
die in diesem ersten Theile vorkommen, bekannt zu seyn
scheinen; sie werden sich z. E. beym Mylord Derby
gewiß des Lovelace erinnern. Allein, da selbige noch
nicht gänzlich ausgemahlet sind, so kann man noch nicht
wissen, wie ähnlich oder unähnlich sie überhaupt den
von diesen beyden Schriftstellern gezeichneten seyn wer-
den, und Sophie Sternheim, die würdige Tochter einer
vortrefflichen Mutter, wird noch immer original genug
bleiben, um sie von einer Clarisse oder Byron unter
scheiden zu können. Was die Kunstrichter und Welt-
leute etwa an diesem Werke aussetzen möchten, hat der
Herausgeber seiner Freundinn schon gesagt, und die
ersten haben es, nach seinem Geständniß, in Absicht alles
dessen, was an der Form des Werkes und an der Schreib-
art
zu tadeln seyn kann, lediglich mit ihm zu thun.
Sie werden (die Kenner unter ihnen) vermuthlich eben
sowol wie ich, sagt er, der Meynung seyn, daß eine
moralische Dichtung, bey welcher es mehr um die Aus-
führung eines gewissen lehrreichen und interessanten
Hauptcharakters, als um Verwicklung und Entwickelung
zu thun ist, und wobey überhaupt die moralische Nütz-
lichkeit der erste Zweck, die Ergötzung des Lesers hinge-
gen nur eine Nebenabsicht ist, einer künstlichen Form
um so eher entbehren könne, wenn sie innerliche und
eigenthümliche Schönheiten für den Geist und das Herz
hat, welche uns wegen des Mangels eines nach den Re-
geln der Kunst angelegten Plans, und überhaupt alles
dessen, was unter der Benennung Autors-Künste be-
griffen werden kann, schadlos halten. Sie werden in
der Schreibart des Fräuleins von Sternheim eine ge-
wisse Originalität der Bilder und des Ausdrucks und
eine so glückliche Richtigkeit und Energie des letzten, oft
gerade in Stellen, mit denen der Sprachlehrer vielleicht
am wenigsten zufrieden ist, bemerken, welche die Nach-
läßigkeit des Styls, das Ungewöhnliche einiger Redens-
arten und Wendungen, und überhaupt den Mangel
einer vollkommern Abglättung und Ründung -- einen
Mangel, dem ich nicht anders als auf Unkosten dessen,
was mir eine wesenliche Schönheit der Schreibart mei-
ner Freundinn schien, abzuhelfen gewußt hätte, -- reich-
lich zu vergüten scheinen. Was den ersten Punkt, den
Plan, anbetrifft, so können wir darüber noch nicht ur-
theilen, da die Geschichte noch nicht zu Ende ist; die
Schreibart aber ist der Singularität der Heldinn, ihrem
Enthusiasmus für das sittliche Schöne, ihren besondern
Ideen und Launen, ihrer ein wenig eigensinnigen Prädi-
lection für die Mylords, und alles, was ihnen gleich
sieht, und aus ihrem Lande kommt, sehr angemessen.
Bey den Weltleuten, die noch denken können, verspre-
chen wir ihr eben des Contrastes wegen, den ihre Art
zu empfinden, zu urtheilen und zu handeln; mit dem
Geschmack, den Sitten und Gewohnheiten derselben
macht, eine geneigtere Aufnahme, als der Herausgeber
zu hoffen scheint, wenn man sich anders von diesen
Leuten etwas versprechen kann.


[Spaltenumbruch]

hern Zolle zu belegen. Es werden von der Rolle, die
ungefaͤhr 14 Wiener Ellen haͤlt, 54 Kreutzer abgenommen.

Man ſpricht von einer neuen Reiſe Sr. Majeſtaͤt,
des Kayſers, nach Boͤhmen, wo ſich Hoͤchſtdieſelben zu-
gleich mit Sr. Preußiſchen Majeſtaͤt unterreden wuͤrden.


Von Buͤckeburg wird gemeldet, daß die regierende
Graͤfinn von Buͤckeburg, gebohrne Graͤfinn von der
Lippe-Biſterfeldt, von einer jungen Comteſſe gluͤcklich
entbunden worden.


