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Drude, Oscar: Handbuch der Pflanzengeographie. Stuttgart, 1890.

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Höchste Wärme- und Kältegrade,
werden auch bei den Tropengewächsen wohl schwerlich
stark in die Höhe gerückt sein, doch fehlt es darüber
noch an Beweismaterial. Jedenfalls tritt bei Temperaturen
oberhalb des oberen spezifischen Nullpunktes eine
"Wärmestarre" ein und die Lebenserscheinungen werden
erst wiederum durch sinkende Temperaturen neu erweckt,
sofern nicht eine zu hohe Temperatur (bis etwa 50°C.
steigend oder höher) überhaupt den Tod der Pflanze her-
vorgerufen hat.

Höchste und tiefste Temperaturen ohne Beschä-
digung der Vegetation.
Es ist nicht uninteressant zu
überlegen, wie weit die beobachteten Temperaturextreme
über die durchschnittlichen spezifischen Nullpunkte der
Vegetation der Erde (zwischen 0° und 40°) nach oben
und unten hinausgreifen. Zu den heissesten Gegenden
der Erde gehören die südlichen Küsten des Roten Meeres,
wo die Brunnentemperaturen in 4 bis 5 m Tiefe 34 bis
35°C., die Lufttemperaturen 54 bis 56°C. erreichen
sollen (Hann, Klimatologie, S. 261). Trotzdem ist hier
durchaus keine vegetationslose Wüste, obwohl die Tem-
peratur eine in den physiologischen Laboratorien als
sichere Tötung geltende Höhe erreicht; um dieselbe zu
überstehen, schützt sich die Pflanzenwelt durch Austrock-
nung aller oberirdischen Organe zur heissen Jahreszeit,
Abwerfen der Blätter etc., und vermag auf diese Weise
im wärmestarren Zustande ruhend dem Tode zu entgehen.

Für die höchsten Kältegrade, welche die Vegetation
auszuhalten vermag, hat Göppert eine Zusammenstellung
gemacht (Gartenflora 1881, S. 172). Es sind bekanntlich
nicht die baumlosen hocharktischen Inseln die Gebiete
der intensivsten Kälte, und wenn sie es wären, würde
man nicht wissen, wie viel Schutz man der Schnee-
bedeckung für die dortige Vegetation von Stauden und
niederen immergrünen Halbsträuchern zumuten darf. Viel
stärkere Kältegrade herrschen in Nordsibirien noch im
Bereich der letzten Wälder, und hier ist (nach Wild) der
Ort Werchojansk unter 67 1/2° N. an der Yana mitten im
Bereich einer grossen Waldoase von Beständen der sibi-

Höchste Wärme- und Kältegrade,
werden auch bei den Tropengewächsen wohl schwerlich
stark in die Höhe gerückt sein, doch fehlt es darüber
noch an Beweismaterial. Jedenfalls tritt bei Temperaturen
oberhalb des oberen spezifischen Nullpunktes eine
„Wärmestarre“ ein und die Lebenserscheinungen werden
erst wiederum durch sinkende Temperaturen neu erweckt,
sofern nicht eine zu hohe Temperatur (bis etwa 50°C.
steigend oder höher) überhaupt den Tod der Pflanze her-
vorgerufen hat.

Höchste und tiefste Temperaturen ohne Beschä-
digung der Vegetation.
Es ist nicht uninteressant zu
überlegen, wie weit die beobachteten Temperaturextreme
über die durchschnittlichen spezifischen Nullpunkte der
Vegetation der Erde (zwischen 0° und 40°) nach oben
und unten hinausgreifen. Zu den heissesten Gegenden
der Erde gehören die südlichen Küsten des Roten Meeres,
wo die Brunnentemperaturen in 4 bis 5 m Tiefe 34 bis
35°C., die Lufttemperaturen 54 bis 56°C. erreichen
sollen (Hann, Klimatologie, S. 261). Trotzdem ist hier
durchaus keine vegetationslose Wüste, obwohl die Tem-
peratur eine in den physiologischen Laboratorien als
sichere Tötung geltende Höhe erreicht; um dieselbe zu
überstehen, schützt sich die Pflanzenwelt durch Austrock-
nung aller oberirdischen Organe zur heissen Jahreszeit,
Abwerfen der Blätter etc., und vermag auf diese Weise
im wärmestarren Zustande ruhend dem Tode zu entgehen.

