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Harsdörffer, Georg Philipp: Poetischer Trichter. Bd. 3. Nürnberg, 1653.

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Zuschrifft.
lich vortragen sol; Gestalt dann in allen
wolbestellten Lateinischen Schulen/ bene-
bens der Sprachlehre (Grammatica)
auch die Dicht-und Reimkunst (Prosodia)
gelehret und getrieben wird: deßwegen auch
bey hochbringung unsrer Teutschen Spra-
che/ dieses Stuck keines Weges zuverlai-
sten/ sondern mit allen Fleiß und der Teutsch-
gelehrter gesammter Handbietung/ aus den
sichern Gründen erhaben und auf guldnen
Stuffen zu dem höchsten Ehren-Thron
endlicher Vollkommenheit/ geleitet wer-
den sol.

Es kan auch diese Dicht-und Reimkunst
niemand verächtlich für kommen/ als ver-
ächtlichen und verdächtigen Personen/
welche aus Neid oder Unbedacht hassen/
was sie nicht ergreiffen und gleichständig
nachthun können. Jch will nicht sagen von
dem Käiser Augusto, Nerone, Aurelio,
noch von Mecaenate, Marone und Ovi-
dio
in den Ritterstand/ welche alle in der
Poeterey grosses Belieben gesuchet/ son-
dern nur vo David/* Salomone* Hiskia*

und
* 2. Chr. 23, 18.
* 1. König 4/ 32.
* Jesaia 38/ 20.
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Zuſchrifft.
lich vortragen ſol; Geſtalt dann in allen
wolbeſtellten Lateiniſchen Schulen/ bene-
bens der Sprachlehre (Grammatica)
auch die Dicht-und Reimkunſt (Proſodia)
gelehret und getrieben wird: deßwegẽ auch
bey hochbringung unſrer Teutſchẽ Spra-
che/ dieſes Stuck keines Weges zuverlai-
ſten/ ſondeꝛn mit allẽ Fleiß und deꝛ Teutſch-
gelehrteꝛ geſammteꝛ Handbietung/ aus den
ſichern Gruͤnden erhaben und auf guldnen
Stuffen zu dem hoͤchſten Ehren-Thron
endlicher Vollkommenheit/ geleitet wer-
den ſol.

Es kan auch dieſe Dicht-und Reimkunſt
niemand veraͤchtlich fuͤr kommen/ als ver-
aͤchtlichen und verdaͤchtigen Perſonen/
welche aus Neid oder Unbedacht haſſen/
was ſie nicht ergreiffen und gleichſtaͤndig
nachthun koͤnnẽ. Jch will nicht ſagen von
dem Kaͤiſer Auguſto, Nerone, Aurelio,
noch von Mecænate, Marone und Ovi-
dio
in den Ritterſtand/ welche alle in der
Poeterey groſſes Belieben geſuchet/ ſon-
dern nur võ David/* Salomone* Hiſkia*

und
* 2. Chr. 23, 18.
* 1. Koͤnig 4/ 32.
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[0005] Zuſchrifft. lich vortragen ſol; Geſtalt dann in allen wolbeſtellten Lateiniſchen Schulen/ bene- bens der Sprachlehre (Grammatica) auch die Dicht-und Reimkunſt (Proſodia) gelehret und getrieben wird: deßwegẽ auch bey hochbringung unſrer Teutſchẽ Spra- che/ dieſes Stuck keines Weges zuverlai- ſten/ ſondeꝛn mit allẽ Fleiß und deꝛ Teutſch- gelehrteꝛ geſammteꝛ Handbietung/ aus den ſichern Gruͤnden erhaben und auf guldnen Stuffen zu dem hoͤchſten Ehren-Thron endlicher Vollkommenheit/ geleitet wer- den ſol. Es kan auch dieſe Dicht-und Reimkunſt niemand veraͤchtlich fuͤr kommen/ als ver- aͤchtlichen und verdaͤchtigen Perſonen/ welche aus Neid oder Unbedacht haſſen/ was ſie nicht ergreiffen und gleichſtaͤndig nachthun koͤnnẽ. Jch will nicht ſagen von dem Kaͤiſer Auguſto, Nerone, Aurelio, noch von Mecænate, Marone und Ovi- dio in den Ritterſtand/ welche alle in der Poeterey groſſes Belieben geſuchet/ ſon- dern nur võ David/ * Salomone * Hiſkia * und * 2. Chr. 23, 18. * 1. Koͤnig 4/ 32. * Jeſaia 38/ 20. a iij

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Zitationshilfe: Harsdörffer, Georg Philipp: Poetischer Trichter. Bd. 3. Nürnberg, 1653, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/harsdoerffer_trichter03_1653/5>, abgerufen am 15.08.2020.