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Haller, Johannes: Das Papsttum. Bd. 2,1. Stuttgart, 1937.

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Johannes XIII.
Bischof Johannes von Narni, einen Sohn, wie es scheint, von Theo-
phylakts jüngerer Tochter Theodora, der Schwester der Marozia, also
einen leiblichen Vetter Alberichs. Johannes XIII. nutzte seine Macht
rücksichtslos zum Vorteil seiner Verwandten aus. Das führte bald zu
einem Rückschlag. Als im italischen Königreich ein Aufstand sich erhob,
Adalbert dort wieder auftrat und bisherige Anhänger Ottos zu ihm
übergingen, wurde auch der Papst gestürzt und von Gegnern gefangen-
genommen (Dezember 965). Aber seine Verwandten befreiten ihn, er
konnte nach Capua entkommen und mit Hilfe des dortigen Fürsten nach
Rom zurückkehren (November 966). Als Otto nach Niederwerfung des
Aufstands im Königreich zu Weihnachten 966 vor Rom erschien, fand
er die Tore offen und den Papst schon wieder auf seinem Thron. Die
Führer der Gegenpartei, soweit sie noch lebten, wurden ihm ausgeliefert.
Er schickte die Vornehmen unter ihnen in die Verbannung nach Deutsch-
land und ließ die Gebeine der im Kampf Erschlagenen ausgraben und
zerstreuen. Aber auch das Volk, Kaufleute und Handwerker, waren be-
teiligt gewesen, und gegen ihre Führer war die Strafe härter: die zwölf
Zunftmeister der Stadt wurden gehängt. Damit war jeder Wider-
stand gebrochen, die Herrschaft der jüngeren Linie von Theophylakts
Nachkommen gesichert in engster Verbindung mit dem deutschen Kaiser.
Jm Einvernehmen mit dem Papst ordnete wiederum der Kaiser die
Verhältnisse Jtaliens.

Das erste war die Wiederherstellung des Kirchenstaats. Otto vollzog
sie im April 967, indem er dem Papst Ravenna und andere ihm ent-
rissene Gebiete zurückgab. Welche Grenzen dabei festgesetzt wurden,
wissen wir nicht; doch kann es sich um mehr, als was die römische Kirche
früher besessen hatte, keinesfalls gehandelt haben. Von den großen Zu-
gaben, die Ottos Schenkung genannt hatte, von Spoleto, Benevent und
den Abruzzenstädten, vollends Neapel und Gaeta, war nicht mehr die
Rede. Dem Papst genügte auch dies, dankbar nannte er Otto als dritten
nach Konstantin unter den Kaisern, die die römische Kirche erhöht hätten.
Dies geschah in einer Urkunde, mit der er dem Kaiser einen wichtigen
Dienst leistete. Ottos Wunsch, seine Stiftung Magdeburg zum Erz-
bistum erhoben zu sehen, fand seine Erfüllung. Johannes sorgte auch
weiter dafür, des Kaisers Reichsgründung in Jtalien für die Dauer zu
sichern. Sie war von Anfang an auf Fortbestand über Ottos Lebenszeit
hinaus berechnet gewesen, darum war in dem Eid, der die Römer zur

Johannes XIII.
Biſchof Johannes von Narni, einen Sohn, wie es ſcheint, von Theo-
phylakts jüngerer Tochter Theodora, der Schweſter der Marozia, alſo
einen leiblichen Vetter Alberichs. Johannes XIII. nutzte ſeine Macht
rückſichtslos zum Vorteil ſeiner Verwandten aus. Das führte bald zu
einem Rückſchlag. Als im italiſchen Königreich ein Aufſtand ſich erhob,
Adalbert dort wieder auftrat und bisherige Anhänger Ottos zu ihm
übergingen, wurde auch der Papſt geſtürzt und von Gegnern gefangen-
genommen (Dezember 965). Aber ſeine Verwandten befreiten ihn, er
konnte nach Capua entkommen und mit Hilfe des dortigen Fürſten nach
Rom zurückkehren (November 966). Als Otto nach Niederwerfung des
Aufſtands im Königreich zu Weihnachten 966 vor Rom erſchien, fand
er die Tore offen und den Papſt ſchon wieder auf ſeinem Thron. Die
Führer der Gegenpartei, ſoweit ſie noch lebten, wurden ihm ausgeliefert.
Er ſchickte die Vornehmen unter ihnen in die Verbannung nach Deutſch-
land und ließ die Gebeine der im Kampf Erſchlagenen ausgraben und
zerſtreuen. Aber auch das Volk, Kaufleute und Handwerker, waren be-
teiligt geweſen, und gegen ihre Führer war die Strafe härter: die zwölf
Zunftmeiſter der Stadt wurden gehängt. Damit war jeder Wider-
ſtand gebrochen, die Herrſchaft der jüngeren Linie von Theophylakts
Nachkommen geſichert in engſter Verbindung mit dem deutſchen Kaiſer.
Jm Einvernehmen mit dem Papſt ordnete wiederum der Kaiſer die
Verhältniſſe Jtaliens.

