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Haller, Johannes: Das Papsttum. Bd. 2,1. Stuttgart, 1937.

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Ausblick
auseinanderzusetzen, um ihre Verwirklichung zu bemühen haben. Dann
wird sich zeigen, ob menschliche Natur fähig ist zu ertragen, was schon
in seinem Keim übermenschlich ist.

Wie in der mittelalterlichen Stadt die Häuser der Menschen sich
drängen um das Gotteshaus, das sie, schützend und beherrschend zugleich,
emporweist von der Erde zum Himmel, so überragt das Papsttum zu
Anfang des zwölften Jahrhunderts schon Völker und Staaten. Sein
Bau, in der Erde wurzelnd und zum Himmel strebend, ist im Rohen
aufgerichtet, er bedarf nur noch der Vollendung. Die Ausstattung fehlt,
der Turm ist noch nicht fertig. Werden die Mittel reichen, ihn auszu-
bauen, wie hoch wird er sich erheben, und werden die Grundmauern stark
genug sein, ihn zu tragen? Wird es möglich sein, eine Jdee von über-
natürlicher Größe und Weite in den Schranken der natürlichen Welt
und mit ihren Mitteln zur Wirklichkeit zu machen?

Das sind die Fragen, die das zu Ende gehende Zeitalter seinen Nach-
folgern zu lösen hinterläßt.



Ausblick
auseinanderzuſetzen, um ihre Verwirklichung zu bemühen haben. Dann
wird ſich zeigen, ob menſchliche Natur fähig iſt zu ertragen, was ſchon
in ſeinem Keim übermenſchlich iſt.

Wie in der mittelalterlichen Stadt die Häuſer der Menſchen ſich
drängen um das Gotteshaus, das ſie, ſchützend und beherrſchend zugleich,
emporweiſt von der Erde zum Himmel, ſo überragt das Papſttum zu
Anfang des zwölften Jahrhunderts ſchon Völker und Staaten. Sein
Bau, in der Erde wurzelnd und zum Himmel ſtrebend, iſt im Rohen
aufgerichtet, er bedarf nur noch der Vollendung. Die Ausſtattung fehlt,
der Turm iſt noch nicht fertig. Werden die Mittel reichen, ihn auszu-
bauen, wie hoch wird er ſich erheben, und werden die Grundmauern ſtark
genug ſein, ihn zu tragen? Wird es möglich ſein, eine Jdee von über-
natürlicher Größe und Weite in den Schranken der natürlichen Welt
und mit ihren Mitteln zur Wirklichkeit zu machen?

Das ſind die Fragen, die das zu Ende gehende Zeitalter ſeinen Nach-
folgern zu löſen hinterläßt.



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[485/0493] Ausblick auseinanderzuſetzen, um ihre Verwirklichung zu bemühen haben. Dann wird ſich zeigen, ob menſchliche Natur fähig iſt zu ertragen, was ſchon in ſeinem Keim übermenſchlich iſt. Wie in der mittelalterlichen Stadt die Häuſer der Menſchen ſich drängen um das Gotteshaus, das ſie, ſchützend und beherrſchend zugleich, emporweiſt von der Erde zum Himmel, ſo überragt das Papſttum zu Anfang des zwölften Jahrhunderts ſchon Völker und Staaten. Sein Bau, in der Erde wurzelnd und zum Himmel ſtrebend, iſt im Rohen aufgerichtet, er bedarf nur noch der Vollendung. Die Ausſtattung fehlt, der Turm iſt noch nicht fertig. Werden die Mittel reichen, ihn auszu- bauen, wie hoch wird er ſich erheben, und werden die Grundmauern ſtark genug ſein, ihn zu tragen? Wird es möglich ſein, eine Jdee von über- natürlicher Größe und Weite in den Schranken der natürlichen Welt und mit ihren Mitteln zur Wirklichkeit zu machen? Das ſind die Fragen, die das zu Ende gehende Zeitalter ſeinen Nach- folgern zu löſen hinterläßt.

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Zitationshilfe: Haller, Johannes: Das Papsttum. Bd. 2,1. Stuttgart, 1937, S. 485. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_papsttum02-1_1937/493>, abgerufen am 09.08.2020.