Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Eichendorff, Joseph von: Die Glücksritter. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 3. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. 87–159. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt/Konstanz, 2016.

Bild:
<< vorherige Seite

auf dem Rücken; die streichen im Dunkel an dem Burschen, der nicht weiß, wie ihm geschieht, schnell vorüber, gerade nach dem Hanse hin, und wie sie ankommen, geht eben die Hausthür auf, ein Glanz von Lichtern schlägt blendend heraus, drin summ und wimmelt es ordentlich vor Gesellschaft. Da, Herr Klarinett und sein Schatz -- und "süperb" und "usendwillkommen", hört der Bursch von dem Hause, drauf noch ein großes Scharren und Complimentiren auf der Schwelle, dann klappt auf einmal die Saalthür hinter dem ganzen Jubel zu, und der Bursch stand wieder ganz allein draußen in der Nacht.

Das ärgerte ihn sehr, denn wußt' er gleich in der Finsterniß nicht recht, wo eigentlich Fortuna's Haarzopf hier flatterte, so hatte er ihn doch fast schon erwischt und sah nun unschlüssig zwischen einem Hollunderstrauch hervor. Da eilt plötzlich ein galonirter Bedienter dicht an ihm vorüber, und in demselben Augenblick öffnet sich leise seitwärts ein Fensterchen und "pst, pst, bist du's?" reicht ein weißer Arm fix eine Flasche Wein heraus. Der Bursch, nicht zu faul, langt schnell nach der Flasche, der Bediente, der soeben der prächtigen Felsen tort, die er nach dem Hause trug, heimlich zugesprochen, hatte beide Backen voll und konnte weder gleich reden noch zugreifen. Und eh' er sich noch besinnt, hat der Bursch auch schon der Torte das Dach eingeschlagen und schiebt sie zur Flasche in den Schubsack, das ging Alles so still und rasch hinterein-

auf dem Rücken; die streichen im Dunkel an dem Burschen, der nicht weiß, wie ihm geschieht, schnell vorüber, gerade nach dem Hanse hin, und wie sie ankommen, geht eben die Hausthür auf, ein Glanz von Lichtern schlägt blendend heraus, drin summ und wimmelt es ordentlich vor Gesellschaft. Da, Herr Klarinett und sein Schatz — und „süperb“ und „usendwillkommen“, hört der Bursch von dem Hause, drauf noch ein großes Scharren und Complimentiren auf der Schwelle, dann klappt auf einmal die Saalthür hinter dem ganzen Jubel zu, und der Bursch stand wieder ganz allein draußen in der Nacht.

Das ärgerte ihn sehr, denn wußt' er gleich in der Finsterniß nicht recht, wo eigentlich Fortuna's Haarzopf hier flatterte, so hatte er ihn doch fast schon erwischt und sah nun unschlüssig zwischen einem Hollunderstrauch hervor. Da eilt plötzlich ein galonirter Bedienter dicht an ihm vorüber, und in demselben Augenblick öffnet sich leise seitwärts ein Fensterchen und „pst, pst, bist du's?“ reicht ein weißer Arm fix eine Flasche Wein heraus. Der Bursch, nicht zu faul, langt schnell nach der Flasche, der Bediente, der soeben der prächtigen Felsen tort, die er nach dem Hause trug, heimlich zugesprochen, hatte beide Backen voll und konnte weder gleich reden noch zugreifen. Und eh' er sich noch besinnt, hat der Bursch auch schon der Torte das Dach eingeschlagen und schiebt sie zur Flasche in den Schubsack, das ging Alles so still und rasch hinterein-

