Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Hasak, Max: Die Predigtkirche im Mittelalter. Berlin, 1893.

Bild:
<< vorherige Seite

nach Stil, Grundriß und Baumeister, sodaß sie ebenfalls nichts für das Languedoc beweisen, im Gegentheil gegen den Ursprung dieser Capellenreihen im Languedoc Zeugniß ablegen.

Ein weiterer Punkt der Uebereinstimmung soll die Anordnung des wenig bedeutenden Querhauses sein. Das südliche Querschiff des Prager Domes springt aber um ein Gewölbejoch vor die Capellen vor, das zu Barcelona dagegen springt gar nicht vor. Daß das nördliche in Prag nicht ebensoweit hervortritt, liegt an der Oertlichkeit. Uebrigens springt in Paris, Rheims, Clermont, Limoges und Narbonne das Kreuzschiff auch nicht vor, genau wie in Barcelona. Gerade so wie in Prag aber ragen schon die Kreuzschiffe von Chartres, Amiens, Beauvais, Troyes, Autun, Sens, Bayeux u. a. ein Joch über die Capellen hervor, alles Kirchen, die nicht im Languedoc liegen. Also auch diese besondere Eigenthümlichkeit des Languedoc ist nicht vorhanden. Auch beruht die Ansicht, daß die Kreuzschiffe unentschieden vorspringen, auf Mißverständniß. In den in Büchern abgebildeten Grundrissen ist freilich, und zwar bei der überwiegenden Mehrzahl aller Kathedralen, der Vorsprung nicht bedeutend. In Wirklichkeit springen diese Kreuzschiffe aber sehr entschieden vor, da die Capellen niedrig liegen bleiben.

In Barcelona, schreibt Gurlitt, ist der Chor als Halle ausgebildet, und weiter: "Prag hat diese Eigenschaft nicht. Wir müssen uns nun die Frage vorlegen, ob es möglich ist, daß auch der Prager Chor ursprünglich als Halle gedacht war. Nach der technischen Seite spricht nichts dagegen" (S. 317). Es spricht aber von technischer und obendrein von geschichtlicher Seite alles dagegen. Denn als Matthias von Arras starb (1352), war der Capellenkranz schon so weit vorgeschritten, daß eine Capelle, welche der Erzbischof Arnest gestiftet hatte, bereits fertig war. Das wäre dann aber eine recht niedrige Kathedrale des Kaisers geworden, wenn sie nicht höher als diese Capellen geplant gewesen wäre. Anderenfalls hätte ja der Umgang die Höhe des Mittelschiffes erhalten müssen und dann hätten die Arcaden der polygonalen Chorwand Höhenverhältnisse erhalten,

nach Stil, Grundriß und Baumeister, sodaß sie ebenfalls nichts für das Languedoc beweisen, im Gegentheil gegen den Ursprung dieser Capellenreihen im Languedoc Zeugniß ablegen.

Ein weiterer Punkt der Uebereinstimmung soll die Anordnung des wenig bedeutenden Querhauses sein. Das südliche Querschiff des Prager Domes springt aber um ein Gewölbejoch vor die Capellen vor, das zu Barcelona dagegen springt gar nicht vor. Daß das nördliche in Prag nicht ebensoweit hervortritt, liegt an der Oertlichkeit. Uebrigens springt in Paris, Rheims, Clermont, Limoges und Narbonne das Kreuzschiff auch nicht vor, genau wie in Barcelona. Gerade so wie in Prag aber ragen schon die Kreuzschiffe von Chartres, Amiens, Beauvais, Troyes, Autun, Sens, Bayeux u. a. ein Joch über die Capellen hervor, alles Kirchen, die nicht im Languedoc liegen. Also auch diese besondere Eigenthümlichkeit des Languedoc ist nicht vorhanden. Auch beruht die Ansicht, daß die Kreuzschiffe unentschieden vorspringen, auf Mißverständniß. In den in Büchern abgebildeten Grundrissen ist freilich, und zwar bei der überwiegenden Mehrzahl aller Kathedralen, der Vorsprung nicht bedeutend. In Wirklichkeit springen diese Kreuzschiffe aber sehr entschieden vor, da die Capellen niedrig liegen bleiben.

In Barcelona, schreibt Gurlitt, ist der Chor als Halle ausgebildet, und weiter: „Prag hat diese Eigenschaft nicht. Wir müssen uns nun die Frage vorlegen, ob es möglich ist, daß auch der Prager Chor ursprünglich als Halle gedacht war. Nach der technischen Seite spricht nichts dagegen“ (S. 317). Es spricht aber von technischer und obendrein von geschichtlicher Seite alles dagegen. Denn als Matthias von Arras starb (1352), war der Capellenkranz schon so weit vorgeschritten, daß eine Capelle, welche der Erzbischof Arnest gestiftet hatte, bereits fertig war. Das wäre dann aber eine recht niedrige Kathedrale des Kaisers geworden, wenn sie nicht höher als diese Capellen geplant gewesen wäre. Anderenfalls hätte ja der Umgang die Höhe des Mittelschiffes erhalten müssen und dann hätten die Arcaden der polygonalen Chorwand Höhenverhältnisse erhalten,

