Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 7. Berlin, 1775.

Bild:
<< vorherige Seite
Das Gedärme. XXIV. Buch.

Jn dieser Art, vom Fingerhut, befindet sich die äusere
Membran, die nervige, die zottige Haut, die Drü-
sen(m) und der Koth (n); denn ich kann von der mu-
skulösen Haut nichts gewisses melden. Beim Weit-
brecht
(o) drungen zween neue Brüche hervor (o).

Man ersiehet hieraus, daß wenn irgendwo die mu-
skulöse Haut lose geworden (p), die Luft und der Koth,
die von den benachbarten Queerfasern fortgestossen wor-
den, auf diesen zu schwach widerstehenden Theil zu lie-
gen kommen, sonderlich weil zugleich der Darm dadurch
kürzer wird(q) und sich seine beide Enden einander nä-
hern, zugleich aber auch dasjenige zusammen drükken
was der Darm enthält.

§. 21.
Der aufgeworfene Rand.

Wiewohl diese Handlung an sich unnatürlich ist,
und nur bei einem zerschnittnen Darme vorkömmt, so
will ich sie doch mit kurzen Worten berühren, weil sie
in der Wundarznei und bei der Heilung der Wunden
einigen Nuzzen haben kann.

Es bleibet der Darm, wenn man ihn an einem le-
bendigen Thiere durchschneidet, nicht wie er vorher war,
und es bekleidet seine äusere vom Gekröse mitgetheilte
Membran nicht mehr den ganzen Darm. Nein, er
wälzet sich sogleich zurükke, und es zieht sich die innerste
Membran, oder die zottige, an beiden Seiten gegen
das noch ganze Stükk des Darmes zurükke (a), so daß
nunmehr die zottige Haut an die Stelle der äusersten zu
liegen kömmt, und die Lippen eines Menschenmundes

ohne
(m) [Spaltenumbruch] Acad. des Scienc. l. c.
(n) MEIBOM vas. palpebr.
(o) f. 1. 2.
(o) f. 1. 2.
(p) Die äusserliche RUYSCH
mus. p.
141.
(q) [Spaltenumbruch] p. 85. 86. Conf. VELSE
p.
9.
(a) Exper. nostr. 359. 360. 372.
373. 378. 420. Conf. CALDAN
Exper. 34. T. III. Mem. sur l'Ar-
ritabil. p.
249.
Das Gedaͤrme. XXIV. Buch.

Jn dieſer Art, vom Fingerhut, befindet ſich die aͤuſere
Membran, die nervige, die zottige Haut, die Druͤ-
ſen(m) und der Koth (n); denn ich kann von der mu-
ſkuloͤſen Haut nichts gewiſſes melden. Beim Weit-
brecht
(o) drungen zween neue Bruͤche hervor (o).

Man erſiehet hieraus, daß wenn irgendwo die mu-
ſkuloͤſe Haut loſe geworden (p), die Luft und der Koth,
die von den benachbarten Queerfaſern fortgeſtoſſen wor-
den, auf dieſen zu ſchwach widerſtehenden Theil zu lie-
gen kommen, ſonderlich weil zugleich der Darm dadurch
kuͤrzer wird(q) und ſich ſeine beide Enden einander naͤ-
hern, zugleich aber auch dasjenige zuſammen druͤkken
was der Darm enthaͤlt.

§. 21.
Der aufgeworfene Rand.

Wiewohl dieſe Handlung an ſich unnatuͤrlich iſt,
und nur bei einem zerſchnittnen Darme vorkoͤmmt, ſo
will ich ſie doch mit kurzen Worten beruͤhren, weil ſie
in der Wundarznei und bei der Heilung der Wunden
einigen Nuzzen haben kann.