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div type="chapter" n="1">
        <p><pb facs="#f0012"/>
auf dem Rücken; die streichen im      Dunkel an dem Burschen, der nicht weiß, wie ihm geschieht, schnell vorüber, gerade nach dem      Hanse hin, und wie sie ankommen, geht eben die Hausthür auf, ein Glanz von Lichtern schlägt      blendend heraus, drin summ und wimmelt es ordentlich vor Gesellschaft. Da, Herr Klarinett und      sein Schatz &#x2014; und &#x201E;süperb&#x201C; und &#x201E;usendwillkommen&#x201C;, hört der Bursch von dem Hause, drauf noch ein      großes Scharren und Complimentiren auf der Schwelle, dann klappt auf einmal die Saalthür hinter      dem ganzen Jubel zu, und der Bursch stand wieder ganz allein draußen in der Nacht.</p><lb/>
        <p>Das ärgerte ihn sehr, denn wußt' er gleich in der Finsterniß nicht recht, wo eigentlich      Fortuna's Haarzopf hier flatterte, so hatte er ihn doch fast schon erwischt und sah nun      unschlüssig zwischen einem Hollunderstrauch hervor. Da eilt plötzlich ein galonirter Bedienter      dicht an ihm vorüber, und in demselben Augenblick öffnet sich leise seitwärts ein Fensterchen      und &#x201E;pst, pst, bist du's?&#x201C; reicht ein weißer Arm fix eine Flasche Wein heraus. Der Bursch,      nicht zu faul, langt schnell nach der Flasche, der Bediente, der soeben der prächtigen Felsen      tort, die er nach dem Hause trug, heimlich zugesprochen, hatte beide Backen voll und konnte      weder gleich reden noch zugreifen. Und eh' er sich noch besinnt, hat der Bursch auch schon der      Torte das Dach eingeschlagen und schiebt sie zur Flasche in den Schubsack, das ging Alles so      still und rasch hinterein-<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[0012] auf dem Rücken; die streichen im Dunkel an dem Burschen, der nicht weiß, wie ihm geschieht, schnell vorüber, gerade nach dem Hanse hin, und wie sie ankommen, geht eben die Hausthür auf, ein Glanz von Lichtern schlägt blendend heraus, drin summ und wimmelt es ordentlich vor Gesellschaft. Da, Herr Klarinett und sein Schatz — und „süperb“ und „usendwillkommen“, hört der Bursch von dem Hause, drauf noch ein großes Scharren und Complimentiren auf der Schwelle, dann klappt auf einmal die Saalthür hinter dem ganzen Jubel zu, und der Bursch stand wieder ganz allein draußen in der Nacht. Das ärgerte ihn sehr, denn wußt' er gleich in der Finsterniß nicht recht, wo eigentlich Fortuna's Haarzopf hier flatterte, so hatte er ihn doch fast schon erwischt und sah nun unschlüssig zwischen einem Hollunderstrauch hervor. Da eilt plötzlich ein galonirter Bedienter dicht an ihm vorüber, und in demselben Augenblick öffnet sich leise seitwärts ein Fensterchen und „pst, pst, bist du's?“ reicht ein weißer Arm fix eine Flasche Wein heraus. Der Bursch, nicht zu faul, langt schnell nach der Flasche, der Bediente, der soeben der prächtigen Felsen tort, die er nach dem Hause trug, heimlich zugesprochen, hatte beide Backen voll und konnte weder gleich reden noch zugreifen. Und eh' er sich noch besinnt, hat der Bursch auch schon der Torte das Dach eingeschlagen und schiebt sie zur Flasche in den Schubsack, das ging Alles so still und rasch hinterein-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Thomas Weitin: Herausgeber
Digital Humanities Cooperation Konstanz/Darmstadt: Bereitstellung der Texttranskription. (2017-03-14T14:27:42Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Jan Merkt, Thomas Gilli, Jasmin Bieber, Katharina Herget, Anni Peter, Christian Thomas, Benjamin Fiechter: Bearbeitung der digitalen Edition. (2017-03-14T14:27:42Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: nicht gekennzeichnet; Druckfehler: dokumentiert; fremdsprachliches Material: nicht gekennzeichnet; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): nicht ausgezeichnet; i/j in Fraktur: keine Angabe; I/J in Fraktur: Lautwert transkribiert; Kolumnentitel: nicht gekennzeichnet; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): als s transkribiert; Normalisierungen: keine; rundes r (&#xa75b;): keine Angabe; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: keine Angabe; Vollständigkeit: vollständig erfasst; Zeichensetzung: wie Vorlage; Zeilenumbrüche markiert: nein;




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/eichendorff_gluecksritter_1910
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/eichendorff_gluecksritter_1910/12
Zitationshilfe: Eichendorff, Joseph von: Die Glücksritter. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 3. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. 87–159. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt/Konstanz, 2016, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/eichendorff_gluecksritter_1910/12>, abgerufen am 23.03.2019.