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Martens, Eduard von: Die preussische Expedition nach Ost-Asien. Nach amtlichen Quellen. Zoologischer Teil. Zweiter Band. Berlin, 1867.

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III.
JAPANISCHE LANDSCHNECKEN.


Ueber die japanischen Land- und Süsswassermollusken war vor dem
Abgange der preussischen Expedition dahin wenig bekannt. Die
älteren europäischen Originalschriftsteller über Japan, wie Kämpffer
und Thunberg, gehen für diesen Zweig nicht in's Einzelne ein; die
an sich spärlichen Angaben der japanischen Encyclopädie sind ohne
vorherige Kenntniss der dortigen Arten kaum zu deuten und
behandeln die Landschnecken nur in zwei Artikeln: Nackt- und
Hausschnecken (vgl. den ersten Theil S. 131). Das durch Siebold
1823--1830 in Japan zusammengebrachte nicht unbedeutende Material
an Land- und Süsswasserschnecken lag unbearbeitet im Reichs-
museum zu Leyden. Einige sehr charakteristische Helixarten aus Japan
fanden sich allerdings schon in den systematischen Werken von
Ferussac und L. Pfeiffer, so zwei verschiedene Helix Japonica, die
erste von 1847, und Clausilia Buschi, schon ein Jahr früher; ein
spezieller Fundort war von keiner bekannt, von einigen wusste man
gar nicht, dass sie überhaupt aus Japan stammen, sondern gab
"die Molukken" als Vaterland an, vermuthlich indem sie über Java
nach Holland gebracht worden waren; andere waren aus Siebold's
Sammlungen in andere Hände gekommen und daher mit "Japan" im
Allgemeinen bezeichnet. Die ersten Detailangaben waren die Folge
der Eröffnung Japan's durch die Amerikaner, in deren offiziellem
Reiseberichte, Band II. 1856 erschienen, zwei Land- und eine Süss-
wasserschnecke aus Simoda durch Jay als neue Arten beschrieben
sind; dass die zwei ersteren schon in europäischen Sammlungen
unter anderen Namen als Seltenheiten vorhanden waren, wusste und
ahnte er nicht. Als ich im November 1859 unmittelbar vor Antritt der
Expedition Leyden besuchte, um mich vorläufig mit den dortigen
Schätzen der japanischen Fauna bekannt zu machen, wandte ich daher

III.
JAPANISCHE LANDSCHNECKEN.


Ueber die japanischen Land- und Süsswassermollusken war vor dem
Abgange der preussischen Expedition dahin wenig bekannt. Die
älteren europäischen Originalschriftsteller über Japan, wie Kämpffer
und Thunberg, gehen für diesen Zweig nicht in’s Einzelne ein; die
an sich spärlichen Angaben der japanischen Encyclopädie sind ohne
vorherige Kenntniss der dortigen Arten kaum zu deuten und
behandeln die Landschnecken nur in zwei Artikeln: Nackt- und
Hausschnecken (vgl. den ersten Theil S. 131). Das durch Siebold
1823—1830 in Japan zusammengebrachte nicht unbedeutende Material
an Land- und Süsswasserschnecken lag unbearbeitet im Reichs-
museum zu Leyden. Einige sehr charakteristische Helixarten aus Japan
fanden sich allerdings schon in den systematischen Werken von
Ferussac und L. Pfeiffer, so zwei verschiedene Helix Japonica, die
erste von 1847, und Clausilia Buschi, schon ein Jahr früher; ein
spezieller Fundort war von keiner bekannt, von einigen wusste man
gar nicht, dass sie überhaupt aus Japan stammen, sondern gab
»die Molukken« als Vaterland an, vermuthlich indem sie über Java
nach Holland gebracht worden waren; andere waren aus Siebold’s
Sammlungen in andere Hände gekommen und daher mit »Japan« im
Allgemeinen bezeichnet. Die ersten Detailangaben waren die Folge
der Eröffnung Japan’s durch die Amerikaner, in deren offiziellem
Reiseberichte, Band II. 1856 erschienen, zwei Land- und eine Süss-
wasserschnecke aus Simoda durch Jay als neue Arten beschrieben
sind; dass die zwei ersteren schon in europäischen Sammlungen
unter anderen Namen als Seltenheiten vorhanden waren, wusste und
ahnte er nicht. Als ich im November 1859 unmittelbar vor Antritt der
Expedition Leyden besuchte, um mich vorläufig mit den dortigen
Schätzen der japanischen Fauna bekannt zu machen, wandte ich daher

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[[9]/0029] III. JAPANISCHE LANDSCHNECKEN. Ueber die japanischen Land- und Süsswassermollusken war vor dem Abgange der preussischen Expedition dahin wenig bekannt. Die älteren europäischen Originalschriftsteller über Japan, wie Kämpffer und Thunberg, gehen für diesen Zweig nicht in’s Einzelne ein; die an sich spärlichen Angaben der japanischen Encyclopädie sind ohne vorherige Kenntniss der dortigen Arten kaum zu deuten und behandeln die Landschnecken nur in zwei Artikeln: Nackt- und Hausschnecken (vgl. den ersten Theil S. 131). Das durch Siebold 1823—1830 in Japan zusammengebrachte nicht unbedeutende Material an Land- und Süsswasserschnecken lag unbearbeitet im Reichs- museum zu Leyden. Einige sehr charakteristische Helixarten aus Japan fanden sich allerdings schon in den systematischen Werken von Ferussac und L. Pfeiffer, so zwei verschiedene Helix Japonica, die erste von 1847, und Clausilia Buschi, schon ein Jahr früher; ein spezieller Fundort war von keiner bekannt, von einigen wusste man gar nicht, dass sie überhaupt aus Japan stammen, sondern gab »die Molukken« als Vaterland an, vermuthlich indem sie über Java nach Holland gebracht worden waren; andere waren aus Siebold’s Sammlungen in andere Hände gekommen und daher mit »Japan« im Allgemeinen bezeichnet. Die ersten Detailangaben waren die Folge der Eröffnung Japan’s durch die Amerikaner, in deren offiziellem Reiseberichte, Band II. 1856 erschienen, zwei Land- und eine Süss- wasserschnecke aus Simoda durch Jay als neue Arten beschrieben sind; dass die zwei ersteren schon in europäischen Sammlungen unter anderen Namen als Seltenheiten vorhanden waren, wusste und ahnte er nicht. Als ich im November 1859 unmittelbar vor Antritt der Expedition Leyden besuchte, um mich vorläufig mit den dortigen Schätzen der japanischen Fauna bekannt zu machen, wandte ich daher

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Zitationshilfe: Martens, Eduard von: Die preussische Expedition nach Ost-Asien. Nach amtlichen Quellen. Zoologischer Teil. Zweiter Band. Berlin, 1867, S. [9]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/berg_ostasienzoologie02_1867/29>, abgerufen am 12.11.2019.