Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Droste-Hülshoff, Annette von: Gedichte. Stuttgart u. a., 1844.

Bild:
<< vorherige Seite

Mit allem Himmelsglück im Bunde.
Was ward gesprochen? Allerlei,
Wie immer reden solche zwei,
Vom ersten Strahle überglänzt;
Ist Einer dem es nicht ergänzt
Nicht Gegenwart, Erinnerung:
Gar arm ist er! wo nicht, gar jung!
Sie hörten des Geschützes Schall;
Doch brach es sich wie Widerhall
An ihres Glückes heil'gem Dom.
Und immer fürder las der Ohm
Von Wechselbälgen, Wunderzeichen,
Von Helden, mächtig ohne Gleichen;
Es dünkt ihn seltsam, daß Ein Mann
So viele Tausend zwingen kann.
War er doch auch zu seiner Zeit
Kein schlechter Kämp' im ernsten Streit,
Der manche gute Lanze brach,
Und weiß wohl was ein Mann vermag.
Ständ's nicht mit klarer Schrift gedruckt,
Er zweifelte; unwillig zuckt
Die Braue, daß er, mit Verdruß,
Sich so gering erscheinen muß.
Zuweilen fährt ein halber Blick
Auf seine Rüstung, Stück vor Stück,
Wo an den Eisenpanzer just
Gertrude hat die Stirn gelegt,
Wie Balsam saugend in die Brust
Des Liebsten Worte, tiefbewegt.
Du ahnest Liebeständelei?

Mit allem Himmelsglück im Bunde.
Was ward geſprochen? Allerlei,
Wie immer reden ſolche zwei,
Vom erſten Strahle überglänzt;
Iſt Einer dem es nicht ergänzt
Nicht Gegenwart, Erinnerung:
Gar arm iſt er! wo nicht, gar jung!
Sie hörten des Geſchützes Schall;
Doch brach es ſich wie Widerhall
An ihres Glückes heil'gem Dom.
Und immer fürder las der Ohm
Von Wechſelbälgen, Wunderzeichen,
Von Helden, mächtig ohne Gleichen;
Es dünkt ihn ſeltſam, daß Ein Mann
So viele Tauſend zwingen kann.
War er doch auch zu ſeiner Zeit
Kein ſchlechter Kämp' im ernſten Streit,
Der manche gute Lanze brach,
Und weiß wohl was ein Mann vermag.
Ständ's nicht mit klarer Schrift gedruckt,
Er zweifelte; unwillig zuckt
Die Braue, daß er, mit Verdruß,
Sich ſo gering erſcheinen muß.
Zuweilen fährt ein halber Blick
Auf ſeine Rüſtung, Stück vor Stück,
Wo an den Eiſenpanzer juſt
Gertrude hat die Stirn gelegt,
Wie Balſam ſaugend in die Bruſt
Des Liebſten Worte, tiefbewegt.
Du ahneſt Liebeſtändelei?

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <lg type="poem">
              <lg n="16">
                <pb facs="#f0579" n="565"/>
                <l>Mit allem Himmelsglück im Bunde.</l><lb/>
                <l>Was ward ge&#x017F;prochen? Allerlei,</l><lb/>
                <l>Wie immer reden &#x017F;olche zwei,</l><lb/>
                <l>Vom er&#x017F;ten Strahle überglänzt;</l><lb/>
                <l>I&#x017F;t Einer dem es nicht ergänzt</l><lb/>
                <l>Nicht Gegenwart, Erinnerung:</l><lb/>
                <l>Gar arm i&#x017F;t er! wo nicht, gar jung!</l><lb/>
                <l>Sie hörten des Ge&#x017F;chützes Schall;</l><lb/>
                <l>Doch brach es &#x017F;ich wie Widerhall</l><lb/>
                <l>An ihres Glückes heil'gem Dom.</l><lb/>
                <l>Und immer fürder las der Ohm</l><lb/>
                <l>Von Wech&#x017F;elbälgen, Wunderzeichen,</l><lb/>
                <l>Von Helden, mächtig ohne Gleichen;</l><lb/>
                <l>Es dünkt ihn &#x017F;elt&#x017F;am, daß Ein Mann</l><lb/>
                <l>So viele Tau&#x017F;end zwingen kann.</l><lb/>
                <l>War er doch auch zu &#x017F;einer Zeit</l><lb/>
                <l>Kein &#x017F;chlechter Kämp' im ern&#x017F;ten Streit,</l><lb/>
                <l>Der manche gute Lanze brach,</l><lb/>
                <l>Und weiß wohl was ein Mann vermag.</l><lb/>
                <l>Ständ's nicht mit klarer Schrift gedruckt,</l><lb/>
                <l>Er zweifelte; unwillig zuckt</l><lb/>
                <l>Die Braue, daß er, mit Verdruß,</l><lb/>
                <l>Sich &#x017F;o gering er&#x017F;cheinen muß.</l><lb/>
                <l>Zuweilen fährt ein halber Blick</l><lb/>
                <l>Auf &#x017F;eine Rü&#x017F;tung, Stück vor Stück,</l><lb/>
                <l>Wo an den Ei&#x017F;enpanzer ju&#x017F;t</l><lb/>
                <l>Gertrude hat die Stirn gelegt,</l><lb/>
                <l>Wie Bal&#x017F;am &#x017F;augend in die Bru&#x017F;t</l><lb/>
                <l>Des Lieb&#x017F;ten Worte, tiefbewegt.</l><lb/>
                <l>Du ahne&#x017F;t Liebe&#x017F;tändelei?</l><lb/>
              </lg>
            </lg>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[565/0579] Mit allem Himmelsglück im Bunde. Was ward geſprochen? Allerlei, Wie immer reden ſolche zwei, Vom erſten Strahle überglänzt; Iſt Einer dem es nicht ergänzt Nicht Gegenwart, Erinnerung: Gar arm iſt er! wo nicht, gar jung! Sie hörten des Geſchützes Schall; Doch brach es ſich wie Widerhall An ihres Glückes heil'gem Dom. Und immer fürder las der Ohm Von Wechſelbälgen, Wunderzeichen, Von Helden, mächtig ohne Gleichen; Es dünkt ihn ſeltſam, daß Ein Mann So viele Tauſend zwingen kann. War er doch auch zu ſeiner Zeit Kein ſchlechter Kämp' im ernſten Streit, Der manche gute Lanze brach, Und weiß wohl was ein Mann vermag. Ständ's nicht mit klarer Schrift gedruckt, Er zweifelte; unwillig zuckt Die Braue, daß er, mit Verdruß, Sich ſo gering erſcheinen muß. Zuweilen fährt ein halber Blick Auf ſeine Rüſtung, Stück vor Stück, Wo an den Eiſenpanzer juſt Gertrude hat die Stirn gelegt, Wie Balſam ſaugend in die Bruſt Des Liebſten Worte, tiefbewegt. Du ahneſt Liebeſtändelei?

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/droste_gedichte_1844
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/droste_gedichte_1844/579
Zitationshilfe: Droste-Hülshoff, Annette von: Gedichte. Stuttgart u. a., 1844, S. 565. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/droste_gedichte_1844/579>, abgerufen am 17.08.2019.