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Haller, Johannes: Das Papsttum. Bd. 2,1. Stuttgart, 1937.

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Anfänge des Streits mit Konstantinopel
hat sich später im Streit mit den Griechen nicht versagt, dies Verhält-
nis zu betonen: mit römischer Muttermilch sollte Methodios zur Be-
kämpfung des bilderstürmerischen Jrrtums gestärkt worden sein, von
Rom die Ermächtigung zur Predigt der Wahrheit und das Abzeichen
seiner Würde, die bischöfliche Mitra, erhalten haben. Das ist freilich
alles, was von römischem Anteil an diesem Ereignis sich sagen läßt.
Zum Entschluß hat Rom nicht mitgewirkt, zur Synode ist es nicht zu-
gezogen worden, und nicht einmal Nikolaus, der doch die Ruhmestaten
seiner Kirche nicht zu vergessen pflegte, hat die Rückkehr der Griechen
zur Verehrung der Bilder als römischen Erfolg hinzustellen gewagt.

Jn der Bilderfrage hatte es sich um mehr als gewisse Äußerlichkeiten
der Religionsübung gehandelt. Unter diesem Zeichen bekämpften ein-
ander zwei geistige Richtungen, die um die Herrschaft in Kirche und
Staat rangen. Für die Bilderverehrung stritten vor allem die Mönche,
die den Klerus dem Eindringen profaner Wissenschaft, Literatur und
Kunst verschließen wollten. Sie hatten auf der Synode 843 gesiegt,
aber die Frucht des Sieges nicht geerntet. Nicht einer der Jhren erhielt
die Zügel der Kirchenregierung. Methodios war zwar auch Mönch,
gehörte aber einer gemäßigten Richtung an, die den Abscheu gegen
weltliche Bildungselemente nicht teilte und mit den Männern zusam-
menging, unter deren Händen das Reich eben damals im Gegensatz zur
asketischen Geistesart einen neuen Aufschwung auf geistigem wie auf
staatlichem Gebiete nahm. Die Mönchspartei fügte sich nicht gutwillig;
obgleich ihrer wirksamsten Losung durch die Wiederherstellung der
Bilder beraubt, hat sie den Kampf um die Herrschaft in Kirche und
Staat fortgesetzt und dem neuen Patriarchen Schwierigkeiten gemacht.
Nach seinem Tode scheint die Regierung ein persönliches Zugeständnis
für angebracht gehalten zu haben: sie bewirkte, und zwar muß es in un-
regelmäßiger Form geschehen sein, die Erhebung des Mönchs Jgnatios,
der ein Sohn des 813 gestürzten Kaisers Michael I. war. Wenn man
von ihm erwartet hatte, er werde die Gegensätze versöhnen, so hatte man
sich geirrt. Er stieß sogleich mit einigen Bischöfen der andern Richtung
zusammen, die ihm den Gehorsam verweigerten und abgesetzt wurden.
Der angesehenste war Gregor, Erzbischof von Syrakus, bewundert
als Gelehrter und Künstler. Mit ihm traf noch zwei das gleiche Los.
Sie ergaben sich nicht in ihr Schicksal, fochten das Urteil an und klagten
in Rom. Jgnatios muß sich unsicher gefühlt haben, denn er suchte nun

Anfänge des Streits mit Konſtantinopel
hat ſich ſpäter im Streit mit den Griechen nicht verſagt, dies Verhält-
nis zu betonen: mit römiſcher Muttermilch ſollte Methodios zur Be-
kämpfung des bilderſtürmeriſchen Jrrtums geſtärkt worden ſein, von
Rom die Ermächtigung zur Predigt der Wahrheit und das Abzeichen
ſeiner Würde, die biſchöfliche Mitra, erhalten haben. Das iſt freilich
alles, was von römiſchem Anteil an dieſem Ereignis ſich ſagen läßt.
Zum Entſchluß hat Rom nicht mitgewirkt, zur Synode iſt es nicht zu-
gezogen worden, und nicht einmal Nikolaus, der doch die Ruhmestaten
ſeiner Kirche nicht zu vergeſſen pflegte, hat die Rückkehr der Griechen
zur Verehrung der Bilder als römiſchen Erfolg hinzuſtellen gewagt.

