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Droste-Hülshoff, Annette von: Gedichte. Stuttgart u. a., 1844.

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3) Christian ward bei Höchst von dem vereinten Heere der Ligue ge¬
schlagen, eigentlich nur durch einen Mißverstand, da er seine Position un¬
vortheilhaft findend sich über die Rheinbrücke zurückzuziehen versuchte, was
sein Heer als den Beginn der Flucht ansah. Das Gedränge auf der Brücke
ward so groß, daß Viele in den Rhein stürzten und darin umkamen.
Christian suchte Ordnung zu halten, so lange es möglich war; endlich daran
verzweifelnd, ließ er sich im Kahne übersetzen, seinen Leuten zurufend:
"Sauve qui peut!" Er hielt sich übrigens auch dieses Mal unbegreiflich
lange gegen die Uebermacht.

4) Erwitte hatte das Glück dem Christian beim Flecken Wittich eine
kleine Schlappe anzuhängen, und erinnerte sich dessen zuweilen wohl etwas
zu übermüthig. Er sowohl, wie die übrigen Hauptführer im Heere des
Tilly, sind im Verlaufe des Gedichts genugsam charakterisirt und es bedarf
keiner weitern Erläuterungen.

5) Geschichtlich.

6) Geschichtlich.

7) Friedrich von der Pfalz.

8) Es wird dem Friedrich zur Last gelegt, daß er noch heimlich bei der
Belagerung des erwähnten Platzes zugegen gewesen sey, während die Fürsten
für ihn beim Kaiser unterhandelten und er selbst sich zu den demüthigsten
Bitten herabließ.

9) Geschichtlich.

10) Siehe Anm. 10 des ersten Gesangs.

11) Liebeslocke wurde eine lange Locke genannt, die am linken Ohre bis
auf die Schulter herabhing, während das übrige Haar bedeutend kürzer
gehalten wurde. Christian von Braunschweig erscheint aus allen Bildern
mit dieser damals sehr beliebten Zierde.

12) Johann Andreas, Graf von Schlick, ward von den böhmischen
Edlen abgesandt den Winterkönig an der Grenze zu empfangen; späterhin
ward er nebst 11 andern der vornehmsten Rädelsführer enthauptet, und von
jedem der Kopf und die rechte Hand an der Moldaubrücke zu Prag auf¬
gesteckt, sechs auf jeder Seite; die gleichzeitigen Schriftsteller erwähnen mit
Grausen: wie schaurig es an trüben Abenden gewesen sey, das Wehen der
greisen Bärte im Winde zu sehen. Johann Andreas starb sehr gefaßt; als
man ihm stark zusetzte seinen Glauben zu verlassen, antwortete er: "Laß
mich zufrieden, ich gehe zum Tode." Auf dem Schaffotte zog er noch seinen
Siegelring vom Finger und übergab ihn seiner Tochter, mit dem Auftrage
ihn baldmöglichst seinem abwesenden Sohne zukommen zu lassen. Ob es
nun gleich nicht geschichtlich fest steht, daß dieser Sohn derselbe mit dem
Schlick in Christians Heere sey, der bei Stadtloen so muthig kämpfte und
tödtlich verwundet ward, in der Geschichte immer der junge Schlick ge¬
nannt, so steht doch dieser Voraussetzung auch nichts entgegen.

13) Loener Bruch: Name des Schlachtfeldes, einer weiten Haide zwi¬
schen Stadtloen und Ahaus, an der Einen Seite vom Liesner begränzt.

3) Chriſtian ward bei Höchſt von dem vereinten Heere der Ligue ge¬
ſchlagen, eigentlich nur durch einen Mißverſtand, da er ſeine Poſition un¬
vortheilhaft findend ſich über die Rheinbrücke zurückzuziehen verſuchte, was
ſein Heer als den Beginn der Flucht anſah. Das Gedränge auf der Brücke
ward ſo groß, daß Viele in den Rhein ſtürzten und darin umkamen.
Chriſtian ſuchte Ordnung zu halten, ſo lange es möglich war; endlich daran
verzweifelnd, ließ er ſich im Kahne überſetzen, ſeinen Leuten zurufend:
„Sauve qui peut!“ Er hielt ſich übrigens auch dieſes Mal unbegreiflich
lange gegen die Uebermacht.

4) Erwitte hatte das Glück dem Chriſtian beim Flecken Wittich eine
kleine Schlappe anzuhängen, und erinnerte ſich deſſen zuweilen wohl etwas
zu übermüthig. Er ſowohl, wie die übrigen Hauptführer im Heere des
Tilly, ſind im Verlaufe des Gedichts genugſam charakteriſirt und es bedarf
keiner weitern Erläuterungen.

5) Geſchichtlich.

6) Geſchichtlich.

7) Friedrich von der Pfalz.

8) Es wird dem Friedrich zur Laſt gelegt, daß er noch heimlich bei der
Belagerung des erwähnten Platzes zugegen geweſen ſey, während die Fürſten
für ihn beim Kaiſer unterhandelten und er ſelbſt ſich zu den demüthigſten
Bitten herabließ.

9) Geſchichtlich.

10) Siehe Anm. 10 des erſten Geſangs.

11) Liebeslocke wurde eine lange Locke genannt, die am linken Ohre bis
auf die Schulter herabhing, während das übrige Haar bedeutend kürzer
gehalten wurde. Chriſtian von Braunſchweig erſcheint aus allen Bildern
mit dieſer damals ſehr beliebten Zierde.

