Am Dienstag, dem 19. November 2019, finden von 9 bis 14 Uhr Wartungsarbeiten an unseren Servern statt. Bitte beachten Sie, dass die DTA-Seiten in dieser Zeit nicht erreichbar sein werden.
Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Brockes, Barthold Heinrich: Jrdisches Vergnügen in Gott. Bd. 2. Hamburg, 1727.

Bild:
<< vorherige Seite

Des Firmaments verklär'te Heiterkeit
Erheb't und noch vermehrt. Ein Berg, der dunkel-grau,
Lässt dort auf Purpur-farbnen Spitzen
Den äussern Rand, wie reines Silber, blitzen,
Den der sapphirne Grund noch eins so helle macht.
Ein güld'ner Umstrich schmückt in ungemeiner Pracht
So manchen dunkel-braunen Kreis.
Rot, Purpur, Leibfarb, blau, grau, grünlich, gelb und weiß
Erfüllt und ziert in dem bestral'ten Duft
Anitzt die reine Luft.
Hier scheint ein grosser Platz von Gold ein güld'nes Meer,
Das dörten glatt, und hier voll kleiner güld'nen Wellen,
Jn blauen Ufern vorzustellen.
Man siehet öfters mit Vergnügen
Jn diesem Luft-Meer', eben so
Als wie im Archipelago,
Viel' Jnseln, die zerstreuet, liegen.
Jm Westen siehet man bald halb- bald ganze Spuren
Von wunderlich geformten Creaturen,
Manch ungeheuren Wall-Fisch schwimmen,
Und manchen feurigen ergrimmten Drachen glimmen.
Hier scheinet manch Gewölk, als wenn's ein wilder Bär,
Dort eins, als wenn's ein Pferd in vollen Sprüngen wär'.
Ein Meilen langer Ries', umringt von kleinen Zwergen,
Entstehet und vergeht. Auf hohen güld'nen Bergen
Wächst Angesichts ein Baum, der schwebet sanft daher;
Allein im Augenblick erblickt man ihn nicht mehr.
Es wird aus seinem Stamm ein Vogel, ein Gesicht,
Und bald ein leeres Nichts. Hier sieht man rote Schlösser,
Da Türme stehn, dort Masken, welche grösser,
Als eine ganze Stadt. Bald lassen sich Armeen
Mit Fanen, Spiess- und Degen sehen.

Hier
A 3

Des Firmaments verklaͤr’te Heiterkeit
Erheb’t und noch vermehrt. Ein Berg, der dunkel-grau,
Laͤſſt dort auf Purpur-farbnen Spitzen
Den aͤuſſern Rand, wie reines Silber, blitzen,
Den der ſapphirne Grund noch eins ſo helle macht.
Ein guͤld’ner Umſtrich ſchmuͤckt in ungemeiner Pracht
So manchen dunkel-braunen Kreis.
Rot, Purpur, Leibfarb, blau, grau, gruͤnlich, gelb und weiß
Erfuͤllt und ziert in dem beſtral’ten Duft
Anitzt die reine Luft.
Hier ſcheint ein groſſer Platz von Gold ein guͤld’nes Meer,
Das doͤrten glatt, und hier voll kleiner guͤld’nen Wellen,
Jn blauen Ufern vorzuſtellen.
Man ſiehet oͤfters mit Vergnuͤgen
Jn dieſem Luft-Meer’, eben ſo
Als wie im Archipelago,
Viel’ Jnſeln, die zerſtreuet, liegen.
Jm Weſten ſiehet man bald halb- bald ganze Spuren
Von wunderlich geformten Creaturen,
Manch ungeheuren Wall-Fiſch ſchwimmen,
Und manchen feurigen ergrimmten Drachen glimmen.
Hier ſcheinet manch Gewoͤlk, als wenn’s ein wilder Baͤr,
Dort eins, als wenn’s ein Pferd in vollen Spruͤngen waͤr’.
Ein Meilen langer Rieſ’, umringt von kleinen Zwergen,
Entſtehet und vergeht. Auf hohen guͤld’nen Bergen
Waͤchſt Angeſichts ein Baum, der ſchwebet ſanft daher;
Allein im Augenblick erblickt man ihn nicht mehr.
Es wird aus ſeinem Stamm ein Vogel, ein Geſicht,
Und bald ein leeres Nichts. Hier ſieht man rote Schloͤſſer,
Da Tuͤrme ſtehn, dort Maſken, welche groͤſſer,
Als eine ganze Stadt. Bald laſſen ſich Armeen
Mit Fanen, Spieſſ- und Degen ſehen.