Vorgeſtern, den 7ten dieſes, wurden Ihro Majeſtaͤt,
die regierende Koͤniginn, von einer jungen Prinzeßinn,
auf dem Schloſſe Hirſchholm, gluͤcklich entbunden, welche
frohe Nachricht ein Land- und ein See-Officier als
Couriers nach dieſer Hauptſtadt brachten, worauf die
Kanonen von den Waͤllen und dem Zeughaushofe abge-
feuert wurden. Vier andere Couriers ſind mit dieſer
Zeitung nach London, Stockholm, Hanau und Braun-
ſchweig abgegangen. Die Koͤnigl. Kindbetterinn und
die neugebohrne Prinzeßinn befinden ſich nach Wunſch.


Geſtern, des Morgens, geſchahe in dem Audienz-Zim-
mer des General-Ober-Finanz-Krieges- und Domai-
nen-Directoriums, bey voͤlliger Verſammlung und of-
fenen Thuͤren, die oͤffentliche Aufſtellung des Portraits
des wohlſel. geheimen Etats-Krieges- und dirigiren-
den Miniſters und Ritters des ſchwarzen Adlerordens ꝛc.
Freyherrn von Hagen, welches Se. Koͤnigl. Majeſtaͤt
zum unvergeßlichen Andenken dieſes rechtſchaffenen Die-
ners des Staats, und zur immerwaͤhrenden Aufbehal-
tung, Dero Etatsminiſtern von beſagtem General-Di-
rectorio haben zuſtellen laſſen.

Dieſer Tagen iſt ein Kayſerl. Koͤnigl. Cabinets-Cou-
rier, von Wien kommend, hier durch nach Petersburg
gegangen.


Geſtern Abend, um 10 Uhr, drang endlich das Waſ-
ſer bis an unſer Deichthor, und ſtieg in der Nacht in
einer Stunde 3 Fuß in die Hoͤhe. Man kann ſich hier
gar nicht erinnern, eine ſolche Fluth erlebet zu haben.
Die fruchtbaren Gefilde in den Vierlanden, und die vor-
trefflichen Gartenfruͤchte in den ſchoͤnen Gaͤrten im Bill-
waͤrder ſind durch dieſe Ueberſchwemmung gaͤnzlich ver-
dorben, ſo daß der Anblick dieſer ſonſt ſo geſegneten
Gegenden, die jetzt zu einem See umgeſchaffen zu ſeyn
ſcheinen, aus welchem Haͤuſer, Baͤume und einige Gar-
tengewaͤchſe hervorragen, einer der traurigſten iſt.




Von gelehrten Sachen.

