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Haller, Johannes: Das Papsttum. Bd. 2,1. Stuttgart, 1937.

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Frankreich. Spanien
Widerhall, und zu irgendwelchen Handlungen ist es nicht gekommen.
Zu Beginn der achtziger Jahre durfte man urteilen, daß zwar der
Kampf noch nicht beendet, aber der Sieg des Papstes nicht mehr zweifel-
haft sei.

Dasselbe galt vom südlichsten Frankreich, Gascogne, Languedoc und
Provence. Jn diesem Paradies feudaler Zersplitterung waren es viel
weniger die weltlichen Herren, die Grafen und Vizegrafen, die es zu
überwinden galt. Vielfach von Haus aus der Kirche tief ergeben, haben
sie sich meist den römischen Forderungen mehr oder weniger gutwillig
gebeugt, brauchten auch auf Jnvestitur mit Ring und Stab nicht zu ver-
zichten, weil diese Form bei ihnen niemals üblich gewesen war. Um so
mehr Schwierigkeiten machten dafür die Erzbischöfe. Die Rolle des
Reimsers spielte hier der von Narbonne, neben ihm der von Arles.
Sie haben zähen Widerstand geleistet und lange Kämpfe verursacht.
Zuletzt aber war der Papst doch der stärkere. Für ihn arbeiteten neben
Hugo von Die der Bischof Amatus von Oloron und der mächtige
Einfluß des Klosters von Sankt Viktor in Marseille, das die ganze
Küste des Löwengolfes entlang und weit hinein ins Hinterland Kirchen
und Klöster beherrschte. Die Äbte dieses Klosters, das Brüderpaar
aus dem Grafenhaus von Milhaud, erst Bernhard, dann nach dessen
Tode (1079) Richard, dieser zugleich Kardinal und Abt von Sankt
Paul in Rom, wurden mehr und mehr zu bevorzugten Werkzeugen des
Papstes.

Dieselben Männer waren es auch, die dem Papst zu einem großen Er-
folg in Spanien verhalfen. Wir erinnern uns, daß von den spanischen
Christenreichen das kleinste, Aragon, schon den römischen Gottesdienst
angenommen und sich dem Schutz Sankt Peters unterstellt hatte*). Die
beiden größeren, Kastilien und Navarra, standen noch zurück. König
Alfons von Kastilien, von seiner Gemahlin, einer Tochter des Grafen
von Poitou und Nichte der Kaiserin Agnes, beeinflußt, hatte zwar schon
in den Anfängen Gregors VII. seine Ergebenheit und Bereitwilligkeit
zur Einführung des römischen Ritus erklärt, aber die Erfüllung der Zu-
sage fiel ihm nicht leicht, Geistlichkeit und Volk sträubten sich dagegen,
die alte nationale Form des Gottesdienstes aufzugeben. Gregor drängte
und mahnte: Spanien sei von Rom aus bekehrt und müsse nach langer
Verirrung zur Mutter zurückfinden, die nicht wolle, daß ihre Kinder

*) Siehe oben S. 336.

Frankreich. Spanien
Widerhall, und zu irgendwelchen Handlungen iſt es nicht gekommen.
Zu Beginn der achtziger Jahre durfte man urteilen, daß zwar der
Kampf noch nicht beendet, aber der Sieg des Papſtes nicht mehr zweifel-
haft ſei.

Dasſelbe galt vom ſüdlichſten Frankreich, Gascogne, Languedoc und
Provence. Jn dieſem Paradies feudaler Zerſplitterung waren es viel
weniger die weltlichen Herren, die Grafen und Vizegrafen, die es zu
überwinden galt. Vielfach von Haus aus der Kirche tief ergeben, haben
ſie ſich meiſt den römiſchen Forderungen mehr oder weniger gutwillig
gebeugt, brauchten auch auf Jnveſtitur mit Ring und Stab nicht zu ver-
zichten, weil dieſe Form bei ihnen niemals üblich geweſen war. Um ſo
mehr Schwierigkeiten machten dafür die Erzbiſchöfe. Die Rolle des
Reimſers ſpielte hier der von Narbonne, neben ihm der von Arles.
Sie haben zähen Widerſtand geleiſtet und lange Kämpfe verurſacht.
Zuletzt aber war der Papſt doch der ſtärkere. Für ihn arbeiteten neben
Hugo von Die der Biſchof Amatus von Oloron und der mächtige
Einfluß des Kloſters von Sankt Viktor in Marſeille, das die ganze
Küſte des Löwengolfes entlang und weit hinein ins Hinterland Kirchen
und Klöſter beherrſchte. Die Äbte dieſes Kloſters, das Brüderpaar
aus dem Grafenhaus von Milhaud, erſt Bernhard, dann nach deſſen
Tode (1079) Richard, dieſer zugleich Kardinal und Abt von Sankt
Paul in Rom, wurden mehr und mehr zu bevorzugten Werkzeugen des
Papſtes.

