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Droste-Hülshoff, Annette von: Gedichte. Stuttgart u. a., 1844.

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Fühlst du ein Gast dich wie er lieb
Dir an dem eignen Hausaltare,
Dann frisch heran -- nicht wie ein Dieb,
Nein, frisch, mit fröhlicher Fanfare!
Wer unsres Landes Sitte ehrt,
Und auch dem seinen hält die Treue --
Hier ist der Sitz an unserm Heerd!
Hier unsres Bruderkusses Weihe!
Wer fremden Volkes Herzen stellt
Gleich seinem in gerechter Wage --
Hier unsre Hand, daß er das Zelt
Sich auf bei unsern Zelten schlage!
Doch sagt ein glüh' Erröthen dir,
Du gönntest lieber einer andern
Als deiner Schwelle gleiche Zier --
Brich auf, und mögest eilends wandern!
Wir sind ein friedlich still Geschlecht
Mit lichtem Blick und blonden Haaren,
Doch unsres Heerdes heilig Recht
Das wissen kräftig wir zu wahren.
Die Luft die unsern Odem regt,
Der Grund wo unsre Gräber blühen,
Die Scholle die uns Nahrung trägt,
Der Tempel wo wir gläubig knieen,
Die soll kein frevler Spott entweihn,
Dem Feigen Schmach und Schamerröthen,
Der an des Heiligthumes Schrein
Läßt eine falsche Sohle treten!
Fühlſt du ein Gaſt dich wie er lieb
Dir an dem eignen Hausaltare,
Dann friſch heran — nicht wie ein Dieb,
Nein, friſch, mit fröhlicher Fanfare!
Wer unſres Landes Sitte ehrt,
Und auch dem ſeinen hält die Treue —
Hier iſt der Sitz an unſerm Heerd!
Hier unſres Bruderkuſſes Weihe!
Wer fremden Volkes Herzen ſtellt
Gleich ſeinem in gerechter Wage —
Hier unſre Hand, daß er das Zelt
Sich auf bei unſern Zelten ſchlage!
Doch ſagt ein glüh' Erröthen dir,
Du gönnteſt lieber einer andern
Als deiner Schwelle gleiche Zier —
Brich auf, und mögeſt eilends wandern!
Wir ſind ein friedlich ſtill Geſchlecht
Mit lichtem Blick und blonden Haaren,
Doch unſres Heerdes heilig Recht
Das wiſſen kräftig wir zu wahren.
Die Luft die unſern Odem regt,
Der Grund wo unſre Gräber blühen,
Die Scholle die uns Nahrung trägt,
Der Tempel wo wir gläubig knieen,
Die ſoll kein frevler Spott entweihn,
Dem Feigen Schmach und Schamerröthen,
Der an des Heiligthumes Schrein
Läßt eine falſche Sohle treten!
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[4/0018] Fühlſt du ein Gaſt dich wie er lieb Dir an dem eignen Hausaltare, Dann friſch heran — nicht wie ein Dieb, Nein, friſch, mit fröhlicher Fanfare! Wer unſres Landes Sitte ehrt, Und auch dem ſeinen hält die Treue — Hier iſt der Sitz an unſerm Heerd! Hier unſres Bruderkuſſes Weihe! Wer fremden Volkes Herzen ſtellt Gleich ſeinem in gerechter Wage — Hier unſre Hand, daß er das Zelt Sich auf bei unſern Zelten ſchlage! Doch ſagt ein glüh' Erröthen dir, Du gönnteſt lieber einer andern Als deiner Schwelle gleiche Zier — Brich auf, und mögeſt eilends wandern! Wir ſind ein friedlich ſtill Geſchlecht Mit lichtem Blick und blonden Haaren, Doch unſres Heerdes heilig Recht Das wiſſen kräftig wir zu wahren. Die Luft die unſern Odem regt, Der Grund wo unſre Gräber blühen, Die Scholle die uns Nahrung trägt, Der Tempel wo wir gläubig knieen, Die ſoll kein frevler Spott entweihn, Dem Feigen Schmach und Schamerröthen, Der an des Heiligthumes Schrein Läßt eine falſche Sohle treten!

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Zitationshilfe: Droste-Hülshoff, Annette von: Gedichte. Stuttgart u. a., 1844, S. 4. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/droste_gedichte_1844/18>, abgerufen am 24.04.2019.