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Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 7. Berlin, 1775.

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Das Gedärme. XXIV. Buch.

Da, wo das Gedärm ganz| und gar kurz ist, da hat
die Natur, durch Anbringung einer schnekkenförmig
zugeschnittnen Klappe, Zeit zu gewinnen gesucht, um
die Speise durch die thierische Kräfte längere Zeit zu be-
arbeiten, und das Thier besser ernähren zu können [Spaltenumbruch] (q*).

Ein langes Gedärm, ein Gedärm von weitem Ende,
ja selbst die antiperistaltische Bewegung, mindert die
Nothwendigkeit des Auswurfes im Menschen(r), der
zur Geselligkeit und zu Arbeiten geboren ist, die nicht
gar zu oft unterbrochen werden sollten, so wie es wider
den Wohlstand lief, der Gesellschaft durch einen häßli-
chen Uebelstand beschwerlich zu fallen.

Es scheinen diese Kräfte bei Greisen abzunehmen,
so wie die ganze Anlage der Reizbarkeit zu den Reizen
allmälich immer träger zu werden pflegt. Davon rührt
der träge Stuhlgang (s), der Koth, welcher stinken-
der wird, her, da der Leib sonst bei Kindern, die den
vollen Reiz empfinden, willig, und der Koth, weniger
faulartig ist.

Dieses ist eine der natürlichen Ursachen zum Tode,
indem die wenig gereinigte Speise die Säfte des Men-
schen verdirbt, und schärfer macht.



Dritter
(q*) Am Mastdarme des Hau-
sensisches. Donub. Misc. T. VI.
tab. 19. galli glauci Merc. de france
1757. Dec.
(r) [Spaltenumbruch] GALEN us. pant. L. IV.
c.
18.
Das Gedaͤrme. XXIV. Buch.

Da, wo das Gedaͤrm ganz| und gar kurz iſt, da hat
die Natur, durch Anbringung einer ſchnekkenfoͤrmig
zugeſchnittnen Klappe, Zeit zu gewinnen geſucht, um
die Speiſe durch die thieriſche Kraͤfte laͤngere Zeit zu be-
arbeiten, und das Thier beſſer ernaͤhren zu koͤnnen [Spaltenumbruch] (q*).

Ein langes Gedaͤrm, ein Gedaͤrm von weitem Ende,
ja ſelbſt die antiperiſtaltiſche Bewegung, mindert die
Nothwendigkeit des Auswurfes im Menſchen(r), der
zur Geſelligkeit und zu Arbeiten geboren iſt, die nicht
gar zu oft unterbrochen werden ſollten, ſo wie es wider
den Wohlſtand lief, der Geſellſchaft durch einen haͤßli-
chen Uebelſtand beſchwerlich zu fallen.

Es ſcheinen dieſe Kraͤfte bei Greiſen abzunehmen,
ſo wie die ganze Anlage der Reizbarkeit zu den Reizen
allmaͤlich immer traͤger zu werden pflegt. Davon ruͤhrt
der traͤge Stuhlgang (s), der Koth, welcher ſtinken-
der wird, her, da der Leib ſonſt bei Kindern, die den
vollen Reiz empfinden, willig, und der Koth, weniger
faulartig iſt.

Dieſes iſt eine der natuͤrlichen Urſachen zum Tode,
indem die wenig gereinigte Speiſe die Saͤfte des Men-
ſchen verdirbt, und ſchaͤrfer macht.



Dritter
(q*) Am Maſtdarme des Hau-
ſenſiſches. Donub. Miſc. T. VI.
tab. 19. galli glauci Merc. de france
1757. Dec.
(r) [Spaltenumbruch] GALEN uſ. pant. L. IV.
c.
18.
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[166/0202] Das Gedaͤrme. XXIV. Buch. Da, wo das Gedaͤrm ganz| und gar kurz iſt, da hat die Natur, durch Anbringung einer ſchnekkenfoͤrmig zugeſchnittnen Klappe, Zeit zu gewinnen geſucht, um die Speiſe durch die thieriſche Kraͤfte laͤngere Zeit zu be- arbeiten, und das Thier beſſer ernaͤhren zu koͤnnen (q*). Ein langes Gedaͤrm, ein Gedaͤrm von weitem Ende, ja ſelbſt die antiperiſtaltiſche Bewegung, mindert die Nothwendigkeit des Auswurfes im Menſchen (r), der zur Geſelligkeit und zu Arbeiten geboren iſt, die nicht gar zu oft unterbrochen werden ſollten, ſo wie es wider den Wohlſtand lief, der Geſellſchaft durch einen haͤßli- chen Uebelſtand beſchwerlich zu fallen. Es ſcheinen dieſe Kraͤfte bei Greiſen abzunehmen, ſo wie die ganze Anlage der Reizbarkeit zu den Reizen allmaͤlich immer traͤger zu werden pflegt. Davon ruͤhrt der traͤge Stuhlgang (s), der Koth, welcher ſtinken- der wird, her, da der Leib ſonſt bei Kindern, die den vollen Reiz empfinden, willig, und der Koth, weniger faulartig iſt. Dieſes iſt eine der natuͤrlichen Urſachen zum Tode, indem die wenig gereinigte Speiſe die Saͤfte des Men- ſchen verdirbt, und ſchaͤrfer macht. Dritter (q*) Am Maſtdarme des Hau- ſenſiſches. Donub. Miſc. T. VI. tab. 19. galli glauci Merc. de france 1757. Dec. (r) GALEN uſ. pant. L. IV. c. 18.

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Zitationshilfe: Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 7. Berlin, 1775, S. 166. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende07_1775/202>, abgerufen am 23.10.2020.