Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Haller, Johannes: Das Papsttum. Bd. 2,1. Stuttgart, 1937.

Bild:
<< vorherige Seite

Widerstand in Deutschland
gebung nicht angenehm gewirkt. Man fand sie steif und trotzig, laut und
anspruchsvoll. Aber sie hatte im Erzbischof Bruno von Trier einen
klugen und gewandten Sprecher. Für den Papst erwiderte ein italischer
Bischof. Was ein anwesender Franzose viel später über die gewechselten
Reden aufgezeichnet hat, wiederholen wir nicht. Von anderer Seite
hören wir nur, daß die Gesandten sich auf die Urkunde Hadrians für
Karl den Großen berufen haben. Erfolg konnten sie damit nicht haben,
man verständigte sich nicht. Auch beim Kanzler Adalbert, an den der
Papst sich nachher wandte, kam man nicht weiter, König und Reich hiel-
ten zusammen. Unverrichteter Dinge ging man auseinander, die Be-
gegnung mit dem deutschen König unterblieb, und auf dem Konzil zu
Troyes, das der Papst gleich darauf eröffnete, glänzten die Deutschen
durch Abwesenheit. Paschalis schüttete Strafen über sie aus, untersagte
dem Erzbischof von Mainz, dem von Köln sogar mit sämtlichen Suf-
fraganen, die Amtsausübung. Die schwebende Frage mußte vertagt
werden; übers Jahr, wenn der König nach Rom komme, sollte die Ent-
scheidung fallen. Einstweilen wurde das Verbot der Laieninvestitur wie-
derholt, von einem Verbot der Huldigung hören wir nichts.

Paschalis hatte wohl Grund zu klagen, er finde in den Herzen der
Deutschen noch nicht die Demut, die er suche. Er mußte sich überzeugen,
daß er durch den Thronwechsel nicht gewonnen, sondern verloren hatte.
Früher hatte er es mit einem Herrscher zu tun gehabt, der ein gebrochener
Mann war, sich nur auf einen Teil der Fürsten stützen konnte und kein
Ansehen genoß, jetzt stand ihm das Reich gegenüber, einig in der Ab-
lehnung der römischen Ansprüche. Ehemalige Anhänger, von denen man
es nicht hätte glauben sollen, gingen mit dem neuen König oder verhielten
sich schweigend. Sogar gegen den alten Vorkämpfer Roms, den lang-
jährigen Vikar des Papstes in Deutschland, Bischof Gebhard von
Konstanz -- er war ein Bruder des Herzogs von Zähringen -- sah
Paschalis sich veranlaßt, mit einem Verbot der Amtsausübung einzu-
schreiten, weil er bei der Weihe von Jnvestierten mitgewirkt hatte. Der
Papst hatte jeden Stützpunkt in Deutschland verloren, er konnte nicht
daran denken, zu Strafmitteln gegen den König zu greifen, der die
Jnvestitur nach wie vor übte, als wäre sie nie verboten worden. Das
machte bereits Aufsehen im Ausland; Anselm von Canterbury schrieb
besorgt, warum die Jnvestitur in Deutschland geduldet werde? Es be-
stehe Gefahr, daß der englische König das Beispiel nachahme. Paschalis

Widerſtand in Deutſchland
gebung nicht angenehm gewirkt. Man fand ſie ſteif und trotzig, laut und
anſpruchsvoll. Aber ſie hatte im Erzbiſchof Bruno von Trier einen
klugen und gewandten Sprecher. Für den Papſt erwiderte ein italiſcher
Biſchof. Was ein anweſender Franzoſe viel ſpäter über die gewechſelten
Reden aufgezeichnet hat, wiederholen wir nicht. Von anderer Seite
hören wir nur, daß die Geſandten ſich auf die Urkunde Hadrians für
Karl den Großen berufen haben. Erfolg konnten ſie damit nicht haben,
man verſtändigte ſich nicht. Auch beim Kanzler Adalbert, an den der
Papſt ſich nachher wandte, kam man nicht weiter, König und Reich hiel-
ten zuſammen. Unverrichteter Dinge ging man auseinander, die Be-
gegnung mit dem deutſchen König unterblieb, und auf dem Konzil zu
Troyes, das der Papſt gleich darauf eröffnete, glänzten die Deutſchen
durch Abweſenheit. Paſchalis ſchüttete Strafen über ſie aus, unterſagte
dem Erzbiſchof von Mainz, dem von Köln ſogar mit ſämtlichen Suf-
fraganen, die Amtsausübung. Die ſchwebende Frage mußte vertagt
werden; übers Jahr, wenn der König nach Rom komme, ſollte die Ent-
ſcheidung fallen. Einſtweilen wurde das Verbot der Laieninveſtitur wie-
derholt, von einem Verbot der Huldigung hören wir nichts.