Es bleibet der Darm, wenn man ihn an einem le-
bendigen Thiere durchſchneidet, nicht wie er vorher war,
und es bekleidet ſeine aͤuſere vom Gekroͤſe mitgetheilte
Membran nicht mehr den ganzen Darm. Nein, er
waͤlzet ſich ſogleich zuruͤkke, und es zieht ſich die innerſte
Membran, oder die zottige, an beiden Seiten gegen
das noch ganze Stuͤkk des Darmes zuruͤkke (a), ſo daß
nunmehr die zottige Haut an die Stelle der aͤuſerſten zu
liegen koͤmmt, und die Lippen eines Menſchenmundes

ohne
(m) [Spaltenumbruch] Acad. des Scienc. l. c.
(n) MEIBOM vaſ. palpebr.
(o) f. 1. 2.
(o) f. 1. 2.
(p) Die aͤuſſerliche RUYSCH
muſ. p.
141.
(q) [Spaltenumbruch] p. 85. 86. Conf. VELSE
p.
9.
(a) Exper. noſtr. 359. 360. 372.
373. 378. 420. Conf. CALDAN
Exper. 34. T. III. Mém. ſur l’Ar-
ritabil. p.
249.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <pb facs="#f0182" n="146"/>
              <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Das Geda&#x0364;rme. <hi rendition="#aq">XXIV.</hi> Buch.</hi> </fw><lb/>
              <p>Jn die&#x017F;er Art, vom Fingerhut, befindet &#x017F;ich die a&#x0364;u&#x017F;ere<lb/>
Membran, die nervige, die zottige Haut, die Dru&#x0364;-<lb/>
&#x017F;en<note place="foot" n="(m)"><cb/><hi rendition="#aq">Acad. des Scienc. l. c.</hi></note> und der Koth <note place="foot" n="(n)"><hi rendition="#aq">MEIBOM va&#x017F;. palpebr.</hi></note>; denn ich kann von der mu-<lb/>
&#x017F;kulo&#x0364;&#x017F;en Haut nichts gewi&#x017F;&#x017F;es melden. Beim <hi rendition="#fr">Weit-<lb/>
brecht</hi> <note place="foot" n="(o)"><hi rendition="#aq">f.</hi> 1. 2.</note> drungen zween neue Bru&#x0364;che hervor <note place="foot" n="(o)"><hi rendition="#aq">f.</hi> 1. 2.</note>.</p><lb/>
              <p>Man er&#x017F;iehet hieraus, daß wenn irgendwo die mu-<lb/>
&#x017F;kulo&#x0364;&#x017F;e Haut lo&#x017F;e geworden <note place="foot" n="(p)">Die a&#x0364;u&#x017F;&#x017F;erliche <hi rendition="#aq">RUYSCH<lb/>
mu&#x017F;. p.</hi> 141.</note>, die Luft und der Koth,<lb/>
die von den benachbarten Queerfa&#x017F;ern fortge&#x017F;to&#x017F;&#x017F;en wor-<lb/>
den, auf die&#x017F;en zu &#x017F;chwach wider&#x017F;tehenden Theil zu lie-<lb/>
gen kommen, &#x017F;onderlich weil zugleich der Darm dadurch<lb/>
ku&#x0364;rzer wird<note place="foot" n="(q)"><cb/><hi rendition="#aq">p. 85. 86. Conf. VELSE<lb/>
p.</hi> 9.</note> und &#x017F;ich &#x017F;eine beide Enden einander na&#x0364;-<lb/>
hern, zugleich aber auch dasjenige zu&#x017F;ammen dru&#x0364;kken<lb/>
was der Darm entha&#x0364;lt.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 21.<lb/><hi rendition="#b">Der aufgeworfene Rand.</hi></head><lb/>
              <p>Wiewohl die&#x017F;e Handlung an &#x017F;ich unnatu&#x0364;rlich i&#x017F;t,<lb/>
und nur bei einem zer&#x017F;chnittnen Darme vorko&#x0364;mmt, &#x017F;o<lb/>
will ich &#x017F;ie doch mit kurzen Worten beru&#x0364;hren, weil &#x017F;ie<lb/>
in der Wundarznei und bei der Heilung der Wunden<lb/>
einigen Nuzzen haben kann.</p><lb/>