Das erſte war die Wiederherſtellung des Kirchenſtaats. Otto vollzog
ſie im April 967, indem er dem Papſt Ravenna und andere ihm ent-
riſſene Gebiete zurückgab. Welche Grenzen dabei feſtgeſetzt wurden,
wiſſen wir nicht; doch kann es ſich um mehr, als was die römiſche Kirche
früher beſeſſen hatte, keinesfalls gehandelt haben. Von den großen Zu-
gaben, die Ottos Schenkung genannt hatte, von Spoleto, Benevent und
den Abruzzenſtädten, vollends Neapel und Gaeta, war nicht mehr die
Rede. Dem Papſt genügte auch dies, dankbar nannte er Otto als dritten
nach Konſtantin unter den Kaiſern, die die römiſche Kirche erhöht hätten.
Dies geſchah in einer Urkunde, mit der er dem Kaiſer einen wichtigen
Dienſt leiſtete. Ottos Wunſch, ſeine Stiftung Magdeburg zum Erz-
bistum erhoben zu ſehen, fand ſeine Erfüllung. Johannes ſorgte auch
weiter dafür, des Kaiſers Reichsgründung in Jtalien für die Dauer zu
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[202/0211] Johannes XIII. Biſchof Johannes von Narni, einen Sohn, wie es ſcheint, von Theo- phylakts jüngerer Tochter Theodora, der Schweſter der Marozia, alſo einen leiblichen Vetter Alberichs. Johannes XIII. nutzte ſeine Macht rückſichtslos zum Vorteil ſeiner Verwandten aus. Das führte bald zu einem Rückſchlag. Als im italiſchen Königreich ein Aufſtand ſich erhob, Adalbert dort wieder auftrat und bisherige Anhänger Ottos zu ihm übergingen, wurde auch der Papſt geſtürzt und von Gegnern gefangen- genommen (Dezember 965). Aber ſeine Verwandten befreiten ihn, er konnte nach Capua entkommen und mit Hilfe des dortigen Fürſten nach Rom zurückkehren (November 966). Als Otto nach Niederwerfung des Aufſtands im Königreich zu Weihnachten 966 vor Rom erſchien, fand er die Tore offen und den Papſt ſchon wieder auf ſeinem Thron. Die Führer der Gegenpartei, ſoweit ſie noch lebten, wurden ihm ausgeliefert. Er ſchickte die Vornehmen unter ihnen in die Verbannung nach Deutſch- land und ließ die Gebeine der im Kampf Erſchlagenen ausgraben und zerſtreuen. Aber auch das Volk, Kaufleute und Handwerker, waren be- teiligt geweſen, und gegen ihre Führer war die Strafe härter: die zwölf Zunftmeiſter der Stadt wurden gehängt. Damit war jeder Wider- ſtand gebrochen, die Herrſchaft der jüngeren Linie von Theophylakts Nachkommen geſichert in engſter Verbindung mit dem deutſchen Kaiſer. Jm Einvernehmen mit dem Papſt ordnete wiederum der Kaiſer die Verhältniſſe Jtaliens. Das erſte war die Wiederherſtellung des Kirchenſtaats. Otto vollzog ſie im April 967, indem er dem Papſt Ravenna und andere ihm ent- riſſene Gebiete zurückgab. Welche Grenzen dabei feſtgeſetzt wurden, wiſſen wir nicht; doch kann es ſich um mehr, als was die römiſche Kirche früher beſeſſen hatte, keinesfalls gehandelt haben. Von den großen Zu- gaben, die Ottos Schenkung genannt hatte, von Spoleto, Benevent und den Abruzzenſtädten, vollends Neapel und Gaeta, war nicht mehr die Rede. Dem Papſt genügte auch dies, dankbar nannte er Otto als dritten nach Konſtantin unter den Kaiſern, die die römiſche Kirche erhöht hätten. Dies geſchah in einer Urkunde, mit der er dem Kaiſer einen wichtigen Dienſt leiſtete. Ottos Wunſch, ſeine Stiftung Magdeburg zum Erz- bistum erhoben zu ſehen, fand ſeine Erfüllung. Johannes ſorgte auch weiter dafür, des Kaiſers Reichsgründung in Jtalien für die Dauer zu ſichern. Sie war von Anfang an auf Fortbeſtand über Ottos Lebenszeit hinaus berechnet geweſen, darum war in dem Eid, der die Römer zur

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Zitationshilfe: Haller, Johannes: Das Papsttum. Bd. 2,1. Stuttgart, 1937, S. 202. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_papsttum02-1_1937/211>, abgerufen am 15.08.2020.