Paſchalis hatte wohl Grund zu klagen, er finde in den Herzen der
Deutſchen noch nicht die Demut, die er ſuche. Er mußte ſich überzeugen,
daß er durch den Thronwechſel nicht gewonnen, ſondern verloren hatte.
Früher hatte er es mit einem Herrſcher zu tun gehabt, der ein gebrochener
Mann war, ſich nur auf einen Teil der Fürſten ſtützen konnte und kein
Anſehen genoß, jetzt ſtand ihm das Reich gegenüber, einig in der Ab-
lehnung der römiſchen Anſprüche. Ehemalige Anhänger, von denen man
es nicht hätte glauben ſollen, gingen mit dem neuen König oder verhielten
ſich ſchweigend. Sogar gegen den alten Vorkämpfer Roms, den lang-
jährigen Vikar des Papſtes in Deutſchland, Biſchof Gebhard von
Konſtanz — er war ein Bruder des Herzogs von Zähringen — ſah
Paſchalis ſich veranlaßt, mit einem Verbot der Amtsausübung einzu-
ſchreiten, weil er bei der Weihe von Jnveſtierten mitgewirkt hatte. Der
Papſt hatte jeden Stützpunkt in Deutſchland verloren, er konnte nicht
daran denken, zu Strafmitteln gegen den König zu greifen, der die
Jnveſtitur nach wie vor übte, als wäre ſie nie verboten worden. Das
machte bereits Aufſehen im Ausland; Anſelm von Canterbury ſchrieb
beſorgt, warum die Jnveſtitur in Deutſchland geduldet werde? Es be-
ſtehe Gefahr, daß der engliſche König das Beiſpiel nachahme. Paſchalis

