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Haller, Johannes: Das Papsttum. Bd. 2,1. Stuttgart, 1937.

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Ebos Absetzung und Hinkmars Erhebung
teilgenommen und war dafür von dem wieder zur Macht gelangten
Kaiser (835) vor eine Bischofssynode in Diedenhofen gestellt, zum Be-
kenntnis seiner Unwürdigkeit und zur Abdankung genötigt worden. Was
alles man ihm vorwarf, wer die Ankläger waren, ist wohl nicht ohne
Absicht in Dunkel gehüllt, und es ist nicht zweifelhaft, daß die Synode
unter dem Druck des anwesenden Kaisers stand. Als Ludwig gestorben
war, befreite sich Ebo aus der Haft, in der er gehalten wurde, und schloß
sich Lothar an, der ihn durch eine Synode von zwanzig Bischöfen in
Jngelheim wiedereinsetzen ließ (840). Etwa ein Jahr verwaltete er da-
nach sein Erzbistum, dann vertrieb ihn aufs neue die Niederlage Lothars.
Umsonst suchte er durch den Papst wiedereingesetzt zu werden und schloß
sich im Jahr 844 der Romfahrt Ludwigs II. an*): Sergius II., obwohl
dem Kaiser für seine eigene Anerkennung verpflichtet, weigerte sich
und behandelte Ebo als Laien, erkannte also die Absetzung als rechtmäßig
an. Einen Nachfolger hatte man noch nicht bestellt, die kirchliche Ver-
waltung in Reims wurde einstweilen von Chorbischöfen versehen. Erst
jetzt (845) wurde Hinkmar eingesetzt unter einhelliger Beteiligung der
Bischöfe seiner Provinz. Ebo antwortete mit einem erneuten Anlauf
in Rom. Durch Verwendung Kaiser Lothars erreichte er auch, daß
Papst Sergius eine Untersuchung anordnete. Päpstliche Gesandte sollten
sie zusammen mit einigen fränkischen Erzbischöfen zu Ostern 847 in Trier
führen. Aber sie blieben aus, und auf einer Synode des westfränkischen
Reichs in Paris erschien Ebo nicht, obwohl er im Namen des Papstes
geladen war. Die Synode bestätigte seine Absetzung und verbot ihm,
seine einstige Provinz zu betreten. Bei Lothar in Ungnade gefallen, fand
er Unterkunft bei Ludwig dem Deutschen, der ihm das Bistum Hildes-
heim verlieh. Von hier aus soll er noch einen vergeblichen Versuch
gemacht haben, Karl den Kahlen zu gewinnen; zu Anfang 851 ist er
gestorben. Hinkmar aber hatte schon vorher das Pallium aus Rom er-
halten mit dem ungewöhnlichen Vorrecht, es nicht nur an den höchsten
Festtagen, sondern sooft er wolle zu tragen. Er verdankte das der Für-
bitte Lothars, dessen Zorn über Ebo in Vorliebe für seinen Gegner sich
äußerte.

Die Angelegenheit hätte erledigt sein können, hätte nicht Ebo in
Reims seinem Nachfolger eine unbequeme Erbschaft hinterlassen. Er
hatte in der Zeit seiner vorübergehenden Rückkehr mehrere Geistliche

*) Siehe oben S. 28.

Ebos Abſetzung und Hinkmars Erhebung
teilgenommen und war dafür von dem wieder zur Macht gelangten
Kaiſer (835) vor eine Biſchofsſynode in Diedenhofen geſtellt, zum Be-
kenntnis ſeiner Unwürdigkeit und zur Abdankung genötigt worden. Was
alles man ihm vorwarf, wer die Ankläger waren, iſt wohl nicht ohne
Abſicht in Dunkel gehüllt, und es iſt nicht zweifelhaft, daß die Synode
unter dem Druck des anweſenden Kaiſers ſtand. Als Ludwig geſtorben
war, befreite ſich Ebo aus der Haft, in der er gehalten wurde, und ſchloß
ſich Lothar an, der ihn durch eine Synode von zwanzig Biſchöfen in
Jngelheim wiedereinſetzen ließ (840). Etwa ein Jahr verwaltete er da-
nach ſein Erzbistum, dann vertrieb ihn aufs neue die Niederlage Lothars.
Umſonſt ſuchte er durch den Papſt wiedereingeſetzt zu werden und ſchloß
ſich im Jahr 844 der Romfahrt Ludwigs II. an*): Sergius II., obwohl
dem Kaiſer für ſeine eigene Anerkennung verpflichtet, weigerte ſich
und behandelte Ebo als Laien, erkannte alſo die Abſetzung als rechtmäßig
an. Einen Nachfolger hatte man noch nicht beſtellt, die kirchliche Ver-
waltung in Reims wurde einſtweilen von Chorbiſchöfen verſehen. Erſt
jetzt (845) wurde Hinkmar eingeſetzt unter einhelliger Beteiligung der
Biſchöfe ſeiner Provinz. Ebo antwortete mit einem erneuten Anlauf
in Rom. Durch Verwendung Kaiſer Lothars erreichte er auch, daß
Papſt Sergius eine Unterſuchung anordnete. Päpſtliche Geſandte ſollten
ſie zuſammen mit einigen fränkiſchen Erzbiſchöfen zu Oſtern 847 in Trier
führen. Aber ſie blieben aus, und auf einer Synode des weſtfränkiſchen
Reichs in Paris erſchien Ebo nicht, obwohl er im Namen des Papſtes
geladen war. Die Synode beſtätigte ſeine Abſetzung und verbot ihm,
ſeine einſtige Provinz zu betreten. Bei Lothar in Ungnade gefallen, fand
er Unterkunft bei Ludwig dem Deutſchen, der ihm das Bistum Hildes-
heim verlieh. Von hier aus ſoll er noch einen vergeblichen Verſuch
gemacht haben, Karl den Kahlen zu gewinnen; zu Anfang 851 iſt er
geſtorben. Hinkmar aber hatte ſchon vorher das Pallium aus Rom er-
halten mit dem ungewöhnlichen Vorrecht, es nicht nur an den höchſten
Feſttagen, ſondern ſooft er wolle zu tragen. Er verdankte das der Für-
bitte Lothars, deſſen Zorn über Ebo in Vorliebe für ſeinen Gegner ſich
äußerte.

