Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Haller, Johannes: Das Papsttum. Bd. 2,1. Stuttgart, 1937.

Bild:
<< vorherige Seite

Rückblick
Vorstellungen römischer Geschichte angeregt worden. Sein Herrscher-
tum wurzelt ganz im Jenseitsglauben, die päpstliche Weltherrschaft,
wie er sie denkt, ist eine religiöse Jdee. Nur aus der Hingabe an ein
Überweltliches, aus der inneren Gebundenheit an eine höhere Macht ist
der fanatische Glaube zu begreifen, der sein Tun beherrscht, ihn leitet
und irreführt und auch den Gestürzten nicht verläßt. Diesen Glauben
auch andern mitzuteilen, war ihm gegeben, so daß die Jdee, die er ver-
trat, ihn überleben und die Jahrhunderte nach ihm erfüllen konnte.
Darum wird man nicht anstehen, in ihm vor allem das religiöse Genie zu
sehen, mehr den Propheten als den Staatsmann. Aus dem Glauben an
Gott kam ihm seine Kraft, aber sein Gott war nicht der liebende Vater,
nicht der Gott der Gnade und Barmherzigkeit. Es war der Gott des
Alten Testaments, der zürnende und strafende Richter und Rächer, dem
man zu dienen hat mit Furcht und Zittern.

Rückblick
Vorſtellungen römiſcher Geſchichte angeregt worden. Sein Herrſcher-
tum wurzelt ganz im Jenſeitsglauben, die päpſtliche Weltherrſchaft,
wie er ſie denkt, iſt eine religiöſe Jdee. Nur aus der Hingabe an ein
Überweltliches, aus der inneren Gebundenheit an eine höhere Macht iſt
der fanatiſche Glaube zu begreifen, der ſein Tun beherrſcht, ihn leitet
und irreführt und auch den Geſtürzten nicht verläßt. Dieſen Glauben
auch andern mitzuteilen, war ihm gegeben, ſo daß die Jdee, die er ver-
trat, ihn überleben und die Jahrhunderte nach ihm erfüllen konnte.
Darum wird man nicht anſtehen, in ihm vor allem das religiöſe Genie zu
ſehen, mehr den Propheten als den Staatsmann. Aus dem Glauben an
Gott kam ihm ſeine Kraft, aber ſein Gott war nicht der liebende Vater,
nicht der Gott der Gnade und Barmherzigkeit. Es war der Gott des
Alten Teſtaments, der zürnende und ſtrafende Richter und Rächer, dem
man zu dienen hat mit Furcht und Zittern.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0411" n="403"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#g">Rückblick</hi></fw><lb/>
Vor&#x017F;tellungen römi&#x017F;cher Ge&#x017F;chichte angeregt worden. Sein Herr&#x017F;cher-<lb/>
tum wurzelt ganz im Jen&#x017F;eitsglauben, die päp&#x017F;tliche Weltherr&#x017F;chaft,<lb/>
wie er &#x017F;ie denkt, i&#x017F;t eine religiö&#x017F;e Jdee. Nur aus der Hingabe an ein<lb/>
Überweltliches, aus der inneren Gebundenheit an eine höhere Macht i&#x017F;t<lb/>
der fanati&#x017F;che Glaube zu begreifen, der &#x017F;ein Tun beherr&#x017F;cht, ihn leitet<lb/>
und irreführt und auch den Ge&#x017F;türzten nicht verläßt. Die&#x017F;en Glauben<lb/>
auch andern mitzuteilen, war ihm gegeben, &#x017F;o daß die Jdee, die er ver-<lb/>
trat, ihn überleben und die Jahrhunderte nach ihm erfüllen konnte.<lb/>
Darum wird man nicht an&#x017F;tehen, in ihm vor allem das religiö&#x017F;e Genie zu<lb/>
&#x017F;ehen, mehr den Propheten als den Staatsmann. Aus dem Glauben an<lb/>
Gott kam ihm &#x017F;eine Kraft, aber &#x017F;ein Gott war nicht der liebende Vater,<lb/>
nicht der Gott der Gnade und Barmherzigkeit. Es war der Gott des<lb/>
Alten Te&#x017F;taments, der zürnende und &#x017F;trafende Richter und Rächer, dem<lb/>
man zu dienen hat mit Furcht und Zittern.</p>
        </div><lb/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[403/0411] Rückblick Vorſtellungen römiſcher Geſchichte angeregt worden. Sein Herrſcher- tum wurzelt ganz im Jenſeitsglauben, die päpſtliche Weltherrſchaft, wie er ſie denkt, iſt eine religiöſe Jdee. Nur aus der Hingabe an ein Überweltliches, aus der inneren Gebundenheit an eine höhere Macht iſt der fanatiſche Glaube zu begreifen, der ſein Tun beherrſcht, ihn leitet und irreführt und auch den Geſtürzten nicht verläßt. Dieſen Glauben auch andern mitzuteilen, war ihm gegeben, ſo daß die Jdee, die er ver- trat, ihn überleben und die Jahrhunderte nach ihm erfüllen konnte. Darum wird man nicht anſtehen, in ihm vor allem das religiöſe Genie zu ſehen, mehr den Propheten als den Staatsmann. Aus dem Glauben an Gott kam ihm ſeine Kraft, aber ſein Gott war nicht der liebende Vater, nicht der Gott der Gnade und Barmherzigkeit. Es war der Gott des Alten Teſtaments, der zürnende und ſtrafende Richter und Rächer, dem man zu dienen hat mit Furcht und Zittern.

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/haller_papsttum02-1_1937
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/haller_papsttum02-1_1937/411
Zitationshilfe: Haller, Johannes: Das Papsttum. Bd. 2,1. Stuttgart, 1937, S. 403. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_papsttum02-1_1937/411>, abgerufen am 19.09.2020.