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0468" n="460"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#g">Wider&#x017F;tand in Deut&#x017F;chland</hi></fw><lb/>
gebung nicht angenehm gewirkt. Man fand &#x017F;ie &#x017F;teif und trotzig, laut und<lb/>
an&#x017F;pruchsvoll. Aber &#x017F;ie hatte im Erzbi&#x017F;chof Bruno von Trier einen<lb/>
klugen und gewandten Sprecher. Für den Pap&#x017F;t erwiderte ein itali&#x017F;cher<lb/>
Bi&#x017F;chof. Was ein anwe&#x017F;ender Franzo&#x017F;e viel &#x017F;päter über die gewech&#x017F;elten<lb/>
Reden aufgezeichnet hat, wiederholen wir nicht. Von anderer Seite<lb/>
hören wir nur, daß die Ge&#x017F;andten &#x017F;ich auf die Urkunde Hadrians für<lb/>
Karl den Großen berufen haben. Erfolg konnten &#x017F;ie damit nicht haben,<lb/>
man ver&#x017F;tändigte &#x017F;ich nicht. Auch beim Kanzler Adalbert, an den der<lb/>
Pap&#x017F;t &#x017F;ich nachher wandte, kam man nicht weiter, König und Reich hiel-<lb/>
ten zu&#x017F;ammen. Unverrichteter Dinge ging man auseinander, die Be-<lb/>
gegnung mit dem deut&#x017F;chen König unterblieb, und auf dem Konzil zu<lb/>
Troyes, das der Pap&#x017F;t gleich darauf eröffnete, glänzten die Deut&#x017F;chen<lb/>
durch Abwe&#x017F;enheit. Pa&#x017F;chalis &#x017F;chüttete Strafen über &#x017F;ie aus, unter&#x017F;agte<lb/>
dem Erzbi&#x017F;chof von Mainz, dem von Köln &#x017F;ogar mit &#x017F;ämtlichen Suf-<lb/>
fraganen, die Amtsausübung. Die &#x017F;chwebende Frage mußte vertagt<lb/>
werden; übers Jahr, wenn der König nach Rom komme, &#x017F;ollte die Ent-<lb/>
&#x017F;cheidung fallen. Ein&#x017F;tweilen wurde das Verbot der Laieninve&#x017F;titur wie-<lb/>
derholt, von einem Verbot der Huldigung hören wir nichts.</p><lb/>
          <p>Pa&#x017F;chalis hatte wohl Grund zu klagen, er finde in den Herzen der<lb/>
Deut&#x017F;chen noch nicht die Demut, die er &#x017F;uche. Er mußte &#x017F;ich überzeugen,<lb/>
daß er durch den Thronwech&#x017F;el nicht gewonnen, &#x017F;ondern verloren hatte.<lb/>
Früher hatte er es mit einem Herr&#x017F;cher zu tun gehabt, der ein gebrochener<lb/>
Mann war, &#x017F;ich nur auf einen Teil der Für&#x017F;ten &#x017F;tützen konnte und kein<lb/>
An&#x017F;ehen genoß, jetzt &#x017F;tand ihm das Reich gegenüber, einig in der Ab-<lb/>
lehnung der römi&#x017F;chen An&#x017F;prüche. Ehemalige Anhänger, von denen man<lb/>
es nicht hätte glauben &#x017F;ollen, gingen mit dem neuen König oder verhielten<lb/>
&#x017F;ich &#x017F;chweigend. Sogar gegen den alten Vorkämpfer Roms, den lang-<lb/>
jährigen Vikar des Pap&#x017F;tes in Deut&#x017F;chland, Bi&#x017F;chof Gebhard von<lb/>
Kon&#x017F;tanz &#x2014; er war ein Bruder des Herzogs von Zähringen &#x2014; &#x017F;ah<lb/>
Pa&#x017F;chalis &#x017F;ich veranlaßt, mit einem Verbot der Amtsausübung einzu-<lb/>
&#x017F;chreiten, weil er bei der Weihe von Jnve&#x017F;tierten mitgewirkt hatte. Der<lb/>
Pap&#x017F;t hatte jeden Stützpunkt in Deut&#x017F;chland verloren, er konnte nicht<lb/>
daran denken, zu Strafmitteln gegen den König zu greifen, der die<lb/>
Jnve&#x017F;titur nach wie vor übte, als wäre &#x017F;ie nie verboten worden. Das<lb/>
machte bereits Auf&#x017F;ehen im Ausland; An&#x017F;elm von Canterbury &#x017F;chrieb<lb/>
be&#x017F;orgt, warum die Jnve&#x017F;titur in Deut&#x017F;chland geduldet werde? Es be-<lb/>
&#x017F;tehe Gefahr, daß der engli&#x017F;che König das Bei&#x017F;piel nachahme. Pa&#x017F;chalis<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[460/0468] Widerſtand in Deutſchland gebung nicht angenehm gewirkt. Man fand ſie ſteif und trotzig, laut und anſpruchsvoll. Aber ſie hatte im Erzbiſchof Bruno von Trier einen klugen und gewandten Sprecher. Für den Papſt erwiderte ein italiſcher Biſchof. Was ein anweſender Franzoſe viel ſpäter über die gewechſelten Reden aufgezeichnet hat, wiederholen wir nicht. Von anderer Seite hören wir nur, daß die Geſandten ſich auf die Urkunde Hadrians für Karl den Großen berufen haben. Erfolg konnten ſie damit nicht haben, man verſtändigte ſich nicht. Auch beim Kanzler Adalbert, an den der Papſt ſich nachher wandte, kam man nicht weiter, König und Reich hiel- ten zuſammen. Unverrichteter Dinge ging man auseinander, die Be- gegnung mit dem deutſchen König unterblieb, und auf dem Konzil zu Troyes, das der Papſt gleich darauf eröffnete, glänzten die Deutſchen durch Abweſenheit. Paſchalis ſchüttete Strafen über ſie aus, unterſagte dem Erzbiſchof von Mainz, dem von Köln ſogar mit ſämtlichen Suf- fraganen, die Amtsausübung. Die ſchwebende Frage mußte vertagt werden; übers Jahr, wenn der König nach Rom komme, ſollte die Ent- ſcheidung fallen. Einſtweilen wurde das Verbot der Laieninveſtitur wie- derholt, von einem Verbot der Huldigung hören wir nichts. Paſchalis hatte wohl Grund zu klagen, er finde in den Herzen der Deutſchen noch nicht die Demut, die er ſuche. Er mußte ſich überzeugen, daß er durch den Thronwechſel nicht gewonnen, ſondern verloren hatte. Früher hatte er es mit einem Herrſcher zu tun gehabt, der ein gebrochener Mann war, ſich nur auf einen Teil der Fürſten ſtützen konnte und kein Anſehen genoß, jetzt ſtand ihm das Reich gegenüber, einig in der Ab- lehnung der römiſchen Anſprüche. Ehemalige Anhänger, von denen man es nicht hätte glauben ſollen, gingen mit dem neuen König oder verhielten ſich ſchweigend. Sogar gegen den alten Vorkämpfer Roms, den lang- jährigen Vikar des Papſtes in Deutſchland, Biſchof Gebhard von Konſtanz — er war ein Bruder des Herzogs von Zähringen — ſah Paſchalis ſich veranlaßt, mit einem Verbot der Amtsausübung einzu- ſchreiten, weil er bei der Weihe von Jnveſtierten mitgewirkt hatte. Der Papſt hatte jeden Stützpunkt in Deutſchland verloren, er konnte nicht daran denken, zu Strafmitteln gegen den König zu greifen, der die Jnveſtitur nach wie vor übte, als wäre ſie nie verboten worden. Das machte bereits Aufſehen im Ausland; Anſelm von Canterbury ſchrieb beſorgt, warum die Jnveſtitur in Deutſchland geduldet werde? Es be- ſtehe Gefahr, daß der engliſche König das Beiſpiel nachahme. Paſchalis

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/haller_papsttum02-1_1937
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/haller_papsttum02-1_1937/468
Zitationshilfe: Haller, Johannes: Das Papsttum. Bd. 2,1. Stuttgart, 1937, S. 460. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_papsttum02-1_1937/468>, abgerufen am 14.08.2020.