Die Angelegenheit hätte erledigt ſein können, hätte nicht Ebo in
Reims ſeinem Nachfolger eine unbequeme Erbſchaft hinterlaſſen. Er
hatte in der Zeit ſeiner vorübergehenden Rückkehr mehrere Geiſtliche

*) Siehe oben S. 28.
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[48/0057] Ebos Abſetzung und Hinkmars Erhebung teilgenommen und war dafür von dem wieder zur Macht gelangten Kaiſer (835) vor eine Biſchofsſynode in Diedenhofen geſtellt, zum Be- kenntnis ſeiner Unwürdigkeit und zur Abdankung genötigt worden. Was alles man ihm vorwarf, wer die Ankläger waren, iſt wohl nicht ohne Abſicht in Dunkel gehüllt, und es iſt nicht zweifelhaft, daß die Synode unter dem Druck des anweſenden Kaiſers ſtand. Als Ludwig geſtorben war, befreite ſich Ebo aus der Haft, in der er gehalten wurde, und ſchloß ſich Lothar an, der ihn durch eine Synode von zwanzig Biſchöfen in Jngelheim wiedereinſetzen ließ (840). Etwa ein Jahr verwaltete er da- nach ſein Erzbistum, dann vertrieb ihn aufs neue die Niederlage Lothars. Umſonſt ſuchte er durch den Papſt wiedereingeſetzt zu werden und ſchloß ſich im Jahr 844 der Romfahrt Ludwigs II. an *): Sergius II., obwohl dem Kaiſer für ſeine eigene Anerkennung verpflichtet, weigerte ſich und behandelte Ebo als Laien, erkannte alſo die Abſetzung als rechtmäßig an. Einen Nachfolger hatte man noch nicht beſtellt, die kirchliche Ver- waltung in Reims wurde einſtweilen von Chorbiſchöfen verſehen. Erſt jetzt (845) wurde Hinkmar eingeſetzt unter einhelliger Beteiligung der Biſchöfe ſeiner Provinz. Ebo antwortete mit einem erneuten Anlauf in Rom. Durch Verwendung Kaiſer Lothars erreichte er auch, daß Papſt Sergius eine Unterſuchung anordnete. Päpſtliche Geſandte ſollten ſie zuſammen mit einigen fränkiſchen Erzbiſchöfen zu Oſtern 847 in Trier führen. Aber ſie blieben aus, und auf einer Synode des weſtfränkiſchen Reichs in Paris erſchien Ebo nicht, obwohl er im Namen des Papſtes geladen war. Die Synode beſtätigte ſeine Abſetzung und verbot ihm, ſeine einſtige Provinz zu betreten. Bei Lothar in Ungnade gefallen, fand er Unterkunft bei Ludwig dem Deutſchen, der ihm das Bistum Hildes- heim verlieh. Von hier aus ſoll er noch einen vergeblichen Verſuch gemacht haben, Karl den Kahlen zu gewinnen; zu Anfang 851 iſt er geſtorben. Hinkmar aber hatte ſchon vorher das Pallium aus Rom er- halten mit dem ungewöhnlichen Vorrecht, es nicht nur an den höchſten Feſttagen, ſondern ſooft er wolle zu tragen. Er verdankte das der Für- bitte Lothars, deſſen Zorn über Ebo in Vorliebe für ſeinen Gegner ſich äußerte. Die Angelegenheit hätte erledigt ſein können, hätte nicht Ebo in Reims ſeinem Nachfolger eine unbequeme Erbſchaft hinterlaſſen. Er hatte in der Zeit ſeiner vorübergehenden Rückkehr mehrere Geiſtliche *) Siehe oben S. 28.

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Zitationshilfe: Haller, Johannes: Das Papsttum. Bd. 2,1. Stuttgart, 1937, S. 48. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_papsttum02-1_1937/57>, abgerufen am 08.12.2019.