Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Hauff, Wilhelm: Phantasien im Bremer Ratskeller. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 4. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. 117–197. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt/Konstanz, 2016.

Bild:
<< vorherige Seite

Süßen darunter, daß er ihnen munde, sie sagen, er fei zu sauer.

Die Apostel schlugen ein großes Gelächter auf, in das ich unwillkürlich einstimmen mußte, und Bacchus lachte so gräßlich, daß ihn der alte Balthasar halten mußte.

Ja die guten alten Zeiten! rief der dicke Bartholomäus; sonst trank ein Bürger seine zwei Maß, und es war, als hätt' er Wasser getrunken, so nüchtern blieb er; jetzt wirft sie ein Römer um. Sie sind aus der Uebung gekommen.

Da trug sich vor vielen Jahren eine schöne Geschichte zu, sagte Fräulein Rose und lächelte vor sich hin.

Erzähle, erzähle, Jungfer Rose, die Geschichte! baten Alle; sie aber trank bedeutend viel Wein, damit sie eine glatte Kehle bekam, und hub an:

Anno tausend sechshundert und einige zwanzig, dreißig Jahre war ein großer Krieg in deutschen Landen von wegen des Glaubens; die Einen wollten so und die Andern anders, und statt daß sie bei einem Glase Wein die Sache vernünftig besprochen hätten, schlugen sie sich die Schädel ein. Albrecht von Wallenstein, des Kaisers Generalfeldmarschall, haus'te schrecklich in protestantischen Landen. Deß erbarmte sich der Schweden König, Gustav Adolph, und kam mit vieler Mannschaft zu Roß und zu Fuß. Es wurden viele Bataillen geliefert, sie hetzten sich herum am Rhein und

Süßen darunter, daß er ihnen munde, sie sagen, er fei zu sauer.

Die Apostel schlugen ein großes Gelächter auf, in das ich unwillkürlich einstimmen mußte, und Bacchus lachte so gräßlich, daß ihn der alte Balthasar halten mußte.

Ja die guten alten Zeiten! rief der dicke Bartholomäus; sonst trank ein Bürger seine zwei Maß, und es war, als hätt' er Wasser getrunken, so nüchtern blieb er; jetzt wirft sie ein Römer um. Sie sind aus der Uebung gekommen.

Da trug sich vor vielen Jahren eine schöne Geschichte zu, sagte Fräulein Rose und lächelte vor sich hin.

Erzähle, erzähle, Jungfer Rose, die Geschichte! baten Alle; sie aber trank bedeutend viel Wein, damit sie eine glatte Kehle bekam, und hub an:

Anno tausend sechshundert und einige zwanzig, dreißig Jahre war ein großer Krieg in deutschen Landen von wegen des Glaubens; die Einen wollten so und die Andern anders, und statt daß sie bei einem Glase Wein die Sache vernünftig besprochen hätten, schlugen sie sich die Schädel ein. Albrecht von Wallenstein, des Kaisers Generalfeldmarschall, haus'te schrecklich in protestantischen Landen. Deß erbarmte sich der Schweden König, Gustav Adolph, und kam mit vieler Mannschaft zu Roß und zu Fuß. Es wurden viele Bataillen geliefert, sie hetzten sich herum am Rhein und