“Geſchichte des Fraͤuleins von Sternheim. Von
“einer Freundinn derſelben aus Original-Papieren und
“andern zuverlaßigen Quellen gezogen. Herausgegeben
“von C. M. Wieland. Erſter Theil. Leipzig, bey Weid-
“manns Erben und Reich. 1771.” Der beruͤhmte
Herausgeber dieſer Geſchichte entſchuldigt ſich bey ſei-
ner Freundinn, der er anſtatt ihrer Handſchrift eine ge-
druckte Copey derſelben zuſchickt, damit daß er dem
Verlangen nicht widerſtehen koͤnnen, “allen tugendhaf-
ten Muͤttern, allen liebenswuͤrdigen jungen Toͤchtern
unſerer Nation ein Geſchenke mit einem Werke zu
machen, welches ihm geſchickt geſchienen, Weisheit und
Tugend — die einzigen großen Vorzuͤge der Menſchheit,
die einzigen Quellen einer wahren Gluͤckſeligkeit unter
[Spaltenumbruch] ihrem Geſchlechte, und ſelbſt unter dem ſeinigen zu be-
foͤrdern.” Nun laſen wir mit deſto ſtaͤrkerm Verlan-
gen die Zueignungsſchrift und dieſen erſten Theil der
Geſchichte des Fraͤulein von Sternheim durch, und
fanden zu unſerm groͤßten Vergnuͤgen, daß, wenn die
Fortſetzung dieſer Geſchichte, die wir mit lebhafter Un-
geduld erwarten, dem Anfange derſelben entſprechen
wuͤrde, ſelbige wirklich geſchickt ſey, Weisheit und Tu-
gend unter den Leſern derſelben zu befoͤrdern. Den
Freunden der Werke eines Richardſons und Fieldings
werden freylich aus ſelbigen ſchon einige Charaktere,
die in dieſem erſten Theile vorkommen, bekannt zu ſeyn
ſcheinen; ſie werden ſich z. E. beym Mylord Derby
gewiß des Lovelace erinnern. Allein, da ſelbige noch
nicht gaͤnzlich ausgemahlet ſind, ſo kann man noch nicht
wiſſen, wie aͤhnlich oder unaͤhnlich ſie uͤberhaupt den
von dieſen beyden Schriftſtellern gezeichneten ſeyn wer-
den, und Sophie Sternheim, die wuͤrdige Tochter einer
vortrefflichen Mutter, wird noch immer original genug
bleiben, um ſie von einer Clariſſe oder Byron unter
ſcheiden zu koͤnnen. Was die Kunſtrichter und Welt-
leute etwa an dieſem Werke ausſetzen moͤchten, hat der
Herausgeber ſeiner Freundinn ſchon geſagt, und die
erſten haben es, nach ſeinem Geſtaͤndniß, in Abſicht alles
deſſen, was an der Form des Werkes und an der Schreib-
art
zu tadeln ſeyn kann, lediglich mit ihm zu thun.
Sie werden (die Kenner unter ihnen) vermuthlich eben
ſowol wie ich, ſagt er, der Meynung ſeyn, daß eine
moraliſche Dichtung, bey welcher es mehr um die Aus-
fuͤhrung eines gewiſſen lehrreichen und intereſſanten
Hauptcharakters, als um Verwicklung und Entwickelung
zu thun iſt, und wobey uͤberhaupt die moraliſche Nuͤtz-
lichkeit der erſte Zweck, die Ergoͤtzung des Leſers hinge-
gen nur eine Nebenabſicht iſt, einer kuͤnſtlichen Form
um ſo eher entbehren koͤnne, wenn ſie innerliche und
eigenthuͤmliche Schoͤnheiten fuͤr den Geiſt und das Herz
hat, welche uns wegen des Mangels eines nach den Re-
geln der Kunſt angelegten Plans, und uͤberhaupt alles
deſſen, was unter der Benennung Autors-Kuͤnſte be-
griffen werden kann, ſchadlos halten. Sie werden in
der Schreibart des Fraͤuleins von Sternheim eine ge-
wiſſe Originalitaͤt der Bilder und des Ausdrucks und
eine ſo gluͤckliche Richtigkeit und Energie des letzten, oft
gerade in Stellen, mit denen der Sprachlehrer vielleicht
am wenigſten zufrieden iſt, bemerken, welche die Nach-
laͤßigkeit des Styls, das Ungewoͤhnliche einiger Redens-
arten und Wendungen, und uͤberhaupt den Mangel
einer vollkommern Abglaͤttung und Ruͤndung — einen
Mangel, dem ich nicht anders als auf Unkoſten deſſen,
was mir eine weſenliche Schoͤnheit der Schreibart mei-
ner Freundinn ſchien, abzuhelfen gewußt haͤtte, — reich-
lich zu verguͤten ſcheinen. Was den erſten Punkt, den
Plan, anbetrifft, ſo koͤnnen wir daruͤber noch nicht ur-
theilen, da die Geſchichte noch nicht zu Ende iſt; die
Schreibart aber iſt der Singularitaͤt der Heldinn, ihrem
Enthuſiaſmus fuͤr das ſittliche Schoͤne, ihren beſondern
Ideen und Launen, ihrer ein wenig eigenſinnigen Praͤdi-
lection fuͤr die Mylords, und alles, was ihnen gleich
ſieht, und aus ihrem Lande kommt, ſehr angemeſſen.
Bey den Weltleuten, die noch denken koͤnnen, verſpre-
chen wir ihr eben des Contraſtes wegen, den ihre Art
zu empfinden, zu urtheilen und zu handeln; mit dem
Geſchmack, den Sitten und Gewohnheiten derſelben
macht, eine geneigtere Aufnahme, als der Herausgeber
zu hoffen ſcheint, wenn man ſich anders von dieſen
Leuten etwas verſprechen kann.


