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Haller, Johannes: Das Papsttum. Bd. 2,1. Stuttgart, 1937.

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treten zu können. Mit dem Verzicht auf die Reise nach Deutschland fiel
auch dieser Plan, die Arbeit mußte Legaten überlassen werden. Beständig
ziehen sie umher, halten Synoden, erlassen Vorladungen, verhören und
richten, untersagen die Amtsführung, schließen aus und setzen ab. Es sind
ihrer oft mehrere zu gleicher Zeit, ihre Bezirke überschneiden sich mit-
unter, und es fehlt nicht an Reibungen. Der eifrigste und erfolgreichste
ist Bischof Hugo von Die in der Provence, seit 1076 bevollmächtigter
Vertreter des Papstes für ganz Frankreich. Jm Widerspruch zum
Grafen, unter dem Einfluß eines römischen Legaten erhoben, vom Papst
selber geweiht, da der Erzbischof von Arles sich versagte, hatte Hugo sich
empfohlen durch die Tatkraft, mit der er sich in seinem Bistum durch-
setzte und das zerrüttete wiederherstellte. Als Legat und Vikar stieß er
zunächst auf Schwierigkeiten, seine Synoden wurden nicht genug be-
sucht. Als er im September 1077 in Autun ein Nationalkonzil ver-
sammeln wollte, blieben die meisten Erzbischöfe aus. Hugo strafte sie mit
dem Verbot der Amtsausübung. Jn Tours im Januar 1078 wurde die
Versammlung sogar gewaltsam gestört und nur mit Mühe zu Ende
geführt, worauf der Erzbischof der gleichen Strafe verfiel. Die Be-
troffenen eilten nach Rom und beschwerten sich. Gregor mußte einsehen,
daß er nicht Frankreich gegen sich aufbringen durfte, während er um
Deutschland kämpfte. Er verleugnete seinen Legaten zu dessen lebhaftem
Unwillen, hob seine Strafen auf und verordnete erneute Untersuchung.
Jhm genügte es vorläufig, daß die Erzbischöfe Frankreichs sich vor
seinem Richterstuhl gebeugt hatten. Seinem übereifrigen Vertreter aber
legte er einen Zügel an, indem er ihm den Abt von Cluny zur Seite
stellte.

Der besondere Auftrag, den Hugo auszuführen hatte, enthielt mehr
als den Kampf gegen Priesterehe und Ämterkauf. Jn der Weisung für
das Konzil von Autun befahl ihm Gregor, die Weihe eines jeden zu
verbieten, der sein Bistum von einem Laien erhalten habe. Es war noch
kein allgemein gültiges Gesetz, einstweilen nur eine Maßregel der Ver-
waltung, wie früher das entsprechende Verbot an Heinrich IV. Hugo
kam dem Befehl nach und verhängte Strafen, wo ihm zuwidergehandelt
war. Aber keineswegs alle fügten sich, und die Folge war Verwirrung.
Das mag Gregor bewogen haben, Klarheit zu schaffen, indem er auf
einer außerordentlichen Synode im November 1078 ein allgemeines
Verbot der Jnvestitur durch Laienhand erließ, bei Strafe des Aus-

Frankreich
treten zu können. Mit dem Verzicht auf die Reiſe nach Deutſchland fiel
auch dieſer Plan, die Arbeit mußte Legaten überlaſſen werden. Beſtändig
ziehen ſie umher, halten Synoden, erlaſſen Vorladungen, verhören und
richten, unterſagen die Amtsführung, ſchließen aus und ſetzen ab. Es ſind
ihrer oft mehrere zu gleicher Zeit, ihre Bezirke überſchneiden ſich mit-
unter, und es fehlt nicht an Reibungen. Der eifrigſte und erfolgreichſte
iſt Biſchof Hugo von Die in der Provence, ſeit 1076 bevollmächtigter
Vertreter des Papſtes für ganz Frankreich. Jm Widerſpruch zum
Grafen, unter dem Einfluß eines römiſchen Legaten erhoben, vom Papſt
ſelber geweiht, da der Erzbiſchof von Arles ſich verſagte, hatte Hugo ſich
empfohlen durch die Tatkraft, mit der er ſich in ſeinem Bistum durch-
ſetzte und das zerrüttete wiederherſtellte. Als Legat und Vikar ſtieß er
zunächſt auf Schwierigkeiten, ſeine Synoden wurden nicht genug be-
ſucht. Als er im September 1077 in Autun ein Nationalkonzil ver-
ſammeln wollte, blieben die meiſten Erzbiſchöfe aus. Hugo ſtrafte ſie mit
dem Verbot der Amtsausübung. Jn Tours im Januar 1078 wurde die
Verſammlung ſogar gewaltſam geſtört und nur mit Mühe zu Ende
geführt, worauf der Erzbiſchof der gleichen Strafe verfiel. Die Be-
troffenen eilten nach Rom und beſchwerten ſich. Gregor mußte einſehen,
daß er nicht Frankreich gegen ſich aufbringen durfte, während er um
Deutſchland kämpfte. Er verleugnete ſeinen Legaten zu deſſen lebhaftem
Unwillen, hob ſeine Strafen auf und verordnete erneute Unterſuchung.
Jhm genügte es vorläufig, daß die Erzbiſchöfe Frankreichs ſich vor
ſeinem Richterſtuhl gebeugt hatten. Seinem übereifrigen Vertreter aber
legte er einen Zügel an, indem er ihm den Abt von Cluny zur Seite
ſtellte.