Jn der Bilderfrage hatte es ſich um mehr als gewiſſe Äußerlichkeiten
der Religionsübung gehandelt. Unter dieſem Zeichen bekämpften ein-
ander zwei geiſtige Richtungen, die um die Herrſchaft in Kirche und
Staat rangen. Für die Bilderverehrung ſtritten vor allem die Mönche,
die den Klerus dem Eindringen profaner Wiſſenſchaft, Literatur und
Kunſt verſchließen wollten. Sie hatten auf der Synode 843 geſiegt,
aber die Frucht des Sieges nicht geerntet. Nicht einer der Jhren erhielt
die Zügel der Kirchenregierung. Methodios war zwar auch Mönch,
gehörte aber einer gemäßigten Richtung an, die den Abſcheu gegen
weltliche Bildungselemente nicht teilte und mit den Männern zuſam-
menging, unter deren Händen das Reich eben damals im Gegenſatz zur
asketiſchen Geiſtesart einen neuen Aufſchwung auf geiſtigem wie auf
ſtaatlichem Gebiete nahm. Die Mönchspartei fügte ſich nicht gutwillig;
obgleich ihrer wirkſamſten Loſung durch die Wiederherſtellung der
Bilder beraubt, hat ſie den Kampf um die Herrſchaft in Kirche und
Staat fortgeſetzt und dem neuen Patriarchen Schwierigkeiten gemacht.
Nach ſeinem Tode ſcheint die Regierung ein perſönliches Zugeſtändnis
für angebracht gehalten zu haben: ſie bewirkte, und zwar muß es in un-
regelmäßiger Form geſchehen ſein, die Erhebung des Mönchs Jgnatios,
der ein Sohn des 813 geſtürzten Kaiſers Michael I. war. Wenn man
von ihm erwartet hatte, er werde die Gegenſätze verſöhnen, ſo hatte man
ſich geirrt. Er ſtieß ſogleich mit einigen Biſchöfen der andern Richtung
zuſammen, die ihm den Gehorſam verweigerten und abgeſetzt wurden.
Der angeſehenſte war Gregor, Erzbiſchof von Syrakus, bewundert
als Gelehrter und Künſtler. Mit ihm traf noch zwei das gleiche Los.
Sie ergaben ſich nicht in ihr Schickſal, fochten das Urteil an und klagten
in Rom. Jgnatios muß ſich unſicher gefühlt haben, denn er ſuchte nun

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[67/0076] Anfänge des Streits mit Konſtantinopel hat ſich ſpäter im Streit mit den Griechen nicht verſagt, dies Verhält- nis zu betonen: mit römiſcher Muttermilch ſollte Methodios zur Be- kämpfung des bilderſtürmeriſchen Jrrtums geſtärkt worden ſein, von Rom die Ermächtigung zur Predigt der Wahrheit und das Abzeichen ſeiner Würde, die biſchöfliche Mitra, erhalten haben. Das iſt freilich alles, was von römiſchem Anteil an dieſem Ereignis ſich ſagen läßt. Zum Entſchluß hat Rom nicht mitgewirkt, zur Synode iſt es nicht zu- gezogen worden, und nicht einmal Nikolaus, der doch die Ruhmestaten ſeiner Kirche nicht zu vergeſſen pflegte, hat die Rückkehr der Griechen zur Verehrung der Bilder als römiſchen Erfolg hinzuſtellen gewagt. Jn der Bilderfrage hatte es ſich um mehr als gewiſſe Äußerlichkeiten der Religionsübung gehandelt. Unter dieſem Zeichen bekämpften ein- ander zwei geiſtige Richtungen, die um die Herrſchaft in Kirche und Staat rangen. Für die Bilderverehrung ſtritten vor allem die Mönche, die den Klerus dem Eindringen profaner Wiſſenſchaft, Literatur und Kunſt verſchließen wollten. Sie hatten auf der Synode 843 geſiegt, aber die Frucht des Sieges nicht geerntet. Nicht einer der Jhren erhielt die Zügel der Kirchenregierung. Methodios war zwar auch Mönch, gehörte aber einer gemäßigten Richtung an, die den Abſcheu gegen weltliche Bildungselemente nicht teilte und mit den Männern zuſam- menging, unter deren Händen das Reich eben damals im Gegenſatz zur asketiſchen Geiſtesart einen neuen Aufſchwung auf geiſtigem wie auf ſtaatlichem Gebiete nahm. Die Mönchspartei fügte ſich nicht gutwillig; obgleich ihrer wirkſamſten Loſung durch die Wiederherſtellung der Bilder beraubt, hat ſie den Kampf um die Herrſchaft in Kirche und Staat fortgeſetzt und dem neuen Patriarchen Schwierigkeiten gemacht. Nach ſeinem Tode ſcheint die Regierung ein perſönliches Zugeſtändnis für angebracht gehalten zu haben: ſie bewirkte, und zwar muß es in un- regelmäßiger Form geſchehen ſein, die Erhebung des Mönchs Jgnatios, der ein Sohn des 813 geſtürzten Kaiſers Michael I. war. Wenn man von ihm erwartet hatte, er werde die Gegenſätze verſöhnen, ſo hatte man ſich geirrt. Er ſtieß ſogleich mit einigen Biſchöfen der andern Richtung zuſammen, die ihm den Gehorſam verweigerten und abgeſetzt wurden. Der angeſehenſte war Gregor, Erzbiſchof von Syrakus, bewundert als Gelehrter und Künſtler. Mit ihm traf noch zwei das gleiche Los. Sie ergaben ſich nicht in ihr Schickſal, fochten das Urteil an und klagten in Rom. Jgnatios muß ſich unſicher gefühlt haben, denn er ſuchte nun

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Zitationshilfe: Haller, Johannes: Das Papsttum. Bd. 2,1. Stuttgart, 1937, S. 67. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_papsttum02-1_1937/76>, abgerufen am 08.12.2019.