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Haller, Johannes: Das Papsttum. Bd. 2,1. Stuttgart, 1937.

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Krieg mit Capua
geblich zu naher Verwandtschaft, heiratete die Witwe des letzten Herrn
von Gaeta und erhob im Bunde mit andern Gegnern seines bisherigen
Schwiegervaters die Waffen gegen diesen. Rückhalt suchte und fand er
beim Papst, der ihn als Bannerträger der Kirche in seine Dienste nahm
und ihm die Belehnung mit Gaeta und Kampanien erteilte.

Wenn Alexander II. geglaubt hat, dadurch die päpstliche Lehnshoheit
ausdehnen und zwischen seinen normännischen Vassallen Zwietracht
säen zu können, so täuschte er sich. Fürst Richard erwies sich als über-
legener Diplomat, machte dem Gegner seine Bundesgenossen und sogar
seine neue Gattin abspenstig, indem er ihr seinen Erben als Gemahl an-
trug, und begnadigte den Sünder, als er sich unterwarf und reuig zu
seiner ersten Frau zurückkehrte. Alexander II., aufs schwerste bloßgestellt,
hatte das Nachsehen. Gegen ihn wandte sich nun Richard, drang in den
Kirchenstaat ein, nahm die Grenzstadt Ceprano weg, trug seinen Angriff
bis vor Rom und forderte seine Erhebung zum Patritius. Alexander
konnte nichts tun als gegen ihn den Fluch der Kirche schleudern und den
deutschen König zu Hilfe rufen.

Am Hofe Heinrichs IV. sah man den Augenblick gekommen, mit
starker Hand in Jtalien einzugreifen. Die Fürsten des Reichs wurden
aufgeboten. Aber als zu Anfang Februar 1067 die Truppen in Augs-
burg sich zu sammeln begannen, kam die Nachricht, Herzog Gotfried
von Lothringen, der zum Führer bestimmt war, sei bereits mit seiner
Abteilung über die westlichen Alpenpässe aufgebrochen. Er war dem
König zuvorgekommen, dessen Erscheinen in Jtalien ihm unerwünscht
war. Darauf löste das königliche Heer sich auf.

Gotfried nahm nun die Sache allein in die Hand, zwang den Ca-
puaner, das päpstliche Gebiet zu räumen und sich hinter den Garigliano
zurückzuziehen, und rückte ihm bis Aquino nach. Da ihm diese Stadt
zu nehmen nicht gelang und die Verpflegung schwierig wurde, eröffnete
er Verhandlungen, die denn auch bald (Juni 1067) zum Frieden führten.
Richard gab heraus, was er von päpstlichem Gebiet noch besetzt hielt,
verzichtete auf alle Forderungen, zahlte dem Herzog eine beträchtliche
Entschädigung und wurde von den Kirchenstrafen befreit. Der frühere
Zustand war wiederhergestellt. Jn Deutschland ist man von diesem Aus-
gang enttäuscht gewesen, Alexander II. aber war befriedigt. Als Sieger
durchzog er das normännische Gebiet, hielt am 1. August eine Synode
in Melfi, zwang einige normännische Ritter, weggenommene Be-


Krieg mit Capua
geblich zu naher Verwandtſchaft, heiratete die Witwe des letzten Herrn
von Gaeta und erhob im Bunde mit andern Gegnern ſeines bisherigen
Schwiegervaters die Waffen gegen dieſen. Rückhalt ſuchte und fand er
beim Papſt, der ihn als Bannerträger der Kirche in ſeine Dienſte nahm
und ihm die Belehnung mit Gaeta und Kampanien erteilte.

Wenn Alexander II. geglaubt hat, dadurch die päpſtliche Lehnshoheit
ausdehnen und zwiſchen ſeinen normänniſchen Vaſſallen Zwietracht
ſäen zu können, ſo täuſchte er ſich. Fürſt Richard erwies ſich als über-
legener Diplomat, machte dem Gegner ſeine Bundesgenoſſen und ſogar
ſeine neue Gattin abſpenſtig, indem er ihr ſeinen Erben als Gemahl an-
trug, und begnadigte den Sünder, als er ſich unterwarf und reuig zu
ſeiner erſten Frau zurückkehrte. Alexander II., aufs ſchwerſte bloßgeſtellt,
hatte das Nachſehen. Gegen ihn wandte ſich nun Richard, drang in den
Kirchenſtaat ein, nahm die Grenzſtadt Ceprano weg, trug ſeinen Angriff
bis vor Rom und forderte ſeine Erhebung zum Patritius. Alexander
konnte nichts tun als gegen ihn den Fluch der Kirche ſchleudern und den
deutſchen König zu Hilfe rufen.

