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Haller, Johannes: Das Papsttum. Bd. 2,1. Stuttgart, 1937.

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Weltherrschaftsgedanke
stücken ablegte. Verhandlungen mit dem Fürsten der Serben hatten das
gleiche Ziel, kamen aber nicht zum Abschluß. Zu Vassallendienst und
Lehnszins verpflichtete sich im Jahr 1077 der Graf von Besalu in den
Pyrenäen. Wertvoller war die Huldigung, zu der sich im Jahre 1081
der Graf der Provence verstand, indem er den Apostelfürsten und Papst
Gregor seine Grafschaft nebst allen ihr unterstehenden Kirchen dar-
brachte. Lebhaft muß der Widerstand gewesen sein, den der Anspruch
des Papstes in Kastilien fand, da ein Echo davon sich bis in die Lieder von
den Taten des jungen Cid verirrt hat. Mit Entrüstung wird hier die
Forderung des Jahreszinses zurückgewiesen:
Möge Gott euch übel lohnen, Papst zu Rom,
Daß Jhr jährlich Zins zu zahlen mir befahlt! usw.

Weniger geräuschvoll, aber nicht weniger deutlich war die Ablehnung
in England. Als Gregor im Mai 1080 durch einen Legaten an die längst
geschuldete Lehnshuldigung erinnern ließ, antwortete Wilhelm kurz an-
gebunden, er habe keine Huldigung versprochen und werde keine leisten,
wie auch seine Vorgänger keine geleistet hätten. Erzbischof Lanfrank,
den der Papst ersucht hatte, die Forderung zu unterstützen, entschuldigte
sich: er habe sein möglichstes getan, aber nichts erreicht.

Kein Zweifel, daß es Gregors Absicht war, auch den deutschen König
zu Lehnsnahme, Zins und Huldigung zu vermögen. Es war das letzte,
vielleicht noch nicht offen ausgesprochene, aber stets festgehaltene Ziel der
Verhandlungen, die während dreier Jahre mit Heinrich IV. und Rudolf
von Schwaben geführt wurden. Jn der öffentlichen Erklärung vom
7. März 1080 trat es unverhüllt hervor: durch Entziehung und Ver-
leihung der Königswürde nahm Gregor die Unterwerfung vorweg, von
Rudolf erwartete er, daß er das anerkennen werde.

Jn voller Zuversicht sah er der kommenden Entscheidung entgegen,
so sicher fühlte er sich seiner Sache, daß er sich nicht scheute, den eigenen
Erfolg als gewiß zu weissagen. Bei der Absetzung Heinrichs hatte er
kraft seiner apostolischen Vollmacht den Gegnern den Sieg abge-
sprochen. Jetzt verkündigte er in einer Rede vor versammeltem Volk
den sicheren Untergang Heinrichs bis zum Fest Sankt Peters.

Zu den Maßnahmen, die ihn vorbereiten sollten, gehörte Frieden und
Ausgleich mit den Normannenfürsten. Daß Gregor ihnen gegenüber zu
[verlorenes Material - 1 Seite fehlt]

Weltherrſchaftsgedanke
ſtücken ablegte. Verhandlungen mit dem Fürſten der Serben hatten das
gleiche Ziel, kamen aber nicht zum Abſchluß. Zu Vaſſallendienſt und
Lehnszins verpflichtete ſich im Jahr 1077 der Graf von Beſalu in den
Pyrenäen. Wertvoller war die Huldigung, zu der ſich im Jahre 1081
der Graf der Provence verſtand, indem er den Apoſtelfürſten und Papſt
Gregor ſeine Grafſchaft nebſt allen ihr unterſtehenden Kirchen dar-
brachte. Lebhaft muß der Widerſtand geweſen ſein, den der Anſpruch
des Papſtes in Kaſtilien fand, da ein Echo davon ſich bis in die Lieder von
den Taten des jungen Cid verirrt hat. Mit Entrüſtung wird hier die
Forderung des Jahreszinſes zurückgewieſen:
Möge Gott euch übel lohnen, Papſt zu Rom,
Daß Jhr jährlich Zins zu zahlen mir befahlt! uſw.

Weniger geräuſchvoll, aber nicht weniger deutlich war die Ablehnung
in England. Als Gregor im Mai 1080 durch einen Legaten an die längſt
geſchuldete Lehnshuldigung erinnern ließ, antwortete Wilhelm kurz an-
gebunden, er habe keine Huldigung verſprochen und werde keine leiſten,
wie auch ſeine Vorgänger keine geleiſtet hätten. Erzbiſchof Lanfrank,
den der Papſt erſucht hatte, die Forderung zu unterſtützen, entſchuldigte
ſich: er habe ſein möglichſtes getan, aber nichts erreicht.