Für die höchsten Kältegrade, welche die Vegetation
auszuhalten vermag, hat Göppert eine Zusammenstellung
gemacht (Gartenflora 1881, S. 172). Es sind bekanntlich
nicht die baumlosen hocharktischen Inseln die Gebiete
der intensivsten Kälte, und wenn sie es wären, würde
man nicht wissen, wie viel Schutz man der Schnee-
bedeckung für die dortige Vegetation von Stauden und
niederen immergrünen Halbsträuchern zumuten darf. Viel
stärkere Kältegrade herrschen in Nordsibirien noch im
Bereich der letzten Wälder, und hier ist (nach Wild) der
Ort Werchojansk unter 67 ½° N. an der Yana mitten im
Bereich einer grossen Waldoase von Beständen der sibi-

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[24/0046] Höchste Wärme- und Kältegrade, werden auch bei den Tropengewächsen wohl schwerlich stark in die Höhe gerückt sein, doch fehlt es darüber noch an Beweismaterial. Jedenfalls tritt bei Temperaturen oberhalb des oberen spezifischen Nullpunktes eine „Wärmestarre“ ein und die Lebenserscheinungen werden erst wiederum durch sinkende Temperaturen neu erweckt, sofern nicht eine zu hohe Temperatur (bis etwa 50°C. steigend oder höher) überhaupt den Tod der Pflanze her- vorgerufen hat. Höchste und tiefste Temperaturen ohne Beschä- digung der Vegetation. Es ist nicht uninteressant zu überlegen, wie weit die beobachteten Temperaturextreme über die durchschnittlichen spezifischen Nullpunkte der Vegetation der Erde (zwischen 0° und 40°) nach oben und unten hinausgreifen. Zu den heissesten Gegenden der Erde gehören die südlichen Küsten des Roten Meeres, wo die Brunnentemperaturen in 4 bis 5 m Tiefe 34 bis 35°C., die Lufttemperaturen 54 bis 56°C. erreichen sollen (Hann, Klimatologie, S. 261). Trotzdem ist hier durchaus keine vegetationslose Wüste, obwohl die Tem- peratur eine in den physiologischen Laboratorien als sichere Tötung geltende Höhe erreicht; um dieselbe zu überstehen, schützt sich die Pflanzenwelt durch Austrock- nung aller oberirdischen Organe zur heissen Jahreszeit, Abwerfen der Blätter etc., und vermag auf diese Weise im wärmestarren Zustande ruhend dem Tode zu entgehen. Für die höchsten Kältegrade, welche die Vegetation auszuhalten vermag, hat Göppert eine Zusammenstellung gemacht (Gartenflora 1881, S. 172). Es sind bekanntlich nicht die baumlosen hocharktischen Inseln die Gebiete der intensivsten Kälte, und wenn sie es wären, würde man nicht wissen, wie viel Schutz man der Schnee- bedeckung für die dortige Vegetation von Stauden und niederen immergrünen Halbsträuchern zumuten darf. Viel stärkere Kältegrade herrschen in Nordsibirien noch im Bereich der letzten Wälder, und hier ist (nach Wild) der Ort Werchojansk unter 67 ½° N. an der Yana mitten im Bereich einer grossen Waldoase von Beständen der sibi-

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Zitationshilfe: Drude, Oscar: Handbuch der Pflanzengeographie. Stuttgart, 1890, S. 24. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/drude_pflanzengeographie_1890/46>, abgerufen am 14.11.2019.