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Martens, Georg von: Die preussische Expedition nach Ost-Asien. Nach amtlichen Quellen. Vierter Band. Berlin, 1873.

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XV. Bewegungen der Expeditionsmitglieder.
desten Luftsprünge machen. Einige tragen räthselhafte Embleme.
Das Toben soll wohl die Feuergeister verscheuchen; denn der Chi-
nese ist über die Maassen wundersüchtig und packt alle Dinge von
dieser Seite an. -- Reizend ist das Schauspiel Abends: dann er-
hellen tausend Papierlaternen die Gassen, theils einzeln auf Stöcken,
theils als Gehänge an hohen Stangen getragen, oft in schirmförmiger
Anordnung, -- wobei an den einzelnen Stäben des Regenschirmes
winzige bunte Lämpchen herabhängen, -- und hundert phantastischen
Formen. In solchen Erfindungen ist der Chinese Meister; Feuer- und
Lichtglanz sind seine Wonne.


Bald nach der Ankunft in Tien-tsin brachen der Prediger
Kreiher und Herr Wilhelm Heine aus New-York unter americani-
schem Pass mit einigen Missionaren nach Pe-kin auf, von wo sie
am 15. Mai zurückkehrten. Herr Heine ging am 29. Mai abermals
dahin, um durch Sibirien nach Europa zu reisen, fand aber die
von der chinesischen Regierung bereiteten Hindernisse unüberwindlich
und kehrte am 28. Juni nach Tien-tsin zurück. Er blieb dort nur
bis zum 3. Juli, ging dann von Ta-ku aus auf einer englischen
Brigg nach Nangasaki und kam mit der preussischen Expe-
dition in keine weitere Berührung. -- Auch der Kaufmann Spiess
machte einen kurzen Besuch in Tien-tsin und Pe-kin, ging dann
nach dem Süden und erwartete das Geschwader in Hong-kong. --
Der Photograph Bismarck arbeitete in Tien-tsin längere Zeit so
angestrengt, dass er erkrankte und Anfang Juli auf die Arkona
übersiedeln musste, die von Tsi-fu Ende Juni nach der Pei-ho-
Mündung
zurückkehrte. -- Bei den im Mai herrschenden Stürmen
war ihr Aufenthalt auf der Rhede von Ta-ku höchst unbequem
und nutzlos, die Verbindung mit dem Lande oft Tage lang unter-
brochen, noch schwieriger der Verkehr mit Tien-tsin gewesen.
Gingen nicht Kanonenboote, so musste die Strecke zu Lande ge-
macht werden, denn die lange Fahrt auf dem Fluss war für Ruder-
boote des Fluthwechsels wegen selbst stromabwärts mühselig.
Bei heftigem Winde liefen sogar Kanonenboote nur mit Gefahr
über die Untiefen der Rhede. Der englische Dampfer Sphinx, der
Mitte Mai vor Ta-ku erschien, konnte mehrere Tage nicht einmal
die Post landen. Eine reisbeladene Brigg strandete auf der Barre

XV. Bewegungen der Expeditionsmitglieder.
desten Luftsprünge machen. Einige tragen räthselhafte Embleme.
Das Toben soll wohl die Feuergeister verscheuchen; denn der Chi-
nese ist über die Maassen wundersüchtig und packt alle Dinge von
dieser Seite an. — Reizend ist das Schauspiel Abends: dann er-
hellen tausend Papierlaternen die Gassen, theils einzeln auf Stöcken,
theils als Gehänge an hohen Stangen getragen, oft in schirmförmiger
Anordnung, — wobei an den einzelnen Stäben des Regenschirmes
winzige bunte Lämpchen herabhängen, — und hundert phantastischen
Formen. In solchen Erfindungen ist der Chinese Meister; Feuer- und
Lichtglanz sind seine Wonne.


