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Eichendorff, Joseph von: Die Glücksritter. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 3. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. 87–159. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt/Konstanz, 2016.

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luft stürzend, da und dort blinkte es wie Stahl auf und funkelten wilde Augen durchs Gesträuch. Jetzt trat eine fremde Gestalt vorsichtig aus den Hecken hervor, ein Zweiter und Mehrere folgten von allen Seiten, die ganze Bande mit Blendlaternen, Brecheisen, Stricken und Leitern schritt sacht und lautlos dem Schlosse zu. Nur immer mir nach, hier die Marmorstufen hinauf! flüsterte der Puppenspieler zurück. Sie arbeiteten nun, daß ihnen die Schweißtropfen aus dem struppigen Haar rannen, an der verschlossenen Thür, um sie unbemerkt zu öffnen. Andere hoben ungeduldig indeß die Scheiben aus den Fenstern und legten die Leitern an, eifrig hinansteigend. Indem aber thut auch die Thür sich schon mit Krachen auf, und das ganze Gesindel durch Fenster und Thür stürzt auf einmal mitten in den Gartensaal. -- Das Fräulein! schreit plötzlich der Puppenspieler: Euphrosine, von ihrem Diener begleitet, erschrocken, mit fliegendem Haar im Wiederschein eines Windlichts tritt ihnen rasch entgegen. -- Was Teufel, die tolle Sinka, ruft da der höllische Jäger, und Alle stehn wie verzaubert.

Pamphil war der erste, der sich von seinem Erstaunen wieder erholte. Was ist das, wie kommt ihr hierher? fragte er den Diener, ich traf dich doch erst vor Kurzem in Halle, es war gerade Geburtstag, glaub' ich, und Maskerade in des Grafen Gerold Haus an der Stadtmauer; da sagtest du, du hättest einen Schatz drin. -- Und den hab' ich auch in der folgen-

luft stürzend, da und dort blinkte es wie Stahl auf und funkelten wilde Augen durchs Gesträuch. Jetzt trat eine fremde Gestalt vorsichtig aus den Hecken hervor, ein Zweiter und Mehrere folgten von allen Seiten, die ganze Bande mit Blendlaternen, Brecheisen, Stricken und Leitern schritt sacht und lautlos dem Schlosse zu. Nur immer mir nach, hier die Marmorstufen hinauf! flüsterte der Puppenspieler zurück. Sie arbeiteten nun, daß ihnen die Schweißtropfen aus dem struppigen Haar rannen, an der verschlossenen Thür, um sie unbemerkt zu öffnen. Andere hoben ungeduldig indeß die Scheiben aus den Fenstern und legten die Leitern an, eifrig hinansteigend. Indem aber thut auch die Thür sich schon mit Krachen auf, und das ganze Gesindel durch Fenster und Thür stürzt auf einmal mitten in den Gartensaal. — Das Fräulein! schreit plötzlich der Puppenspieler: Euphrosine, von ihrem Diener begleitet, erschrocken, mit fliegendem Haar im Wiederschein eines Windlichts tritt ihnen rasch entgegen. — Was Teufel, die tolle Sinka, ruft da der höllische Jäger, und Alle stehn wie verzaubert.

Pamphil war der erste, der sich von seinem Erstaunen wieder erholte. Was ist das, wie kommt ihr hierher? fragte er den Diener, ich traf dich doch erst vor Kurzem in Halle, es war gerade Geburtstag, glaub' ich, und Maskerade in des Grafen Gerold Haus an der Stadtmauer; da sagtest du, du hättest einen Schatz drin. — Und den hab' ich auch in der folgen-

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Thomas Weitin: Herausgeber
Digital Humanities Cooperation Konstanz/Darmstadt: Bereitstellung der Texttranskription. (2017-03-14T14:27:42Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Jan Merkt, Thomas Gilli, Jasmin Bieber, Katharina Herget, Anni Peter, Christian Thomas, Benjamin Fiechter: Bearbeitung der digitalen Edition. (2017-03-14T14:27:42Z)

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Zitationshilfe: Eichendorff, Joseph von: Die Glücksritter. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 3. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. 87–159. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt/Konstanz, 2016, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/eichendorff_gluecksritter_1910/71>, abgerufen am 25.04.2019.