Hier
A 3
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <lg n="1">
            <l><pb facs="#f0041" n="5"/>
Des Firmaments verkla&#x0364;r&#x2019;te Heiterkeit</l><lb/>
            <l>Erheb&#x2019;t und noch vermehrt. Ein Berg, der dunkel-grau,</l><lb/>
            <l>La&#x0364;&#x017F;&#x017F;t dort auf Purpur-farbnen Spitzen</l><lb/>
            <l>Den a&#x0364;u&#x017F;&#x017F;ern Rand, wie reines Silber, blitzen,</l><lb/>
            <l>Den der &#x017F;apphirne Grund noch eins &#x017F;o helle macht.</l><lb/>
            <l>Ein gu&#x0364;ld&#x2019;ner Um&#x017F;trich &#x017F;chmu&#x0364;ckt in ungemeiner Pracht</l><lb/>
            <l>So manchen dunkel-braunen Kreis.</l><lb/>
            <l>Rot, Purpur, Leibfarb, blau, grau, gru&#x0364;nlich, gelb und weiß</l><lb/>
            <l>Erfu&#x0364;llt und ziert in dem be&#x017F;tral&#x2019;ten Duft</l><lb/>
            <l>Anitzt die reine Luft.</l><lb/>
            <l>Hier &#x017F;cheint ein gro&#x017F;&#x017F;er Platz von Gold ein gu&#x0364;ld&#x2019;nes Meer,</l><lb/>
            <l>Das do&#x0364;rten glatt, und hier voll kleiner gu&#x0364;ld&#x2019;nen Wellen,</l><lb/>
            <l>Jn blauen Ufern vorzu&#x017F;tellen.</l><lb/>
            <l>Man &#x017F;iehet o&#x0364;fters mit Vergnu&#x0364;gen</l><lb/>
            <l>Jn die&#x017F;em Luft-Meer&#x2019;, eben &#x017F;o</l><lb/>
            <l>Als wie im Archipelago,</l><lb/>
            <l>Viel&#x2019; Jn&#x017F;eln, die zer&#x017F;treuet, liegen.</l><lb/>
            <l>Jm We&#x017F;ten &#x017F;iehet man bald halb- bald ganze Spuren</l><lb/>
            <l>Von wunderlich geformten Creaturen,</l><lb/>
            <l>Manch ungeheuren Wall-Fi&#x017F;ch &#x017F;chwimmen,</l><lb/>
            <l>Und manchen feurigen ergrimmten Drachen glimmen.</l><lb/>
            <l>Hier &#x017F;cheinet manch Gewo&#x0364;lk, als wenn&#x2019;s ein wilder Ba&#x0364;r,</l><lb/>
            <l>Dort eins, als wenn&#x2019;s ein Pferd in vollen Spru&#x0364;ngen wa&#x0364;r&#x2019;.</l><lb/>
            <l>Ein Meilen langer Rie&#x017F;&#x2019;, umringt von kleinen Zwergen,</l><lb/>
            <l>Ent&#x017F;tehet und vergeht. Auf hohen gu&#x0364;ld&#x2019;nen Bergen</l><lb/>
            <l>Wa&#x0364;ch&#x017F;t Ange&#x017F;ichts ein Baum, der &#x017F;chwebet &#x017F;anft daher;</l><lb/>
            <l>Allein im Augenblick erblickt man ihn nicht mehr.</l><lb/>
            <l>Es wird aus &#x017F;einem Stamm ein Vogel, ein Ge&#x017F;icht,</l><lb/>
            <l>Und bald ein leeres Nichts. Hier &#x017F;ieht man rote Schlo&#x0364;&#x017F;&#x017F;er,</l><lb/>
            <l>Da Tu&#x0364;rme &#x017F;tehn, dort Ma&#x017F;ken, welche gro&#x0364;&#x017F;&#x017F;er,</l><lb/>
            <l>Als eine ganze Stadt. Bald la&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ich Armeen</l><lb/>
            <l>Mit Fanen, Spie&#x017F;&#x017F;- und Degen &#x017F;ehen.</l><lb/>
            <l>
              <fw place="bottom" type="sig">A 3</fw>
              <fw place="bottom" type="catch">Hier</fw><lb/>
            </l>
          </lg>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[5/0041] Des Firmaments verklaͤr’te Heiterkeit Erheb’t und noch vermehrt. Ein Berg, der dunkel-grau, Laͤſſt dort auf Purpur-farbnen Spitzen Den aͤuſſern Rand, wie reines Silber, blitzen, Den der ſapphirne Grund noch eins ſo helle macht. Ein guͤld’ner Umſtrich ſchmuͤckt in ungemeiner Pracht So manchen dunkel-braunen Kreis. Rot, Purpur, Leibfarb, blau, grau, gruͤnlich, gelb und weiß Erfuͤllt und ziert in dem beſtral’ten Duft Anitzt die reine Luft. Hier ſcheint ein groſſer Platz von Gold ein guͤld’nes Meer, Das doͤrten glatt, und hier voll kleiner guͤld’nen Wellen, Jn blauen Ufern vorzuſtellen. Man ſiehet oͤfters mit Vergnuͤgen Jn dieſem Luft-Meer’, eben ſo Als wie im Archipelago, Viel’ Jnſeln, die zerſtreuet, liegen. Jm Weſten ſiehet man bald halb- bald ganze Spuren Von wunderlich geformten Creaturen, Manch ungeheuren Wall-Fiſch ſchwimmen, Und manchen feurigen ergrimmten Drachen glimmen. Hier ſcheinet manch Gewoͤlk, als wenn’s ein wilder Baͤr, Dort eins, als wenn’s ein Pferd in vollen Spruͤngen waͤr’. Ein Meilen langer Rieſ’, umringt von kleinen Zwergen, Entſtehet und vergeht. Auf hohen guͤld’nen Bergen Waͤchſt Angeſichts ein Baum, der ſchwebet ſanft daher; Allein im Augenblick erblickt man ihn nicht mehr. Es wird aus ſeinem Stamm ein Vogel, ein Geſicht, Und bald ein leeres Nichts. Hier ſieht man rote Schloͤſſer, Da Tuͤrme ſtehn, dort Maſken, welche groͤſſer, Als eine ganze Stadt. Bald laſſen ſich Armeen Mit Fanen, Spieſſ- und Degen ſehen. Hier A 3

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen02_1727
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen02_1727/41
Zitationshilfe: Brockes, Barthold Heinrich: Jrdisches Vergnügen in Gott. Bd. 2. Hamburg, 1727, S. 5. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen02_1727/41>, abgerufen am 14.11.2019.