Dieſelben Männer waren es auch, die dem Papſt zu einem großen Er-
folg in Spanien verhalfen. Wir erinnern uns, daß von den ſpaniſchen
Chriſtenreichen das kleinſte, Aragon, ſchon den römiſchen Gottesdienſt
angenommen und ſich dem Schutz Sankt Peters unterſtellt hatte*). Die
beiden größeren, Kaſtilien und Navarra, ſtanden noch zurück. König
Alfons von Kaſtilien, von ſeiner Gemahlin, einer Tochter des Grafen
von Poitou und Nichte der Kaiſerin Agnes, beeinflußt, hatte zwar ſchon
in den Anfängen Gregors VII. ſeine Ergebenheit und Bereitwilligkeit
zur Einführung des römiſchen Ritus erklärt, aber die Erfüllung der Zu-
ſage fiel ihm nicht leicht, Geiſtlichkeit und Volk ſträubten ſich dagegen,
die alte nationale Form des Gottesdienſtes aufzugeben. Gregor drängte
und mahnte: Spanien ſei von Rom aus bekehrt und müſſe nach langer
Verirrung zur Mutter zurückfinden, die nicht wolle, daß ihre Kinder

*) Siehe oben S. 336.
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[383/0392] Frankreich. Spanien Widerhall, und zu irgendwelchen Handlungen iſt es nicht gekommen. Zu Beginn der achtziger Jahre durfte man urteilen, daß zwar der Kampf noch nicht beendet, aber der Sieg des Papſtes nicht mehr zweifel- haft ſei. Dasſelbe galt vom ſüdlichſten Frankreich, Gascogne, Languedoc und Provence. Jn dieſem Paradies feudaler Zerſplitterung waren es viel weniger die weltlichen Herren, die Grafen und Vizegrafen, die es zu überwinden galt. Vielfach von Haus aus der Kirche tief ergeben, haben ſie ſich meiſt den römiſchen Forderungen mehr oder weniger gutwillig gebeugt, brauchten auch auf Jnveſtitur mit Ring und Stab nicht zu ver- zichten, weil dieſe Form bei ihnen niemals üblich geweſen war. Um ſo mehr Schwierigkeiten machten dafür die Erzbiſchöfe. Die Rolle des Reimſers ſpielte hier der von Narbonne, neben ihm der von Arles. Sie haben zähen Widerſtand geleiſtet und lange Kämpfe verurſacht. Zuletzt aber war der Papſt doch der ſtärkere. Für ihn arbeiteten neben Hugo von Die der Biſchof Amatus von Oloron und der mächtige Einfluß des Kloſters von Sankt Viktor in Marſeille, das die ganze Küſte des Löwengolfes entlang und weit hinein ins Hinterland Kirchen und Klöſter beherrſchte. Die Äbte dieſes Kloſters, das Brüderpaar aus dem Grafenhaus von Milhaud, erſt Bernhard, dann nach deſſen Tode (1079) Richard, dieſer zugleich Kardinal und Abt von Sankt Paul in Rom, wurden mehr und mehr zu bevorzugten Werkzeugen des Papſtes. Dieſelben Männer waren es auch, die dem Papſt zu einem großen Er- folg in Spanien verhalfen. Wir erinnern uns, daß von den ſpaniſchen Chriſtenreichen das kleinſte, Aragon, ſchon den römiſchen Gottesdienſt angenommen und ſich dem Schutz Sankt Peters unterſtellt hatte *). Die beiden größeren, Kaſtilien und Navarra, ſtanden noch zurück. König Alfons von Kaſtilien, von ſeiner Gemahlin, einer Tochter des Grafen von Poitou und Nichte der Kaiſerin Agnes, beeinflußt, hatte zwar ſchon in den Anfängen Gregors VII. ſeine Ergebenheit und Bereitwilligkeit zur Einführung des römiſchen Ritus erklärt, aber die Erfüllung der Zu- ſage fiel ihm nicht leicht, Geiſtlichkeit und Volk ſträubten ſich dagegen, die alte nationale Form des Gottesdienſtes aufzugeben. Gregor drängte und mahnte: Spanien ſei von Rom aus bekehrt und müſſe nach langer Verirrung zur Mutter zurückfinden, die nicht wolle, daß ihre Kinder *) Siehe oben S. 336.

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Zitationshilfe: Haller, Johannes: Das Papsttum. Bd. 2,1. Stuttgart, 1937, S. 383. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_papsttum02-1_1937/392>, abgerufen am 19.09.2020.