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[[3]/0003] hern Zolle zu belegen. Es werden von der Rolle, die ungefaͤhr 14 Wiener Ellen haͤlt, 54 Kreutzer abgenommen. Man ſpricht von einer neuen Reiſe Sr. Majeſtaͤt, des Kayſers, nach Boͤhmen, wo ſich Hoͤchſtdieſelben zu- gleich mit Sr. Preußiſchen Majeſtaͤt unterreden wuͤrden. Minden, den 8 Julii. Von Buͤckeburg wird gemeldet, daß die regierende Graͤfinn von Buͤckeburg, gebohrne Graͤfinn von der Lippe-Biſterfeldt, von einer jungen Comteſſe gluͤcklich entbunden worden. Copenhagen, den 9 Julii. Vorgeſtern, den 7ten dieſes, wurden Ihro Majeſtaͤt, die regierende Koͤniginn, von einer jungen Prinzeßinn, auf dem Schloſſe Hirſchholm, gluͤcklich entbunden, welche frohe Nachricht ein Land- und ein See-Officier als Couriers nach dieſer Hauptſtadt brachten, worauf die Kanonen von den Waͤllen und dem Zeughaushofe abge- feuert wurden. Vier andere Couriers ſind mit dieſer Zeitung nach London, Stockholm, Hanau und Braun- ſchweig abgegangen. Die Koͤnigl. Kindbetterinn und die neugebohrne Prinzeßinn befinden ſich nach Wunſch. Berlin, den 11 Julii. Geſtern, des Morgens, geſchahe in dem Audienz-Zim- mer des General-Ober-Finanz-Krieges- und Domai- nen-Directoriums, bey voͤlliger Verſammlung und of- fenen Thuͤren, die oͤffentliche Aufſtellung des Portraits des wohlſel. geheimen Etats-Krieges- und dirigiren- den Miniſters und Ritters des ſchwarzen Adlerordens ꝛc. Freyherrn von Hagen, welches Se. Koͤnigl. Majeſtaͤt zum unvergeßlichen Andenken dieſes rechtſchaffenen Die- ners des Staats, und zur immerwaͤhrenden Aufbehal- tung, Dero Etatsminiſtern von beſagtem General-Di- rectorio haben zuſtellen laſſen. Dieſer Tagen iſt ein Kayſerl. Koͤnigl. Cabinets-Cou- rier, von Wien kommend, hier durch nach Petersburg gegangen. Hamburg, den 15 Julii. Geſtern Abend, um 10 Uhr, drang endlich das Waſ- ſer bis an unſer Deichthor, und ſtieg in der Nacht in einer Stunde 3 Fuß in die Hoͤhe. Man kann ſich hier gar nicht erinnern, eine ſolche Fluth erlebet zu haben. Die fruchtbaren Gefilde in den Vierlanden, und die vor- trefflichen Gartenfruͤchte in den ſchoͤnen Gaͤrten im Bill- waͤrder ſind durch dieſe Ueberſchwemmung gaͤnzlich ver- dorben, ſo daß der Anblick dieſer ſonſt ſo geſegneten Gegenden, die jetzt zu einem See umgeſchaffen zu ſeyn ſcheinen, aus welchem Haͤuſer, Baͤume und einige Gar- tengewaͤchſe hervorragen, einer der traurigſten iſt. Von gelehrten Sachen. “Geſchichte des Fraͤuleins von Sternheim. Von “einer Freundinn derſelben aus Original-Papieren und “andern zuverlaßigen Quellen gezogen. Herausgegeben “von C. M. Wieland. Erſter Theil. Leipzig, bey Weid- “manns Erben und Reich. 1771.” Der beruͤhmte Herausgeber dieſer Geſchichte entſchuldigt ſich bey ſei- ner Freundinn, der er anſtatt ihrer Handſchrift eine ge- druckte Copey derſelben zuſchickt, damit daß er dem Verlangen nicht widerſtehen koͤnnen, “allen tugendhaf- ten Muͤttern, allen liebenswuͤrdigen jungen Toͤchtern unſerer Nation ein Geſchenke mit einem Werke zu machen, welches ihm geſchickt geſchienen, Weisheit und Tugend — die einzigen großen Vorzuͤge der Menſchheit, die einzigen Quellen einer wahren Gluͤckſeligkeit unter ihrem Geſchlechte, und ſelbſt unter dem ſeinigen zu be- foͤrdern.” Nun laſen wir mit deſto ſtaͤrkerm Verlan- gen die Zueignungsſchrift und dieſen erſten Theil der Geſchichte des Fraͤulein von Sternheim durch, und fanden zu unſerm groͤßten Vergnuͤgen, daß, wenn die Fortſetzung dieſer Geſchichte, die wir mit lebhafter Un- geduld