Bald nach der Ankunft in Tien-tsin brachen der Prediger
Kreiher und Herr Wilhelm Heine aus New-York unter americani-
schem Pass mit einigen Missionaren nach Pe-kiṅ auf, von wo sie
am 15. Mai zurückkehrten. Herr Heine ging am 29. Mai abermals
dahin, um durch Sibirien nach Europa zu reisen, fand aber die
von der chinesischen Regierung bereiteten Hindernisse unüberwindlich
und kehrte am 28. Juni nach Tien-tsin zurück. Er blieb dort nur
bis zum 3. Juli, ging dann von Ta-ku aus auf einer englischen
Brigg nach Naṅgasaki und kam mit der preussischen Expe-
dition in keine weitere Berührung. — Auch der Kaufmann Spiess
machte einen kurzen Besuch in Tien-tsin und Pe-kiṅ, ging dann
nach dem Süden und erwartete das Geschwader in Hong-kong. —
Der Photograph Bismarck arbeitete in Tien-tsin längere Zeit so
angestrengt, dass er erkrankte und Anfang Juli auf die Arkona
übersiedeln musste, die von Tši-fu Ende Juni nach der Pei-ho-
Mündung
zurückkehrte. — Bei den im Mai herrschenden Stürmen
war ihr Aufenthalt auf der Rhede von Ta-ku höchst unbequem
und nutzlos, die Verbindung mit dem Lande oft Tage lang unter-
brochen, noch schwieriger der Verkehr mit Tien-tsin gewesen.
Gingen nicht Kanonenboote, so musste die Strecke zu Lande ge-
macht werden, denn die lange Fahrt auf dem Fluss war für Ruder-
boote des Fluthwechsels wegen selbst stromabwärts mühselig.
Bei heftigem Winde liefen sogar Kanonenboote nur mit Gefahr
über die Untiefen der Rhede. Der englische Dampfer Sphinx, der
Mitte Mai vor Ta-ku erschien, konnte mehrere Tage nicht einmal
die Post landen. Eine reisbeladene Brigg strandete auf der Barre

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[31/0045] XV. Bewegungen der Expeditionsmitglieder. desten Luftsprünge machen. Einige tragen räthselhafte Embleme. Das Toben soll wohl die Feuergeister verscheuchen; denn der Chi- nese ist über die Maassen wundersüchtig und packt alle Dinge von dieser Seite an. — Reizend ist das Schauspiel Abends: dann er- hellen tausend Papierlaternen die Gassen, theils einzeln auf Stöcken, theils als Gehänge an hohen Stangen getragen, oft in schirmförmiger Anordnung, — wobei an den einzelnen Stäben des Regenschirmes winzige bunte Lämpchen herabhängen, — und hundert phantastischen Formen. In solchen Erfindungen ist der Chinese Meister; Feuer- und Lichtglanz sind seine Wonne. Bald nach der Ankunft in Tien-tsin brachen der Prediger Kreiher und Herr Wilhelm Heine aus New-York unter americani- schem Pass mit einigen Missionaren nach Pe-kiṅ auf, von wo sie am 15. Mai zurückkehrten. Herr Heine ging am 29. Mai abermals dahin, um durch Sibirien nach Europa zu reisen, fand aber die von der chinesischen Regierung bereiteten Hindernisse unüberwindlich und kehrte am 28. Juni nach Tien-tsin zurück. Er blieb dort nur bis zum 3. Juli, ging dann von Ta-ku aus auf einer englischen Brigg nach Naṅgasaki und kam mit der preussischen Expe- dition in keine weitere Berührung. — Auch der Kaufmann Spiess machte einen kurzen Besuch in Tien-tsin und Pe-kiṅ, ging dann nach dem Süden und erwartete das Geschwader in Hong-kong. — Der Photograph Bismarck arbeitete in Tien-tsin längere Zeit so angestrengt, dass er erkrankte und Anfang Juli auf die Arkona übersiedeln musste, die von Tši-fu Ende Juni nach der Pei-ho- Mündung zurückkehrte. — Bei den im Mai herrschenden Stürmen war ihr Aufenthalt auf der Rhede von Ta-ku höchst unbequem und nutzlos, die Verbindung mit dem Lande oft Tage lang unter- brochen, noch schwieriger der Verkehr mit Tien-tsin gewesen. Gingen nicht Kanonenboote, so musste die Strecke zu Lande ge- macht werden, denn die lange Fahrt auf dem Fluss war für Ruder- boote des Fluthwechsels wegen selbst stromabwärts mühselig. Bei heftigem Winde liefen sogar Kanonenboote nur mit Gefahr über die Untiefen der Rhede. Der englische Dampfer Sphinx, der Mitte Mai vor Ta-ku erschien, konnte mehrere Tage nicht einmal die Post landen. Eine reisbeladene Brigg strandete auf der Barre

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Zitationshilfe: Martens, Georg von: Die preussische Expedition nach Ost-Asien. Nach amtlichen Quellen. Vierter Band. Berlin, 1873, S. 31. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/berg_ostasien04_1873/45>, abgerufen am 20.09.2019.