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Haller, Johannes: Das Papsttum. Bd. 2,1. Stuttgart, 1937.

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Johannes XIII. Die Crescentier
Einholung kaiserlicher Zustimmung bei der Papstwahl verpflichtete,
neben Otto auch sein Sohn genannt. Jetzt wurde der junge deutsche
König Otto II. nach römischem Staatsrecht am Weihnachtstag 967
in Sankt Peter zu Rom zum Mitkaiser ausgerufen und gekrönt und
damit die Nachfolge für ein Menschenalter gesichert.

Von den Feldzügen und Verhandlungen, durch die in den folgenden
Jahren das Verhältnis zu Unteritalien geordnet wurde, brauchen wir
nicht zu reden. Das Ergebnis war eine Teilung des Landes zwischen den
Herrschern von Rom und Konstantinopel, dergestalt, daß Capua und
Benevent dem deutschen Kaiser als König von Jtalien unterworfen
wurden, während Apulien, Kalabrien und die Oberhoheit über Saler-
no, Neapel und Gaeta dem Griechen verblieben. Den Frieden besiegelte
die Vermählung Ottos II. mit der griechischen Prinzessin Theophano,
die im April 972 in Rom gefeiert wurde. Der Papst ist bei all dem nicht
hervorgetreten, außer daß er bei des Kaisers Verhandlungen in Kon-
stantinopel sein Fürwort herlieh. Aber ohne seine stille Unterstützung
oder gar gegen seinen offenen oder heimlichen Widerstand wäre schwer-
lich viel zu erreichen gewesen. Dafür hatte Otto ihm freie Hand gelassen,
Macht und Besitz seiner Sippe im Kirchenstaat zu mehren, so daß
sie als eines der stärksten Geschlechter des Adels galt. Und doch war sie
es, die schon bald die Führung im Kampf gegen den deutschen Kaiser
übernahm.

Am 6. September 972 starb Johannes XIII., am 19. Januar 973
wurde Benedikt VI. geweiht. Der lange Zeitabstand zeigt, daß auch
diesmal die Zustimmung des nach Deutschland zurückgekehrten Kaisers
eingeholt worden ist. Warum Benedikt VI. der bisher herrschenden
Partei nicht genehm war, wissen wir nicht. Unter der Führung des
Crescentius, den man für den Bruder des verstorbenen Papstes zu halten
hat, erhob sie sich, Benedikt wurde gestürzt, eingekerkert und an seiner
Stelle ein gewisser Franco geweiht, der sich Bonifatius VII. nannte.
Nachrichten aus Deutschland, wo Otto II. mit ernsten Schwierigkeiten
kämpfte, mögen zu diesem Vorgehen ermutigt haben. Als ein Gesandter
des Kaisers mit Truppen -- wohl italischen -- vor Rom erschien und
die Befreiung Benedikts verlangte, wurde dieser im Gefängnis er-
drosselt und die Stadt in Verteidigungszustand gesetzt. Aber die Be-
lagerung hielt sie nicht aus. Franco-Bonifatius packte den Kirchenschatz
zusammen und flüchtete nach Konstantinopel, Crescentius ist zehn Jahre

Johannes XIII. Die Crescentier
Einholung kaiſerlicher Zuſtimmung bei der Papſtwahl verpflichtete,
neben Otto auch ſein Sohn genannt. Jetzt wurde der junge deutſche
König Otto II. nach römiſchem Staatsrecht am Weihnachtstag 967
in Sankt Peter zu Rom zum Mitkaiſer ausgerufen und gekrönt und
damit die Nachfolge für ein Menſchenalter geſichert.

Von den Feldzügen und Verhandlungen, durch die in den folgenden
Jahren das Verhältnis zu Unteritalien geordnet wurde, brauchen wir
nicht zu reden. Das Ergebnis war eine Teilung des Landes zwiſchen den
Herrſchern von Rom und Konſtantinopel, dergeſtalt, daß Capua und
Benevent dem deutſchen Kaiſer als König von Jtalien unterworfen
wurden, während Apulien, Kalabrien und die Oberhoheit über Saler-
no, Neapel und Gaeta dem Griechen verblieben. Den Frieden beſiegelte
die Vermählung Ottos II. mit der griechiſchen Prinzeſſin Theophano,
die im April 972 in Rom gefeiert wurde. Der Papſt iſt bei all dem nicht
hervorgetreten, außer daß er bei des Kaiſers Verhandlungen in Kon-
ſtantinopel ſein Fürwort herlieh. Aber ohne ſeine ſtille Unterſtützung
oder gar gegen ſeinen offenen oder heimlichen Widerſtand wäre ſchwer-
lich viel zu erreichen geweſen. Dafür hatte Otto ihm freie Hand gelaſſen,
Macht und Beſitz ſeiner Sippe im Kirchenſtaat zu mehren, ſo daß
ſie als eines der ſtärkſten Geſchlechter des Adels galt. Und doch war ſie
es, die ſchon bald die Führung im Kampf gegen den deutſchen Kaiſer
übernahm.