Am Hofe Heinrichs IV. ſah man den Augenblick gekommen, mit
ſtarker Hand in Jtalien einzugreifen. Die Fürſten des Reichs wurden
aufgeboten. Aber als zu Anfang Februar 1067 die Truppen in Augs-
burg ſich zu ſammeln begannen, kam die Nachricht, Herzog Gotfried
von Lothringen, der zum Führer beſtimmt war, ſei bereits mit ſeiner
Abteilung über die weſtlichen Alpenpäſſe aufgebrochen. Er war dem
König zuvorgekommen, deſſen Erſcheinen in Jtalien ihm unerwünſcht
war. Darauf löſte das königliche Heer ſich auf.

Gotfried nahm nun die Sache allein in die Hand, zwang den Ca-
puaner, das päpſtliche Gebiet zu räumen und ſich hinter den Garigliano
zurückzuziehen, und rückte ihm bis Aquino nach. Da ihm dieſe Stadt
zu nehmen nicht gelang und die Verpflegung ſchwierig wurde, eröffnete
er Verhandlungen, die denn auch bald (Juni 1067) zum Frieden führten.
Richard gab heraus, was er von päpſtlichem Gebiet noch beſetzt hielt,
verzichtete auf alle Forderungen, zahlte dem Herzog eine beträchtliche
Entſchädigung und wurde von den Kirchenſtrafen befreit. Der frühere
Zuſtand war wiederhergeſtellt. Jn Deutſchland iſt man von dieſem Aus-
gang enttäuſcht geweſen, Alexander II. aber war befriedigt. Als Sieger
durchzog er das normänniſche Gebiet, hielt am 1. Auguſt eine Synode
in Melfi, zwang einige normänniſche Ritter, weggenommene Be-

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[322/0331] Krieg mit Capua geblich zu naher Verwandtſchaft, heiratete die Witwe des letzten Herrn von Gaeta und erhob im Bunde mit andern Gegnern ſeines bisherigen Schwiegervaters die Waffen gegen dieſen. Rückhalt ſuchte und fand er beim Papſt, der ihn als Bannerträger der Kirche in ſeine Dienſte nahm und ihm die Belehnung mit Gaeta und Kampanien erteilte. Wenn Alexander II. geglaubt hat, dadurch die päpſtliche Lehnshoheit ausdehnen und zwiſchen ſeinen normänniſchen Vaſſallen Zwietracht ſäen zu können, ſo täuſchte er ſich. Fürſt Richard erwies ſich als über- legener Diplomat, machte dem Gegner ſeine Bundesgenoſſen und ſogar ſeine neue Gattin abſpenſtig, indem er ihr ſeinen Erben als Gemahl an- trug, und begnadigte den Sünder, als er ſich unterwarf und reuig zu ſeiner erſten Frau zurückkehrte. Alexander II., aufs ſchwerſte bloßgeſtellt, hatte das Nachſehen. Gegen ihn wandte ſich nun Richard, drang in den Kirchenſtaat ein, nahm die Grenzſtadt Ceprano weg, trug ſeinen Angriff bis vor Rom und forderte ſeine Erhebung zum Patritius. Alexander konnte nichts tun als gegen ihn den Fluch der Kirche ſchleudern und den deutſchen König zu Hilfe rufen. Am Hofe Heinrichs IV. ſah man den Augenblick gekommen, mit ſtarker Hand in Jtalien einzugreifen. Die Fürſten des Reichs wurden aufgeboten. Aber als zu Anfang Februar 1067 die Truppen in Augs- burg ſich zu ſammeln begannen, kam die Nachricht, Herzog Gotfried von Lothringen, der zum Führer beſtimmt war, ſei bereits mit ſeiner Abteilung über die weſtlichen Alpenpäſſe aufgebrochen. Er war dem König zuvorgekommen, deſſen Erſcheinen in Jtalien ihm unerwünſcht war. Darauf löſte das königliche Heer ſich auf. Gotfried nahm nun die Sache allein in die Hand, zwang den Ca- puaner, das päpſtliche Gebiet zu räumen und ſich hinter den Garigliano zurückzuziehen, und rückte ihm bis Aquino nach. Da ihm dieſe Stadt zu nehmen nicht gelang und die Verpflegung ſchwierig wurde, eröffnete er Verhandlungen, die denn auch bald (Juni 1067) zum Frieden führten. Richard gab heraus, was er von päpſtlichem Gebiet noch beſetzt hielt, verzichtete auf alle Forderungen, zahlte dem Herzog eine beträchtliche Entſchädigung und wurde von den Kirchenſtrafen befreit. Der frühere Zuſtand war wiederhergeſtellt. Jn Deutſchland iſt man von dieſem Aus- gang enttäuſcht geweſen, Alexander II. aber war befriedigt. Als Sieger durchzog er das normänniſche Gebiet, hielt am 1. Auguſt eine Synode in Melfi, zwang einige normänniſche Ritter, weggenommene Be-

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Zitationshilfe: Haller, Johannes: Das Papsttum. Bd. 2,1. Stuttgart, 1937, S. 322. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_papsttum02-1_1937/331>, abgerufen am 19.09.2020.