12) Johann Andreas, Graf von Schlick, ward von den böhmiſchen
Edlen abgeſandt den Winterkönig an der Grenze zu empfangen; ſpäterhin
ward er nebſt 11 andern der vornehmſten Rädelsführer enthauptet, und von
jedem der Kopf und die rechte Hand an der Moldaubrücke zu Prag auf¬
geſteckt, ſechs auf jeder Seite; die gleichzeitigen Schriftſteller erwähnen mit
Grauſen: wie ſchaurig es an trüben Abenden geweſen ſey, das Wehen der
greiſen Bärte im Winde zu ſehen. Johann Andreas ſtarb ſehr gefaßt; als
man ihm ſtark zuſetzte ſeinen Glauben zu verlaſſen, antwortete er: „Laß
mich zufrieden, ich gehe zum Tode.“ Auf dem Schaffotte zog er noch ſeinen
Siegelring vom Finger und übergab ihn ſeiner Tochter, mit dem Auftrage
ihn baldmöglichſt ſeinem abweſenden Sohne zukommen zu laſſen. Ob es
nun gleich nicht geſchichtlich feſt ſteht, daß dieſer Sohn derſelbe mit dem
Schlick in Chriſtians Heere ſey, der bei Stadtloen ſo muthig kämpfte und
tödtlich verwundet ward, in der Geſchichte immer der junge Schlick ge¬
nannt, ſo ſteht doch dieſer Vorausſetzung auch nichts entgegen.

13) Loener Bruch: Name des Schlachtfeldes, einer weiten Haide zwi¬
ſchen Stadtloen und Ahaus, an der Einen Seite vom Liesner begränzt.

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[574/0588] 3) Chriſtian ward bei Höchſt von dem vereinten Heere der Ligue ge¬ ſchlagen, eigentlich nur durch einen Mißverſtand, da er ſeine Poſition un¬ vortheilhaft findend ſich über die Rheinbrücke zurückzuziehen verſuchte, was ſein Heer als den Beginn der Flucht anſah. Das Gedränge auf der Brücke ward ſo groß, daß Viele in den Rhein ſtürzten und darin umkamen. Chriſtian ſuchte Ordnung zu halten, ſo lange es möglich war; endlich daran verzweifelnd, ließ er ſich im Kahne überſetzen, ſeinen Leuten zurufend: „Sauve qui peut!“ Er hielt ſich übrigens auch dieſes Mal unbegreiflich lange gegen die Uebermacht. 4) Erwitte hatte das Glück dem Chriſtian beim Flecken Wittich eine kleine Schlappe anzuhängen, und erinnerte ſich deſſen zuweilen wohl etwas zu übermüthig. Er ſowohl, wie die übrigen Hauptführer im Heere des Tilly, ſind im Verlaufe des Gedichts genugſam charakteriſirt und es bedarf keiner weitern Erläuterungen. 5) Geſchichtlich. 6) Geſchichtlich. 7) Friedrich von der Pfalz. 8) Es wird dem Friedrich zur Laſt gelegt, daß er noch heimlich bei der Belagerung des erwähnten Platzes zugegen geweſen ſey, während die Fürſten für ihn beim Kaiſer unterhandelten und er ſelbſt ſich zu den demüthigſten Bitten herabließ. 9) Geſchichtlich. 10) Siehe Anm. 10 des erſten Geſangs. 11) Liebeslocke wurde eine lange Locke genannt, die am linken Ohre bis auf die Schulter herabhing, während das übrige Haar bedeutend kürzer gehalten wurde. Chriſtian von Braunſchweig erſcheint aus allen Bildern mit dieſer damals ſehr beliebten Zierde. 12) Johann Andreas, Graf von Schlick, ward von den böhmiſchen Edlen abgeſandt den Winterkönig an der Grenze zu empfangen; ſpäterhin ward er nebſt 11 andern der vornehmſten Rädelsführer enthauptet, und von jedem der Kopf und die rechte Hand an der Moldaubrücke zu Prag auf¬ geſteckt, ſechs auf jeder Seite; die gleichzeitigen Schriftſteller erwähnen mit Grauſen: wie ſchaurig es an trüben Abenden geweſen ſey, das Wehen der greiſen Bärte im Winde zu ſehen. Johann Andreas ſtarb ſehr gefaßt; als man ihm ſtark zuſetzte ſeinen Glauben zu verlaſſen, antwortete er: „Laß mich zufrieden, ich gehe zum Tode.“ Auf dem Schaffotte zog er noch ſeinen Siegelring vom Finger und übergab ihn ſeiner Tochter, mit dem Auftrage ihn baldmöglichſt ſeinem abweſenden Sohne zukommen zu laſſen. Ob es nun gleich nicht geſchichtlich feſt ſteht, daß dieſer Sohn derſelbe mit dem Schlick in Chriſtians Heere ſey, der bei Stadtloen ſo muthig kämpfte und tödtlich verwundet ward, in der Geſchichte immer der junge Schlick ge¬ nannt, ſo ſteht doch dieſer Vorausſetzung auch nichts entgegen. 13) Loener Bruch: Name des Schlachtfeldes, einer weiten Haide zwi¬ ſchen Stadtloen und Ahaus, an der Einen Seite vom Liesner begränzt.

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Zitationshilfe: Droste-Hülshoff, Annette von: Gedichte. Stuttgart u. a., 1844, S. 574. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/droste_gedichte_1844/588>, abgerufen am 18.09.2019.