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div type="chapter" n="3">
        <p><pb facs="#f0048"/>
Süßen darunter, daß er ihnen                munde, sie sagen, er fei zu sauer.</p><lb/>
        <p>Die Apostel schlugen ein großes Gelächter auf, in das ich unwillkürlich einstimmen                mußte, und Bacchus lachte so gräßlich, daß ihn der alte Balthasar halten mußte.</p><lb/>
        <p>Ja die guten alten Zeiten! rief der dicke Bartholomäus; sonst trank ein Bürger seine                zwei Maß, und es war, als hätt' er Wasser getrunken, so nüchtern blieb er; jetzt                wirft sie ein Römer um. Sie sind aus der Uebung gekommen.</p><lb/>
        <p>Da trug sich vor vielen Jahren eine schöne Geschichte zu, sagte Fräulein Rose und                lächelte vor sich hin.</p><lb/>
        <p>Erzähle, erzähle, Jungfer Rose, die Geschichte! baten Alle; sie aber trank bedeutend                viel Wein, damit sie eine glatte Kehle bekam, und hub an:</p><lb/>
        <p>Anno tausend sechshundert und einige zwanzig, dreißig Jahre war ein großer Krieg in                deutschen Landen von wegen des Glaubens; die Einen wollten so und die Andern anders,                und statt daß sie bei einem Glase Wein die Sache vernünftig besprochen hätten,                schlugen sie sich die Schädel ein. Albrecht von Wallenstein, des Kaisers                Generalfeldmarschall, haus'te schrecklich in protestantischen Landen. Deß erbarmte                sich der Schweden König, Gustav Adolph, und kam mit vieler Mannschaft zu Roß und zu                Fuß. Es wurden viele Bataillen geliefert, sie hetzten sich herum am Rhein und<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[0048] Süßen darunter, daß er ihnen munde, sie sagen, er fei zu sauer. Die Apostel schlugen ein großes Gelächter auf, in das ich unwillkürlich einstimmen mußte, und Bacchus lachte so gräßlich, daß ihn der alte Balthasar halten mußte. Ja die guten alten Zeiten! rief der dicke Bartholomäus; sonst trank ein Bürger seine zwei Maß, und es war, als hätt' er Wasser getrunken, so nüchtern blieb er; jetzt wirft sie ein Römer um. Sie sind aus der Uebung gekommen. Da trug sich vor vielen Jahren eine schöne Geschichte zu, sagte Fräulein Rose und lächelte vor sich hin. Erzähle, erzähle, Jungfer Rose, die Geschichte! baten Alle; sie aber trank bedeutend viel Wein, damit sie eine glatte Kehle bekam, und hub an: Anno tausend sechshundert und einige zwanzig, dreißig Jahre war ein großer Krieg in deutschen Landen von wegen des Glaubens; die Einen wollten so und die Andern anders, und statt daß sie bei einem Glase Wein die Sache vernünftig besprochen hätten, schlugen sie sich die Schädel ein. Albrecht von Wallenstein, des Kaisers Generalfeldmarschall, haus'te schrecklich in protestantischen Landen. Deß erbarmte sich der Schweden König, Gustav Adolph, und kam mit vieler Mannschaft zu Roß und zu Fuß. Es wurden viele Bataillen geliefert, sie hetzten sich herum am Rhein und

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Thomas Weitin: Herausgeber
Digital Humanities Cooperation Konstanz/Darmstadt: Bereitstellung der Texttranskription. (2017-03-15T11:05:53Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Jan Merkt, Thomas Gilli, Jasmin Bieber, Katharina Herget, Anni Peter, Christian Thomas, Benjamin Fiechter: Bearbeitung der digitalen Edition. (2017-03-15T11:05:53Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht gekennzeichnet; Druckfehler: dokumentiert; fremdsprachliches Material: nicht gekennzeichnet; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): nicht ausgezeichnet; i/j in Fraktur: keine Angabe; I/J in Fraktur: Lautwert transkribiert; Kolumnentitel: nicht gekennzeichnet; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): als s transkribiert; Normalisierungen: keine; rundes r (ꝛ): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: vollständig erfasst; Zeichensetzung: wie Vorlage; Zeilenumbrüche markiert: nein;




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/hauff_ratskeller_1910
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/hauff_ratskeller_1910/48
Zitationshilfe: Hauff, Wilhelm: Phantasien im Bremer Ratskeller. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 4. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. 117–197. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt/Konstanz, 2016, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hauff_ratskeller_1910/48>, abgerufen am 13.08.2020.