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0030" n="24"/>
nach Stil, Grundriß und Baumeister, sodaß sie ebenfalls nichts für das Languedoc beweisen, im Gegentheil gegen den Ursprung dieser Capellenreihen im Languedoc Zeugniß ablegen.</p>
        <p>Ein weiterer Punkt der Uebereinstimmung soll die Anordnung des wenig bedeutenden Querhauses sein. Das südliche Querschiff des Prager Domes springt aber um ein Gewölbejoch vor die Capellen vor, das zu Barcelona dagegen springt gar nicht vor. Daß das nördliche in Prag nicht ebensoweit hervortritt, liegt an der Oertlichkeit. Uebrigens springt in Paris, Rheims, Clermont, Limoges und Narbonne das Kreuzschiff auch nicht vor, genau wie in Barcelona. Gerade so wie in Prag aber ragen schon die Kreuzschiffe von Chartres, Amiens, Beauvais, Troyes, Autun, Sens, Bayeux u. a. ein Joch über die Capellen hervor, alles Kirchen, die nicht im Languedoc liegen. Also auch diese besondere Eigenthümlichkeit des Languedoc ist nicht vorhanden. Auch beruht die Ansicht, daß die Kreuzschiffe unentschieden vorspringen, auf Mißverständniß. In den in Büchern abgebildeten Grundrissen ist freilich, und zwar bei der überwiegenden Mehrzahl aller Kathedralen, der Vorsprung nicht bedeutend. In Wirklichkeit springen diese Kreuzschiffe aber sehr entschieden vor, da die Capellen niedrig liegen bleiben.</p>
        <p>In Barcelona, schreibt Gurlitt, ist der Chor als Halle ausgebildet, und weiter: &#x201E;Prag hat diese Eigenschaft nicht. Wir müssen uns nun die Frage vorlegen, ob es möglich ist, daß auch der Prager Chor ursprünglich als Halle gedacht war. Nach der technischen Seite spricht nichts dagegen&#x201C; (S. 317). Es spricht aber von technischer und obendrein von geschichtlicher Seite alles dagegen. Denn als Matthias von Arras starb (1352), war der Capellenkranz schon so weit vorgeschritten, daß eine Capelle, welche der Erzbischof Arnest gestiftet hatte, bereits fertig war. Das wäre dann aber eine recht niedrige Kathedrale des Kaisers geworden, wenn sie nicht höher als diese Capellen geplant gewesen wäre. Anderenfalls hätte ja der Umgang die Höhe des Mittelschiffes erhalten müssen und dann hätten die Arcaden der polygonalen Chorwand Höhenverhältnisse erhalten,
</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[24/0030] nach Stil, Grundriß und Baumeister, sodaß sie ebenfalls nichts für das Languedoc beweisen, im Gegentheil gegen den Ursprung dieser Capellenreihen im Languedoc Zeugniß ablegen. Ein weiterer Punkt der Uebereinstimmung soll die Anordnung des wenig bedeutenden Querhauses sein. Das südliche Querschiff des Prager Domes springt aber um ein Gewölbejoch vor die Capellen vor, das zu Barcelona dagegen springt gar nicht vor. Daß das nördliche in Prag nicht ebensoweit hervortritt, liegt an der Oertlichkeit. Uebrigens springt in Paris, Rheims, Clermont, Limoges und Narbonne das Kreuzschiff auch nicht vor, genau wie in Barcelona. Gerade so wie in Prag aber ragen schon die Kreuzschiffe von Chartres, Amiens, Beauvais, Troyes, Autun, Sens, Bayeux u. a. ein Joch über die Capellen hervor, alles Kirchen, die nicht im Languedoc liegen. Also auch diese besondere Eigenthümlichkeit des Languedoc ist nicht vorhanden. Auch beruht die Ansicht, daß die Kreuzschiffe unentschieden vorspringen, auf Mißverständniß. In den in Büchern abgebildeten Grundrissen ist freilich, und zwar bei der überwiegenden Mehrzahl aller Kathedralen, der Vorsprung nicht bedeutend. In Wirklichkeit springen diese Kreuzschiffe aber sehr entschieden vor, da die Capellen niedrig liegen bleiben. In Barcelona, schreibt Gurlitt, ist der Chor als Halle ausgebildet, und weiter: „Prag hat diese Eigenschaft nicht. Wir müssen uns nun die Frage vorlegen, ob es möglich ist, daß auch der Prager Chor ursprünglich als Halle gedacht war. Nach der technischen Seite spricht nichts dagegen“ (S. 317). Es spricht aber von technischer und obendrein von geschichtlicher Seite alles dagegen. Denn als Matthias von Arras starb (1352), war der Capellenkranz schon so weit vorgeschritten, daß eine Capelle, welche der Erzbischof Arnest gestiftet hatte, bereits fertig war. Das wäre dann aber eine recht niedrige Kathedrale des Kaisers geworden, wenn sie nicht höher als diese Capellen geplant gewesen wäre. Anderenfalls hätte ja der Umgang die Höhe des Mittelschiffes erhalten müssen und dann hätten die Arcaden der polygonalen Chorwand Höhenverhältnisse erhalten,

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Wikisource: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in Wikisource-Syntax. (2012-10-26T10:30:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus Wikisource entsprechen muss.
Wikimedia Commons: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2012-10-26T10:30:31Z)
Frank Wiegand: Konvertierung von Wikisource-Markup nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2012-10-26T10:30:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Als Grundlage dienen die Wikisource:Editionsrichtlinien.
  • „ſs“ (meist als „fs“ im unkorrigierten Text) wird durch „ß“ transkribiert.
  • „ſ“ (meist als „f“ im unkorrigierten Text) wird zu „s“ transkribiert.
  • Ligaturen wie z. B. „Æ“ und „Œ“, werden zu zwei getrennten Zeichen transkribiert, im Beispiel also zu „Ae“ und „Oe“.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/hasak_predigtkirche_1893
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/hasak_predigtkirche_1893/30
Zitationshilfe: Hasak, Max: Die Predigtkirche im Mittelalter. Berlin, 1893, S. 24. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hasak_predigtkirche_1893/30>, abgerufen am 27.05.2019.