Der beſondere Auftrag, den Hugo auszuführen hatte, enthielt mehr
als den Kampf gegen Prieſterehe und Ämterkauf. Jn der Weiſung für
das Konzil von Autun befahl ihm Gregor, die Weihe eines jeden zu
verbieten, der ſein Bistum von einem Laien erhalten habe. Es war noch
kein allgemein gültiges Geſetz, einſtweilen nur eine Maßregel der Ver-
waltung, wie früher das entſprechende Verbot an Heinrich IV. Hugo
kam dem Befehl nach und verhängte Strafen, wo ihm zuwidergehandelt
war. Aber keineswegs alle fügten ſich, und die Folge war Verwirrung.
Das mag Gregor bewogen haben, Klarheit zu ſchaffen, indem er auf
einer außerordentlichen Synode im November 1078 ein allgemeines
Verbot der Jnveſtitur durch Laienhand erließ, bei Strafe des Aus-

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[378/0387] Frankreich treten zu können. Mit dem Verzicht auf die Reiſe nach Deutſchland fiel auch dieſer Plan, die Arbeit mußte Legaten überlaſſen werden. Beſtändig ziehen ſie umher, halten Synoden, erlaſſen Vorladungen, verhören und richten, unterſagen die Amtsführung, ſchließen aus und ſetzen ab. Es ſind ihrer oft mehrere zu gleicher Zeit, ihre Bezirke überſchneiden ſich mit- unter, und es fehlt nicht an Reibungen. Der eifrigſte und erfolgreichſte iſt Biſchof Hugo von Die in der Provence, ſeit 1076 bevollmächtigter Vertreter des Papſtes für ganz Frankreich. Jm Widerſpruch zum Grafen, unter dem Einfluß eines römiſchen Legaten erhoben, vom Papſt ſelber geweiht, da der Erzbiſchof von Arles ſich verſagte, hatte Hugo ſich empfohlen durch die Tatkraft, mit der er ſich in ſeinem Bistum durch- ſetzte und das zerrüttete wiederherſtellte. Als Legat und Vikar ſtieß er zunächſt auf Schwierigkeiten, ſeine Synoden wurden nicht genug be- ſucht. Als er im September 1077 in Autun ein Nationalkonzil ver- ſammeln wollte, blieben die meiſten Erzbiſchöfe aus. Hugo ſtrafte ſie mit dem Verbot der Amtsausübung. Jn Tours im Januar 1078 wurde die Verſammlung ſogar gewaltſam geſtört und nur mit Mühe zu Ende geführt, worauf der Erzbiſchof der gleichen Strafe verfiel. Die Be- troffenen eilten nach Rom und beſchwerten ſich. Gregor mußte einſehen, daß er nicht Frankreich gegen ſich aufbringen durfte, während er um Deutſchland kämpfte. Er verleugnete ſeinen Legaten zu deſſen lebhaftem Unwillen, hob ſeine Strafen auf und verordnete erneute Unterſuchung. Jhm genügte es vorläufig, daß die Erzbiſchöfe Frankreichs ſich vor ſeinem Richterſtuhl gebeugt hatten. Seinem übereifrigen Vertreter aber legte er einen Zügel an, indem er ihm den Abt von Cluny zur Seite ſtellte. Der beſondere Auftrag, den Hugo auszuführen hatte, enthielt mehr als den Kampf gegen Prieſterehe und Ämterkauf. Jn der Weiſung für das Konzil von Autun befahl ihm Gregor, die Weihe eines jeden zu verbieten, der ſein Bistum von einem Laien erhalten habe. Es war noch kein allgemein gültiges Geſetz, einſtweilen nur eine Maßregel der Ver- waltung, wie früher das entſprechende Verbot an Heinrich IV. Hugo kam dem Befehl nach und verhängte Strafen, wo ihm zuwidergehandelt war. Aber keineswegs alle fügten ſich, und die Folge war Verwirrung. Das mag Gregor bewogen haben, Klarheit zu ſchaffen, indem er auf einer außerordentlichen Synode im November 1078 ein allgemeines Verbot der Jnveſtitur durch Laienhand erließ, bei Strafe des Aus-

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Zitationshilfe: Haller, Johannes: Das Papsttum. Bd. 2,1. Stuttgart, 1937, S. 378. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_papsttum02-1_1937/387>, abgerufen am 19.09.2020.