erwarten, dem Anfange derſelben entſprechen wuͤrde, ſelbige wirklich geſchickt ſey, Weisheit und Tu- gend unter den Leſern derſelben zu befoͤrdern. Den Freunden der Werke eines Richardſons und Fieldings werden freylich aus ſelbigen ſchon einige Charaktere, die in dieſem erſten Theile vorkommen, bekannt zu ſeyn ſcheinen; ſie werden ſich z. E. beym Mylord Derby gewiß des Lovelace erinnern. Allein, da ſelbige noch nicht gaͤnzlich ausgemahlet ſind, ſo kann man noch nicht wiſſen, wie aͤhnlich oder unaͤhnlich ſie uͤberhaupt den von dieſen beyden Schriftſtellern gezeichneten ſeyn wer- den, und Sophie Sternheim, die wuͤrdige Tochter einer vortrefflichen Mutter, wird noch immer original genug bleiben, um ſie von einer Clariſſe oder Byron unter ſcheiden zu koͤnnen. Was die Kunſtrichter und Welt- leute etwa an dieſem Werke ausſetzen moͤchten, hat der Herausgeber ſeiner Freundinn ſchon geſagt, und die erſten haben es, nach ſeinem Geſtaͤndniß, in Abſicht alles deſſen, was an der Form des Werkes und an der Schreib- art zu tadeln ſeyn kann, lediglich mit ihm zu thun. Sie werden (die Kenner unter ihnen) vermuthlich eben ſowol wie ich, ſagt er, der Meynung ſeyn, daß eine moraliſche Dichtung, bey welcher es mehr um die Aus- fuͤhrung eines gewiſſen lehrreichen und intereſſanten Hauptcharakters, als um Verwicklung und Entwickelung zu thun iſt, und wobey uͤberhaupt die moraliſche Nuͤtz- lichkeit der erſte Zweck, die Ergoͤtzung des Leſers hinge- gen nur eine Nebenabſicht iſt, einer kuͤnſtlichen Form um ſo eher entbehren koͤnne, wenn ſie innerliche und eigenthuͤmliche Schoͤnheiten fuͤr den Geiſt und das Herz hat, welche uns wegen des Mangels eines nach den Re- geln der Kunſt angelegten Plans, und uͤberhaupt alles deſſen, was unter der Benennung Autors-Kuͤnſte be- griffen werden kann, ſchadlos halten. Sie werden in der Schreibart des Fraͤuleins von Sternheim eine ge- wiſſe Originalitaͤt der Bilder und des Ausdrucks und eine ſo gluͤckliche Richtigkeit und Energie des letzten, oft gerade in Stellen, mit denen der Sprachlehrer vielleicht am wenigſten zufrieden iſt, bemerken, welche die Nach- laͤßigkeit des Styls, das Ungewoͤhnliche einiger Redens- arten und Wendungen, und uͤberhaupt den Mangel einer vollkommern Abglaͤttung und Ruͤndung — einen Mangel, dem ich nicht anders als auf Unkoſten deſſen, was mir eine weſenliche Schoͤnheit der Schreibart mei- ner Freundinn ſchien, abzuhelfen gewußt haͤtte, — reich- lich zu verguͤten ſcheinen. Was den erſten Punkt, den Plan, anbetrifft, ſo koͤnnen wir daruͤber noch nicht ur- theilen, da die Geſchichte noch nicht zu Ende iſt; die Schreibart aber iſt der Singularitaͤt der Heldinn, ihrem Enthuſiaſmus fuͤr das ſittliche Schoͤne, ihren beſondern Ideen und Launen, ihrer ein wenig eigenſinnigen Praͤdi- lection fuͤr die Mylords, und alles, was ihnen gleich ſieht, und aus ihrem Lande kommt, ſehr angemeſſen. Bey den Weltleuten, die noch denken koͤnnen, verſpre- chen wir ihr eben des Contraſtes wegen, den ihre Art zu empfinden, zu urtheilen und zu handeln; mit dem Geſchmack, den Sitten und Gewohnheiten derſelben macht, eine geneigtere Aufnahme, als der Herausgeber zu hoffen ſcheint, wenn man ſich anders von dieſen Leuten etwas verſprechen kann.

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Zitationshilfe: Staats- und Gelehrte Zeitung Des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. Nr. 113, Hamburg, 16. Julii 1771, S. [3]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hc_1131607_1771/3>, abgerufen am 22.08.2019.