Kein Zweifel, daß es Gregors Abſicht war, auch den deutſchen König
zu Lehnsnahme, Zins und Huldigung zu vermögen. Es war das letzte,
vielleicht noch nicht offen ausgeſprochene, aber ſtets feſtgehaltene Ziel der
Verhandlungen, die während dreier Jahre mit Heinrich IV. und Rudolf
von Schwaben geführt wurden. Jn der öffentlichen Erklärung vom
7. März 1080 trat es unverhüllt hervor: durch Entziehung und Ver-
leihung der Königswürde nahm Gregor die Unterwerfung vorweg, von
Rudolf erwartete er, daß er das anerkennen werde.

Jn voller Zuverſicht ſah er der kommenden Entſcheidung entgegen,
ſo ſicher fühlte er ſich ſeiner Sache, daß er ſich nicht ſcheute, den eigenen
Erfolg als gewiß zu weisſagen. Bei der Abſetzung Heinrichs hatte er
kraft ſeiner apoſtoliſchen Vollmacht den Gegnern den Sieg abge-
ſprochen. Jetzt verkündigte er in einer Rede vor verſammeltem Volk
den ſicheren Untergang Heinrichs bis zum Feſt Sankt Peters.

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Ausgleich mit den Normannenfürſten. Daß Gregor ihnen gegenüber zu
[verlorenes Material – 1 Seite fehlt]

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[389/0398] Weltherrſchaftsgedanke ſtücken ablegte. Verhandlungen mit dem Fürſten der Serben hatten das gleiche Ziel, kamen aber nicht zum Abſchluß. Zu Vaſſallendienſt und Lehnszins verpflichtete ſich im Jahr 1077 der Graf von Beſalu in den Pyrenäen. Wertvoller war die Huldigung, zu der ſich im Jahre 1081 der Graf der Provence verſtand, indem er den Apoſtelfürſten und Papſt Gregor ſeine Grafſchaft nebſt allen ihr unterſtehenden Kirchen dar- brachte. Lebhaft muß der Widerſtand geweſen ſein, den der Anſpruch des Papſtes in Kaſtilien fand, da ein Echo davon ſich bis in die Lieder von den Taten des jungen Cid verirrt hat. Mit Entrüſtung wird hier die Forderung des Jahreszinſes zurückgewieſen: Möge Gott euch übel lohnen, Papſt zu Rom, Daß Jhr jährlich Zins zu zahlen mir befahlt! uſw. Weniger geräuſchvoll, aber nicht weniger deutlich war die Ablehnung in England. Als Gregor im Mai 1080 durch einen Legaten an die längſt geſchuldete Lehnshuldigung erinnern ließ, antwortete Wilhelm kurz an- gebunden, er habe keine Huldigung verſprochen und werde keine leiſten, wie auch ſeine Vorgänger keine geleiſtet hätten. Erzbiſchof Lanfrank, den der Papſt erſucht hatte, die Forderung zu unterſtützen, entſchuldigte ſich: er habe ſein möglichſtes getan, aber nichts erreicht. Kein Zweifel, daß es Gregors Abſicht war, auch den deutſchen König zu Lehnsnahme, Zins und Huldigung zu vermögen. Es war das letzte, vielleicht noch nicht offen ausgeſprochene, aber ſtets feſtgehaltene Ziel der Verhandlungen, die während dreier Jahre mit Heinrich IV. und Rudolf von Schwaben geführt wurden. Jn der öffentlichen Erklärung vom 7. März 1080 trat es unverhüllt hervor: durch Entziehung und Ver- leihung der Königswürde nahm Gregor die Unterwerfung vorweg, von Rudolf erwartete er, daß er das anerkennen werde. Jn voller Zuverſicht ſah er der kommenden Entſcheidung entgegen, ſo ſicher fühlte er ſich ſeiner Sache, daß er ſich nicht ſcheute, den eigenen Erfolg als gewiß zu weisſagen. Bei der Abſetzung Heinrichs hatte er kraft ſeiner apoſtoliſchen Vollmacht den Gegnern den Sieg abge- ſprochen. Jetzt verkündigte er in einer Rede vor verſammeltem Volk den ſicheren Untergang Heinrichs bis zum Feſt Sankt Peters. Zu den Maßnahmen, die ihn vorbereiten ſollten, gehörte Frieden und Ausgleich mit den Normannenfürſten. Daß Gregor ihnen gegenüber zu _

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Zitationshilfe: Haller, Johannes: Das Papsttum. Bd. 2,1. Stuttgart, 1937, S. 389. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_papsttum02-1_1937/398>, abgerufen am 19.09.2020.