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Bergmann, Ernst von: Die Schicksale der Transfusion im letzten Decennium. Rede, gehalten zur Feier des Stiftungstages der militär-ärztlichen Bildungsanstalten am 2. August 1883. Berlin, 1883.

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gerade so, wie das eigene. Hierin besteht kein
Unterschied. Die schwersten Fälle der Fermentintoxication
sind allemal diejenigen, welche mit Hämoglobinurie sich
verbinden.

Obgleich durch Naunyn schon die giftigen Wirkungen
des Hämoglobin bekannt geworden waren, haben doch erst
Alexander Schmidt's und seiner Schüler Studien die
Beziehungen dieses Körpers zum Gerinnungsprocesse und
namentlich der intravasculären Coagulation klar gelegt.

Die Hämoglobinämie spielt auch auf anderen Gebieten,
als dem der Transfusion eine wichtige Rolle. Wie ich
versucht habe, die Erscheinungen der Fermentintoxication
am Krankenbette und in ihrem Verhältnisse zur Intoxication
mit Fäulnissalkaloiden zu gruppiren, so hat Ponfick das
auch soeben25) mit denjenigen Krankheitsfällen gethan, bei
welchen freies Hämoglobin im kreisenden Blute vorhanden
ist, Fälle, die er zuerst als Hämoglobinämie zusammengefasst
hat. Das Analoge in beiden Krankheitsreihen liegt
auf der Hand, die Begründung des Unterscheidenden bedarf
weiterer Untersuchungen. Ebenso bleibt noch festzustellen,
warum das Hämoglobin einzelner Thiere stärker lösend als
das anderer auf dieselben Blutkörperchen wirkt, ein
Verhältniss, welches den Zerfall der rothen Zellen bei Mischung
heterogener Blutarten wol erklären dürfte. Zunächst steht
nur so viel fest, dass das Hämoglobin ganz nahe verwandter
Thierspecies sich chemisch sehr verschiedenartig verhalten
kann26).

Doch auch diese Fragen liegen meinem Referate und
meinen Folgerungen ferner, will ich doch nur eines


gerade so, wie das eigene. Hierin besteht kein
Unterschied. Die schwersten Fälle der Fermentintoxication
sind allemal diejenigen, welche mit Hämoglobinurie sich
verbinden.

Obgleich durch Naunyn schon die giftigen Wirkungen
des Hämoglobin bekannt geworden waren, haben doch erst
Alexander Schmidt's und seiner Schüler Studien die
Beziehungen dieses Körpers zum Gerinnungsprocesse und
namentlich der intravasculären Coagulation klar gelegt.

Die Hämoglobinämie spielt auch auf anderen Gebieten,
als dem der Transfusion eine wichtige Rolle. Wie ich
versucht habe, die Erscheinungen der Fermentintoxication
am Krankenbette und in ihrem Verhältnisse zur Intoxication
mit Fäulnissalkaloiden zu gruppiren, so hat Ponfick das
auch soeben25) mit denjenigen Krankheitsfällen gethan, bei
welchen freies Hämoglobin im kreisenden Blute vorhanden
ist, Fälle, die er zuerst als Hämoglobinämie zusammengefasst
hat. Das Analoge in beiden Krankheitsreihen liegt
auf der Hand, die Begründung des Unterscheidenden bedarf
weiterer Untersuchungen. Ebenso bleibt noch festzustellen,
warum das Hämoglobin einzelner Thiere stärker lösend als
das anderer auf dieselben Blutkörperchen wirkt, ein
Verhältniss, welches den Zerfall der rothen Zellen bei Mischung
heterogener Blutarten wol erklären dürfte. Zunächst steht
nur so viel fest, dass das Hämoglobin ganz nahe verwandter
Thierspecies sich chemisch sehr verschiedenartig verhalten
kann26).

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meinen Folgerungen ferner, will ich doch nur eines

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[25/0025] gerade so, wie das eigene. Hierin besteht kein Unterschied. Die schwersten Fälle der Fermentintoxication sind allemal diejenigen, welche mit Hämoglobinurie sich verbinden. Obgleich durch Naunyn schon die giftigen Wirkungen des Hämoglobin bekannt geworden waren, haben doch erst Alexander Schmidt's und seiner Schüler Studien die Beziehungen dieses Körpers zum Gerinnungsprocesse und namentlich der intravasculären Coagulation klar gelegt. Die Hämoglobinämie spielt auch auf anderen Gebieten, als dem der Transfusion eine wichtige Rolle. Wie ich versucht habe, die Erscheinungen der Fermentintoxication am Krankenbette und in ihrem Verhältnisse zur Intoxication mit Fäulnissalkaloiden zu gruppiren, so hat Ponfick das auch soeben ²⁵⁾ mit denjenigen Krankheitsfällen gethan, bei welchen freies Hämoglobin im kreisenden Blute vorhanden ist, Fälle, die er zuerst als Hämoglobinämie zusammengefasst hat. Das Analoge in beiden Krankheitsreihen liegt auf der Hand, die Begründung des Unterscheidenden bedarf weiterer Untersuchungen. Ebenso bleibt noch festzustellen, warum das Hämoglobin einzelner Thiere stärker lösend als das anderer auf dieselben Blutkörperchen wirkt, ein Verhältniss, welches den Zerfall der rothen Zellen bei Mischung heterogener Blutarten wol erklären dürfte. Zunächst steht nur so viel fest, dass das Hämoglobin ganz nahe verwandter Thierspecies sich chemisch sehr verschiedenartig verhalten kann ²⁶⁾ . Doch auch diese Fragen liegen meinem Referate und meinen Folgerungen ferner, will ich doch nur eines

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Zitationshilfe: Bergmann, Ernst von: Die Schicksale der Transfusion im letzten Decennium. Rede, gehalten zur Feier des Stiftungstages der militär-ärztlichen Bildungsanstalten am 2. August 1883. Berlin, 1883, S. 25. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bergmann_transfusion_1883/25>, abgerufen am 22.10.2019.