Am 6. September 972 ſtarb Johannes XIII., am 19. Januar 973
wurde Benedikt VI. geweiht. Der lange Zeitabſtand zeigt, daß auch
diesmal die Zuſtimmung des nach Deutſchland zurückgekehrten Kaiſers
eingeholt worden iſt. Warum Benedikt VI. der bisher herrſchenden
Partei nicht genehm war, wiſſen wir nicht. Unter der Führung des
Crescentius, den man für den Bruder des verſtorbenen Papſtes zu halten
hat, erhob ſie ſich, Benedikt wurde geſtürzt, eingekerkert und an ſeiner
Stelle ein gewiſſer Franco geweiht, der ſich Bonifatius VII. nannte.
Nachrichten aus Deutſchland, wo Otto II. mit ernſten Schwierigkeiten
kämpfte, mögen zu dieſem Vorgehen ermutigt haben. Als ein Geſandter
des Kaiſers mit Truppen — wohl italiſchen — vor Rom erſchien und
die Befreiung Benedikts verlangte, wurde dieſer im Gefängnis er-
droſſelt und die Stadt in Verteidigungszuſtand geſetzt. Aber die Be-
lagerung hielt ſie nicht aus. Franco-Bonifatius packte den Kirchenſchatz
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[203/0212] Johannes XIII. Die Crescentier Einholung kaiſerlicher Zuſtimmung bei der Papſtwahl verpflichtete, neben Otto auch ſein Sohn genannt. Jetzt wurde der junge deutſche König Otto II. nach römiſchem Staatsrecht am Weihnachtstag 967 in Sankt Peter zu Rom zum Mitkaiſer ausgerufen und gekrönt und damit die Nachfolge für ein Menſchenalter geſichert. Von den Feldzügen und Verhandlungen, durch die in den folgenden Jahren das Verhältnis zu Unteritalien geordnet wurde, brauchen wir nicht zu reden. Das Ergebnis war eine Teilung des Landes zwiſchen den Herrſchern von Rom und Konſtantinopel, dergeſtalt, daß Capua und Benevent dem deutſchen Kaiſer als König von Jtalien unterworfen wurden, während Apulien, Kalabrien und die Oberhoheit über Saler- no, Neapel und Gaeta dem Griechen verblieben. Den Frieden beſiegelte die Vermählung Ottos II. mit der griechiſchen Prinzeſſin Theophano, die im April 972 in Rom gefeiert wurde. Der Papſt iſt bei all dem nicht hervorgetreten, außer daß er bei des Kaiſers Verhandlungen in Kon- ſtantinopel ſein Fürwort herlieh. Aber ohne ſeine ſtille Unterſtützung oder gar gegen ſeinen offenen oder heimlichen Widerſtand wäre ſchwer- lich viel zu erreichen geweſen. Dafür hatte Otto ihm freie Hand gelaſſen, Macht und Beſitz ſeiner Sippe im Kirchenſtaat zu mehren, ſo daß ſie als eines der ſtärkſten Geſchlechter des Adels galt. Und doch war ſie es, die ſchon bald die Führung im Kampf gegen den deutſchen Kaiſer übernahm. Am 6. September 972 ſtarb Johannes XIII., am 19. Januar 973 wurde Benedikt VI. geweiht. Der lange Zeitabſtand zeigt, daß auch diesmal die Zuſtimmung des nach Deutſchland zurückgekehrten Kaiſers eingeholt worden iſt. Warum Benedikt VI. der bisher herrſchenden Partei nicht genehm war, wiſſen wir nicht. Unter der Führung des Crescentius, den man für den Bruder des verſtorbenen Papſtes zu halten hat, erhob ſie ſich, Benedikt wurde geſtürzt, eingekerkert und an ſeiner Stelle ein gewiſſer Franco geweiht, der ſich Bonifatius VII. nannte. Nachrichten aus Deutſchland, wo Otto II. mit ernſten Schwierigkeiten kämpfte, mögen zu dieſem Vorgehen ermutigt haben. Als ein Geſandter des Kaiſers mit Truppen — wohl italiſchen — vor Rom erſchien und die Befreiung Benedikts verlangte, wurde dieſer im Gefängnis er- droſſelt und die Stadt in Verteidigungszuſtand geſetzt. Aber die Be- lagerung hielt ſie nicht aus. Franco-Bonifatius packte den Kirchenſchatz zuſammen und flüchtete nach Konſtantinopel, Crescentius iſt zehn Jahre

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Zitationshilfe: Haller, Johannes: Das Papsttum. Bd. 2,1. Stuttgart, 1937, S. 203. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_papsttum02-1_1937/212>, abgerufen am 15.08.2020.