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Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 1. Hamburg, 1779.

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Vorbericht.

Ehe ich aber von meinen Lesern Abschied
nehme, sei es mir vergönt, junge Erzieher
auf eine Nebenabsicht aufmerksam zu machen,
die mir bei der Ausarbeitung dieses Buchs
gleichfals, als ungemein wichtig, vor Augen
schwebte. Ich hofte nemlich, durch eine treue
Darstellung wirklicher Familienscenen ein für
angehende Pädagogen nicht überflüssiges Bei-
spiel des väterlichen und kindlichen Verhältnis-
ses zu geben, welches zwischen dem Erzieher
und seinen Zöglingen nothwendig obwalten
muß. Wo dieses glükliche Verhältniß in sei-
ner ganzen Natürlichkeit einmahl eingeführt
worden ist: da sinken viele der sitlichen Erzie-
hung entgegenstehende Klippen von selbst nie-
der: wo dieses aber nicht ist, -- nun da
nimt man seine Zuflucht zu dem Kompaß pä-
dagogischer Künsteleien, dessen Abweichungen
so mannigfaltig, und durch hinlängliche Be-

obach-
Vorbericht.

Ehe ich aber von meinen Leſern Abſchied
nehme, ſei es mir vergoͤnt, junge Erzieher
auf eine Nebenabſicht aufmerkſam zu machen,
die mir bei der Ausarbeitung dieſes Buchs
gleichfals, als ungemein wichtig, vor Augen
ſchwebte. Ich hofte nemlich, durch eine treue
Darſtellung wirklicher Familienſcenen ein fuͤr
angehende Paͤdagogen nicht uͤberfluͤſſiges Bei-
ſpiel des vaͤterlichen und kindlichen Verhaͤltniſ-
ſes zu geben, welches zwiſchen dem Erzieher
und ſeinen Zoͤglingen nothwendig obwalten
muß. Wo dieſes gluͤkliche Verhaͤltniß in ſei-
ner ganzen Natuͤrlichkeit einmahl eingefuͤhrt
worden iſt: da ſinken viele der ſitlichen Erzie-
hung entgegenſtehende Klippen von ſelbſt nie-
der: wo dieſes aber nicht iſt, — nun da
nimt man ſeine Zuflucht zu dem Kompaß paͤ-
dagogiſcher Kuͤnſteleien, deſſen Abweichungen
ſo mannigfaltig, und durch hinlaͤngliche Be-

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[[XXVI]/0034] Vorbericht. Ehe ich aber von meinen Leſern Abſchied nehme, ſei es mir vergoͤnt, junge Erzieher auf eine Nebenabſicht aufmerkſam zu machen, die mir bei der Ausarbeitung dieſes Buchs gleichfals, als ungemein wichtig, vor Augen ſchwebte. Ich hofte nemlich, durch eine treue Darſtellung wirklicher Familienſcenen ein fuͤr angehende Paͤdagogen nicht uͤberfluͤſſiges Bei- ſpiel des vaͤterlichen und kindlichen Verhaͤltniſ- ſes zu geben, welches zwiſchen dem Erzieher und ſeinen Zoͤglingen nothwendig obwalten muß. Wo dieſes gluͤkliche Verhaͤltniß in ſei- ner ganzen Natuͤrlichkeit einmahl eingefuͤhrt worden iſt: da ſinken viele der ſitlichen Erzie- hung entgegenſtehende Klippen von ſelbſt nie- der: wo dieſes aber nicht iſt, — nun da nimt man ſeine Zuflucht zu dem Kompaß paͤ- dagogiſcher Kuͤnſteleien, deſſen Abweichungen ſo mannigfaltig, und durch hinlaͤngliche Be- obach-

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Zitationshilfe: Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 1. Hamburg, 1779, S. [XXVI]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/campe_robinson01_1779/34>, abgerufen am 15.08.2020.