              <p>Es bleibet der Darm, wenn man ihn an einem le-<lb/>
bendigen Thiere durch&#x017F;chneidet, nicht wie er vorher war,<lb/>
und es bekleidet &#x017F;eine a&#x0364;u&#x017F;ere vom Gekro&#x0364;&#x017F;e mitgetheilte<lb/>
Membran nicht mehr den ganzen Darm. Nein, er<lb/>
wa&#x0364;lzet &#x017F;ich &#x017F;ogleich zuru&#x0364;kke, und es zieht &#x017F;ich die inner&#x017F;te<lb/>
Membran, oder die zottige, an beiden Seiten gegen<lb/>
das noch ganze Stu&#x0364;kk des Darmes zuru&#x0364;kke <note place="foot" n="(a)"><hi rendition="#aq">Exper. no&#x017F;tr. 359. 360. 372.<lb/>
373. 378. 420. Conf. CALDAN<lb/>
Exper. 34. T. III. Mém. &#x017F;ur l&#x2019;Ar-<lb/>
ritabil. p.</hi> 249.</note>, &#x017F;o daß<lb/>
nunmehr die zottige Haut an die Stelle der a&#x0364;u&#x017F;er&#x017F;ten zu<lb/>
liegen ko&#x0364;mmt, und die Lippen eines Men&#x017F;chenmundes<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">ohne</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[146/0182] Das Gedaͤrme. XXIV. Buch. Jn dieſer Art, vom Fingerhut, befindet ſich die aͤuſere Membran, die nervige, die zottige Haut, die Druͤ- ſen (m) und der Koth (n); denn ich kann von der mu- ſkuloͤſen Haut nichts gewiſſes melden. Beim Weit- brecht (o) drungen zween neue Bruͤche hervor (o). Man erſiehet hieraus, daß wenn irgendwo die mu- ſkuloͤſe Haut loſe geworden (p), die Luft und der Koth, die von den benachbarten Queerfaſern fortgeſtoſſen wor- den, auf dieſen zu ſchwach widerſtehenden Theil zu lie- gen kommen, ſonderlich weil zugleich der Darm dadurch kuͤrzer wird (q) und ſich ſeine beide Enden einander naͤ- hern, zugleich aber auch dasjenige zuſammen druͤkken was der Darm enthaͤlt. §. 21. Der aufgeworfene Rand. Wiewohl dieſe Handlung an ſich unnatuͤrlich iſt, und nur bei einem zerſchnittnen Darme vorkoͤmmt, ſo will ich ſie doch mit kurzen Worten beruͤhren, weil ſie in der Wundarznei und bei der Heilung der Wunden einigen Nuzzen haben kann. Es bleibet der Darm, wenn man ihn an einem le- bendigen Thiere durchſchneidet, nicht wie er vorher war, und es bekleidet ſeine aͤuſere vom Gekroͤſe mitgetheilte Membran nicht mehr den ganzen Darm. Nein, er waͤlzet ſich ſogleich zuruͤkke, und es zieht ſich die innerſte Membran, oder die zottige, an beiden Seiten gegen das noch ganze Stuͤkk des Darmes zuruͤkke (a), ſo daß nunmehr die zottige Haut an die Stelle der aͤuſerſten zu liegen koͤmmt, und die Lippen eines Menſchenmundes ohne (m) Acad. des Scienc. l. c. (n) MEIBOM vaſ. palpebr. (o) f. 1. 2. (o) f. 1. 2. (p) Die aͤuſſerliche RUYSCH muſ. p. 141. (q) p. 85. 86. Conf. VELSE p. 9. (a) Exper. noſtr. 359. 360. 372. 373. 378. 420. Conf. CALDAN Exper. 34. T. III. Mém. ſur l’Ar- ritabil. p. 249.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende07_1775
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende07_1775/182
Zitationshilfe: Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 7. Berlin, 1775, S. 146. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende07_1775/182>, abgerufen am 05.08.2020.